Im Kino
Nein, es ist nicht komisch
Die Filmkolumne. Von Stefanie Diekmann
22.07.2026. So not funny. Eva Müller und Isabel Schneiders Dokumentarfilm "Was haben wir gelacht" ist eine aufschlussreiche Reise durch das Unterhaltungsfernsehen der 1980er bis 2000er Jahre, eine Erinnerung an routinierten Sexismus und eine Begegnung mit Protagonist:innen, die sich damit nicht abgefunden haben.
Nein, es ist nicht komisch. Wenn Thomas Gottschalk vor Steffi Graf die Hose runterlässt und sie auffordert, sein Knie zu massieren. Wenn er dem Spice Girl Emma Bunton den Arm um die Taille legt und erklärt, sie habe doch versprochen, das Kleid mit dem tiefen Rückenausschnitt andersrum zu tragen. Wenn er Iris Berben mit dem Hintern zum Publikum dreht und verfügt, sie solle sich bitte nicht zu rasch hinsetzen. Wenn er Verzückung mimt (oh, lala), wenn er auf Tuchfühlung geht, wenn er die Hände wandern lässt, wenn er die Gesten durch eine kleine Zote ergänzt usw., ist das alles überhaupt nicht komisch, aber man ließ es laufen, vor Publikum und zur so genannten besten Sendezeit.
So not funny. Aber normal, das heißt: fester Bestandteil der TV-Unterhaltung von den 1980ern bis in die 2000er Jahre und darüber hinaus, in den Hoheitsgebieten der Carrells, Gottschalks, Krügers, Balders, Schmidts et al. Der Dokumentarfilm "Was haben wir gelacht?" ist kein Porträt eines singulär sexistischen Horrorclowns, sondern eine Studie zur Diskriminierung, die in der deutschen Fernsehkultur solider Standard war, über einen langen Zeitraum hinweg und in diversen Ausformungen, zu denen neben dem Getatsche und den Küsschen auch die Späßchen gehören, launige Kommentare ad personam (Aussehen, Gewicht, intellektuelle Kapazität, Stimmhöhe); verbale Übergriffe, die auf die Beschämung des Gegenübers zielten; sowie die einverständliche Haltung, dass Frauen, die in einer männlich dominierten Unterhaltungskultur nach Sichtbarkeit streben, sich nicht wundern sollten und sowieso selber schuld waren.
Ob es sich um eine vergangene Kultur handelt, ist fraglich. Manche ihrer Protagonisten haben sich von selbst erledigt: Thomas Gottschalk, der unlängst zu Protokoll gab, er habe die Frauen in seiner Sendung "immer nur rein dienstlich berührt". Andere, wenngleich inzwischen mit spitzeren Fingern angefasst, zehren nach wie vor von ihrem Kultstatus: Harald Schmidt, der Esther Schweins auf den Bauch speichelte, Busengrapschen echt lustig fand, die Moderatorin Bettina Böttinger zu einem Ding erklärte, "das kein Mann anfassen würde", und auch sonst ungern eine Gelegenheit ausließ, den Frauen und FLINTA-Personen in seinen Shows so richtig eins mitzugeben. Diese TV-Geschichte beginnt nicht in den 1980ern, wie Ausschnitte aus Sendungen mit Joachim Kulenkampff demonstrieren, und sie endet nicht irgendwann in den Jahren um 2010, wie u.a. jener viel zitierte Auftritt vom Juni 2026 dokumentiert, in dem Dieter Nuhr zum Thema Femizid eine echt lustige Bemerkung einfiel, die außerdem klarstellte, dass die Verantwortung für geschlechtsspezifische Gewalt primär auf Seiten der Frauen zu suchen sei.

Würde "Was haben wir gelacht" alleine das Material zeigen, das die Regisseurinnen Eva Müller und Isabel Schneider aus den Archiven der öffentlich-rechtlichen und der privaten Sender gezogen haben, wäre dieser Dokumentarfilm eine sehr deprimierende Angelegenheit. Besonders heiter stimmt er auch so nicht (vgl. oben); aber er ergänzt die 1001 Ausschnitte aus der Manosphere von "Wetten, dass …?" bis "Harald Schmidt Show" um Auftritte von Maren Kroymann (*1949), Bettina Böttinger (*1956), Hella von Sinnen (*1959), Gaby Köster (* 1961) und Esther Schweins (*1970), die vor dunklem Hintergrund, relativ bequem platziert, den Rückblick auf das Material proben, die TV-Ausschnitte kommentieren und davon berichten, worauf sich eine weiblich gelesene Person gefasst machen konnte, die im deutschen Unterhaltungsfernsehen ab 1980 andere Ambitionen hatte, als die, "auf der Bühne auf und ab zu laufen, dein Lied zu singen und zweimal mit dem Arsch zu wackeln". (Anweisung an Maren Kroymann in der Sendung "Scheibenwischer", die vom bildungsbürgerlichen Publikum sehr geschätzt wurde.)
Was sich daraus entwickelt, ist keine Heldinnengeschichte. Das gehört zu den großen Qualitäten dieses Films. Diejenigen, die hier vor der Kamera sitzen, haben eingesteckt und ausgehalten. Sie haben sich nicht immer gewehrt. Sie haben Zucker gegeben, abgeliefert, manchmal mitgemacht, sich nicht immer solidarisch gezeigt. Dem Wert ihrer Kommentare tut das keinen Abbruch, ebenso wie der Empathie für diese fünf Protagonist:innen, die über eine sehr spezifische Arbeitswelt sprechen und zugleich von Erfahrungen berichten, die sich in jede andere Arbeitswelt übertragen lassen, in der dem Anspruch auf eine geschlechtergerechte Verteilung von Macht, Sichtbarkeit, Deutungs- und Gestaltungsspielraum mit sexualisierter Aggression begegnet wird. (Grundformel: sich mal nicht so anstellen.)
Konzeptionell reiht sich "Was haben wir gelacht" unter jene neueren Dokumentarfilme, in denen die Archive der Fernseh- (weniger: der Film-)geschichte mit kritischem Pragmatismus erschlossen werden. TV-Material als Abbild gesellschaftlicher Zustände: keine neue Idee, aber in den Projekten von Regiepersonen wie Regina Schilling ("Kulenkampffs Schuhe", 2018; "Diese Sendung ist kein Spiel", 2023), Sabine Derflinger ("Die Dohnal", 2019), mit Einschränkungen auch Torsten Körner ("Die Unbeugsamen", 2020) ist eine dokumentarische Praxis entwickelt worden, die auf die Evidenz des Materials setzt, es mit der Kommentierung nicht übertreibt und offensichtlich davon ausgeht, dass ein Publikum existiert, dem längst nicht alles erklärt werden muss.
"Mach das mal aus. Ich will das nicht sehen", sagt Hella von Sinnen an einer Stelle. Eine sehr verständliche Reaktion. Aber es ist zugleich sehr gut, dass das noch einmal gezeigt worden ist.
Stefanie Diekmann
Was haben wir gelacht - Deutschland 2026 - Regie: Eva Müller, Isabel Schneider - Laufzeit: 98 Minuten.
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