
Ausführlich und sehr kenntnisreich
beschreibt die Historikerin Sylvia Chiffoleau das Business und die Bürokratie der
Pilgerfahrten nach Mekka. Erst 1957 erhalten die Saudis nach der Phase des Kolonialismus die volle Oberherrschaft über den Hadsch. Seitdem steigt der demografische und darum der polizeiliche und der
gesundheitspolitische Druck gewaltig - denn die Pilgerfahrt ist seit je ein gefürchteter Brutplatz für Seuchen. Im letzten Jahr wurden die Kontingente für die islamischen Länder, die bisher jährlich
ein Tausendstel ihrer Bevölkerung schicken durften, um 20 Prozent reduziert, unter anderem wegen des Mers-Virus. Der politische Druck bleibt beständig. Von Beginn an musste die Dynastie der Saud, die überdies
nicht vom Propheten abstammt, beweisen, "dass ihr Zugriff auf die Provinzen der Halbinsel keine Privatisierung der heiligen Orte nach sich zieht, die als Allgemeinerbe der Sunna angesehen werden. Überdies berufen sich die Saudis auf die marginale Doktrin des
Wahabismus, die sie den heiligen Orten zwangsweise auferlegt haben, vor allem durch eine strikte Kontrolle der Sitten und eine Schleifung von Heiligengräbern, die vielen der Pilger teuer waren."