
Der
Schriftsteller Philip Roth und der kürzlich verstorbene
Nobelpreisträger Saul Bellow begannen 1998 ein ausführliches, schriftliches Interview über Bellows Leben und Werk zu führen. Das Projekt ist unvollendet geblieben, aber was Bellow über seine Bücher in den fünfziger Jahren geschrieben hat, meint Roth, sei immerhin der Anfang einer
Autobiografie geworden. Hier eine recht deftige
Kostprobe über Bellows Jahr in Paris: "O.K., die Amerikaner haben Paris befreit, jetzt war es Zeit für Paris, etwas für mich zu tun. Die Stadt steckte in einer
tiefschwarzen Depression. Es war, falls ich das noch nicht gesagt haben sollte, das Jahr 1948. Überall herrschte
Trübsinn, schwer und unangenehm. Die
Seine sah aus wie eine medizinische Mixtur und roch auch so. Brot und Kohl waren immer noch rationiert.
Die Franzosen hassten uns. Ich hatte dafür eine jüdische Erklärung: Schlechtes Gewissen. Nicht nur, dass sie innerhalb von drei Wochen von den Deutschen überrannt worden waren - sie hatten auch kollaboriert.
Vichy hat sie
zynisch gemacht. Sie taten so, als hätte es einen großen Widerstand gegeben, tatsächlich schien es eher so, als hätten sie die Jahre auf dem Land verbracht und
Essen geschnorrt. Und diese Arschlöcher waren Patrioten. La France war gedemütigt und alles war die Schuld ihrer Befreier, der Briten und der G.I.s."
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Adam Gopnik
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John Brown (
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hier deutschsprachige Besprechungen der Erinnerungen seines Sohnes Owen) für den amerikanischen Bürgerkrieg. Die
Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Biografie des britischen Dichters
Stephen Spender. Anthony Lane schließlich
sah im Kino Sidney Pollacks Thriller
"The Interpreter" (
"Die Dolmetscherin") mit Nicole Kidman und den italienischen Film
"Die besten Jahre" von Marco Tullio Giordana.
Nur in der
Printausgabe: eine Reportage über die
Zerstörung Bagdads, der erste von drei Berichten aus der
Antarktis über die Auswirkungen der
globalen Erwärmung und
Lyrik von Eliza Griswold und Robert Hass.