
Online lesen dürfen wir schon
Michael Youngs höchst informatives Hintergrundstück über das vertrackte politische und konfessionelle System der
libanesischen Demokratie, das eigentlich erst in der nächsten Woche im
Magazin der
New York Times erscheinen soll. Ausführlich
beschreibt Young die vergeblichen Versuche der libanesischen Politik, die Hisbollah einzubinden und straft alle israelischen Hoffnungen eine Illusion, die Miliz zu schwächen. "Die große Angst vieler Libanesen ist, dass das Land weder mit einem Sieg der Hisbollah gegen Israel fertig werden würde noch mit ihrer Niederlage. Wenn die Hisbollah diesen Krieg als politische und militärische Organisation
einfach nur übersteht, kann sie den
Sieg für sich beanspruchen. Das Ergebnis könnte ein größerer Einfluss der Partei auf das politische System sein, dank ihrer Waffenstärke und ihrer Macht über die libanesische Armee, die auf einer erheblichen schiitischen Basis ruht. Dies wiederum würde zu einer Festigung des iranischen und der Wiederherstellung des syrischen Einflusses führen. Eine
Niederlage der Hisbollah dagegen, würde von den Schiiten als Niederlage ihrer Gemeinschaft insgesamt angesehen werden und das System bedeutend schwächen."
Weiteres: Übernommen wurde
Bernard-Henri Levys Bericht über seine Reise in die Kampfzonen Israels. (Hier die
deutsche Übersetzung in der
Welt, hier das
französische Original in
Le Monde). Lynn Hirschberg
stellt den 29-jährigen belgischen Modedesigner
Olivier Theyskens vor, der nach einer Blitzkarriere arbeitslos wurde, weil er mehr Talent als Selbstvermarktungsgeschick besitzt. Und im
Interview mit Deborah Solomon spricht die Mitherausgeberin des
Bitch magazine Andi Zeisler über
Feminismus in postfeministischen Zeiten.
In der
Book Review:
Einen Thriller
nennt Dexter Filkins Lawrence Wrights Buch über die Vorgeschichte zu
9/11 (
Leseprobe "The Looming Tower"). Wright erwecke ein Personal zum Leben (
bin Laden,
al-Zawahiri oder den F.B.I.-Terrorexperten
O'Neill), von dem Krimiautoren träumen, dokumentiere Unmengen Tonmaterial und lege die Wurzeln islamischer Militanz und die Fehler der Geheimdienste offen. Der Thrill hat aber noch einen Grund: "So erstaunlich diese Geschichte für sich ist, sie ist noch nicht zu Ende."
Sie lesen immer zwei, drei Bücher auf einmal? Joe Queenan
liest 25, und er
ahnt, warum: "Erst dachte ich, ich sei auf der Suche nach dem
richtigen Buch. Falsch. Jedes dieser Bücher ist das richtige. Sie sind alle so gut, dass ich mir Zeit nehme; die schlechten habe ich in ein paar Stunden durch."
Weitere Artikel: Rachel Donadio hält
Alexander Stilles Buch "The Sack of Rome" über Berlusconis Italien für eine klare Analyse mit wenigen, verzeihlichen Romantizismen. Und Nick Tosches
findet,
Alessandro Bariccos Nacherzählung der Ilias (
Leseprobe "An Iliad") sei eine Schande.