Magazinrundschau - Archiv

The Guardian

443 Presseschau-Absätze - Seite 22 von 45

Magazinrundschau vom 14.07.2015 - Guardian

Die Briten sehen in der Sklaverei gern eine Unmenschlichkeit, die in Georgia oder Alabama begangen wurde, und vergessen dabei, dass Tausende von britischen Dynastien ihren Reichtum dem Sklavenhandel oder ihren Sklaven-Plantagen in der Karibik verdanken. Jetzt sind jedoch die Akten der Kommission online zugänglich gemacht worden, die nach Abschaffung der Sklaverei 1833 die Sklavenhalter entschädigen sollte. David Olusoga hat sie ungläubig gesichtet: "Die Kommission war von der Regierung eingesetzt, um die Ansprüche der Sklavenhalter zu bewerten und die Verteilung der 20 Millionen Pfund zu organisieren, mit denen die Regierung sie entschädigen wollte. Diese Summe entsprach 40 Prozent der gesamten Regierungsausgaben von 1834. Sie entspricht einem heutigen Wert zwischen 16 und 17 Milliarden Pfund. Die Entschädigung für Großbritanniens 46.000 Sklavenhalter war der größte Bailout in der britischen Geschichte bis zur Rettung der Banken 2009. Die Sklaven haben dabei nicht nur nichts bekommen, sie waren durch eine weitere Klausel des Gesetzes auch gezwungen, nach ihrer vermeintlichen Befreiung vier Jahre lang 45 Stunden pro Woche unbezahlt für ihre früheren Herren zu arbeiten. Tatsächlich zahlten die Versklavten damit einen Teil der Rechnung für ihre eigene Freilassung."

Weitere Artikel: Jeannette Winterson berichtet emphatisch von ihrer 11-tägigen Fastenkur. Fast schon peinlich findet Steven Poole Sudhir Hazareesinghs abfällige Geschichte des französischen Denkens "How the French Think".

Magazinrundschau vom 07.07.2015 - Guardian

Der Autor Mo Walsh erklärt von Harper Lee bis Flannery O"Connor den Reiz der gerade sehr angesagten Southern Gothic, die in den Tiefen von Alabama oder Georgia angesiedelt, nicht so sehr vom hässlichen Süden erzählt, sondern von sehr bildhaften Charakteren: "Akademiker nennen diese Art der Charaktere gerne "grotesk", da sie oft verunstaltet, fanatisch oder gewalttätig sind. Aus der Feder des Südstaatenautors sind sie jedoch mit Empathie und Wahrheit gefüllt. Sie arbeiten hart und haben ein hartes Leben; sie tragen die physisches Narben auf eine Art die viele nur innerlich tragen. Warum identifiziert sich der Leser damit? Vielleicht trifft es O"Connor am Besten, wenn sie sagt: "Ich gebrauche das Groteske auf diese Art und Weise, weil die Menschen taub und dumm sind, man muss ihnen helfen zu sehen und zu hören". Die Südstaatengotik zeigt ihre Charaktere laut und deutlich."

Hari Kunzru erinnert an den vor 50 Jahren erschienenen Roman "Dune", des genialen Frank Herbert: "Jede Fantasie spiegelt den Ort und die Zeit, in der sie produziert wurde wider. Wenn es in "Der Herr der Ringe" um den Aufstieg des Faschismus und das Trauma des Zweites Weltkriegs geht, und "Game of Thrones" mit seiner zynischen Realpolitik und seinen waghalsigen und unternehmerischen Charakteren ein neoliberales Märchen ist, dann ist "Dune" die paradigmatische Fantasie im Zeitalter des Wassermanns."

Magazinrundschau vom 30.06.2015 - Guardian

Am 1. Januar 2016 werden Paris und seine Vororteverwaltungstechnisch zur Métropole du Grand Paris zusammengeschlossen, doch die große Mauer zwischen der Stadt und ihren Banlieues, der Périphérique, dieses Bollwerk gegen Preußen und Proletarier, wird sich nicht so schnell abtragen lassen, fürchtet Justinien Tribillon: "Die Trennung von Paris und seinen Vororten reicht tiefer zurück als bis zum Bau der Autobahn in den siebziger Jahren. Um die Bedeutung zu verstehen, muss man zu Napoleons Sturz zurückgehen. Im März 1814 wurde Napoleon in der Schlacht bei Paris geschlagen und die preußischen Truppen stürmten die Stadt. In der Folge beschlossen König Louis-Philippe und der französische Premierminster Adolphe Thiers Paris in eine Festung umzubilden und die Stadt vor jedem weiteren Eindringen zu schützen. Sie veranlassten in den vierziger Jahren den Bau der Stadtbefestigung - womit sie einen eher mittelalterlichen Ansatz der Stadtplanung verfolgten ... Die Zerstörung der Festungsanlagen wurde 1882 geplant, doch erst 1919 begonnen und 1929 abgeschlosssen. Zum Vergleich: Berlin hat seine letzten Festungen 1740 zerstört, London 1760." (Die Karte zeigt rot das innerstädtische Paris mit seinen zwanzig Arrondissements, das mit über hundert Kommunen der engeren Banlieue zusammengelegt werden soll.)

Sam Leith stöhnt über die Verflachung der Sachbücher, die große Publikumsverlage fast nur noch im Gewand großer Ideen druckten, meist von Malcolm Gladwell, Daniel Kahneman oder Nicholas Carr: "Es sind Bücher, über die man redet: Sie sind leicht nachzumachen, die Inhaltsangaben tendieren zum Kategorischen und können bei jedem Abendessen in einem Satz zusammengefasst werden oder in einem Artikel mit 900 Wörtern; sie stützen sich - modisch, aber vage - auf ein poptheoretisches oder neurowissenschaftliches Gerüst. In ihren Titel beantworten sie eine große Frage oder tun zumindest so; oder sie haben einen Hauch von Selbsthilfe oder Ratgeber. Sie bieten uns Dinge gern in Form von Listen an. Und sie sind - sagte ich das schon? - leicht nachzumachen. Weil sie selbst auch schon nachgemacht sind. Von William Carlos Williams "Ideen nur in Dingen" bewegen wir uns zu einem "Dinge nur in Ideen"."

Schon jetzt einen Klassiker nennt Robin Yassin-Kassab Kamel Daouds gerade auf Englisch erschienenen Roman "Mersault, contre-enquête", die Fortschreibung von Camus" "Der Fremde" aus algerischer Perspektive.

Magazinrundschau vom 23.06.2015 - Guardian

Rachel Cooke besucht den Künstler Olafur Eliasson in seinem Berliner Atelier in Berlin und unterhält sich mit ihm unter anderem über sein visuelles Konzept für Wayne McGregors Choreografie "Tree of Codes". Das Stück basiert auf einem Buch von Jonathan Safran Foer, der einzelne Sätze und Wörter aus den Seiten der "Zimtläden" von Bruno Schulz so ausgeschnitten hat, dass ein neuer Text und gleichzeitig eine Art Buchskulptur daraus entstanden ist (siehe Bild). Die Musik zu dem Ballett, das in Manchester uraufgeführt wird, hat DJ Jamie xx beigesteuert. "Die Arbeit an "Tree of Codes" war wundervoll", sagt Eliasson. "Ich war sehr aufgeregt. Und wir hatten Glück, dass Jamie xx zugesagt hat. Er kombiniert populäre mit experimenteller Musik. Dies schuf das erste architektonische Raster, über das Wayne und ich diskutierten. Ich kenne Jonathan [Foers] ziemlich gut, wir interessieren uns beide für Bücher als Objekte. Indem er die Geschichte aus dem Buch herausschnitt, schuf er einen neuen Raum und Wayne reagierte darauf: seine Arbeit basiert oft darauf, Bewegungen wegzunehmen statt hinzuzufügen. Die Menschen sehen Raum als ein Übereinanderfügen von Schichten. Aber man kann auch Raum schaffen, indem man etwas wegnimmt und guckt, was übrig bleibt. In Äthiopien werden koptische Kirchen aus Bergen herausgemeißelt."

Politico.eu mischt die europäische Politik- und Medienszene ganz schön klug und virtuos auf und gestattet dem Miteigentümer Springer so, Einfluss in Brüssel zu gewinnen - bis man das Haus in Brüssel fürchtet wie in Berlin. Gideon Lewis-Kraus berichtet recht launig über das Magazin, stellt einige der Journalisten vor und lässt nebenbei ein paar britisch-herablassende (und letztlich dann doch ungerechte) Sätze über die deutschen Medien fallen: "Deutschland hat wie die meisten Länder Europas die Realitäten des digitalen Journalismus sehr langsam akzeptiert und genutzt. Wenige seiner Medien haben - mit Ausnahme der der Zeit - größere Anstrengungen in eine robuste Online-Präsenz gesteckt." Aus dem Mund eines Financial Times-Kollegen fällt dann noch der Satz: "Die FAZ hatte neulich einen riesigen Scoop über Griechenland, und sie hat ihn nicht mal online gestellt."

Und: "Es ist wie eine Krankheit, ich spreche ständig über Dinge, über die man nicht sprechen soll. Es fing an mit Homosexualität und dann wollte ich jedes Tabu brechen", sagt Charles Aznavour im Gespräch mit Angelique Chrisafis, die den Chansonier anlässlich seines neuen Albums besucht hat.

Magazinrundschau vom 16.06.2015 - Guardian

Die französischen Intellektuellen bringen es nicht mehr, meint der Historiker Sudhir Hazareesingh in seinem Buch "How the French Think: An Affectionate Portrait of an Intellectual People", aus dem der Guardian einen Auszug bringt. Hazareesingh erinnert an die großen Errungenschaften des französischen Denkens, um dann Republikanismus, Laizismus und Universalismus für total gestrig zu erklären: "Das Andere war schon immer ein problematischer Begriff in der französischen Kultur: daher die lange Tradition des Antisemitismus in Frankreichs nationalistischem Denken. Aber auch die Progressiven hatten damit ihre Schwierigkeiten, vor allem mit der tief verwurzelten Feindseligkeit gegen die weibliche Emanzipation (Frauen wurden von den Republikanern lange als reaktionäre Agenten des Katholizismus angesehen und dürfen erst seit 1944 wählen). Die Fortschrittlichen haben sich auch lange gesträubt, ihre universalistischen Ideale des guten Lebens mit kulturellem Pluralismus und ethnischer Vielfalt zu versöhnen. Multikulturalismus wird auch deswegen so negativ von den Franzosen betrachtet, weil er als angelsächsische Praxis gilt. Ein aktuelles Beispiel dieser Unzulänglichkeit ist die Diskussion um die Integration postkolonialer Minderheiten aus dem Maghreb. Die Wurzeln dieses Problems liegen in der tief verwurzelten Annahme, dass die französische Zivilisation für die Menschheit eine gute Sache ist."

Außerdem berichten mehrere Reporter in einer ausführlichen Recherche, wie der Islamische Staat das rivalisierende al-Qaida-Netzwerk ausgeschaltet hat: "Der IS hat al-Qaida nicht nur auf den Schlachtfeldern von Syrien und Irak in den Schatten gestellt, oder im Wettbewerb um die Finanzierung und neue Rekruten. Wie sich aus mehreren exklusiven Interviews mit führenden dschihadistischen Ideologen ergibt, hat der IS gegen al-Qaida "geputscht", um das Netzwerk von innen zu zerstören. Infolgedessen ist al-Qaida jetzt - als Idee und Organsiation - am Rande des Kollaps."

Weiteres: Justine van der Leun erzählt von einem Ermittlungsteam in Südafrika, das alten Fällen verschwundener Apartheidsgegner nachgeht und dafür auch mit denjenigen Polizisten zusammenarbeitet, die für Morde und Entführungen verantwortlich waren. In höchsten Tönen lobt John Gallagher Noel Malcolms Buch "Agents of Empire", das die Geschichte des Mittelmeers im 16. Jahrhundert am anhand zweier albanischer Familien, den Brunis und den Brutis, erzählt.

Magazinrundschau vom 09.06.2015 - Guardian

Im Guardian erzählt Stephen Witt von den Ursprüngen des Musikstreamings, und erinnert vor allem an die von Alan Ellis gegründete Musiktauschbörse Oink"s Pink Palace, die zwischen 2004-2007 ihren Höhepunkt mit etwa 180.000 Mitgliedern erreichte: "Warum waren die Oink-Nutzer der Platform so treu ergeben? Die Torrent Technology war nicht leicht zu handhaben ... und das Hochladen jeder einzelnen Datei war quasi eine Straftat. Die auf Oink verfügbare Musik gab es meist auch bei Pirate Bay oder Kazaa; und war es ab einem bestimmten Punkt nicht sogar leicher, einfach bei iTunes einzukaufen? Theorien gibt es reichlich. Für klassische Ökonomen überwiegt der Vorteil der endlosen Auswahl der Nutzer gegenüber der Erfolgsbilanz und dem Risiko geschnappt zu werden. Behavioristische Ökonomen sahen Nutzer, die sich daran gewöhnt hatten, Musik umsonst zu konsumieren und sich jetzt weigerten, dafür zu bezahlen. Politologen beobachteten eine Gruppe aktiver Dissidenten... Für Soziologen war gerade die Exklusivität von Oink der entscheidende Anreiz."

Magazinrundschau vom 26.05.2015 - Guardian

In seinem neuen Roman "Us" schickt David Nicholls seinen Helden durch Bologna, ohne jemals in der Stadt gewesen zu sein. Aber geht das überhaupt, fragt er sich jetzt mit schlechtem Gewissen, mit Google Orte zu erkunden? Kafka war auch nie in Amerika: "Auf die Vorstellungskraft des Lesers kann man sich immer verlassen, doch es bleibt die Angst des Autors, furchtbar daneben zu liegen und wie Shakespeare seine Figuren an Böhmens nichtexistenter Küste auszusetzen. Wie zum Beispiel der Autor, der die Ringstraße auf der Karte für einen Fluss hielt und seine Charaktere dort spazieren gehen ließ. Und dann ist Recherche ja nicht nur eine Frage der Fakten. Dass ein Schriftsteller tief in den Ort eindringt, macht den Reiz der Sache aus, man will nicht nur spüren, dass er dort gewesen ist, sondern dass er etwas erlebt hat. Man kann nicht von Mavis Gallants" Paris, Isherwoods Berlin oder den vielen Orten bei Conrad und Greene lesen, ohne zu spüren, dass sie ihre Umgebung nicht nur beobachtet, sondern aus erster Hand erfahren haben. Literatur als Reise erster Klasse und der Autor als unser Mann in Havanna."

Weiteres: Überfällig findet Hari Kunzru, dass Laszlo Krasznahorkai jetzt in Großbritannien entdeckt wird. An Intensität kaum zu übertreffen seien seine Roman, allerdings keine leichte Lektüre, wie einem Satz Krasznahorkais zu entnehmen sei: "Der Punkt gehört nicht den Menschen, sondern Gott." Jonathan Coe räumt Milan Kunderas neuen Roman "Das Fest der Bedeutunglosigkeit" ohne viel Federlesen ins Regal der Altherren-Literatur, zögert aber noch ein wenig, auch Kunderas berühmtere Werke dort einzusortieren. Kein bisschen nostalgisch findet Barney Hoskey Richard Goldsteins Pop-Geschichte der 60er.

Magazinrundschau vom 12.05.2015 - Guardian

Auf der Suche nach Inspiration für ihren neuen Roman, begibt sich Anne Enrights an die irische Westküste, an der sie nicht nur ihren literarischen Vorgängern begegnet, sondern auch sich selbst: "Jeden Tag habe ich meine Midlife-Madness ausgeführt, wie andere ihren Hund an der Leine, und mich gefragt, warum nichts so geworden ist, wie ich es erwartet hatte... Vielleicht war es nur eine Frage des Timings. Ich hatte niemals erwartet im mittleren Alter zu sein. Das war ein echter Schock. Mutter zu sein, wie komisch ist das denn? Verheiratet zu sein. Verdammt, ich wusste, ich würde in irgendeiner Art Institution enden. Ich hätte niemals gedacht, es würde die Ehe sein. Ich hatte nicht gedacht, mehr oder weniger glücklich zu sein, mehr oder weniger allein. Manchmal vollkommen glücklich und manchmal auch vollkommen allein. Ich bin Schriftstellerin. Es ist mein Job allein zu sein und zu beobachten, wie die "große Granitsteine die Gischt ins Licht werfen"."
Stichwörter: Enright, Anne, Madness

Magazinrundschau vom 05.05.2015 - Guardian

Julian Barnes denkt über die Kunst, das Leben und den Thrill nach und muss feststellen, dass es in der Literatur so viel weniger Ordnung gibt als in der Kunst, die ihn dabei fast noch mehr fesselt: "Der Weg aus dem Realismus heraus lässt sich, wie es scheint, leichter in der Malerei verfolgen als in der Literatur. In einem Museum geht man von einer Galerie in die nächste und folgt einem offenbar linearen Narrativ: von Courbet zu Manet, Monet und Degas, zu Cézanne und dann zu Braque und Picasso - und schon ist man da! In der Fiktion scheint alles kompliziert und weniger linear, mit etlichen Rückbezügen. Wenn der erste große europäische Roman "Don Quixote" war, dann machen seine seltsamen Vorkommnisse, seine Verzwicktheit und narrative Reflektiertheit ihn zugleich auch modern, postmodern und magisch realistisch. Wenn dann aber der erste große moderne Roman "Ulysses" war, wie kommt es, dass seine besten Stellen die realistischsten sind, jene, die das alltägliche Leben am besten einfangen?"

Will Self erklärt, warum er jetzt nach Jahrzehnten sozialistischer Allüren zum ersten Mal Labour wählen will: Wegen Oscar Wilde und der Erkenntnis, dass sein eigenes Leben als schriftstellernder "Prekaristokrat" so komfortabel war, weil es der Arbeiterschaft so schlecht geht: "Wilde schrieb: "Egoismus besteht nicht darin, dass man sein Leben nach seinen Wünschen lebt, sondern darin, dass man von anderen verlangt, dass sie so leben, wie man es wünscht.""

Magazinrundschau vom 28.04.2015 - Guardian

Orhan Pamuk erzählt, wie er seinen Frieden mit der Entscheidung machte, nicht Maler, sondern Schriftsteller geworden zu sein. Es war in den Pariser Ateliers des von ihm sehr bewunderten Anselm Kiefer: "Ein Teil von mir verstand, dass das Glück, nach dem ich strebte, unerreichbar für mich war. Kiefers grandiose Kunst bewies, dass anders als ich in meiner Kindheit und Jugend glaubte, Tagträume und ein Denken in Bildern keine Garantie für künstlerische Erfüllung waren. Die Stärke und Engergie des Pinselstrichs wie auch die physische Präsenz des Malers waren wesentliche Komponenten in der magischen Gleichung, die wir Kunst nennen. Mein Körper, meine Schultern, meine Hand wären niemals in der Lage gewesen, so etwas zu schaffen, die Kraft von Kiefers Kunst half mir, dieser schmerzlichen Wahrheit ins Auge zu sehen."

Julia Lovell hat die Erinnerungen "The Barefoot-Lawyer" des blinden Bürgerrechtlers Chen Guangcheng gelesen und viel über den Horror der chinesischen Justiz gelernt: "Geheimgefängnisse, in denen Kritiker des chinesischen Staats für Monate verschwinden können; Überfüllung, Gewalt, Ausbeutung und Misshandlung in den Anstalten; willkürlicher Terror, den Parteifunktionäre über vermeintliche Konterrevolutionäre bringen können."

Außerdem: Hermione Hoby besucht in New York Tony Morrison, die in ihren neuen Roman "God Help the Child" schwarze Schönheit, Missbrauch und Blackness als Fetisch verhandelt. Wie immer ist Morrison mit der Welt über kreuz, doch nicht mit sich selbst: "Morrison hat den Begriff "schwarze Autorin" stets begrüßt. "Ich schreibe für Schwarze", sagt sie, "so wie Tolstoi nicht für mich geschrieben, als ich das 14 Jahre alte Mädchen aus Lorain, Ohio, war"." Im New Statesman wagt Lionel Shriver dagegen den gepfefferten Verriss: "God Help the Child" sein nicht direkt schlecht, aber einfach völlig irrelvant.