Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

338 Presseschau-Absätze - Seite 27 von 34

Magazinrundschau vom 29.09.2003 - Outlook India

Das Brennpunkt-Thema Kaschmir zieht sich durch die Ausgabe: Vor fünf Wochen, schreibt Prem Shankar Jha, sah dort alles nach Frieden aus, dann kehrte die Gewalt zurück. Alles wir gehabt - Terror im Auftrag Pakistans? Nicht ganz, meint er - seiner Meinung nach soll Indien anders als früher nicht ausgeblutet, sondern an den Verhandlungstisch gezwungen werden, während die indische Regierung den Beginn eines Dialogs vom Ende der Übergriffe abhängig macht.

Die Auseinandersetzung wurde vergangene Woche auch vor der UNO fortgeführt: Der pakistanische Präsident Musharraf griff die indische Regierung in seiner Rede vor den Delegierten scharf an; Atal Behari Vajpayee konterte einen Tag später im Wettbewerb um internationale Glaubwürdigkeit. V. Sudarshan war dabei, als der indische Premier am Rande der UN-Vollversammlung mit George W. Bush beim Mittagessen saß, und hat ihnen auf Teller und Mund geschaut. Viel Hoffnung auf einen baldigen pakistanisch-indischen Dialog hat auch er nicht.

Im Bundesstaat Maharashtra, berichtet Saumya Roy, herrscht bereits seit vier Jahren Dürre - und in diesem Jahr ist es am schlimmsten. Die Leute haben ihre Farmen verlassen und spalten Steine, um etwas zu essen zu haben. Und sie hoffen auf das Flugzeug, das die Wolken zum Regnen bringen soll.

Außerdem: Ashis K. Biswas sieht mit Rituparno Ghoshs Film "Choker Bali", der derzeit die internationalen Festivals tourt, Hoffnung für indisches Kino jenseits von Bollywood keimen. Madhu Jain porträtiert eine einzigartige Film-Dynastie: Die vier Generationen umfassende Schauspielerinnen-Familie Samarth-Mukherjee. Schließlich weist Sam Miller auf eine wundersame Geschichte hin: die eines exzentrischen Engländers von zwergenhaftem Wuchs, der 1608 zu Fuß nach Indien lief. Doch es kommt noch besser. Das Buch nämlich, das Dom Moraes and Sarayu Srivatsa über ihn geschrieben haben, steht Miller zufolge seinem eigenartigen Helden in nichts nach. Nur online gibt es außerdem einen Nachruf von Omar Barthoutie auf Edward Said.

Magazinrundschau vom 22.09.2003 - Outlook India

Es ist das alte Lied: Die Großen lässt man laufen. Elf Jahre nach den hindu-nationalistischen Ausschreitungen, die in der Zerstörung der Babri-Moschee in Ayodha gipfelten, wurde zwar gegen eine Reihe von Funktionären der Regierungspartei BJP Anklage erhoben - Lal Krishna Advani (hier ein BBC-Porträt), der damals die Tempelbewegung anführte und heute stellvertretender Premierminister ist, wurde jedoch vom Vorwurf der Hetze freigesprochen. Ob er wirklich ungeschoren davonkommen wird, erörtert Saba Naqvi Bhaumik.

Vinod Bhardwaj lässt anlässlich des 75. Geburtstages von Lata Mangeshkar (mehr hier und hier, was zum Hören hier) die Karriere der "Stimme Indiens" Revue passieren: "Es war ein außergewöhnlicher Weg vom dreizehnjährigen Mädchen, das zu einer Gesangskarriere gezwungen wurde, um die verarmte Familie zu unterstützen, zur seit fünf Jahrzehnten unbestrittenen Herrscherin der Hindi-Filmmusik. Er begann beim großen alten Mann des Genres, Anil Biswas, und führte sie bis zum jungen Avantgardisten A. R. Rahman."

Außerdem: Prem Shankar Jha beklagt das amerikanische Veto gegen die von Syrien und dem Sudan angeregte UN-Resolution zum Schutz von Jassir Arafat als antizivilisatorisch und als Freibrief zur Tötung des palästinensischen Präsidenten. Murali Krishnan berichtet von der neuerlichen Terrorwelle in Jammu und Kaschmir: Seit Ende August kamen bei 181 Anschlägen und 15 Landminendetonationen mehr als 150 Menschen ums Leben. Und Namrati Joshi war in Hathras, einem vergessenen, rückständigen Ort so weit jenseits von Bollywood, wie es die Vorstellung erlaubt, um einen Blick in das Kino von Morgen zu werfen. Denn die Bilder auf der schmutzigen Leinwand des örtlichen Vorführsaals kamen aus dem Laptop ...

Magazinrundschau vom 15.09.2003 - Outlook India

Outlook hat eine Untersuchung durchgeführt und präsentiert schockierende Ergebnisse: Der indische Medikamentenmarkt ist von falschen Präparaten verseucht - jedes vierte Medikament ist nicht, was es scheint, und oft handelt es sich um teure, lebenswichtige Mittel, etwa gegen Krebs oder Tuberkulose. "Die Massenvernichtungswaffen sind vor unserer Nase!" warnt Arindam Mukherjee. "Wer und wo Sie auch sind - in Srinagar oder Kanyakumari, Mumbai oder Muzaffarnagar, in einer Metropole, einer Kleinstadt oder auf dem Dorf - Sie könnten in Gefahr sein. Bei jedem Besuch in ihrer Apotheke könnten Sie 'Todesmedizin' erstehen." Denn in Indien, hat die Untersuchung ergeben, wird ein Drittel der weltweit verkauften falschen Medikamente produziert.

Anita Pratap legt den Finger in tiefe Wunden: Schon möglich, dass Indien in bestimmte Bereichen, besonders der Technologie, eine führende Nation ist, das sei aber noch kein Grund für wohlige Gefühle. Denn da wären noch: "Armut, Korruption, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Ausbeutung, Ungerechtigkeit." Schuld, so Pratap, ist die Politik: Einflussreiche Kriminelle beeinflussen Politiker, das Justizsystem sorgt nicht für Gerechtigkeit, die Verwaltungsorgane sind mit politischen Günstlingen besetzt, behördliche Verfahren sind undurchsichtig, und statt nach Lösungen zu suchen, halte man sich mit kleinkrämerischen und sektiererischen Angelegenheiten auf. Die Probleme scheinen übermächtig, doch eine erster Schritt zur Besserung, meint Pratap, wäre ein Premierminister mit Visionen und Führungsqualitäten und eine behördliche Neuordnung, so dass "die richtigen Leute die richtigen Jobs machen".

Prem Shankar Jha blickt auf zwei Jahre "Krieg gegen den Terror" zurück, der Stunden nach dem Anschlägen des 11. Septembers erklärt wurde. Seine Bilanz: "Die USA sind in zwei Länder eingedrungen, haben zwei Regime bezwungen, bis zu 30.000 Zivilisten getötet, und zwei Länder in Schutt und Asche gelegt." Während Al Qaida weiter unbezwungen bleibt.

Außerdem: Murali Krishnan erstellt ein Profil vom neuen Typus des Kaschmir-Terroristen, dem "Jihadi der Cyber-Ära". Und Sheela Reddy hat im engen Gedränge der Touristen das Indira-Gandhi-Haus besucht und berichtet von der ungebrochen großen Popularität der vor fast zwei Jahrzehnten ermordeten Politikerin - mit der jetzt die Filmindustrie große Kasse machen will.

Magazinrundschau vom 08.09.2003 - Outlook India

Zwei Artikel beschäftigen sich mit dem Scheitern amerikanischer Politik: Prem Shankar Jha kommentiert den Entschluss der USA, die Verwaltung des Irak teilweise der UNO zu übergeben: zu wenig, zu spät, zu unwillig. "Es wird nicht verhindern, dass aus diesem unglücklichen Land der nächste gescheiterte Staat dieser Welt wird." Die Weichen dorthin seien von den Amerikanern gestellt worden: Die Infrastruktur funktioniert gerade soweit, dass die Besatzungstruppen versorgt sind, während die Irakis Hunger leiden und sterben. Der gewaltsame Widerstand wächst. "Staat, Verwaltung und Gesellschaft zerfallen" und Bush wisse nicht mehr weiter - deshalb der Ruf an die UNO, um zu retten, was fast nicht mehr zu retten sei.

Seema Sirohi nimmt zwei Jahre nach den Anschlägen des 11. September den Stand der Dinge in Sachen Terrorismusbekämpfung unter die Lupe: Die Amerikaner büßen Bürgerrechte ein, ohne sich sicherer zu fühlen, der Patriot Act wird selbst von Konservativen als Grundstein für einen Polizeistaat gesehen, der Krieg im Irak hat neuen Terror hervorgebracht, anstatt irgendeinen Teil der Welt sicherer zu machen. Und währenddessen formieren sich im Afghanistan die Taliban neu.

Knapp zwei Wochen nach dem Bombenanschlägen in Bombay gibt Priyanka Kakodkar den Stand der Ermittlungen wieder: Vier Personen, darunter zwei Frauen, wurden verhaftet und haben die Tat gestanden. Sie gehören einer Gruppe namens Gujarat Muslim Revenge Force an. Während ein in Dubai lebender Inder dem Anschein nach die Fäden gezogen hat, sind die vier Täter relativ mittellose Durchschnittsbürger und entsprechen in keinster Weise dem Stereotyp des "jungen, gebildeten Terroristen" - ein Fingerzeig auf die Existenz anderer einheimischer Terrorzellen, entstanden aus der Wut der Verzweiflung.

V. Krishnaswamy porträtiert die Weitspringerin Anju Bobby George, die für Indien die erste Medaille bei einer Leichtathletik-WM holte.

Und Ira Pande ist begeistert von "Ambrosia For Afters", dem "sensationell" guten Roman von Kalpana Swaminathan.

Magazinrundschau vom 01.09.2003 - Outlook India

Mehr Irrsinn an einem Montag kann sich Outlook India nicht vorstellen. Bomben in Bombay, Mayawatis Rückzug aus der Allianz mit der BJP, neuer Streit um die Moschee von Ayodhya (hier die einzelnen Geschichten des Titelpakets im Überblick).

In seinem Kommentar zu den Anschlägen macht Prem Shankar Jha die Gesellschaft dafür verantwortlich, dass sich die entfremdeten Muslime dem Terror zuwenden. "Die Wahrheit ist, dass die Lashkar- und Jaish-Bewegungen keine Rekruten fänden und die illegale SIMI keine neuen Mitglieder werben könnten, wenn indische Muslime, vor allem die Jugend, nicht mit einem gewaltigen Gefühl der Ungerechtigkeit und dem wachsendem Glauben kämpfen müssten, dass sie keine Zukunft in diesem Land haben. Und wenn sie dann auch kein anderes Land haben, in das sie flüchten können, ist die bewusstlose, zerstörerische Wut das einzig verbleibende Sicherheitsventil. Kurz gesagt lautet das Credo der neuen Terroristengeneration: wenn uns die Zukunft genommen wird, werden wir dafür sorgen, dass die Hindus auch keine haben."

Desweiteren rekapitulieren Priyanka Kakodkar, Manu Joseph und Saumya Roy die verheerenden Bombenanschläge und erwarten weitere. Manu Joseph erstellt zudem ein Profil der neuen Terrorzellen: "motiviert, gebildet, unsichtbar". Charubala Annuncio staunt über die optimistische Börse, die weitermacht, als wäre nichts geschehen.

Chander Suta Doogra beschreibt den neuesten Trick ausreisewilliger Inder. Als Sportler, Sänger oder Tänzer gehen sie auf Tournee, etwa nach Großbritannien, um dann einfach zu verschwinden. V. Sudarshan ist gespannt, was die USA Indien als Gegenleistung anbieten wollen für die geforderte militärische Hilfe im Irak. Und Sanjay Suri gibt exklusive Entwarnung: Eine von Outlook India angestrebte Untersuchung hat ergeben, dass entgegen vorangehender Tests Pepsi und Cola in Indien praktisch pestizidfrei sind. Das könnte allerdings auch an der Jahreszeit liegen.

Magazinrundschau vom 25.08.2003 - Outlook India

Seit vergangener Woche sind alle Augen in Indien auf Sonia Gandhi gerichtet, Witwe des früheren Premierministers Rajiv Gandhi und Oppositionsführerin im indischen Parlament, wo sie zur Überraschung der politischen Kommentatoren die Vertrauensfrage stellte und der Regierung um Premierminister Vajpayee anhand von neun Punkten ihr Scheitern vorhielt. Ohne echte Chance auf ein erfolgreiches Misstrauensvotum der Parlamentarier diente der Schritt vor allem dazu, der hindu-nationalistischen BJP für die Wahlen im kommenden Jahr den Kampf anzusagen, was Bhavdeep Kang durchaus beeindruckt hat: "Zum ersten Mal trug sie den Mantel der Oppositionsführerin mit Überzeugung, wie ein hochmodisches Kleidungsstück und nicht wie eine Zwangsjacke." Dennoch: Wo bleibt die eigene politische Richtung von Gandhi und ihrer Kongresspartei? Was hat die gebürtige Italienerin anzubieten, um die Wähler zu überzeugen, wenn sie noch nicht einmal in der eigenen Partei unumstritten ist? Weniger Personality-Show, mehr Selbstbewusstsein und politisches Profil, empfiehlt Kang nach ausführlicher Analyse - dann sei auch der Machtwechsel nicht ganz ausgeschlossen.

Ashish Kumar Sen berichtet vom neuesten Boom im Silicon Valley: Jobbörsen, in denen indische Spezialisten sich um Angebote aus der alten Heimat drängen. Zurück nach Indien - so lautet der Trend, dem selbst eingebürgerte Amerikaner folgen. Die Gründe: Umsatzrückgang, Outsorcing, attraktive Angebote aus Indien. Ein "umgekehrter Brain Drain"?

Weitere Artikel: Indiens führende Modedesignerin Ritu Beri erläutert in einem langen Text den Zusammenhang zwischen Mode und nationalem Status und denkt darüber nach, was Indien tun müsste, um in beidem führend zu werden. V. Sudarshan empfiehlt ausdrücklich das Iran-Kriegstagebuch des Reporters Satish Jacob, Manu Joseph hat seinen Mut zusammen genommen und den als jähzornig bekannten Bad Boy Bollywoods Salman Khan (mehr hier und hier) getroffen. Außerdem wird ein Text von Günter Grass zum Irakkrieg vom Januar nachgedruckt.

Magazinrundschau vom 18.08.2003 - Outlook India

Was denken eigentlich die Menschen in Pakistan über Indien und die Möglichkeiten der politischen Annäherung? Um das herauszufinden, hat Outlook eine Umfrage in Auftrag gegeben und ein eigenes Team zum Nachbarn und großen Antagonisten geschickt, das mit mildem Optimismus zurückgekehrt ist. Der Wunsch nach einem Ende des Konflikts, berichtet Amir Mir, ist deutlich zu spüren, sogar eine emotionale Öffnung hat er ausgemacht. Die Menschen betonen die Gemeinsamkeiten und wissen indische Konsumgüter zu schätzen. Doch da ist immer noch das allgegenwärtige "K-Wort" - Kaschmir. Die Pakistanis, schreibt er, wollen Frieden, aber zuerst soll der Kaschmir-Konflikt gelöst werden, das zeigt auch die Umfrage, in der sich 79 Prozent der Befragten so äußerten. Nur noch 17 Prozent halten einen Krieg für die beste Variante, aber gleichzeitig werden von Indien Zugeständnisse erwartet.

Doch sind diese zu erwarten? V. Sudarshan hat sich in Neu-Delhi umgehört, und gibt eine negative Antwort. Bevor über Kaschmir verhandelt werden könne, so der Tenor auf indischer Seite, müsse man überhaupt erst lernen, miteinander zu reden. Sudharshan zitiert ein Regierungsmitglied: "Zunächst muss das Umfeld geschaffen werden, das die Möglichkeit für Kompromisse eröffnet. Die Annäherung kann nur schrittweise und allmählich, sehr allmählich, verlaufen. Wir sind noch weit davon entfernt."

Weitere Artikel: Sanjay Suri hat sich mit der Filmemacherin Mira Nair am Set von "Vanity Fair" getroffen und sich erzählen lassen, warum sie die ganz großen Angebote von Hollywood ausschlägt, wie sie den "Punjabi Touch" in die Verfilmung von Thackereys viktorianischem Roman untergebracht hat, und warum darin den Engländern unter die Perücken geschaut wird. Die Rolle der Becky Sharp spielt Reese Witherspoon. Urvashi Butalia empfiehlt einen Band mit neuen pakistanischen Kurzgeschichten, die aus sechs Sprachen ins Englische übertragen wurden, und Poornima Joshi berichtet von neuen Entwicklungen der unendlichen Ayodha-Tempel-Geschichte.

Magazinrundschau vom 11.08.2003 - Outlook India

In dieser Woche geht es ums Überleben: "Wenn man in Indien ist, dann weiß man das. Man kann seine Augen schließen, und die Geräusche werden es einem sagen. Man kann sich auch die Ohren zuhalten, dann werden es einem die Gerüche mitteilen. Es ist kein einfacher Ort. Es ist kein einfaches Leben, aber wir schaffen es immer, einen Weg zu finden. Wir überleben Indien." Fast die gesamte Ausgabe wurde für Ansichten, Erinnerungen und Reportagen freigemacht, die eine Nation des trotzigen Optimismus heraufbeschwören. Den Anfang macht Gurcharan Das, der in den Neunzigern ein "neues Indien" sich aufschwingen sah, und damit die politische, ökonomische und soziale Liberalisierung, ein neues nationales, wahrhaft postkoloniales Selbstbewusstsein, die Aneignung der englischen Sprache als Werkzeug und anderes mehr meint. "Ich denke, das ist passiert, weil wir entschieden mit den alten Dogmen brachen (...) und eine neue Wahrnehmung von uns und der Welt entdeckten."

Kiran Nagarkar dagegen teilt diese Einschätzung ganz und gar nicht. Wir überleben alles, klar - "die Korruption, die Lethargie, die unendlichen Schikanen" - aber reicht das aus? Ist das, fragt Nagarkar, vielleicht sogar der falsche Weg, der Weg von Eigeninteresse und Teilnahmslosigkeit an der Gemeinschaft? Den Indern sei alles egal, keiner denke an morgen, und genau deshalb bleibe ihr Leben eines, dass es zu überleben gilt.

Weitere Artikel: Ramachandra Gura untersucht das Erbe Nehrus. Was, so fragt er, überlebt von ihm, nachdem der einst als großer Staatsmann gepriesene Erbe Gandhis in seinen letzten Lebensjahren und bis heute beständig an Ansehen verloren hat. Für Gura ist es die "soziale Toleranz" Nehrus, sein "Respekt für Vielfalt" - und das ist etwas, das er den regierenden Hinduisten hinter die Ohren schreiben möchte.Sandipan Deb war wie ganz Indien süchtig nach Filmen, hat lange Jahre seines Lebens zwanghaft in guten wie schlechten Filmen gesessen - und überlebt. Doch war das wirklich nötig? Und Sanjay Suri fragt sich, wie die Briten eigentlich Indien überleben, also zum Beispiel die inoffiziell fast eine Million in London lebenden Inder. Die Antwort: nicht so gut, sie flüchten! Die Inder dagegen bleiben.

Magazinrundschau vom 04.08.2003 - Outlook India

In einem unerhört scharfen und zornigen Text zur britischen Affaire um den Biowaffenexperten Kelly, den BBC-Mann Gilligan und den Kriegsherrn Blair wünscht Daniel Lak, selbst ein ehemaliger BBC-Korrespondent, dem britischen Premierminister und seinen Co-Lügnern die ganze Schärfe der Demokratie an den Hals, nicht nur so eine juristische Untersuchung im Sommerloch, die ihn wahrscheinlich nicht mal bespritzen wird. Und er verteidigt die Journalisten, die im Dreck wühlen, um vielleicht ein paar Körnchen Wahrheit zu finden. Wenn jetzt der Reporter selbst zum Thema der Storys wird, fragt Lak, gerät da nicht die Hauptsache aus dem Blick? "Blair und sein Team", schreibt er, "haben mit treuer Unterstützung von Bush und Konsorten in Washington massive und fürchterliche Lügen verbreitet, um die Invasion eines Landes zu rechtfertigen, das ihres nicht direkt bedrohte. Zu meiner Zeit nannte man so etwas Imperialismus, oder einfach nur Arroganz."

Seema Sirohi hat in George Criles Buch "Charlie Wilson's War" (Besprechung in der New York Times hier) gelesen, wie der texanische Kongressabgeordnete und Playboy Charles Wilson ganz allein wirkungsvoll gegen die Rote Armee kämpfte, von einer attraktiven Amerikanerin mit guten Beziehungen zu Millionären und einem Händchen für Diktatoren, und davon, wie das "Great Game" so ablief in der letzten Phase des Kalten Krieges, "bevor die Mudschaheddin sich in Taliban verwandelten und Trainingscamps für Terroristen eröffneten": nämlich wie im Film. Und der, weiß Sirohi, ist bereits geplant; Tom Hanks übernimmt die Hauptrolle.

Weitere Artikel: Murali Krishnan informiert über eine neue Entwicklung im Falle des bislang ungesühnten Massakers an den Angestellten einer Bäckerei im Bundesstaat Gujarat im März 2002, verübt von fanatischen Hindus. Nachdem sämtliche Angeklagten kürzlich freigesprochen wurden, hat jetzt die Nationale Menschenrechtskomission Indiens den obersten Gerichtshof aufgefordert, sich des Falles anzunehmen. Poornima Joshi berichtet, dass in der Region von Mewat südlich von Delhi, junge Mädchen aus Assam in großer Anzahl als Sex-Sklavinnen verkauft werden - und dass viele Bewohner der Gegend es ganz normal finden. Und Namrate Roshi hat beim "Cinemaya Festival of Asian Cinema" (Cinefan) einen Hauptprotagonisten ausgemacht: den Islam.

Magazinrundschau vom 28.07.2003 - Outlook India

Eine hoch interessante Ausgabe! Auf dem Cover ist ein Fashion-Model, daneben steht dick "RIP OFF", doch einer der bemerkenswertesten Artikel handelt eher vom Gegenteil: dem Siegeszug chinesischer und indischer Kultur im Westen. Die Wortwahl scheint berechtigt, schließlich geht es, wie Jehangir S. Pocha schreibt, durchaus um Macht - um so genannte "weiche Macht", die der Harvard-Politologe Joseph Nye als das stille, aber tiefe Wasser neben dem bewegteren Gewässern der geopolitischen Weltkarte identifiziert hat. "Weiche Macht", wird er zitiert, "erlaubt es einer Nation, internationale Angelegenheiten durch Anziehung und weniger durch Zwang zu ihren Gunsten ausgehen zu lassen". Und glaubt man Pocha, dann haben beide Länder das erkannt und greifen fördernd in die zunehmende Sichtbarkeit ihrer Kulturen ein. Denn hat nicht Amerika den kalten Krieg auch durch heiße Rhythmen gewonnen? Jedenfalls scheint man in Washington zunehmend besorgt zu sein ...

Zwei Artikel beschäftigen sich mit dem sozialen Gefüge der indischen Gesellschaft: P. V. Indiresan nimmt das jüngste Affirmative-Action-Urteil in den USA zum Anlass, über die Zielsetzungen positiver Diskriminierung und das seit Jahrzehnten bestehende indische System der Reservierung staatsfinanzierter Arbeitsplätze für Angehörige benachteiligter Kasten nachzudenken. Zunächst fallen die Unterschiede ins Auge: In Amerika gehe es um soziale Harmonie, in Indien um historische Kompensation, nicht aber um soziale Integration. Sollten die Inder umdenken? Die Frage stellt sich auch Saba Naqvi Bhaumik und kommentiert die in Folge eines Urteils des obersten Gerichtshofes erneuerte Debatte um ein einheitliches Familienrecht. Denn nach wie vor gelten in Indien zivilrechtliche Regelungen nicht für alle gleich, sondern sind religionsabhängig. Die hindu-nationalistischen Regierungspartei BJP setzt sich für eine Vereinheitlichung ein und ruft "Fortschritt", die muslimische Minderheit, die am stärksten betroffen wäre, vermutet eine weitere Beschneidung ihrer Rechte und ruft "Pluralität" zurück.

Weitere Artikel: Prem Shankar Jha ist wütend über die "eigenartige moralische Blindheit", mit der die Welt angesichts der Ermordung von Saddams Söhnen geschlagen scheint, und Sanjay Suri reißt eine faszinierende Geschichte über Landvermessung, Kolonialismus, den höchsten Berg der Welt und ein vergessenes indische Mathematikgenie an und fordert, dass sie bald mal vollständig erzählt wird. Und das Model auf dem Cover? Manu Joseph war bei der jährlichen Fashion Week in Mumbai, und auch wenn die indischen Designer mit den Ergebnissen unzufrieden waren - ein überaus unterhaltsamer Text ist auf jeden Fall dabei herausgekommen.