
Die Stiftung "Chance für die benachteiligten Kinder" führt
Prozesse gegen Schulen und (als deren Träger) gegen Kommunen, um diese von der gesetzlich verbotenen Praxis der Segregation von
Roma-Kindern abzubringen Das Vorbild dafür lieferten die bekannten Bürgerrechtsprozesse aus den USA (wie zum Beispiel "Brown kontra Schulamt"). "Solche Prozesse sind nötig", sagt der Präsident der Stiftung
Andras Ujlaky im
Interview mit Eszter Radai, "weil die Roma unser Meinung nach keine effektive politische Repräsentation in Ungarn haben - weder in der Gesetzgebung noch in den Kommunen oder in der Exekutive. Das unabhängige Gericht bleibt der einzige Ort, an dem sie ihre Interessen vertreten können. Denn der Staat verabschiedet zwar die Gesetze, aber die Kontrolle wird den Gemeinden überlassen, die dann machen, was sie wollen." Für Ujlaky ist das eine Tragödie: "Statistiken zufolge verlassen heute 25 Prozent der Kinder Ungarns die Grundschulen als
funktionale Analphabeten, dies sind größtenteils Roma-Kinder. Sie werden, da sie keine Möglichkeiten zur Weiterbildung haben, ihr Leben lang arbeitslos bleiben, und das ist nicht nur für sie und ihre Kinder eine Tragödie ... es ist auch ein riesiger volkswirtschaftlicher Schaden, denn wir, die Steuerzahler werden sie ihr Leben lang unterhalten müssen, statt dass sie
selbst zu Steuerzahlern werden."
"
Peter Marosi kenne ich noch aus der Redaktion der Zeitschrift
Utunk in Kolozsvar (Cluj/Klauseburg), aber auch als Schachpartner meines Vaters",
erinnert sich der Philosoph
Miklos Tamas Gaspar an den Kritiker und Literaturwissenschaftler aus Siebenbürgen, dessen Vergangenheit als Spitzel für die rumänische
Securitate kürzlich bekannt wurde. "Ob ich jetzt anders über ihn denke? Seltsamerweise kaum. Wer wusste denn nicht, wie das System war? Das System stalinistischen Ursprungs, das immer, heute noch, unsere Verachtung verdient. Es gibt
keinen Grund zur Milde, zur Vergebung, zur Relativierung aus der historischen Perspektive. Das System machte fehlbare Menschen zu moralischen Leichen, und wischt nun - mit unserem rauhen Urteil - seine Stiefel noch einmal an ihnen ab, es ist sogar als Gespenst riesig." Dennoch will er Transparenz: "Sämtliche Daten aus der Zeit der Diktatur müssen veröffentlicht werden. Für die Diktatur gibt es
keine Entschuldigung. Auch die Erbärmlichkeit der Demokratie ist keine Entschuldigung."