
Eine hoch interessante Ausgabe! Auf dem Cover ist ein Fashion-Model, daneben steht dick "RIP OFF", doch einer der bemerkenswertesten
Artikel handelt eher vom Gegenteil: dem
Siegeszug chinesischer und indischer Kultur im Westen. Die Wortwahl scheint berechtigt, schließlich geht es, wie Jehangir S. Pocha schreibt, durchaus um Macht - um so genannte
"weiche Macht", die der Harvard-
Politologe Joseph Nye als das stille, aber tiefe Wasser neben dem bewegteren Gewässern der geopolitischen Weltkarte identifiziert hat. "Weiche Macht", wird er zitiert, "erlaubt es einer Nation, internationale Angelegenheiten durch
Anziehung und weniger durch Zwang zu ihren Gunsten ausgehen zu lassen". Und glaubt man Pocha, dann haben beide Länder das erkannt und greifen fördernd in die zunehmende
Sichtbarkeit ihrer Kulturen ein. Denn hat nicht Amerika den kalten Krieg auch durch
heiße Rhythmen gewonnen? Jedenfalls scheint man in Washington zunehmend besorgt zu sein ...
Zwei Artikel beschäftigen sich mit dem
sozialen Gefüge der indischen Gesellschaft: P. V. Indiresan
nimmt das jüngste
Affirmative-Action-Urteil in den USA zum Anlass, über die Zielsetzungen positiver Diskriminierung und das seit Jahrzehnten bestehende indische System der Reservierung staatsfinanzierter Arbeitsplätze für Angehörige
benachteiligter Kasten nachzudenken. Zunächst fallen die Unterschiede ins Auge: In Amerika gehe es um
soziale Harmonie, in Indien um
historische Kompensation, nicht aber um soziale Integration. Sollten die Inder umdenken? Die Frage
stellt sich auch Saba Naqvi Bhaumik und kommentiert die in Folge eines Urteils des obersten Gerichtshofes erneuerte Debatte um ein
einheitliches Familienrecht. Denn nach wie vor gelten in Indien
zivilrechtliche Regelungen nicht für alle gleich, sondern sind
religionsabhängig. Die hindu-nationalistischen Regierungspartei BJP setzt sich für eine Vereinheitlichung ein und ruft "Fortschritt", die muslimische Minderheit, die am stärksten betroffen wäre, vermutet eine weitere Beschneidung ihrer Rechte und ruft "Pluralität" zurück.
Weitere Artikel: Prem Shankar Jha
ist wütend über die "eigenartige moralische Blindheit", mit der die Welt angesichts der Ermordung von Saddams Söhnen geschlagen scheint, und Sanjay Suri
reißt eine faszinierende Geschichte über
Landvermessung, Kolonialismus, den höchsten Berg der Welt und ein
vergessenes indische Mathematikgenie an und fordert, dass sie bald mal vollständig erzählt wird. Und das
Model auf dem Cover? Manu Joseph
war bei der jährlichen
Fashion Week in Mumbai, und auch wenn die indischen Designer mit den Ergebnissen unzufrieden waren - ein überaus unterhaltsamer Text ist auf jeden Fall dabei herausgekommen.