
"In der globalisierten, an Milliarden Punkten vernetzten Welt führt die Durchsetzung nationaler Interessen automatisch auch zu ihrer Verletzung", schreibt der Wirtschaftswissenschaftler
Andras Farkas. Die größten Probleme der europäischen Nationen wie Klimawandel, Terrorgefahr, alternde Gesellschaften oder Migration können nur noch global gelöst werden. Die Entwicklung eines "
globalen Nationalbewusstseins" gehöre daher zu den größten Herausforderungen Europas, meint Farkas: "Die europäischen Nationen haben tausend Jahre lang gegeneinander gekämpft. Die europäische Zusammenarbeit ist für sie heute noch wie ein Schleier, den sie sofort abwerfen, wenn es um ihre nationalen Interessen geht. Wollen wir wirklich diese Einstellung aufrecht erhalten? Das traditionelle Denken in nationalen Rahmen sagt: Unser eigenes Interesse kommt an erster Stelle, an zweiter Stelle wiederum unser eigenes Interesse usw.
Auf Platz zehn fällt uns plötzlich ein: Ach, beinahe hätten wir Europa vergessen, halleluja."
In Cividale del Friuli, einer kleinen italienischen Stadt an der slowenischen Grenze, hat im Juli das mitteleuropäische
Festival "Mittelfest" stattgefunden. Dessen
Leiter Moni Ovadia erklärt Julia Varadi seine Auffassung von zeitgenössischem Theater. "Wir, die wir auf der Bühne groß geworden sind, wissen, welch starke Wirkung ein auf der Bühne zum Ausdruck gebrachter Gedanke auf das Publikum haben kann. Nicht nur der Intellekt empfängt eine Botschaft, auch
der Magen, das Herz, alle Sinnesorgane
sind daran beteiligt. Ich bin davon überzeugt, dass die
Menschenrechte in Europa und anderswo auf der Welt erst dann vollständig geachtet werden, wenn sie den Menschen ins Blut übergehen, wenn sich die Erkenntnis bei einem jeden Einzelnen durchsetzt, dass das Leben ohne die Achtung der Menschenrechte nicht lebenswürdig ist. Sie können es naiv nennen, aber ich glaube fest daran, dass das Theater eines der
wenigen wirkungsvollen Mittel dazu ist."