Magazinrundschau - Archiv

Literary Hub

4 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 09.07.2019 - Literary Hub

Literary Hub bringt ein Gespräch zwischen den Schriftstellern Nadifa Mohamed und Aleksandar Hemon, beide als Kinder eingewandert in die Länder, in denen sie jetzt leben (Mohamed aus Somalien nach Britannien, Hemon aus Bosnien in die USA), über den besonderen Blick von Migranten auf ihre Herkunfts- wie Einwanderungsländer. Hemon fällt vor allem auf, dass Menschen einen getrübten Blick auf ihre eigenen Gesellschaften haben: "Die Seltsame ist - ähnlich unseren Erfahrung in den Vereinigten Staaten im Moment -, dass die Menschen nicht glauben, was passiert, während es passiert", meint Hemon. "Ich denke oft daran, wie ich meine Eltern ein paar Wochen vor dem Ende der Belagerung in Sarajevo anrief. Während ich mit meiner Mutter am Telefon sprach, hörte ich Schüsse und meine Mutter sagte: 'Na, sie schießen schon weniger als gestern!' Sie erwartete immer wieder, dass sich die Dinge normalisieren, dass es eine Korrektur geben würde, aber natürlich kann das nicht geschehen. Die Sache, die mir in den Vereinigten Staaten in vielerlei Hinsicht am meisten Angst macht, ist dieses ewige riesige öffentliche Verlangen nach einer Korrektur - dass Trump und der Trumpismus durch eine Untersuchung oder eine Amtsenthebung oder was auch immer irgendwie korrigiert werden und dann alles mehr oder weniger wieder wird, wie es vorher war. Das ist eine totale Fantasie." Das Gespräch ist dem Buch "Lost in Media: Migrant Perspectives and the Public Sphere" entnommen.

Magazinrundschau vom 02.01.2018 - Literary Hub

LitHub dokumentiert ein langes Gespräch, das die Autoren Margaret Atwood und Andrew O'Hagan beim Vancouver Writers Festival führten. Thema war "Der Schriftsteller in der Welt" und es ging um Trump, die Zukunft und - vor allem - das Internet. O'Hagan, geboren 1968, ist einfach geschockt, in welchem Ausmaß es die jüngere Generation bereits geprägt hat: "Als ich in London lehrte stellte ich fest, dass meine Studenten absolut kein Interesse hatten mit dem Bus zu fahren und den Gesprächen der Leute zu lauschen oder überhaupt im hergebrachten Sinne zu recherchieren. Ihre Vorstellung von Recherche war, Ereignisse zu googeln. Sobald man sie bat etwas zu überprüfen, holten sie ihre Laptops raus. Die Vorstellung, mit Frauen über spezielle Probleme zu reden oder in eine Fabrik zu gehen und mit den Gewerkschaftern zu reden, war ihnen fremd. Sie wussten nicht, warum sie das hätten tun sollen. Jemand hatte doch bereits darüber geschrieben und es ins Netz gestellt. In die Augen der Menschen zu gucken und nach Schattierungen und Unterschieden zu suchen, kam ihnen nicht in den Sinn. Ich finde das seltsam. Für sie ist die Realität nicht so wirklich wie für mich."

Magazinrundschau vom 11.10.2016 - Literary Hub

Der Autor Junot Diaz hat für einen Sammelband "Die besten amerikanischen Kurzgeschichten 2016" ausgesucht und schreibt in seinem Vorwort eine feurige Verteidigung des Genres gegen dessen Verächter: "Wenn der Roman die bevorzugte literarische Form in unserer Kultur ist, auf die wir all unseren getrockneten literarischen Lorbeer häufen, dann ist die Kurzgeschichte ihr verachteter kleiner Bruder, ein ewiger Außenseiter. Aber was für ein Außenseiter. Eine Kurzgeschichte kann auf einigen Dutzend Seiten Herzen, Knochen, Eitelkeiten und Käfige brechen. Und in den richtigen Händen hat ein Gramm Kurzgeschichte mehr Pep als fast jede andere literarische Form. Es ist genau dieser anregend atomare Mischung aus Ökonomie + Kraft, die Leser und Autoren gleichermaßen seit Generationen hingerissen hat und die auch erklärt, warum die Kurzgeschichte immer noch unsere besten Autoren anzieht. Aber so viel Macht hat ihren Preis. Diese Form ist scheißgnadenlos. Sie verlangt von ihren Jüngern ein verstörendes Maß an Genauigkeit."

Außerdem: John Freeman las mit Mohsin Hamids Flüchtlingsroman "Exit West" den ersten post-Brexit-Roman: "Ich verstehe, dass sich die Leute vor Flüchtlingen fürchten', sagt Hamid im Interview. "Wenn man in einem reichen Land lebt, ist diese Furcht vor Menschen aus weit entfernten Ländern verständlich. Aber Furcht ist wie Rassismus: Verständlich, aber sie muss bekämpft und vermindert werden."
Anzeige

Magazinrundschau vom 24.05.2016 - Literary Hub

Megha Majumdar hat Ruanda selbst bereist und die Orte des Schreckens mit eigenen Augen gesehen. Er beschreibt eine irgendwie unbehaglich friedliche Atmosphäre, die glatten Straßen und das Fehlen jeglicher Plastiktüten. Das Regime Paul Kagamas wirkt harmonisch, aber unter der Oberfläche lauert Angst. Seine Lektüre von Anjan Sundarams Buch "Bad News - Last Journalists in a Dictatorship", das auch im Guardian schon dringend empfohlen wurde, bestätigt ihn. Es schildert Ruanda als einen Staat, das den Schrecken nicht bewältigt, sondern immer wieder neu zelebriert - etwa durch grauenhafte Fernsehbilder: "Auf dem nationalen Fernsehsender lief Genozid-Material. Die Regierung zeigte buchstäblich die Ermordungen. Ich habe nie verstanden, warum sich die Familien das ansahen. Heute glaube ich, das es es sich um eine staatlich betriebene Erneuerung des Traumas handelt, eine Auffrischung, die die neue Generation der Kinder prägt, so dass das Trauma bestehen bleibt."
Stichwörter: Kagame, Paul, Ruanda, Trauma