Magazinrundschau - Archiv

The Nation

164 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 17

Magazinrundschau vom 18.07.2006 - The Nation

Michael Hardt, Koautor der altermondialistischen Bibel "Empire", zeigt sich erleichtert, dass sich die Welt nun doch noch seinen Thesen zu fügen scheint: Mit den Interventionen in Afghanistan und Irak schien in der Folge des 11. September ein von Hardt und Toni Negri bereits totgesagter "Imperialismus" wieder aufzuleben. Nun scheint Bush zu scheitern, und Hardt bringt von neuem seine Begriffe von "Empire" und "Multitude" in Anschlag, wobei er - ohne ein weiteres Wort über den Irak und die Besonderheit der dortigen Gegenkräfte zu verlieren - seine Hoffnungen in die lateinamerikanische Linke setzt: "Einige Regierungen, die die neoliberale Ordnung und die US-Herrschaft herausfordern - Venezuela ist hier ein gutes Beispiel - bringen ihren Bevölkerungen enorme Fortschritte in Bildung, Gesundheitsversorgung, wirtschaftlichen Chancen und anderen Feldern. Kurzfristig mögen diese Fortschritte das wichtigste Element sein. Unter längerfristigem Blickwinkel sehen wir, dass diese Kräfte, indem sie die imperialen Arrangements durchkreuzen, die Macht der 'Multitude' verstärken. Die höchste Bedeutung solcher Allianzen untergeordneter Nationalstaaten tritt mit anderen Worten erst dann zutage, wenn sie die eventuelle Zerstörung des 'Empire' einleiten und der 'Multitude' erlauben, eine Demokratie von unten zu schaffen." Die Welt ist nie dumm genug für kluge Theorien!

Magazinrundschau vom 04.07.2006 - The Nation

Jennifer Nix erzählt, wie man es in den USA schafft, in drei Monaten einen linken Bestseller zu lancieren. Man muss nur aufmerksam die Blogs lesen und sich Talente schnappen! Wie den Staatsrechtler Glenn Greenwald, der in seinem Blog "Unclaimed Territory" gegen die Aushöhlung amerikanischer Grundrechte anschreibt. "Am 15. Februar fragte ich Greenwald, ob er nicht ein Buch herausbringen wollte. Working Asset (ein linkes Kreditkartenunternehmen mit dem Slogan "shop for change") erklärte sich bereit, das Projekt zu finanzieren, und rief Working Assets Publishing ins Leben. Am 1. März hatten wir einen Vertrag mit Greenwald. Wir brauchten allerdings noch eine Druckerei, einen Vertrieb und ein Lektorenteam, was alles von einer schnell ins Leben gerufenen Verlagsabteilung bei Working Asset in San Francisco organisiert wurde. Nach einigen sehr langen Tagen, lieferten wir das Buch am 24. April in der Druckerei ab. Am Tag zuvor hatte ich digitale Manuskripte an sieben Blogger versandt, mit denen ich öfter zusammenarbeite, und bat sie, über das Buch zu schreiben, wenn sie es denn wert fänden. Innerhalb von Tagen stieg 'How would a Patriot act?' aus der Obskurität auf Platz eins bei Amazon, vor allem weil die ersten Blogs ein Lauffeuer von Erwähnungen und Links in der Blogosphäre in Gang setzten. Dies sandte Schockwellen durch die progressiven Verlagskreise und weckte bei Buchläden im ganzen Land Interesse. Das Erscheinungsdatum des Buchs war der 15,. Mai und seit dem steht es auf den Bestsellerlisten der Washington Post und der New York Times."

Magazinrundschau vom 27.06.2006 - The Nation

Der Kalte Krieg fängt gerade erst an, behauptet der Politologe Stephen F. Cohen in einer düsteren Analyse von Russlands naher Zukunft. "Die Petrodollars mögen Russland langfristige Stabilität bescheren, aber auf der Basis von zunehmenden Autoritarismus und xenophobem Nationalismus. Diese unheilschwangeren Entwicklungen kommen nicht von Russlands verlorenem Supermachtstatus (oder Putins KGB-Hintergrund), wie uns die US-Presse regelmäßig glauben machen will, sondern von den vielen Toten und Verwundeten an der Heimatfront seit 1991. Diese oft als 'Weimar-Szenario' betitelte Entwicklung würde nicht unbedingt auf einen Faschismus hinauslaufen, aber es würde ein Russland im Besitz von Massenvernichtungswaffen und eines Großteils der globalen Gas- und Ölreserven bedeuten, das dem Westen noch feindlicher gegenübersteht als es sein sowjetischer Vorgänger getan hat."
Stichwörter: Autoritarismus, Faschismus, Gas, Weimar, KGB

Magazinrundschau vom 21.02.2006 - The Nation

Die Karikaturisten Art Spiegelman und Joe Sacco geben gemeinsam ein Interview zum Karikaturenstreit. Saccos erste Reaktion war: "Was für eine Bande von Idioten sind diese Dänen, dass sie solche Sachen drucken." Spiegelman hält sich eher bedeckt: "Wenn es ein Recht gibt, Karikaturen zu zeichnen, dann muss es auch ein Recht geben zu beleidigen. Wenn es kein Recht gibt, Karikaturen zu zeichnen, bin ich in großen Schwierigkeiten. Und ich glaube, Amerika auch."

Magazinrundschau vom 14.02.2006 - The Nation

Der Schriftsteller Walter Mosley ruft die Afroamerikaner dazu auf, eine eigene Partei in den USA zu gründen, eine neue Black Power. Denn von den Demokraten, meint er, sei nichts mehr zu erwarten: "Von allen ethnischen Gruppen in den USA haben wir das niedrigste Durchschnittseinkommen. Wir sitzen mit einer alarmierend hohen Rate im Gefängnis. Wir werden immer noch segregiert und rastergefahndet und sind in den Führungspositionen der Demokratischen Partei nur spärlich repräsentiert. Wir sind treue Anhänger, das Bollwerk, die alten Getreuen der Demokraten, und dennoch haben unsere Anliegen dort schon lange keine hohe Priorität mehr."

Der französische Intellektuelle Bernard-Henri Levy richtet einen Weckruf an die amerikanische Linke, die er bei seiner Reise auf Toquevilles Spuren in einem "semi-komatösen" Zustand vorgefunden hat: "Für einen außenstehenden Beobachter ist es recht seltsam, dass so viele Progressive nach eigenem Bekenntnis erst den Hurrikan Katrina brauchten, um sich über das unerhörte Maß an Armut in amerikanischen Städten empören zu können oder es wenigstens zu begreifen. Für einen an die Schlachtfelder der Ideen gewöhnten europäischen Intellektuellen, ist es schlichtweg unbegreiflich, dass sich nicht mehr Stimmen im Namen der Aufklärung erhoben haben, um den lächerlichen Betrug der Anti-Darwinistischen Unterstützer des "intelligent design" zu entlarven. Und was ist mit der Todesstrafe? Wie kann es sein, dass es in den politischen Parteien, besonders bei den Demokraten noch immer keinen Stimmungstrend gibt, der die Abschaffung dieser zivilisierten Barbarei fordert? Und Guantanamo? Und Abu Ghraib?"

Magazinrundschau vom 13.12.2005 - The Nation

Die Weihnachts-Spezialausgabe ist der Folter gewidmet, die bei den amerikanischen Geheimdiensten eine unrühmliche Renaissance zu erleben scheint. Steve Brodner und Peter Ahlberg haben das Netzwerk der Verantwortlichen in einem Folterbaum veranschaulicht, der als pdf heruntergeladen werden kann.

"Disco ist nicht tot. Sie ist in den Krieg gezogen." Moustafa Bayoumi macht Musiker darauf aufmerksam, dass weltweit Gefangene mit ihren Liedern gefoltert werden (in Guantanamo Bay etwa mit Eminem, Britney Spears, Limp Bizkit, Rage Against the Machine, Metallica und Bruce Springsteens 'Born in the USA'), und fordert sie auf, gegen den Missbrauch ihrer Kunst zu protestieren. "Gefangene lauter Musik auszusetzen ist Teil der 'Folter light', die nun Eingang in die Lexika gefunden hat. 'Folter light' ist eine kalkulierte Kombination aus psychologischen und physischen Zwangsmaßnahmen, die kurz vor dem Mord aufhören und das Risiko minimieren, dass verräterische Male am Körper zurückbleiben, die aber nichtsdestotrotz extreme psychologische Traumata auslösen."

Weitere Artikel: Jonathan H. Marks rückt das medizinische Personal in den Vordergrund, das die Folternden "betreut". Anthony Lewis fordert einen unabhängigen Sonderermittler, da die Politik versagt. "Die Wahrheit ist, dass die meisten Kongressabgeordneten vor allem zurückschrecken, was ihnen als Weichheit gegenüber Terroristen ausgelegt werden könnte."

Magazinrundschau vom 06.12.2005 - The Nation

Jeremy Scahill preist den arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, den die amerikanische Regierung angeblich bombardieren wollte, gar als journalistisches Vorbild. "Al-Dschasiras wahres Vergehen während des des 'Krieges gegen den Terror' war einfach seine Anwesenheit. Während er der Bush-Regierung und der US-Politik kritisch gegenüber steht, ist er nicht antiamerikanisch - er ist unabhängig. Tatsächlich hat der Sender fast jede arabische Regierung verärgert und wurde aus vielen arabischen Staaten vertrieben oder mit Sanktionen belegt. Er hat es geschafft, sowohl von Saddam als auch der neuen US-unterstützten Regierung verboten zu werden. Er war der erste arabische Sender, der Interviews mit israelischen Offiziellen gesendet hat. Er ist keineswegs das Sprachrohr von Al Qaida, wie uns die Regierung glauben machen wollte. Die wahre Bedrohung, die von Al-Dschasira ausgeht, ist sein uneingebetteter Journalismus - genau den brauchen wir jetzt auch um die Wahrheit über das Treffen zwischen Bush und Blair herauszufinden."

Magazinrundschau vom 06.09.2005 - The Nation

Katha Pollitt entdeckt in der irakischen Verfassung (große Teile des Texts hier), auf die sich die Nationalversammlung am 22. August geeinigt hat, Widersprüche, die sehr bald zu Kampfplätzen werden könnten. Da heißt es in Artikel 2 etwa: "'(a) Es darf kein Gesetz verabschiedet werden, das den unangefochtenen Regeln des Islam widerspricht.' Auf der anderen Seite liest man: '(b) Es darf kein Gesetz verabschiedet werden, das den Prinzipien der Demokratie widerspricht' und (c) Es darf kein Gesetz verabschiedet werden, das den Rechten und grundsätzlichen Freiheiten dieser Verfassung widerspricht' wie etwa Artikel 14: 'Iraker sind vor dem Gesetz gleich, ungeachtet ihren Geschlechts', der Religion, Ethnie und so weiter." Nun fragt sich Pollittt, wie mit den irakischen Frauen verfahren werden soll, die im Islam den Männern untergeordnet, in der Demokratie aber gleichgestellt sein sollen.
Stichwörter: Irak, Nationalversammlung

Magazinrundschau vom 16.08.2005 - The Nation

Der Rassismus des Westens ist der Treibstoff des islamischen Terrors, behauptet die Autorin Naomi Klein. "Das wahre Problem ist nicht zuviel Multikulturalismus, sondern zu wenig. Wenn die Vielfalt, die im Augenblick an den Rändern der westlichen Gesellschaften vor sich hin vegetiert - geografisch und psychologisch - wirklich in die Zentren hineinwandern dürfte, könnte sie das öffentliche Leben im Westen mit einem mächtigen neuen Humanismus anreichern."

Gary Ruskin und Juliet Schor beschreiben, wie die großen Nahrungsmittelkonzerne verhindern, dass die grassierende Fettleibigkeit auf die Agenda amerikanischer Gesundheitspolitiker kommt.

Magazinrundschau vom 21.06.2005 - The Nation

David Corn und Jeff Goldberg erzählen ein unbekanntes Detail der Deep-Throat-Saga, wie es auch John Le Carre nicht besser hätte erfinden können: Als stellvertretender FBI-Direktor war Mark Felt zeitweise damit beauftragt, die anonyme Quelle von Bob Woodward and Carl Bernstein ausfindig zu machen. Er war also sein eigener Jäger. "Aus dieser bevorzugten Position heraus konnte Felt, der seine Fähigkeiten in Geheimdienstmissionen gegen deutsche Spione im Zweiten Weltkrieg erlangt hatte, sich den Rücken frei halten und weiterhin die beiden Reporter unterrichten, deren Artikel den Präsidenten zu Fall bringen sollten, dem er diente."

Adam Shatz trauert um den libanesischen Journalisten Samir Kassir, eine der führenden progressiven Stimmen des nahen Ostens. Am 2. Juni explodierte eine unter seinem Wagen angebrachte Bombe, als er zur Arbeit in die Redaktion der Zeitung Al-Nahar fahren wollte.