
Ungewöhnlich und lesenswert
findet Hilary Mantel einen Roman über den
1933 nach Oxford, Graz und schließlich Irland emigrierten
Physiker Erwin Schrödinger:
"A Game with Sharpened Knives" (Weidenfeld) von
Neil Belton: "Es ist Beltons großer Verdienst, in den unpräzisen und mehrdeutigen Worten, die alles sind, was wir zur Verfügung haben, ein überzeugendes Faksimile der
inneren Welt eines Mannes zu schaffen, der
in Symbolen denkt und diese in präzise Formeln übersetzt ... Es ist eine Binsenweisheit, dass Wissenschaft uns nicht lehrt, wie wir leben sollen, und auch Schrödinger weiß nicht, wie man leben soll. Er weiß, wie man
Ausflüchte macht, wie man
Kompromisse findet, wie man etwas hinausschiebt und wie man etwas verschleiert. Und das ist ein Versuchsgelände für jeden Schriftsteller. Denn wie Schrödinger selbst sagte: 'Es gibt einen Unterschied zwischen einem verwackelten oder unscharfen Foto und einem Schnappschuss von Wolken und Nebelschwaden.'"
Ed Harriman
verfolgt die offiziellen Ermittlungen zu den
versickernden Milliarden Dollar Irak-Hilfe und kommt zu dem bitteren Schluss, dass der Sturz Saddam Husseins keinen grundlegenden Wandel gebracht hat: "Sowohl Saddam als auch die USA haben während Saddams Herrschaft
schöne Profite gemacht. Er kontrollierte das irakische Vermögen, während der Großteil des irakischen Öls an kalifornische Raffinerien ging, um den amerikanischen Wählern billiges Benzin zu liefern. Jene US-Firmen, die Saddams Gunst genossen, wurden reich. Heute ist das System nahezu das selbe: Das Öl geht nach Kalifornien, und die neue irakische Regierung räumt unbehelligt die Staatskassen leer."
Weitere Artikel: David Edgar, Sohn eines BBC-Allrounders der ersten Stunde,
lobt Georgina Born ("
Uncertain Vision: Birt, Dyke and the Reinvention of the BBC") für ihre klarsichtige Analyse des
qualitativen Niedergangs der BBC und der Herausforderung, die sich sowohl der BBC als auch der britischen Regierung stellen. R. W. Johnson
nimmt die
Live8-Konzerte zum Anlass, um daran zu erinnern, dass die
politischen Führer Afrikas nicht selten versäumen, den Machterhalt korrupter Nachbarregimes zu unterminieren. In den Short Cuts
erklärt Thomas Jones den Unterschied zwischen
Konjunktiv II und
Indikativ und damit die Hinfälligkeit des jüngsten Skandaljournalismus der
Sun, deren Reporter sich neuerdings darauf spezialisiert haben, Brotdosen und ähnliches in die Nähe von hochrangigen Persönlichkeiten zu schmuggeln und dann zu behaupten: "
Ich hätte Prinz Harry hochgehen lassen können!" Und schließlich
wandert Peter Campbell durch die Tate Britain, die eine
Ausstellung zum Celebrity-Porträtmaler
Joshua Reynolds präsentiert.