Magazinrundschau - Archiv

L'Espresso

320 Presseschau-Absätze - Seite 30 von 32

Magazinrundschau vom 11.11.2002 - Espresso

Mager, mager, diese Woche: Keine Bustina, und wenn Marco Lupis nicht eine filmreife Geschichte aus Nordkorea zu erzählen hätte, wäre es zappenduster im Espresso. Dramatisch schildert Lupis die Wiederauferstehung des sechzigjährigen Charles Robert Jenkins, der seit fast vierzig Jahren in Nordkorea lebt - ohne es zu wollen. "Ein Mann aus dem Schattenreich, ein Gespenst, das redet, ein Totgeglaubter, der wrklich spricht und läuft. Fast vierzig Jahre sind vergangen seit jener Nacht des 5. Januars 1965, als er während eines Patrouillengangs auf der amerikanisch kontrollierten Seite der demilitarisierten Zone zwischen den beiden Koreas um halb drei Uhr morgens mysteriöserweise verschwand, nachdem er etwas Verdächtiges untersuchen wollte und seinen Kameraden gehießen hatte, stehen zu bleiben und zu warten. Er verschwand spurlos, verschluckt von der Dunkelheit.? Kim Yong Il hat erstmals die Entführungen amerikanischer und japanischer Soldaten zugegeben. Einige sollen noch am Leben sein, berichtet Lupis. Die USA fordern sofortige Aufklärung über alle verschleppten Soldaten.

Weiteres: Ralph Fiennes spricht über seine beiden jüngsten Filme "Spider" und "Red Dragon" und seine Vorliebe für die dunklen Seiten der Menschheit. Lorenzo Soria freut sich diebisch über den größten Flop in Madonnas Karriere, den sehr teuren und sehr erfolglosen Streifen "Swept Away". Andrea Visconti stellt die Vereinigung der schwulen und lesbischen Polizisten von New York vor: Goal.
Stichwörter: Nordkorea, Korea, Fiennes, Ralph

Magazinrundschau vom 04.11.2002 - Espresso

Wer war Che Guevara ("seine" Website und einige Bilder), bevor er Che Guevara wurde, fragt sich Dante Mantelli und findet die Antwort "In Ches Fußstapfen" von Patrick Symmes. Der ist dem revolutionären Frauenheld, Arzt und Popstar nachgereist, der 1951 eine Reise durch Südamerika angetreten hatte, die ihn bis nach Feuerland führte. "Mit 23 Jahren fährt er los, a la Easy Rider, ausgerüstet mit einem Grill (er war Argentinier), einer Dose Fisch, Medikamenten und einer Pistole. Er führte ein Tagebuch, in der die gleiche Begeisterung pulsiert, die man in den Notizen von Charles Darwin, Bruce Chatwin oder den Abenteuer von Butch Cassidy und Sundance Kid in den gleichen Breitengraden spürt." Was sich seitdem auf Kuba alles geändert hat, erfahren wir von Gianni Perrelli, der aus Havanna über die neue Amerikafreundlichkeit Fidel Castros berichtet.

Die USA erwarten sich nichts Gutes von der Zukunft und blicken in die Vergangenheit: Ganz Amerika sehnt sich zurück in das Viktorianische Zeitalter, konstatiert Alessandro Cassin und belegt diesen Trend mit einer Fülle von Beispielen aus Mode, Film und Literatur - und dem wirklichen Leben. "Das viktorianische Revivial räumt auf mit dem Vorurteil einer repressiven und prüden Epoche. Wie Michel Foucault und Peter Gay erklärt haben, war die Sexualität der königlichen Untertanen zwar kodifiziert, aber vielleicht waren sie in diesen Dingen freier als wir heute. Die amerikanische Gesellschaft verfällt einer Zeit, die ihr wie eine Oase der Ordnung, Freiheit und des Genusses vorkommt."

Besprochen werden der Trickfilm Ghost World von Terry Zwigoff, "Dolls", das jüngste und wunderschöne Werk des unsterblichen Takeshi Kitano (hier mehr auf Deutsch und hier besser auf Französisch), der vielgelobte "Pianist" von Roman Polanski und eine Foto-Ausstellung in Venedig über die indische Chemie-Katastrophe in Bhopal.

Magazinrundschau vom 28.10.2002 - Espresso

Der Iran ist kein Land für junge Leute. Alessandra Cardone porträtiert eine Jugend des Gottesstaates, die Freitags zum Gebet in die Moschee geht und danach zu Hause Kurt Cobain auflegt. Die sagen will, was sie denkt, und die Kleider tragen möchte, die sie mag. Und die ans Auswandern denkt. "Hasan erzählt, dass Italien oder ein anderes europäisches Land ein gutes Ziel wäre zum Emigrieren: 'Dies ist kein Land für junge Leute. Ich bin zwar zufrieden mit der islamischen Republik aber gleichzeitig möchte ich weg von hier.' Der Politik kann er nichts abgewinnen. Und er erwartet sich nichts von Präsident Khatami."

In der Bustina denkt Umberto Eco über die Folgen der kompletten Verschmelzung des privaten (betrogener Ehemann) und öffentlichen (italienischer Imperator) Silvio Berlusconi nach.

Weitere Artikel: Raimondo Pultrini verkündet das politische Erwachen der indischen Eunuchen, die schon einen Abgeordneten und zwei Bürgermeister stellen und nun eine eigene Partei gründen wollen. Enrico Arosio stellt ein gigantisches sakrales Projekt vor: Renzo Piano (mehr hier) baut für den kürzlich heiliggesprochenen Padre Pio eine monumentale Kirche mit Platz für achttausend Gläubige in San Giovanni Rotondo. Und Newcomer-Schauspielerin Asia Argento (hier mehr) spricht über ihr neues Leben in der Glitzerwelt Hollywoods, über Partys, Filme und ein Haus am Meer.

Besprochen wird eine großangelegte Enzyklopädie des renommierten Verlags Einaudi über den Faschismus.

Magazinrundschau vom 21.10.2002 - Espresso

Fast nichts im Angebot diese Woche, aber immerhin: Umberto Eco ist zurück und sinniert in seiner Bustina über folgenden denkwürdigen Satz von George Bush: "Die Entwicklung hin zur Demokratie ist unumgänglich. Aber die Dinge können sich ändern." Denkwürdige Sätze wie diesen hat Eco jedoch viele gefunden, und das stimmt ihn nachdenklich: "Heute behauptet niemand, dass, wie Platon es wollte, die Staaten von Philosophen regiert werden sollen, aber es wäre gut, wenn sie in den Händen von Menschen mit Verstand wären." Gefunden hat Eco seine Bush-Zitate auf der mittlerweile legendären Seite www.bushisms.com .

Weitere Artikel: Michel Houellebecq (mehr hier) und Catherine Millet (mehr hier) haben dem Porno den Weg in die französische Literatur bereitet, und alle folgen ihren Spuren, wie Fabio Gambari aus Paris meldet. Das ruft die Gerichte auf den Plan, so muss sich gerade Nicolas Jones-Gorlin für die pädophilen Szenen in seinen Debütroman "Rose bonbon" vor Gericht verantworten. Peter Gomez stellt den zwielichtigen Melchiore Cirami vor, der als Abgeordneter und Senator in Sizilien ein Gesetz zur Straferleichterung der Mafiosi vorgeschlagen hat und dafür gesorgt hat, dass Hunderte Angeklagte der großen Korruptionsprozesse der Neunziger ohne Strafe davongekommen sind. Sein neuestes Werk ist das umstrittenen Gesetz, dass sich alle Angeklagten ihren Richter aussuchen dürfen. Anthony Hopkins spricht über seinen neuen Film Red Dragon, den dritten Teil der "Schweigen der Lämmer"-Reihe. Besprochen wird Zhang Yimous Film "La locanda della felicita" (mehr hier), eine chinesisch-amerikanische Koproduktion.

Magazinrundschau vom 14.10.2002 - Espresso

Italiens Journalistenlegende Enzo Biagi (mehr hier) plaudert mit Alleskönner Roberto Benigni (alles über ihn hier) und erfährt so, wie nahe sich Pinocchio und die Hölle sind: "Meine Mamma kannte nur die Geschichte von Pinocchio und ein paar verstreute Verse von Dante Alighieri aus der Göttlichen Komödie. Sie vermischte beides und warnte mich: Wenn du lügst, wird Deine Nase immer länger und dann wirft Dich Dante Alighieri in die Hölle." Und über ein ganz ähnliches, aber aktuelleres Thema: "Das Komischste an Italien ist die Tatsache, dass wir zwar das Volk des Hl. Franziskus sind, wir wählen aber den Reichsten des ganzen Landes."

Fast in jeder größeren deutschen und österreichischen Stadt gibt es zumindest eine rechtsnationale Burschenschaft, schreibt eine besorgte Flavia Foradini aus Wien. "Es handelt sich (...) um ideologische Verbindungen auf hohem Niveau, nach einer Studie arbeitet jeder vierte Student, der Mitglied in einer Burschenschaft ist, später in Führungspositionen: vor allem als Mediziner und Anwälte, aber auch Politiker, Notare, Universitätsprofessoren und Manager."

Weiteres: Der Schauspieler und Kabarettist Dario Fo erzählt, woher er seine Ideen hat: aus einer Kindheit voll mit surrealen Gestalten. Renata Pisu schickt eine Reportage aus Angeles auf den Philippinen, wo alle sechs Minuten eine Frau oder ein Kind vergewaltigt oder getötet werden. Marco Lupis meldet sich aus der Antarktis, wo eine Gruppe von Wissenschaftlern wegen der wachsenden Umweltverschmutzung Alarm schlägt. Stefano Vastano porträtiert die jüngste Abgeordnete der Grünen im Bundestag, die 19-jährige Anja Lührmann. Fabio Sindici beschreibt, wie Kopenhagen und Malmö allmählich zu einer Megacity zusammenwachsen. Und Maria Simonetti staunt, dass sich Italiens Spitzenregisseure alle um die deutsche Drehbuchautorin Heidrun Schleef reißen.

Besprochen wird nur Abraham B. Yehoshuas Roman "La sposa liberata".

Magazinrundschau vom 07.10.2002 - Espresso

Sehr politisch, der Espresso in dieser Woche: Gianni Perelli berichtet vom Unbehagen der arabischen Länder über die Kriegstreiber in Washington und Bagdad. Ihr Missfallen äußern die Menschen weniger politisch, dafür aber in einer für die USA viel schmerzlicheren Weise: "Die viel ernstere Art der Feindschaft ist jene, die Coca Cola und Pepsi Cola derzeit in Saudi-Arabien erfahren müssen. Im August betrat Zamzan Cola den Markt der kohlenstoffhaltigen Erfrischungsgetränke, mit einem triumphalen Erfolg. Die erste islamische Cola ist nach einer heiligen Quelle in der Nähe von Mekka benannt. Am ersten Tag gingen über 4 Millionen Flaschen a einen Liter über den Ladentisch." Wlodek Goldkorn schreibt passend dazu über die Entschlossenheit des amerikanischen Präsidenten, diesen Krieg zu führen. Mit oder ohne UNO, mit oder ohne Allierte. Das Öl ist dabei eher zweitrangig, glaubt Goldkorn. "Wie Napoleon Bonaparte 200 Jahre zuvor, will Bush der Welt die Freiheit mit dem Bajonett bringen."

Roberto di Caro schickt eine Reportage aus Kabul, wo die Probleme immer größer und die Aussichten auf Prosperität und Entwicklung immer geringer werden. Das liegt auch an den Afghanen. "Ein Volk sind sie immer gewesen, sie schaffen es aber nicht, ein Land zu werden. Das gleiche Geld für all die Feinde, der gleiche Gott für Schiiten und Sunniten, der gleiche Boden, die gleichen Kriege, Gebräuche, die selbe Wildheit. Aber die Zersplitterung der Macht zwischen den Ethnien, Gruppen, den Warlords und den lokalen Bandenchefs, das ist einer der Pfeiler der afghanischen Gesellschaft, das bleibt, trotz Karzai-Regierung und internationalem Kontingent."

Weitere Artikel: Renata Pisu hat sich auf dem postsowjetischen Archipel Gulag in Sibirien umgesehen und entdeckt, dass es für die derzeit 960.000 Gefangenen der Straflager nicht überall so rosig aussieht wie es die Behörden den Reportern in der Modell-Anstallt Nr. 27 weismachen wollen. Normalerweise, schreibt sie, "besteht das Mittagessen immer noch aus Brot und Sardinen". Raimondo Burti meldet zudem, dass die tamilischen Rebellen auf Sri Lanka den Unabhängigkeitskampf erst einmal beenden wollen. Nach zwanzig Jahren Krieg und Tausenden von Toten. Ausführlich stellt Daniela Giammusso "Pinocchio" vor, den neuen Film von Roberto Benigni. Ganz Italien sehnt den 11. Oktober herbei, an dem das 45 Millionen Euro teure Kolossalwerk in 850 Kinos Italiens anläuft. Außerdem beschäftigt er sich mit "Possession", dem aktuellen Film mit Gwyneth Paltrow.

Und wieder keine Bustina. Umberto Eco ist wohl immer noch im Urlaub.

Magazinrundschau vom 30.09.2002 - Espresso

In einem Interview spricht der in England lebende Schriftsteller Hanif Kureishi (mehr hier) über den nie aussterbenden Rassismus in England, die Schwierigkeiten der Immigranten und den Stein des Anstoßes zwischen dem Westen und den muslimischen Fundamentalisten: den Sex. "Ein wichtiger Aspekt des Fundamentalismus ist sein Puritanismus, sein Hass auf die Sexualität. Die Situation hat sich verschärft durch die Ausbreitung der Medien, insbesondere durch die Art des Fernsehens, wie es von Berlusconi oder Murdoch betrieben wird. Die Dritte Welt bekommt dank der Satellitenübertragungen den Eindruck, dass es sich in den Medien der Ersten Welt vor allem um Sex und Vulgäres dreht. (...) Es ist eine Art neuer Gewalt, ein medialer Imperialismus, der unerträglich anmutet. Und der dafür verantwortlich ist, den Westen als gottlosen Sündepfuhl darzustellen, bevölkert von unmoralischen Triebtätern."

35 Kilometer vor Doha, mitten in der Wüste Qatars, haben die Amerikaner in den vergangenen zwei Jahren für vier Milliarden Dollar eine gigantische Luftwaffenbasis errichtet. Gianni Perrelli notiert erstaunt, wie die Soldaten dort den American Way of Life hochhalten. "Sie erfrischen sich in einem Schwimmbad, das sie mit Eiswasser und sogar Eiswürfeln herunterkühlen. Sie bekämpfen den Wahnsinn der Wüste indem sie mit voller Lautstärke das amerikanische Urgestein Bruce Springsteen hören. Und sie warten." Wie es aussieht, werden sie bald etwas zu tun bekommen.

Außerdem: Jeremy Rifkin berichtet, wie europäische Ölkonzerne angesichts der unsicheren Weltlage versuchen, möglichst bald alternative Energiequellen wie Wasserstoff zu erschließen, während ihre amerikanischen Kollegen mit Macht in neue Fördergebiete drängen, etwa in Sibirien. Dina Nascetti schreibt vom Wahlkampf in Jugoslawien, wo zwei Jahre nach dem Sturz Milosevics drei Kandidaten mit nationalen Tönen um die Macht kämpfen: Präsident Vojislav Kostunica, Vizepremier Miroljub Labus und der Ultranationalist Vojislav Seselj. Und Giacomo Leso beobachtet, wie Frankreichs Rechte das Land verändert: weniger Lehrer und mehr Polizei, einen größeren Verteidigungsetat und die Abschaffung der 35-Stunden Woche.

Magazinrundschau vom 23.09.2002 - Espresso

In einer Reihe über den Krieg gegen den Terror nimmt Mauro Martini diesmal den russischen Präsidenten Putin unter die Lupe. Der spricht zwar derzeit intensiv mit Saddam Hussein, wird aber wohl letztendlich einem Krieg gegen den Irak zustimmen, schätzt Martini. Noch spielt er aber auf Zeit, zuerst will Putin nach Martinis Informationen einen 40-Milliarden-Dollar schweren Kooperationsvertrag mit Bagdad abschließen, der russischen Firmen den Zugang zu irakischem Öl sichert. Denn "Putin wird von seiner eigenen Öl-Lobby bedrängt. In den vergangenen Jahren hat sich russisches Öl gut verkauft, besonders aufgrund der Nachfrage durch die USA, die ihre eigenen Reserven schonen wollen. Die russischen Öl-Geselllschaften haben enorme Profite eingefahren und sehen sich heute bereit, am Weltmarkt mitzumischen. Dazu müssen sie aber ihre Präsenz am Perischen Golf ausbauen."

Annalisa Piras schickt einen Lagebericht aus London, wo die Überfalle auf der Straße und auf Prominente dramatisch zunehmen. "Die neue Welle der Kriminalität, die über London hereinbricht, fällt zusammen mit dem erxplosionsartigen Anstieg der Jugendgangs und dem Konsum von Crack. Zwei amerikanische Phänomene, die schon lange auch für Europa vorhergesagt wurden, aber erst jetzt zu spürbaren Effekten in Großbritannien führen." Londons Bürgermeister Ken Livingstone will im nächsten Jahr 12 000 Polizisten einstellen.

Außerdem berichtet Alessandra Cardone aus Sierra Leone, wo während des Bürgerkriegs 250 000 Kinder und Jugendliche vergewaltigt wurden. Der kleinere Teil von Soldaten, die meisten innerhalb ihrer eigenen Familien. In einem Gespräch gesteht die Schauspielerin Kate Hudson schließlich ihre Unfähigkeit, lange von Black-Crowe Sänger und Ehemann Chris Robinson fernzubleiben und ihre Bewunderung für ihre Mutter Goldie Hawn.

Magazinrundschau vom 16.09.2002 - Espresso

Was auch immer nach den Twin Towers kommt, es muss ein öffentliches Projekt sein, fordert Robert Ivy, Chefredakteur der renommierten "Architectural Record" und Leiter des amerikanischen Pavillons auf der Architekturbiennale in Venedig, in einem Interview. Eine internationale Ausschreibung wünscht er sich, wie das in Europa üblich sei. Die New Yorker hätten die Türme sowieso nie richtig ins Herz geschlossen. "Sie waren schwer, arrogant, aufdringlich. Wir haben uns an sie gewöhnt, sie sind ein Orientierungspunkt geworden in der Stadt. (...) Aber sie haben es nie geschafft, geliebt zu werden von den New Yorkern. Meine Mitbürger sind dem Empire State Building und dem Chrysler-Hochhaus treu geblieben."

Raimondo Bultrini berichtet über den Exodus der Gastarbeiter aus Malaysia. Tausende von Menschen aus den benachbarten Staaten, einst vom Wirtschaftsaufschwung in dem Tigerstaat angezogen, verlassen jetzt fluchtartig das Land. Der Grund: die neuen Immigrationsgesetze, die in Kuala Lumpur beschlossen wurden. Wer ohne gültige Arbeitserlaubnis aufgegriffen wird, muss neuerdings mit drakonischen Strafen rechnen. "Rattan ist eine Art Schilfrohr, hart und doch flexibel, das in Südostasien vorkommt. Mit diesem Rohrstock werden die gefassten illegalen Einwanderer sechs Mal geschlagen, um dann eine Strafe von 2.500 Euro zu bezahlen und anschließend drei bis sechs Monate im Gefängnis zu verbringen. Schließlich werden sie aus dem Land geworfen." Da kann sogar Beckstein noch was lernen!

"Ich bin Schauspieler und Regisseur, kein Politiker", stellt Sean Penn in einem Gespräch über seinen Beitrag zum Kurzfilmprojekt "11-09-01" klar. Aber den Schwarz-Weiß-Seher George Bush kann er trotzdem nicht ausstehen. "Wenn es so weitergeht, werden wir wohl bald sein Foto sehen, wie er in Siegerpose auf dem zerstörten Planeten steht und ruft: 'Wir haben gewonnen!'"

In der Bustina empfiehlt Umberto Eco, doch mal wieder Platon zu lesen, oder Karl Popper.

Magazinrundschau vom 09.09.2002 - Espresso

Umberto Eco analysiert im Espresso die veränderte Logik des Krieges nach dem 11. September. Mit der neuen Form des "Diffusen Kriegs" wurden alle Gewissheiten traditioneller Konflikte und militärischer Auseinandersetzungen über den Haufen geworfen. Das erzeugt einen weltweiten Bluthochdruck, meint Eco, weil niemand weiß, wie das neue diffuse Krankheitsbild zu bekämpfen sei, obwohl jeder spürt, dass die alten Konfliktkonzepte sich radikal verändert haben. Während der "Paleokrieg" sich auf klar definierte Fronten stützte, die Waffenindustrie von den Kriegszeiten profitierte und die Propaganda dem Feind nie eine Stimme verlieh, änderten sich diese Regeln drastisch im Golfkrieg. In diesem 'Neokrieg' "beweinten die Kriegsführenden das erste Mal ihre Feinde". Im 'Diffusen Krieg' lässt sich der Feind nicht mal mehr lokalisieren oder definieren. Die Verwirrung ist komplett: "Im diffusen Krieg zählen die traditionellen militärischen Formen nicht mehr und diejenigen die, wie der Geheimdienst zur Bekämpfung geeignet sein könnten, erscheinen nicht ausreichend vorbereitet. Damit sind die Widersprüche maximal, genauso wie die Konfusion. Auf der einen Seite sind alle Bedingungen der Kriegsführung außer Kraft gesetzt, weil der Feind sich komplett mimetisiert hat. Auf der anderen Seite versucht man, Paleokriege zu inszenieren (z. B. einen Angriff auf den Irak), die jedoch nur dazu dienen, die innere Front zusammenzuhalten, um die Bürger vergessen zu lassen, dass der Feind nicht dort ist, wo man ihn bombardiert, sondern mitten unter uns."

Außerdem in L'Espresso: ein Artikel von Oliver Stone: "Der Tausch von Freiheit gegen Sicherheit ist ein Irrtum. Sich nicht mit Präsident Bush zu befassen auch."