Magazinrundschau - Archiv

L'Espresso

320 Presseschau-Absätze - Seite 28 von 32

Magazinrundschau vom 21.07.2003 - Espresso

Der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun (Bücher) fordert eine neue europäische Immigrationspolitik angesichts der immer stärker anschwellenden Flüchtlingsströme, die sich nach Italien und Spanien ergießen. "Ein Punkt ist eine neue Politik der Kooperation zwischen Nord und Süd herauszuarbeiten, ein anderer in den Ländern des Südens zu investieren. Damit die Männer und Frauen dieser Länder keine Lust mehr haben, alles aufzugeben und ihr Leben zu riskieren, um illegal nach Europa einzuwandern, ist es notwendig, ihnen eine Arbeit in der Heimat zu beschaffen."

Umberto Eco hält es in seiner Bustina für keine gute Idee, eine staatliche Schule für Fernsehmodels einzurichten. "Das ist wie eine öffentliche Schule für Poeten einzurichten. Wenn man für hundert Personen einen Poesiekurs abhält, (...) ist es nicht unmöglich, dass einer der Teilnehmer ein ernstzunehmender Dichter wird. Sicher ist aber, dass die anderen neunundneunzig danach ein frustriertes Leben führen, ihre Arbeit in der Bank verdammen und die Verlagshäuser hassen, die ihre Manuskripte regelmäßig zurückweisen."

Weiteres: Auch in Italien beschäftigt man sich mit der bauchfreien Mode, allerdings auf entspanntere Weise als hiesige Magazine. Dante Mantelli liefert eine kleine Kulturgeschichte des Bauches, Instrument der Verführung und der Jungfräulichkeit, von Platon bis Matrix. Francesca Tarissi untersucht High-Tech-Fetischismus im Netz und findet den virtuellen Sex zwischen Roboterfrauen und Maschinen zugleich ironisch und paradox. Alessandro Longo berichtet mit besorgtem Unterton, dass nun schon Neugeborene mit Mikrochips in Berührung kommen, etwa in Gestalt des intelligent-debilen Miracle Babys.

Magazinrundschau vom 07.07.2003 - Espresso

Alle verdammen das Regime Silvio Berlusconis, nur die Italiener nicht, wundert sich Umberto Eco in seiner Bustina und gibt Nachhilfe in Sachen Populismus. "Sich auf das Volk zu berufen bedeutet, eine Fiktion zu konstruieren. Das Volk in seiner Gesamtheit existiert nicht, der Populist aber konstruiert ein virtuelles Bild des Volkswillens. Mussolini hat das getan, indem er hundert oder zweihunderttausend Menschen auf der Piazza Venezia zusammengetrommelte, die ihm zujubelten und, wie Schauspieler, den Part des Volkes übernahmen. Andere können sich einen Volkswillen basteln, indem sie mit den Meinungsumfragen spielen oder einfach das Fantasma eines 'Volkes' heraufbeschwören. So identifiziert der Populist seine eigenen Pläne mit dem Volkswillen und wandelt dann, wenn er es schafft, einen großen Teil der Bürger in genau das Volk um, das er vorher erfunden hat, weil diese sich mit ihrem virtuellen Bild identifizieren wollen.

Giampaolo Pansa diskutiert die Frage, ob man einfach zulassen sollte, dass Berlusconi sich wie einen Tafazzi aufführen, bis er von selbst untergeht. "Ihr wisst nicht, was ein Tafazzi ist? Eine Puppe im Kabarett, die mit einer Flasche auf ihr Allerheiligstes einhämmert. Ein Symbol des idiotischen Masochismus." Ansonsten ruft Monica Maggi den Sommer der erotischen Fotografie (hier eine Sonderseite zu Werken und Künstlern) aus. Sie nennt die "heißesten" Veranstaltungen und Ausstellungen und stellt die besten Bildbände, Kalender sowie das erste Handbuch des italienischen Pornofilms vor.

Magazinrundschau vom 30.06.2003 - Espresso

Stolz präsentiert der Espresso zwei kurze, bisher unveröffentlichte Erzählungen aus einem im vergangenen Jahr wiederentdeckten Tagebuch von Virginia Woolf. "Ein moderner Salon" und "Hampstead" berichten erwartungsgemäß von der verstörenden Routine im Leben der Frauen zu Beginn des Jahrhunderts. Ein Auszug: "Wenn drei Frauen sich treffen, wundere ich mich immer, wie sie Schulmädchen ähneln. Sie haben das gleiche College besucht, sie lieben es, daran zurückzudenken, wie sie damals waren, irgendeine erzählt unterhaltsame und liebenswürdige Geschichten über die anderen, mit der gleichen Intimität wie ein bequemer, gut getragener Handschuh." Mario Fortunato erzählt dazu die spannende Geschichte der ehemaligen Sekretärin Woolfes, der wir diese Perlen zu verdanken haben. Und Wlodek Goldkorn sinniert über ein kurzes Prosastück über eine jüdische Dame namens Mrs Loeb.

Roger Waters, Richard Wright, Nick Mason, David Gilmour. Die Jungs von Pink Floyd reden mit Carol Clerk über alles, einer nach dem anderen. Waters natürlich am längsten, er verrät dafür auch, wie alles begann. "Wir trafen uns in der Wohnung von Nick Mason. Und plötzlich meinte ich: 'Eh Jungs, ich hab da eine Idee.'"

Schön: Maria Simonetti sammelt neue Bezeichnungen für Jugendliche. 560 hat sie schon beisammen. Von A wie "abbozzarsi" bis Z wie "zuppone". Giancarlo Dotto berichtet von einer fürchterlichen Krankheit, die die Italiener heimsucht. Die Sucht nach Sex. Jetzt gibt es, schreibt er erleichtert, Hoffnung auf Heilung. Barbara Schiavulli zeigt in ihrer Reportage aus Kabul, wie katastrophal die Lage immer noch ist und wie vergessen von der Welt sich die Bewohner fühlen. Cesare Balbo hat beobachtet, wie Hollywood über Hongkong von den Spezialeffekten zu echten Kämpfen zurückkehrt, von Tarantino bis zu Tom Cruise.

Magazinrundschau vom 23.06.2003 - Espresso

Umberto Eco schwärmt in seiner Bustina vom amerikanischen Comic-Künstler Art Spiegelman (mehr), der bei einem Besuch in Mailand "auf einen Aperitif" bei Eco vorbeischaute. Spiegelman wunderte sich, warum manche alten amerikanischen Comics wie "The Phantom" und "Flash Gordon" (alles) in Italien immer noch so ungewöhnlich populär sind. Eco erklärt das einerseits mit Nostalgie, andererseits mit Politik (ein Aufsatz zu dem Verhältnis von Comics und Faschismus in Italien hier). "Verglichen mit den Comics des Mussolini-Regimes (es genügt Dick Fulmine anzuführen, Romano den Legionär, die Halbstarken des 'Correire die Piccoli', die die Zivilisation nach Abessinien brachten oder unglaubliche Heldentaten vollbrachten, mit den Falangisten gegen die grausamen roten Milizen), kam Gordon zu den Italienern und zeigte ihnen, dass man für die Freiheit des Planeten Mongo kämpfen konnte, gegen ein abscheuliches und blutrünstig autokratisches System wie das der Ming, dass das Phantom nicht gegen die Farbigen kämpfte, sondern mit ihnen, um die weißen Abenteurer zu besiegen."

Andrzej Stasiuk (mehr) deutet in seinem wütenden Essay das überwältigende Ja der Polen zum EU-Beitritt vor allem als 'Nein' gegen "die heutigen Eliten in der Regierung, die korrumpiertesten, arrogantesten, unfähigsten und auch noch dümmsten in der vierzehnjährigen Geschichte des unabhängigen Polens. (...) Man kann zwar die Stimmen zählen. Niemand zählt jedoch jene, die mit einer Geste aus purer Verzweiflung 'Ja' gestimmt haben, weil ihnen alles andere erträglicher erschien als die aktuelle Situation, die Misere, die Arbeitslosigkeit und die totale Auflösung des Staates."

Weitere Artikel: Kevin Kelly, Mitbegründer des High-Tech-Visonsblatts Wired, schildert in der Titelgeschichte, wie Gentechnik und Informatik sich verbünden, um das Geheimnis aller Geheimnisse zu lüften: "Noch ist nicht klar, ob Gott das grundlegende Programm, der Orignalcode oder der erste Programmierer ist. Oder ob er das unfassbar Andere ist, die außerkosmische Maschine, die das Universum schafft." Lorenzo Soria widmet sich mit Hingabe dem Mythos der oberflächlichen, eitlen Blondine, der gerade umgekrempelt wird. Jetzt schon im Kino, morgen auch im richtigen Leben. Monica Maggi macht an zwei Beispielen deutlich, wie Sex a la Freud Kultur schafft: eine Schule für professionelle Begleitdamen und ein legendäres Bordell, das zum Museum wird.

Magazinrundschau vom 16.06.2003 - Espresso

Freiheit für die Kunst! Francesca Reboli stellt die Ausstellung Illegal Art vor, in der über dreißig Künstler mit den urheberrechtlich geschützten Kreationen der großen Firmen spielen, mit dem Ziel, "die Exzesse des amerikanischen Copyrightgesetzes sowie die Zensuranstrengungen der großen Unternehmen bloßzustellen". Bill Barminski etwa nimmt Fred Flintstone oder Barbie und macht aus ihren netten Gesichtern groteske Gasmasken. Oder Kieron Dwyer, der das Logo der Kaffeekette Starbucks gemein erheiternd verfremdet. "Die Kunst", betonen die Organisatoren der Ausstellung Stay Free! und Archive - die schon länger gegen die ihrer Meinung nach überzogenen Urheberrechte ankämpfen, "muss frei sein können, sich Logos, registrierte Marken, Personen und Werke anzueignen, zu manipulieren und zu verändern."

Paulo Coelho (Bücher), "der Meister des New-Age-Bestsellers", spricht mit Giancarlo Dotto über seinen neuen Roman "Undici minuti". Dabei verteidigt er sich gegen den Vorwurf, seine Bücher wären schlecht und reine Trostspender. "'Undici minuti' erzählt eine harte, ernste Geschichte ohne Kompromisse. Die Wahrheit ist, dass meine Kritiker seit Jahren versuchen das Unerklärliche zu erklären." Die Erzählung dreht sich um eine Prostituierte aus Sertao, die den Sinn des Lebens durch den Sex begreift.

Außerdem: In der Titelgeschichte versucht Chris Hatherall das Phänomen David Beckham (mehr über seine Hoheit hier und hier) in den Griff zu bekommen, Fußballstar und Modeikone zugleich. "Er ist berühmt in Europa und dem ganzen Orient, er ist ein Held in fast jedem Land der Erde. Aber die Amerikaner kennen ihn kaum." Na dann, nichts wie hin! Enrico Pedemonte beschreibt die Angst der amerikanischen Republikaner vor einer neuen Ära Clinton. Diesmal mit Hillary, die kaum mehr zu stoppen scheint. "Alle Umfragen zeigen, dass ihr heutiges Image das aller neuen demokratischen Kandidaten bei weitem übertrifft."

Magazinrundschau vom 10.06.2003 - Espresso

Der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun (Bücher) sieht für den Frieden im Nahen Osten keine Chance, wenn nicht Israelis auf ihre Siedlungen und die Palästinenser auf ihre Attentate verzichten. "Wir sind nicht weit entfernt von einer Sackgasse, aber man muss es probieren, muss alles tun, um den Pegel des Hasses und Misstrauens zu senken und sich ganz auf den Frieden einlassen, auch wenn es ein nicht perfekter, unvollkommener Frieden wäre. Aber wir müssen das als Anfang sehen. Als Versuch ohne allzu viele Illusionen."

Für den Sommer, die Sonne und den Strand empfiehlt Umberto Eco in seiner Bustina diesmal zwei Bücher, "die kein Mensch am Strand liest", die aber jeder lesen sollte, nicht nur, weil sie Eco ans Herz gewachsen sind. "La doppia verita" des italienischen Philologen D´Arco Silvio Avalle und die gesammelten Werke des bedeutendsten amerikanischen Philosophen Charles Sanders Peirce (mehr hier und hier), über die Eco so ansteckend schwärmt. "Die Reflexionen von Peirce sind oft wie Vagabunden, voller unerwarteter Beispiele und drängender Probleme; ein philosophisch etwas sensibler Leser könnte sie auch unsystematisch lesen und entdecken, dass der eigene Geist plötzlich Feuer fangen könnte und sich unerwartete Panoramen und Horizonte auftun."

Außerdem: Im Aufmacher analysiert Paola Pilati die Krise der All'Italia (Dossier) und sieht nur noch einen Ausweg: eine kompromisslose Rosskur bei Personal und Finanzen. Giorgio Bocca könnte seine antiitalienische Kolumne diesmal auch antiamerikanisch nennen. Er wettert temperamentvoll gegen die Regierung der USA und deren rücksichtslose Durchsetzung der eigenen Interessen. "Und dann wundern sie sich, warum sie nicht geliebt werden?"

Magazinrundschau vom 26.05.2003 - Espresso

Nicht allzuviel los im Espresso diese Woche, trotz des neuen Outfits. Giorgio Bocca schreibt eine Kolumne mit dem bezeichnenden Titel "Der Anti-Italiener", und seinem Motto wird er dieses Mal besonders gerecht. Berlusconi ist das Thema, und Bocca schimpft und schimpft. Böse, aber fantasievoll. "Es gibt etwas Archaisches in Berlusconi, etwas Präfaschistisches, Präkommunistisches, Präliberales, Präkatholisches, etwas, das nichts zu tun hat mit der politischen Kultur unseres Landes. Blättert die parlamentarischen Urkunden des vereinten Italiens durch, die Chroniken sämtlicher Regime, der D'Annunzios und Cavours, der Guelfen und der Ghibelliner, der Schwarzen und der Roten, ihr werdet keine derartige Ablehnung des Politischen, keinen derartigen Exzess an Megalomanie finden."

Desweiteren regt sich der Professor der Zeichenlehre Umberto Eco in seiner diese Woche nicht übersetzbaren Bustina über die Nachlässigkeit der Journalisten auf. Da wird aus Yale die Universität von Yale oder aus Charles Baudelaire ein "beaudealaire". Mamma mia, che stupidita! Im Aufmacher spricht Aldo Baquis mit dem israelischen Chefexperten in Sachen Terrorismus, Ely Karmon (eine Seite voller Interviews mit und Artikel von ihm). Karmon analysiert die Aktionen der Selbstmordattentäter und hat herausgefunden, dass sie ihre Strategie verändern. Wlodek Goldkorn hat entdeckt, dass der Kassenschlager Matrix sich aus dem Talmud bedient. Und bei Kafka. "Es gibt viele Türen, aber nur durch eine kann mans ins Herz der Matrix gelangen..."

Magazinrundschau vom 19.05.2003 - Espresso

Alles neu macht der Mai! Der Espresso hat sich einen neuen Auftritt verpasst. Übersichtlicher, schneller und irgendwie seriöser. Fast deutsch also. Die Artikel bleiben (zum Glück) italienisch.

Der israelische Schriftsteller Amos Oz (Bücher) spricht mit Claudia Hassan lange, aber leider ohne jedwede Absätze, über sein neues Buch "Sipur al Ahava ve al Hoshekh" (Die Geschichte der Liebe und der Dunkelheit) und greift ganz nebenbei Europa scharf an. "Es ist eine Geschichte über eine enttäuschte, frustrierte Liebe. Meine Eltern wie auch meine Großeltern waren Europäer. So definierten sie sich. Sie glaubten an Europa. Unglücklicherweise sah sich zu diesen Zeiten niemand anderer als europäisch an. Es gab die italienischen Patrioten und die ungarischen, den pangermanischen Patrioten oder den panslawischen. Die einzigen Europäer, das waren vor 75 Jahren die Juden, wie meine Familie."

Weiteres: In der Titelgeschichte beklagt Sabina Minardi die neue Ästhetik des Vulgären: Die kaugummikauende Big-Brother-Gewinnerin Floriana ist die Ikone einer "Kultur des Ghettos", die im ganzen Land, im Kino und Fernsehen, in der Musik und im Design, in der Stadt und der Mode zur Referenz wird, seufzt Minardi. Roberto Cotroneo sieht den Irak-Krieg als Wendepunkt des Nachrichtenjournalismus. Schon jetzt, schreibt er, wirke der Krieg "wie ein Film oder ein Roman, ein Mix aus Realität und Fiktion". Alberto Dentice singt ein Hohelied auf die Bootleg-Kultur, die "digitale Revolution der Musikindustrie": Stücke werden unverzagt in ihre Bestandteile zerlegt und wieder zu neuen Kompositionen zusammengefügt. Zur Enttäuschung von Dentice ist die "absolut interessanteste" Sammlung von Bootleg-Kreationen "Too Many Dj's" in Italien leider immer noch nicht erhältlich (und bei Amazon vergriffen).

Magazinrundschau vom 12.05.2003 - Espresso

Bitterböse geht es zu diese Woche: Wenn schon streiten, dann aber bitteschön richtig! Die Umbenennung der Franzosen in Froschfresser und der fritierten Kartoffelstäbchen in Freedom Fries ist noch lange nicht genug, findet Umberto Eco in seiner neuen Bustina. Bush & Co haben nämlich vergessen, dass eines ihrer nationalen Heiligtümer eine Französin ist. Die Freiheitsstatue wurde den Amerikanern von den Franzosen geschenkt, "die Struktur ist von Eiffel konzipiert worden, das war der mit dem Turm, und der Bildhauer Bartholdi hat als Modell für das Gesicht seine eigene Mutter verwendet. Also hat das Symbol Amerikas, nicht nur eine französiche Herkunft, sondern sogar ein französisches Gesicht. Was nun? Nahe liegend wäre, eine Ladung TNT unter der Staue anzubringen und sie in die Luft zu sprengen, um sie dann vielleicht mit der Figur von Condoleezza Rice zu ersetzen, die an der Stelle der alten Fackel eine Rakete emporhebt, um damit die Welt zu erleuchten."

Weitere Artikel: Eine schöne inneritalienische Satire lesen wir von Michele Serra, das fiktive Tagebuch eines rechten Intellektuellen. Sein ganzes Leben der rechten Sache treu, verzeifelt er nun an den Ex-Kommunisten, die nach ihrer Wandlung nun die besseren Konservativen sein wollen und die Altgedienten quasi rechts überholen. Alberto Dentice und Alessandra Mammi berichten umfassend über eine neue Generation von Underground-Künstlern, die irgendwie alles sind, global und doch nicht global, markenbewusst und doch nicht gekauft. Als Beispiele nennen sie etwa Mark Gonzales, "Bildhauer, Maler, Graffitista und erneut Weltmeister im Skateboarden" (zum Museum mit seinen Brettern geht es hier, zu einem kurzen Interview hier). Germano Celant glaubt, dass mit dem gerade eröffneten "enormen" Museumskomplex der Dia Foundation unweit von New York eine neue Zeitrechnung des Kunstmuseums angebrochen ist. Mario Cellini hat sich noch in der schönen neuen Welt der Restaurants umgeschaut und vielversprechende Trends entdeckt. "Neue Geschmäcker, Gerüche, Gefühle und Erfahrungen" erwarten den speisenden Gast in der Zukunft, verspricht er. Zumindest in Italien.

Magazinrundschau vom 28.04.2003 - Espresso

Schurkenstaaten, überall Schurkenstaaten! Michele Serra erleichtert den Vereinigten Staaten schon mal die Auswahl des nächsten Angriffsziels und trägt belastende Beweise zusammen, nicht nur zu Syrien und Nordkorea.
"Frankreich: Eine verrottete Nation wie wenige andere, süchtig nach Sex, Pernod und Ballspielen mitten auf der Straße.
Vatikan: Das Staatsoberhaupt ist nicht nur nicht demokratisch gewählt, sondern behauptet auch, der Repräsentant Gottes auf Erden zu sein, er lehnt sich aus einem Fenster, zu dem die Menge emporjubelt und läuft herum mit einer Kappe ohne Markennamen, typisch anti-global.
Südkorea: Verbreiten im ganzen Okzident Autos mit verrückten Namen (Sorrento, Korando, Musso, Placenta, Popeya) mit der Absicht, die Familienväter, die sie fahren, zu beleidigen.
Schweiz: die Schweizer wollten nie in die Nato, machen nicht mit bei der Europäischen Union und beteiligen sich nur widerwillig an Spielen ohne Grenzen. Massenvernichtungswaffen: Ski-Lifte, die bisher mehr Tote gefordert haben als der Zweite Weltkrieg.
Italien: voll von Arabern, wird Italien von einem Tapetenverkäufer angeführt, der die Fussballiga direkt kontrolliert, seine Ehefrau in einer Bunkervilla einsperrt und Videokassetten an Fernsehsender schickt wie Bin Laden."

Schaut her, wir haben gewonnen, wir hatten Recht! Umberto Eco kann die triumphalen Siegeshymnen nicht mehr hören. Denn nie hätte jemand den Sieg der Amerikaner bezweifelt, schreibt er in seiner Bustina. Gerechtfertigt war der Krieg trotzdem nicht. "Die Spötter auf den Fernsehschirmen müssten folgendes sagen: 'Ihr habt gesagt, dass der Krieg die terroristische Gefahr nicht bändigt, wie ihr seht, hat er aber genau das geschafft.' Aber das ist die einzige Sache, die sie nicht sagen können, denn es gibt noch keinerlei Hinweis darauf, ob dem so ist. (...) Na ja, das einzige offensichtliche Resultat dieses Krieges waren die Brigaden potenzieller Kamikazekrieger, die aus Ägypten, Syrien und Saudi-arabien in die Schützengräben Bagdads aufgebrochen waren."

Weiteres: Carla Tallone berichtet aus dem krisengeschüttelten Argentinien, wo das Volk zur Wahl aufgerufen ist. "Favoriten sind die peronistischen Kandidaten", schreibt Tallone in seiner Reportage, "man munkelt aber schon von Wahlmanipulation". Außerdem druckt der Espresso einen langen Grundsatzartikel über Popdiva Madonna ab, geschrieben von Paul Rees für das Q Magazine. "Zwei bevorzugte Beschäftigungen von Madonna sind: ihrem Sohn zuzuschauen, wenn er nackt tanzt, und bis drei Uhr nachts aufzubleiben und mit ihrem Mann über 'das Leben und all die Sachen' zu reden."