Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

855 Presseschau-Absätze - Seite 72 von 86

Magazinrundschau vom 10.05.2005 - New Yorker

Mit der beliebten Frage, ob Popkultur nun Fluch oder Segen ist, beschäftigt sich Malcolm Gladwell in seiner Besprechung der als "herrlich unterhaltsam" gelobten Studie "Everything Bad Is Good for You? von Steven Johnson (Riverhead). Ausgangsbasis ist eine zwanzig Jahre alte Studie, die anhand von IQ-Tests gezeigt habe, dass die amerikanische Bevölkerung seit den zwanziger Jahren immer klüger geworden sei - genau um "rund drei Punkte pro Dekade". Ein Teil dieses Effekts sei "zweifellos eine simple Begleiterscheinung des wirtschaftlichen Fortschritts". Aber auch weltweit lasse sich ein weiterer Anstieg der Testergebnisse beobachten, und dies nicht nur bei gut betreuten Kindern in Privatschulen. "Das Mittelfeld der Kurve - das aus Menschen besteht, die vermutlich unter einem sich verschlechternden öffentlichen Schulsystem sowie der Dauerberieselung mit miesen Fernsehprogrammen und geistloser Popmusik zu leiden hatten - wies dieselbe Steigerung auf. Was um alles in der Welt geht hier vor?" Steven Johnson weise nun nach: "Was uns klüger macht, ist genau das, von dem wir immer dachten, dass es uns dümmer macht: die Popkultur."

Weiteres: Jeffrey Toobin beschreibt das Rennen um den Posten des Obersten Staatsanwalts von Manhattan zwischen Leslie Crocker Snyder und dem "legendären", inzwischen 86-jährigen Amtsinhaber Robert Morgenthau. Andy Borowitz empfiehlt Lieblings-Streiche zur Nachahmung. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Room" von William Trevor.

Besprochen wird eine Biografie über das "wilde, großartige und gebrochene" Leben der Hollywood-Ikone Tallulah Bankhead. Sasha Frere-Jones porträtiert die Rockbands Mountain Goats und Hold Steady. John Lahr bespricht die Uraufführung von August Wilsons Stück "Radio Golf" ("Meisterwerk"). Und David Denby sah im Kino den französischen Film "Kings and Queen" von Arnaud Desplechin und die Komödie "Monster-in-Law" von Robert Luketic mit Jennifer Lopez und Jane Fonda.

Nur in der Printausgabe: ein Porträt des neuen Papstes und seine Bedeutung für Amerika (online ist ein Artikel von 1965 über die politischen und theologischen Implikationen des Zweiten Vatikanischen Konzils), das Porträt eines "Mumiendoktors" und Lyrik von Kurt Vonnegut, Charles Simic und Deborah Garrison.

Magazinrundschau vom 03.05.2005 - New Yorker

Hendrik Hertzberg kommentiert ausführlich den Fall um die Hintergründe für einen Artikel des Journalisten Robert Novak, der 2003 die verdeckt arbeitende CIA-Beamtin Valerie Palme enttarnt und damit einen politischen Riesenskandal ausgelöst hatte. Damals war die Frage: Die Information war ihm von einem Mitarbeiter des Weißen Hauses zugespielt worden, und sollte vor allem Palmes Mann, Joseph C. Wilson, diskreditieren. Dieser hatte im Niger eine Bestätigung für einen Uran-Deal mit dem Irak finden sollen, das Gerücht aber eben nicht bestätigen können. Inzwischen hat sich die Geschichte auf zwei weitere Journalisten, Matthew Cooper and Judith Miller, ausgeweitet und zu einem Grundsatzstreit zwischen Regierungsbehörden und Presse über journalistischen Quellenschutz entwickelt: Cooper und Miller sollen Informanten preisgeben. "Sie könnten sich vor die Wahl gestellt sehen, entweder ihr Versprechen zu brechen oder ins Gefängnis zu gehen; und es ist mehr als wahrscheinlich, dass sie sich aus persönlichen und beruflichen Gründen für letzteres entscheiden werden ... Das wäre eine seltsame Art der Gerechtigkeit und eine einzigartig grausame Parodie von Verantwortlichkeit."

Weitere Artikel: Jeffrey Goldberg porträtiert den Pentagonbeamten Douglas J. Feith, einen der Schlüsselstrategen des Irakkriegs. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Along the Highways" von Nick Arvin.

Joan Acocella bespricht neue Choreografien von Martha Graham und ihrer Dance Company, der Mark Morris Dance Group und des indischen Nrityagram Dance Ensembles. John Updike rezensiert zwei Romane der chinesischen Schriftsteller Su Tong und Mo Yan. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem den Erinnerungen einer britischen Ghostwriterin, die für einen exzentrischen Londoner Verleger Reden, Romane und eine Zeitungskolumne schrieb. Peter Schjeldahl führt durch eine Retrospektive mit Arbeiten des amerikanischen des Foto-Realisten Robert Bechtle im San Francisco Museum of Modern Art. Und Antony Lane sah im Kino "Kingdom of Heaven? von Ridley Scott und die Verfilmung von "The Hitchhiker?s Guide to the Galaxy?.

Nur in der Printausgabe: ein Bericht über einen Trend in Großbritannien, wo geplagte Hausfrauen offenbar serienweise Tagebücher veröffentlichen, der dritte Teil von Elizabeth Kolberts Reportage über den Klimawandel, ein Porträt des Saxophonisten Sonny Rollins und Lyrik von Katha Pollitt und Michael Longley.

Magazinrundschau vom 26.04.2005 - New Yorker

Jane Kramer kommentiert Kardinal Ratzingers Wahl zum neuen Papst. "Was immer er über die 'Wogen' sagt, die gegen das Boot des wahren Glaubens schlügen - also Globalisierung, Feminismus, Individualismus, Begierde, Homosexualität ('objektiv eine Krankheit'), Forderungen nach Einsetzung von Frauen in kirchliche Ämter, Mystizismus, 'ernsthaft abweichende' Sekten, türkische Muslime im christlichen Europa - diese Worte bedeuten das totale Aus für die Öffnung der Römischen Kirche, die wir noch immer Vatikan II nennen."

Weiteres: Jerome Groopman untersucht, ob und inwiefern medizinische Simulatoren und Patientenmodelle die Ärzteausbildung verbessern können. Lauren Collins informiert über die jüngste Beschäftigung moderner Hollywood-Frauen: Romane schreiben. Christopher Buckley macht sich in einer Glosse über Bushs Sozialreform lustig ("Die Demokraten versuchen bloß, die Sache komplizierter klingen zu lassen, als sie ist"). Zu lesen ist außerdem ein Interview mit Elizabeth Kolbert über ihre dreiteilige Reportage über die globale Klimaveränderung (hier der erste Teil über die Antarktis) und die Erzählung "Where I?m likely to find" von Haruki Murakami.

Als "grünes Monster" und "Elf, der zwischen Menschen herumhüpft" kritisiert Paul Goldberger den neuen Luxusapartment-Tower von Charles Gwathmey am Astor Place (hier eine Ansicht). Judith Thurman rezensiert eine neue Biografie über Andre Malraux "Malraux: A Life" (Knopf), die Kurzbesprechungen waren bis Redaktionsschluss leider noch nicht aktualisiert. Alex Ross schwärmt von drei Konzerten des katalanischen Gambenspielers Jordi Savall im Metropolitan Museum. Und David Denby sah im Kino das Regiedebüt "Crash" von Paul Haggis, der unter anderem das Skript für "Million Dollar Baby" geschrieben hat.

Nur in der Printausgabe: ein Bericht über den Architekten Richard Meier, der versuche, "die Römer zu übertrumpfen", und Lyrik von Galway Kinnell und W.S. Merwin.

Magazinrundschau vom 19.04.2005 - New Yorker

Der Schriftsteller Philip Roth und der kürzlich verstorbene Nobelpreisträger Saul Bellow begannen 1998 ein ausführliches, schriftliches Interview über Bellows Leben und Werk zu führen. Das Projekt ist unvollendet geblieben, aber was Bellow über seine Bücher in den fünfziger Jahren geschrieben hat, meint Roth, sei immerhin der Anfang einer Autobiografie geworden. Hier eine recht deftige Kostprobe über Bellows Jahr in Paris: "O.K., die Amerikaner haben Paris befreit, jetzt war es Zeit für Paris, etwas für mich zu tun. Die Stadt steckte in einer tiefschwarzen Depression. Es war, falls ich das noch nicht gesagt haben sollte, das Jahr 1948. Überall herrschte Trübsinn, schwer und unangenehm. Die Seine sah aus wie eine medizinische Mixtur und roch auch so. Brot und Kohl waren immer noch rationiert. Die Franzosen hassten uns. Ich hatte dafür eine jüdische Erklärung: Schlechtes Gewissen. Nicht nur, dass sie innerhalb von drei Wochen von den Deutschen überrannt worden waren - sie hatten auch kollaboriert. Vichy hat sie zynisch gemacht. Sie taten so, als hätte es einen großen Widerstand gegeben, tatsächlich schien es eher so, als hätten sie die Jahre auf dem Land verbracht und Essen geschnorrt. Und diese Arschlöcher waren Patrioten. La France war gedemütigt und alles war die Schuld ihrer Befreier, der Briten und der G.I.s."

Weitere Artikel: Rebecca Mead porträtiert Marty Markowitz, den Bezirksbürgermeister von Brooklyn, und seine hochfliegenden Pläne für den Stadtteil. David Blum untersucht die Hintergründe des Einspruchs der Eigner des Madison Square Garden gegen Frederick Wisemans Dokumentarfilm über den legendären Veranstaltungsort. Lillian Ross besuchte Ellen Barkin in ihrem Stadthaus auf der East Side, und Michael Shapiro erzählt die Geschichte des südkoreanischen Regisseurs Shin Sang Ok, dessen Monsterfilme dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Il so gut gefielen, dass er ihn kidnappen und nach Nordkorea verschleppen ließ. Nach acht Jahren konnte Shin Sang Ok fliehen.

Adam Gopnik rezensiert eine neue Biografie über die Bedeutung des radikalsten Gegners der Sklaverei John Brown (mehr, hier deutschsprachige Besprechungen der Erinnerungen seines Sohnes Owen) für den amerikanischen Bürgerkrieg. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Biografie des britischen Dichters Stephen Spender. Anthony Lane schließlich sah im Kino Sidney Pollacks Thriller "The Interpreter" ("Die Dolmetscherin") mit Nicole Kidman und den italienischen Film "Die besten Jahre" von Marco Tullio Giordana.

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über die Zerstörung Bagdads, der erste von drei Berichten aus der Antarktis über die Auswirkungen der globalen Erwärmung und Lyrik von Eliza Griswold und Robert Hass.

Magazinrundschau vom 12.04.2005 - New Yorker

Der New Yorker hat in dieser Woche einen Reiseschwerpunkt. Im Aufmacher porträtiert Tad Friend den britischen Reiseführer-Autor und -Verleger Tony Wheeler. Seine Buch-Reihe Lonely Planet umfasst inzwischen 116 Länder und 650 Titel, von denen jährlich mehr als sechs Millionen Exemplare verkauft werden, und ist damit der größte Reisebuchverlag der Welt. "In Ländern wie Indien ist Lonely Planet die Bibel", zitiert Friend Mark Ellingham, den Gründer von Rough Guides. "Wenn darin das Resthouse Bangalore empfohlen wird, dann nennt sich die Hälfte aller anderen Pensionen in Resthouse Bangalore um." Die Autorität, welche die Reihe genießt, werde auch daran deutlich, dass etwa "Jay Garner, der erste amerikanische Leiter im besetzten Irak, den Band 'Lonely Planet Iraq' benutzte, um eine Liste aller historischen Monumente zu erstellen, die nicht bombardiert oder geplündert werden durften."

Außerdem erinnern sich Schriftsteller an Familienurlaube. Jonathan Franzen erzählt von einem Autoausflug, Nicole Krauss von ihrem Sommer in Polen, Mary Gordon berichtet von einer Pilgerfahrt und Jane Smileys von von Ferien mit einer Kaltfront. Zu lesen ist weiter die Erzählung "The Orlov-Sokolovs" von Ludmilla Ulitskaya. Und anlässlich des Todes von Saul Bellow bringt der New Yorker seine Erzählung "A Silver Dish" sowie einen Essay über Bellow von Philip Roth aus dem Jahr 2000.

Besprechungen: Joan Acocella stellt die Erinnerungen der britische Gerichtsreporterin und Romanautorin Sybille Bedford vor, die auch viel reiste ("Quicksands", Counterpoint). Steven Shapin rezensiert Neuerscheinungen über Doping im Sport. Und David Denby sah im Kino "Fever Pitch", eine Verfilmung von Nick Hornbys Erinnerungen durch die Farrelly Brothers, und "Kontroll", den Debütfilm des ungarnstämmigen Regisseurs Nimrod Antal: "Dieser pulsierende Film lässt einen Mitternachts-Klassiker wie die 'Rocky Horror Picture Show' zahm aussehen. Es muss eine Menge smarter Leute in Amerika geben, die bereit sind für eine jugendliche Explosion von Talent und Temperament. Dies ist ihr Film."

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über eine Tour zu einem isolierten Volksstamm in Guinea, ein Bericht über gefährliches Skilaufen abseits der Pisten, Porträts des Fotografen Sebastiao Salgado (hier Bilder seiner Antarktisreise) und des Transportunternehmens UPS sowie Lyrik von Seamus Heaney, Franz Wright und Dana Goodyear.

Magazinrundschau vom 05.04.2005 - New Yorker

In einem Artikel erzählt Richard Preston die atemberaubende Geschichte, wie zwei Mathematiker mit einem Supercomputer dem Metropolitan Museum of Art dabei halfen, die siebenteilige Gobelinserie "Die Einhornjagd" aus den Cloisters buchstäblich "in den Griff zu bekommen". 1998 waren sie wegen Renovierungsarbeiten abgenommen und gereinigt worden. Dabei entdeckte man, dass ihre Motive spiegelbildlich und in leicht veränderter Farbgebung auch auf der Rückseite vorhanden waren. In einem aufwändigen Verfahren wurden die 4,5 auf 4 Meter messenden Teppiche nun Stück für Stück fotografiert, mit dem Ziel, sie anschließend digital wieder zusammenzusetzen. Allein: Es gab nicht einen Computer, der die Datenmenge von über 200 CDs hätte verarbeiten können. Zwei aus der Ukraine stammende Zahlenexperten schafften es schließlich - nachdem sie einen Teil der CDs erst einmal in der U-Bahn hatten liegen lassen. Die Digitalisierung eines einzelnen Gobelins dauerte dann drei Monate und war laut der beiden Mathematiker "ein mathematisches Problem wie die DNA-Analyse oder die Spracherkennung" beziehungsweise: "der reinste Albtraum".

Weiteres: John Cassidy bespricht die Studie "The End of Poverty: Economic Possibilities for Our Time? (Penguin Press) des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Jeffrey Sachs. Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einem Fotoband, der mit Pressefotos von Tatorten und spektakulären Unfällen das Porträt einer Kleinstadt im Mittelwesten und der amerikanischen Kultur Mitte des letzten Jahrhunderts zeichnet. Sasha Frere Jones porträtiert die Indie-Band Slint. Nancy Franklin begutachtet zwei TV-Shows, in deren Zentrum Schauspielerinnen stehen: "Fat Actress" mit Kirstie Alley und "Chasing Farrah" mit Farrah Fawcett. Anthony Lane sah im Kino Robert Rodriguez' Thriller "Sin City" nach dem Comic von Frank Miller und mit Elijah "Frodo" Wood in der Rolle eines Mädchenmörders, und "A Hole in My Heart" von Lukas Moodysson - ein Film, bei dem "sogar Robert Rodriguez und Quentin Tarantino das Lachen im Hals steckenbleiben könnte", während die Matthäus-Passion zu einem unvergesslichen Einsatz kommt. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Mallam Sile" von Mohammed Naseehu Ali.

Nur in der Printausgabe: das Porträt der "bigotten Weltsicht" eines Stammtischpolitikers, ein Artikel über Hirnforschung, ein Text von Sean Wilsey über seine bunte Kindheit in San Francisco (online ist ein Interview mit dem Autor über den "Kreuzzug" seiner Mutter) und Lyrik von Lexi Rudnitsky und Mark Strand.

Magazinrundschau vom 29.03.2005 - New Yorker

Adam Gopnik schreibt ausführlich über einige neue gastronomische (aber nicht Koch-) Bücher. Es gebe unterschiedliche Arten, über das Essen zu schreiben, bemerkt er eingangs. Eine davon besteht darin, die Leser erst einmal zum Lachen zu bringen. Sie wird etwa auch in einem Buch über den Dreisternekoch Bernard Loiseau praktiziert, dessen Selbstmord vor zwei Jahren große Erschütterung in der Fachwelt hervorrief: "Wenn wir in Rudolph Chelminskis 'The Perfectionist: Life and Death in Haute Cuisine' über das Leben des Dreisternekrochs lesen, wie Loiseau unablässig nach einem Weg suchte, den Blumenkohl von einem deprimierenden Gemüse in eine glanzvolle Beilage zu verwandeln, indem er ihn karamelisierte, dann lächeln wir zuerst, und dies wird auch von uns erwartet. Es geht ja nur um die Karamelisierung von Blumenkohl. Wenn die Suche dann aber Kraft und Dringlichkeit gewinnt und wir erfahren, wie Loiseau blanchierte, passierte und pürierte, dann erschauern wir vor der Größe der Herausforderung."

Weitere Artikel: Der Harvard-Professor und Arzt Atul Gawande erzählt in einem Artikel mit dem beunruhigenden Titel "Piecework" "how doctors make their money". Joyce Carol Oates bespricht Thriller von Peter Abrahams. Peter Schjedahl sieht sich eine Jean-Michel-Basquiat-Retrospektive im Brooklyn Museum an. Masha Lipman schreibt über Vladimir Sorokins Schwierigkeiten mit der russischen Zensur. Und Hendrik Herzberg denkt über das "Terri Schiavo Dilemma" nach.

Magazinrundschau vom 22.03.2005 - New Yorker

Funktioniert Werbung eigentlich noch und hat sie überhaupt eine Zukunft? Diese Frage untersucht Ken Auletta in einer Reportage über die gegenwärtigen Arbeitsweisen und Probleme der Branche angesichts von Internet und neuer Technologien. "In vielerlei Hinsicht ist das Werbegeschäft des frühen 21. Jahrhunderts für die Generation, die einst auf der Madison Avenue den Ton angab, nicht mehr wiederzuerkennen. Deren traditionelle Annahme bestand darin, dass die Werber Zeitpunkt und Ort für ihre 'Einbahnpräsentation' bestimmten. Der Kunde war dabei das unfreiwillige Publikum. Heutzutage hetzen die Werbeleute den Konsumenten mit einer gewissen Verzweiflung hinterher." Ergänzend dazu ist nachzulesen, wie die Werbebranche 1938 funktionierte.

Larry Doyle glossiert zeitgenössische Mesaillancen ("Lynda Schmeltzer und Geoff Punt begannen im November miteinander auszugehen, womit die langanhaltende Serie ungesunder Beziehungen von Ms. Schmeltzer zu Arschlöchern endete. Jetzt ist Mr. Punt ein Arschloch.") Zu lesen ist außerdem die Erzählung "A Secret Station" von David Gates.

John Updike bespricht Joakim Garffs Kierkegaard-Biografie, und Louis Menand rezensiert den neuen Roman von Kazuo Ishiguro (mehr) "Never Let Me Go". John Lahr begutachtet das Monty Python-Musical "Spamalot", das am Broadway einschlägt. Alex Ross stellt neue Opern von Poul Ruders - "Kafka's Trial" - und Mark Adamo - "Lysistrata" - vor. Und Antony Lane sah im Kino das Sequel "The Ring Two? von Hideo Nakata und "Oldboy" von Park Chanwook, der 2004 die Goldene Palme in Cannes gewann.

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über städtisches Wintergolf, ein Porträt des Richters Antonin Scalia und Lyrik von Michael Ryan und Deborah Garrison.

Magazinrundschau vom 15.03.2005 - New Yorker

In dieser Woche gibt es Nachhilfe in Sachen aktueller Entwicklungen auf dem Popsektor. Sasha Frere-Jones bringt uns die neue britische Musikgattung grime bei. Gut aufgepasst: "Grime entstand aus der Rave-Kultur der späten Neunziger und wird für die meisten Amerikaner nach HipHop mit englischem Akzent und ziemlich schnellen Raps klingen. Nun ist selbst der raueste HipHop Tanzmusik. Im Gegensatz dazu klingt Grime wie fürs Boxstudio konzipiert, und zwar für eines, in dem jede Menge herumgedroschen werden muss, aber kaum Platz genug ist, sich zu rühren."

Weiteres: Jeffrey Goldberg beschreibt das Ringen der Demokraten um ein außenpolitisches Profil. In einer Glosse mokiert sich Frank Gannon über - Sie. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Men of Ireland? von William Trevor.

Besprechungen: Weit ausholend rezensiert Joan Accocella eine Studie über die Pest, die "verheerendste Plage aller Zeiten"; in den Kurzbesprechungen geht es unter anderem um eine Biografie des zweiten amerikanischen Präsidenten John Adams. Peter Schjeldahl führt durch eine Diane-Arbus-Retrospektive im Metropolitan Museum. John Lahr stellt Theaterstücke über Peggy Guggenheim, Orson Welles und Primo Levi vor, Anthony Lane war in London in einem Ballett über das Leben von Lady Di Und David Denby sah im Kino den neuen Film von Woody Allen "Melinda and Melinda" ("Stellen Sie sich vor, Neil Simon und Arthur Miller seien in eine hitzige Debatte verwickelt: Ist das Leben Komödie oder Tragödie? Ist unsere ,innere Wirklichkeit? ein Witz oder eine Katastrophe? Das ist die Idee des Films.")

Nur in der Printausgabe: eine Untersuchung der "romantischen Verwicklungen" des amerikanischen Schriftstellers Nathaniel Hawthorne, der Bericht über die Debatte, die ein Lehrer mit seiner Klage losgetreten hat, als Christ diskriminiert zu werden (online dazu ein aktuelles Interview über die "Grauzone" zwischen Staat und Kirche), ein Artikel über etwas rätselhaft bleibende Neuaufbrüche in Hollywood und Lyrik von Linda Gregg, Donald Hall und Dana Goodyear.

Magazinrundschau vom 08.03.2005 - New Yorker

Anthony Lane sah im Kino "Gegen die Wand" von Fatih Akin, der in Amerika "Head On" heißt, und prophezeit, dass man "aus dem Film nicht als dieselbe Person herauskommt, als die man hineingegangen ist".

Unter der Überschrift "Der Duft des Nils" porträtiert Chandler Burr den französischen Parfumeur Jean-Claude Ellena, der für Hermes einen neuen Duft entwickeln sollte. Burr beschreibt die Stationen bis eine der Kreationen Gnade vor den Nasen der Manager findet, außerdem erfährt man eine Menge über das schwierige Geschäft, den Anforderungen der Firmen gerecht zu werden.Ein französischer Manager beschreibt das so: "Zuerst heißt es 'Wir möchten etwas für Frauen.' O.K., welchen Frauen? 'Frauen! Alle Frauen! Sie sollten sich weiblicher fühlen, aber stark, und kompetent, aber nicht zu sehr. Und es sollte sich gut verkaufen in Europa und den USA und vor allem auf dem asiatischen Markt, und es sollte neu sein, aber klassisch, und junge Frauen sollten es lieben, aber ältere Frauen sollten es auch lieben.' Wenn es eine französische Firma ist, wird die Anforderung außerdem den Satz enthalten: 'Und es sollte ein großes kompromissloses Kunstwerk sein.' Eine amerikanische Firma wird dagegen sagen: 'Und es sollte riechen wie dieses Armanidings vor zwei Jahren, dass in den ersten zwei Monaten vier Millionen Dollar in Europa einbrachte, aber auch wie das Givenchy Parfum, dass sich so gut in China verkaufte."

Weiteres: Mark Singer berichtet über die Probleme der Bennennung einer erst vor fünf Jahren entdeckten Art von Menschenaffen. Paul Rudnik kennt den Zeitplan der Queen für den Tag der Wiederverheiratung ihres Sohns Charles ("7 Uhr: Aufstehen und Corgies begrüßen"). Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Della" von Anne Enright.

Adam Kirsch erklärt, warum es so einfach ist, Charles Bukowski zu mögen, John Updike rezensiert den neuen Roman "Extremely Loud and Incredibly Close" (Houghton Mifflin) von Jonathan Safran Foer (mehr), und die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einer Geschichte der amerikanischen Spionageprogramme. John Lahr bespricht die Theaterstücke "Romance" von David Mamet und "The Last Days of Judas Iscariot" von Stephen Adly Guirgis. Nancy Franklin stellt die TV-Produktion "America?s Next Top Model" vor, in der es um einen 100.000-Dollar-Vertrag mit einer Kosmetikfirma und einer Modelagentur sowie den Auftritt auf einer Doppelseite in Elle geht.

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über einen im Irak gefallenen US-Soldaten, ein Hintergrundbericht über das Modelabel Dolce&Gabbana, ein Porträt des Architekten Rem Koolhaas, Näheres zur antiken Athener Kleiderordnung und Lyrik von Eliza Griswold, Stanley Moss und A.R. Ammons.