
Im Gespräch mit Fiona Maddocks im
Guardian erklärt Salman Rushdie, warum ihm der Begriff "
Islamophobie" falsch erscheint: "Der Punkt mit Ideen ist, dass sie miteinander kommunizieren müssen und sich
nicht abzäunen dürfen. Das ist ganz etwas anderes, als sich gegen ethnische Vorurteile über Menschen zu wenden. Die Farbe der Haut ist ein Faktum. Ein religiöser Glaube ist eine Meinung. Es scheint mir legitim, das man
Gegenmeinungen zu Meinungen äußert, ohne dass man gleich mit Schimpfnamen belegt wird."
Daneben gibt"s
großes Lob von SF-Autorin
Ursula K Le Guin für Rushdies neuen Roman "Two Years Eight Months and Twenty-Eight Nights": "Dieses Buch ist eine
Fantasiegeschichte, ein Märchen - und eine brillante Reflexion der und ernsthafte Meditation über die Wahlmöglichkeiten und Agonien in unserem Leben auf dieser Welt. Die Wahlmöglichkeiten werden vereinfacht dargestellt, wie im Comic, als Wahl zwischen
absolut gut und absolut böse. Die Agonien werden wie Katastrophenfilme gezeichnet, so schrecklich, dass der Leser sie leicht abschütteln kann, wenn es ihm zuviel wird. Rushdie ist ein großzügiger und gutmütiger Autor, der seine Leser
lieber umwirbt und verführt, als ihnen die gallige Wahrheit in den Rachen zu stopfen."
Auch in Angelique Chrisafis"
Houellebecq-
Porträt gibt"s einen Dialog über das Wort "
Islamophobie": "Er nimmt einen tiefen Zug aus seiner Zigarette. Mit ihm zu sprechen ist oft, wie eine Muschel aus der Schale zu holen, die langen Pausen, die zum Schutz verschränkten Arme. Anders als bei den meisten anderen Autoren, gibt es hier keinerlei vorbereitetes Spiel. Ist er islamophob? "Ja, wahrscheinlich.
Angst kann man haben", erwidert er. Ich frage nochmal: Sie sind wahrscheinlich islamophob? "Wahrscheinlich, ja, aber das Wort Phobie bedeutet eher Furcht als Hass." Wovor hat er Angst? "Dass es im Westen schief geht." Meint er Terrorismus? Er nickt. Manche sagen, es handelt sich um eine kleine Minderheit... "Ja, aber sehr wenige Leute können eine sehr große Wirkung haben. Oft sind es die entschlossensten Minderheiten, die Geschichte machen.""
Außerdem im
Guardian: ein
Auszug aus einem Buch des Historikers
Simon Schama über Porträts großer Briten in Geschichte und Gegenwart.