Magazinrundschau - Archiv

L'Espresso

320 Presseschau-Absätze - Seite 29 von 32

Magazinrundschau vom 14.04.2003 - Espresso

Umberto Eco kann es in seiner Bustina kaum fassen. Vor zwei Wochen hatte er an gleicher Stelle vermutet, George Bush & Co (ein ausführlicher Artikel im Espresso über die Neokonservativen hier, ein Interview mit Vordenker Robert Kagan hier, ein Gespräch mit seinem Kontrahenten Noam Chomsky hier) führten einen Krieg ohne Kultur, hätten sich also nie über die Zivilisation des Landes informiert, das sie gerade überrollten. "Es wäre interessant zu sehen", fährt er fort, "welche Kriege ohne die Geringschätzung oder Missachtung der anderen Kultur geführt worden sind, und welche hingegen schon von Beginn an aus einem Akt der Ignoranz heraus geboren wurden. Es scheint sicher zu sein, dass der irakische Konflikt einer war, den das Militär begonnen hat, ohne vorher die Universitäten zu befragen, aus einem alten Misstrauem der rechten Amerikaner gegenüber den 'Eierköpfen' heraus, oder wie es Spiro Agnew ausdrückte, den 'affektierten Snobs'. Es ist wirklich ein Jammer, dass das mächtigste Land der Erde so viel Geld für das Studium seiner besten Geister ausgibt, um ihnen nachher nicht zuzuhören."

Ansonsten kündigt Roberto Gatti die Wiedergeburt des Jazz an - auf der ganzen Welt im Allgemeinen und in Italien im Besonderen. Wilde Festivals, Chartbreaker, neue Clubs, berühmte Künstler. Der Spaghetti Jazz war noch nie so "spritzig, harmonisch, kurz, so exzellent" wie im Augenblick, jubelt er. Giuliana Bruno (homepage), vom Espresso als akademischer Superstar gefeiert, spricht über ihren "Atlante delle emozioni" (dauert wohl noch, hier die englische Ausgabe), in dem sie ein theoretisches Beziehungsgeflecht zwischen Kino, Architektur und den visuellen Künsten erstellt. "Die Hauptfigur ist auf der Suche nach einer carte du pays de tendre, einer Karte der Zärtlichkeit, vielleicht der ersten Visualisierung einer emotionalen Karte. Und die Emotionen materialisieren sich in einer Topografie in Bewegung, genau so wie es heute im Kino und der Architektur geschieht."

Magazinrundschau vom 31.03.2003 - Espresso

Umberto Eco fühlt sich nicht verpflichtet, zu aktuellen Themen zu schreiben, wie er in der Vorrede seiner Bustina betont. Deshalb erzählt er von einem lange gesuchten und überraschend in einem Antiquariat gefundenen Text, 1655 von dem Protestanten Isaac de la Peyrere veröffentlicht und umgehend verboten. Darin stellt dieser die These von Völkern auf, die vor Adam exisitiert haben müssen, also ohne Sünde waren. "Peyrere hat einfach gesagt eine einzigartige anti-ethnozentrische Operation gestartet, indem er zeigen wollte, dass die Welt und die Zivilisation nicht nur aus 'uns' besteht, sondern auch aus den 'Anderen', die eine sogar noch ältere Zivilisation als die jüdisch-christliche aufweisen." Und dann muss Eco doch wieder aktuell werden. "Und siehe da, meine kleine Wiederentdeckung, die vielleicht doch weniger ein Zufall als vielmehr Vorsehung war, zeigt, dass wir uns heute von Neuem von der Idee eines Kreuzzuges gegen diejenigen blenden lassen, die (so glauben wir) weniger Geschichte und weniger noble Werte haben als wir."

Paul Auster (Bücher) spricht mit Andrea Visconti über sein "Buch der Illusionen" und das Wesen der USA. "Unser Land ist ein puritanisches. Wir haben große Angst vor dem Tod, aber zur gleichen Zeit verleugnen wir seine Existenz. Deshalb gibt es in Amerika die Überzeugung, dass wir, wenn wir die richtigen Sachen essen, joggen und uns um selbst kümmern, niemals sterben werden."

Weiteres: Giorgio Bocca sorgt sich im Kulturaufmacher um die amerikanischen Bürgerrechte, die in der Krise verraten würden, und das noch mit dem Placet eines Großteils der Bevölkerung. Greg Campbell schildert in einem Abstract zu seinem Buch das Geschäft mit den Blutdiamanten aus Afrika.

Magazinrundschau vom 24.03.2003 - Espresso

CNN ist im zweiten Golfkrieg großgeworden durch schnelle, professionelle und unabhängige Berichterstattung. Zumindest mit der Unabhängigkeit ist es mittlerweile vorbei und CNN zum Staatsfernsehen verkommen, schimpft Giorgio Bocca. Ja, der ganze "amerikanische Journalismus hat in wenigen Jahren seine Grundsätze der Autonomie, der Unabhängigkeit aufgegeben, die zwar immer schon zum großen Teil ein Marketingmärchen waren, aber trotzdem ein Gegengewicht dargestellt haben. Heute hat der amerikanische Journalismus ebenso wie der europäische begriffen, dass sie der Politik untergeordnet sind, der Regierung, dem unangefochtenen Protagonisten: die ersten Seiten sind den Worten von George W. Bush und seinen Ministern gewidmet oder zitieren die Führer der Opposition, das wirkliche, reale Land ist aus der Berichterstattung verschwunden." Geld ist heutzutage zum einzigen Wert geworden, klagt Bocca, und die Regierung, die das Geld druckt, die wirkliche Macht. "In den amerikanischen Zeitungen und im Fernsehen ist es mittlerweile sehr gefährlich, sich gegen diese beiden Mächte zu stellen." (Ach ja? Da soll er uns erst mal den Seymour Hersh Italiens zeigen!)

Der Espresso gibt neuerdings zu vielen Artikeln eine ganze Reihe von zusätzlichen Quellen im Netz an, in diesem Fall etwa zu einer irakischen Tageszeitung, dem Staatsfernsehen und der Nachrichtenagentur, außerdem zu amerikanischen 'oppositionellen' Medien wie der Seite von Ken O'Keefe, dem Anführer der menschlichen Schutzschilde, und ein offener Brief von Michael Moore, in dem er dem Präsidenten vorwirft, mit dem Krieg nur von den immensen Problemen im eigenen Land ablenken zu wollen. Verwiesen wird außerdem auf zwei neue Bücher zum Thema Journalismus in Amerika, die vergangene Woche in der Book Review der New York Times besprochen wurden (siehe vorige Magazinrundschau).

Ansonsten gibt es diese Woche vor allem Kriegsberichterstattung, etwa ein Porträt des amerikanischen Oberbefehlshabers Tommy Franks.

Magazinrundschau vom 17.03.2003 - Espresso

Umberto Eco beglückt uns diese Woche mit einer wunderbaren Bustina di Minerva. Er hat ein Buch von Ruth Benedikt (Biografie und Bibliografie) entdeckt "Die Chrysantheme und das Schwert", das Ergebnis einer anthropologischen Studie, mit der das Militär Benedikt 1944 beauftragte. Es ging darum, den Feind im Pazifik, die Japaner, besser kenennzulernen. "Eine Legende besagt", schreibt Eco, "dass die Militärs, als es um die Entscheidung ging, wo die erste Atombombe abgeworfen werden sollte, an Kyoto dachten." Benedikt hatte aber in ihrem Bericht davor gewarnt, es wäre das Gleiche, wie den Vatikan zu pulverisieren. "Die Bombe ist nicht auf Kyoto gefallen, weil einige der Generäle das Buch von Benedikt gelesen haben. Frankreich, Deutschland und Russland könnten die Ruth Benedikts der Gegenwart sein", schreibt Eco und bezweifelt, ob "Bush und die Seinen" sich einmal in Studien der irakischen Kultur (ein geschichtlicher Überblick) vertieft hätten.

Online gibt es diese Woche sonst nichts Großartiges. Leider nur im Print zu lesen ist Andrzej Stasiuks Geschichte über Zigeuner, die in der Erde leben.

Magazinrundschau vom 10.03.2003 - Espresso

Der Espresso probt den Aufstand, gegen Regierung, gegen Krieg, gegen alles. Macchiavelli ist zurückgekehrt nach Italien, verkündet Giorgio Bocca im Aufmacher des Feuilletons. Das Sagen haben jetzt skrupellose Realisten der Politik, die Krieg als Mittel zum Zweck sehen. Und die wissen, was die Leute sehen wollen - sie besitzen nebenbei nämlich viele Fernsehsender. "Das große Publikum will Titten, Ärsche und Blut? Geben wir es ihnen, das sind unsere Zuschauer. Wer widerspricht, wird verfolgt? So geht es halt zu auf einer Hazienda. Ein Krieg für Öl und militärische Basen wird verkauft als Krieg für Demokratie und Freiheit? Ja, liebe Leute, für den Gott des Militärs und auch den Gott der Reichen und Starken." Noch ein wenig Berlusconi-Bashing gefällig? "Eine totale Fäulnis, die einen ab einem gewissen Punkt nur noch auf den Mafia-Effekt hoffen lässt, dass nämlich mit der Mafia eine Art von Gerechtigkeit wieder Einzug hält und eine gewisse Ordnung schafft, und wenn es auch nur die Ordnung von Al Capone ist."

Auch Dario Fo, (hier mehr zu Leben und Werk) geht im Interview hart ins Gericht mit Berlusconi & Co. Für den derzeitigen Kulturminister Guliano Urbani hat der Literaturnobelpreisträger nur Verachtung übrig. "Ich habe einige seiner Verlautbarungen gelesen. Die machen mir Angst. Man versteht sofort, dass er nicht auf der Seite der Künstler steht. Er spricht nicht von Theater, der Malerei, der Musik. Seine schlampige Sprache ist die einer Person, die keine Ahnung von den grundlegendsten Dingen hat. Versuch mal mit ihm über eine 'metopa' oder ein 'triglifo' (ähem, Signor Fo, da müssen wir ebenfalls passen) zu sprechen: gut möglich, dass er glaubt, wir führen ein Gespräch über Vögel.

Weiter mit Krieg: Naomi Klein (Bücher) beschwört den zivilen Ungehorsam, denn nur der aktive Widerstand der Weltbevölkerung kann Bush und seine Kriegsfalken jetzt noch aufhalten, schreibt sie im Politikaufmacher. Roberto di Caro hat im Irak mit den "Oppositionsführer" Ahmad Chalabi gesprochen, über Saddam vor Gericht und die Zukunft seines Landes. Di Caro war außerdem im Nordirak, wo die Kurdenführer ihre Truppen für den bevorstehenden Waffengang gegen Bagdad zusammenrufen.

Und nochmal Gewalt, aber nur auf der Leinwand: Silvia Bizo verfasst eine Hymne auf Jennifer Garner in der Marvel-Verfilmung Daredevil, wie sie nur Italiener schreiben können: "kühner als Nikita, stärker als Lara Croft; schön, sexy und mit einem tödlichen linken Haken".

Magazinrundschau vom 17.02.2003 - Espresso

Manchmal übertrifft die Realität einfach jede Fiktion, wie Umberto Eco in seiner neuen Bustina angesichts einer surrealen Mussolini-Seite feststellt. Dort kann man ein Duce-Parfüm mit dem klingenden Namen Nostalgia kaufen, in Duce-förmigen Flakons und zwei Variationen, Gold und Silber. Eco zitiert hingebungsvoll aus der Produktbeschreibung: "Das erste eher süß und weich (GOLD-UNISEX), das zweite frischer und männlicher (SILBER-FÜR DEN MANN): zwei Essenzen für die zwei unterschiedlichen und komplementären Seiten der komplexen Persönlichkeit des Duce: zugleich streng und beruhigend." Eco fragt sich, was der Name Nostalgia soll, da man ja gar nicht weiß, welches Parfüm Mussolini benutzte, ja ob er überhaupt Duftwasser auftrug. "Oder vertraute er auf den Reiz des puren männlichen Odeurs, wenn er seine Quickies im Kartenraum durchzog, nach Aussagen von Zeugen im Stehen, die Frau über den Schreibtisch gebeugt? Das sind, wie man sieht, höchst wichtige Fragen, die ich gerne den historischen Revisionisten überlasse."

Die Globalisierungskritikerin und No-Logo-Autorin Naomi Klein eröffnet ihre Zusammenarbeit mit dem Espresso mit einem recht ausführlichen Beitrag über die Fehler des Neoliberalismus in Lateinamerika und wie diese zu dem Aufstand in Argentinien vor einem Jahr führte: "Eine chaotische Explosion, in der Hunderttausende spontan und aus eigenem Antrieb ihre Wohnungen verließen, sich auf den Straßen versammelten, schrieen und auf Töpfe und Pfannen schlugen. Diese Leute haben gegen die Banken protestiert, gegen die Polizei gekämpft, in den Fußballstadien Chöre angestimmt und schließlich erreicht, dass der Präsident fliehen und seinen Palast mit dem Hubschrauber verlassen musste."

Weiteres: Fabio Gambaro berichtet vom Aufruhr in Frankreich über die provozierenden Thesen der 31-jährigen Juristin Marcela Iacub. In ihrem Buch "Qu'avez-vous fait de la liberation sexuelle? - Was habt ihr aus der sexuellen Befreiung gemacht?" (Flammarion) wirft sie den Feministinnen vor, die Bewegung in eine frigide und konservative Ideologie verwandelt zu haben. Luca Neri stellt uns die neuesten Spielzeuge der Militärs vor: maschinelle Gefechts-Butler für Soldaten und ferngesteuerte Minihubschrauber. Und wer wissen will, welcher Film Robin Williams oder John Woo am meisten beeinflusst hat, muss auf diese Liste hier schauen.

Lieder nur im Print zu lesen ist Andrzej Stasiuks (mehr hier) Kommentar zu Albanien, der "dunklen Grube Europas".

Magazinrundschau vom 02.02.2003 - Espresso

Andere Völker, andere Sitten: Umberto Eco gibt in seiner Bustina den Staatsoberhäuptern im Allgemeinen und Bush und Berlusconi im Besonderen einen Crashkurs in den grundverschiedenen kulturellen Anthropologien Italiens und den USA. Hintergrund ist der beiläufige Ausspruch Berlusconis, Amerika habe Italiens volle Unterstützung. Das Problem ist nun, dass Bush das wirklich glaubt, schreibt Eco, und zwar wörtlich. Denn die Amerikaner hätten schon seit jeher die Wahrheit als heilig angesehen und fest an sie geglaubt. "Nun ist es keineswegs, so, dass Bush nicht zu lügen wüsste wenn er zu seinen Bürgern spricht: aber das ist Massenkommunikation, den Prinzipien der Öffentlichkeit unterworfen, und es ist okay in der Öffentlichkeit zu lügen. Bei vertraulichen Treffen oder vor einer Autorität dagegen nicht. Was er nicht weiß ist, dass wenn wir sagen "Ruf mich an, damit wir uns wiedersehen" oder "Wenn Du mal wieder vorbeikommst, schau doch zum Essen rein", wir keinerlei Interesse daran haben, den Betreffenden wiederzusehen. Berlusconi nun hat ihm etwas versprochen, und er hat wirklich geglaubt, das er es ernst meinte, während unser Präsident solche Worte eher als ziemlich flüchtig ansieht."

Nur in der Printausgabe ist Andre Glucksmanns Kommentar "Nennt mich Kim, den großen Führer" zu lesen. Ebenso wie Renata Pisus zumindest groß klingende Reportage "Tokyo kolossal".

Magazinrundschau vom 16.12.2002 - Espresso

Selbst Adorno und Horkheimer hätten sich das nicht träumen lassen: Enrico Pedemonte stellt uns die subtil-agressive Zukunft der Werbung vor. "Door to Door", nach üblichen Maßstäben ein mittelmäßiges Drama, wird in die Filmgeschichte eingehen, schreibt er. Finanziert hat den Film nämlich das multinationale Unternehmen Johnson&Johnson, normalerweise zuständig für Toiletten- und Hygieneartikel. "Johnson&Johnson wollen Hollywood keine Konkurrenz machen. Sie haben ein viel raffinierteres und verstörenderes Ziel: nämlich ein neues Kapitel in der Geschichte des Marketings aufzuschlagen. Kurz gesagt, die Firma produziert Filme, um Werbung für sich zu machen: sie investiert in Geschichten, die positive Werte vermitteln und versucht diese Werte mit den Produkten ihrer Firma zu verbinden." Hauptdarsteller William Macy putzt sich im Film also seine Zähne mit Johnson-Zahnpasta, duscht sich mit Johnson-Duschgel und wischt sich seinen Hintern...

Außerdem: Romeo Bassoli kann nur den Kopf schütteln über den seltsamen Kampf der Jesuiten in Sambia. Die haben die Regierung des Landes überzeugt, keine Hilfslieferungen für die Hungernden mehr anzunehmen, weil die Lebensmittel aus genetisch veränderten Pflanzen gewonnen wurden. Roberto Fabiani berichtet vom Exodus der Minderheiten aus Usbekistan. Wo zu Sowjetzeiten über 20 ethnische Gruppen zusammengelebt haben, verlassen jetzt Juden, Deutsche oder Kurden in Scharen das Land.

Magazinrundschau vom 25.11.2002 - Espresso

"Die Welt ist zu kompliziert geworden, um sie von denjenigen regieren zu lassen, die sie bisher regiert haben", stellt Umberto Eco in seiner neuen Bustina lakonisch fest. Der geringe Aufwand, die neue Leichtigkeit des Terrorismus erschreckt ihn. Wie mühelos man eine ganze Region terrorisieren kann, haben wir bei den Washingtoner Heckenschützen gesehen, schreibt er. Wenn nun aber "eine terroristische Organisation, anstatt Zeit zu verschwenden mit Flugzeugentführungen, einfach über die ganze Nation verteilt etwa 30 Heckenschützen einsetzen würde, könnte sie das ganze Land lahmlegen. Nicht nur das, sie würden auch einen Wettbewerb von Nachahmern auslösen, die sich mit Freude an dem Fest beteiligen würden."

Mit 14 Koranschulen und 28 Moscheen hat Bradford die größte islamische Gemeinde in Großbritannien, informiert uns Dina Nascetti. Und einen hohen Anteil anderer Ethnien. Die Integration der insgesamt 92 verschiedenen Gruppen in das Leben der Stadt mit einer halben Million Einwohnern hat nie funktioniert, resümiert Nascetti, und so ist es in Bradford zu einer explosiven Mischung gekommen. Täglich brechen Unruhen aus. "Jugendbanden aus 'Weißen', wie die Einwohner genannt werden, treffen auf islamische Gangs Jungs: geplünderte und angezündete Geschäfte, in Brand gesteckte Autos."

Außerdem: Ambra Somaschini verrät uns, wo die Kreativen der Zukunft herkommen - aus Afrika. In Kapstadt, Nairobi oder Dakar hat Somaschini Musiker, Künstler und Designer gefunden, die mit ihrer Verbindung von Moderne und Stammestradition die Zukunft der Kunst prägen werden. Antonio Politano spricht den Engländern in seinem Porträt der indischen Eisenbahn ein großes Lob aus. Sie hätten vor 150 Jahren mit der Konstruktion des Tausende von Kilometern umfassenden Schienennetzes dafür gesorgt, dass aus dem riesigen Subkontinent ein Staat werden konnte. Pietro Del Re stellt den Governeur von Herat Ismail Khan (mehr hier) vor, der sich vom Warlord zum Friedensbringer gemausert hat und jetzt angeblich nur noch gegen den Hunger und die Not seiner Landsleute kämpft. Und die Kriegstreiber in den eigenen Reihen.

Magazinrundschau vom 18.11.2002 - Espresso

Die US-amerikanische Presse knabbert noch immer an den Auswirkungen des 11. September. Das attestiert ihr zumindest Jeremy Rifkin, der sich im L'Espresso Sorgen um die Öffentlichkeit in seiner Heimat macht: "Die Politiker und die Medien wollen nicht über die Interessen der Amerikaner im Irak diskutieren; denn dadurch könnten sie als unpatriotisch erscheinen." Im Gegensatz zu Europa werde in den USA die Verbindung zwischen einigen Regierungsmitgliedern und der amerikanischen Ölindustrie einerseits und einem Irak-Krieg und den dortigen Erdölvorkommen andererseits fast völlig unterschlagen. Berichterstattung und Meinungsbildung in den USA und Europa verlaufen deshalb, so Rifkin, in ganz unterschiedlichen Bahnen.

Weitere Artikel: Dina Nascetti beschreibt den türkischen Wahlsieger Recep Erdogan und findet trotz der Metamorphose des ehemaligen Islamisten noch einige Kratzer an seinem sekulären Image. Chiara Valentini unterhält sich mit der Soziologin Dominque Schnapper (mehr hier) über Assistenz-Demokratie und die Ängste, die eine Nation am Leben halten. Außerdem im L'Espresso: Ewig währt am Längsten - Emanuele Pirella beschwert sich über die verstaubten Stereotypen in der Produktwerbung, und Gianni Perrelli da Mosca beobachtet einige Ex-Kommunisten in Wladimir Putins näherer Umgebung. Die Bustina bleibt wie letzte Woche leer.