Im Tagesspiegel sprechen CarloChatrian und Mariette Rissenbeek (leider verpaywallt) über das postpandemische Comeback der Berlinale nach zwei Krisenjahren. Dass der Wettbewerb mit seiner deutlichdeutschenSchlagseite in diesem Jahr zu einem regionalen Schaufenster wird (unser Resümee), glaubt Chatrian nicht: "Wenn Cannes zu 60 Prozent Filme zeigt, die von Frankreich (ko-)produziert sind, fragen Sie das nicht. Und es handelt sich beileibe nicht um regionale Größen, alle fünf haben internationales Renommee, waren bereits in Cannes oder Venedig dabei. Und sie sind sehr verschieden: ChristophHochhäusler hat einen Krimi gedreht, MargarethevonTrotta ein eigenwilliges Biopic über IngeborgBachmann, EmilyAtef einen der seltenen Filme, in denen man Körper förmlich riechen kann - Körper filmen, nackte, begehrendeKörper, gehört zu den größten Herausforderungen des Kinos. AngelaSchanelec geht mit ihrer Kunst, in Ellipsen zu erzählen, weiter als bisher, und bei ChristianPetzold war sich das Auswahlkomitee ebenfalls sofort einig."
Weitere Artikel: Im Standardgratuliert Valerie Dirk dem koreanischen Regisseur ParkChan-wook zum 60. Geburtstag. Aktuell ist sein Thriller "Die Frau im Nebel" in den Kinos zu sehen - unser Resümee. Besprochen werden MichelHazanavicius' Zombiekomödie "Coupez!" (Standard), ein Arte-Porträt über den Schauspieler Val Kilmer (taz) und SabineBoss' Schweizer Beziehungskomödie "Das Paar von oben" (NZZ).
Ist die Filmförderung erst einmal reformiert, geht es aber mal so richtig, richtig los mit dem deutschen Film - dieser voreiligen und etwas naiven Vorstellung erteilt der Filmdramaturg Roland Zag in der SZ eine Absage: Viel zu lange war Filmproduktion in Deutschland von der insbesondere durchs Fernsehen etablierten Maßgabe lauwarmer Konformität überformt, als dass jetzt die wagemutigen, international für Aufsehen sorgenden Filme wie aus dem Nichts aus dem Himmeln fallen könnten: "Sollte es also nun Claudia Roth wirklich gelingen, die Filmkunst von der Koppelung an die Dienstleistungskultur des Fernsehens zu befreien, dann wäre das zwar überfällig - aber erst ein Anfang. Dann stünden all die in der Pflicht, die es inzwischen ein wenig verlernt haben, sich des Kunstvertrags und seines Aufrufs zur großen ästhetischen Erfahrung zu entsinnen. Kunst kennt keine Tabus - auch nicht das der Publikumswirksamkeit. Die Filmbranche sollte entsprechend lernen, politischer, poetischer, radikaler zu denken, zu schreiben, zu fördern. Die Zweifel, ob ein solcher Prozess gelingen kann, mögen vielleicht groß sein - das sollte uns aber nicht hindern, daran zu glauben."
Seit Netflixkoreanische Liebesserien im Westen populär gemacht hat, steigt die Zahl der Frauen aus dem Westen, die das Land besuchen, kontinuierlich, erklärt Hoo Nam Seelmann in der NZZ: Mittlerweile reisen in Millionengröße deutlich mehr Frauen als Männer nach Südkorea. "Eine südkoreanische Wissenschaftlerin wollte diesem Phänomen auf den Grund gehen und hat 123 Frauen aus Europa und Nordamerika in acht Hotels in Seoul interviewt. Die meisten von ihnen sind auf Südkorea und seine Kultur über Dramen, FilmeundK-Pop aufmerksam geworden. Vor allem sind sie von gutaussehenden Helden der zahlreichen Serien angetan und auf der Suche nach einem Mann, der diesen ähnelt. ... Vergleicht man die Dramen aus Südkorea und jene aus dem Westen, fallen etliche Unterschiede ins Auge. Während es in den westlichen Serien viel Sex, aber kaum Essen gibt, sieht man in den koreanischen Dramen umgekehrt keinen Sex, aber vielEssen. Denn hier wird ständig und variationsreich gegessen und auch getrunken."
"Es ist nicht vorbei", ruft uns Christiane Peitz im Tagesspiegel trotz aller Freude über die Freilassung von JafarPanahi ins Gedächtnis: "Dass tausende politische Gefangene weiterhin in den iranischen Gefängnissen sitzen, kann die Nachricht nur mühsam kaschieren. Und sie kann auch nicht über die Willkür eines Regimes hinwegtäuschen, das die drastischen Maßnahmen gegen Kritiker:innen seit dem gewaltsamen Tod der 22-jährigen Jina Mahsa Amiri fortsetzt." Auch hatte "das Regime kein Problem damit, den 62-jährigen, seit Juli Inhaftierten auch nach dem 18. Oktober nicht zu entlassen, als der oberste Gerichtshof das Urteil von 2010 wegen Verjährung aufhob. Die Sicherheitsbehörden entscheiden, die Justiz wird zur Farce."
Außerdem: Dominik Kamalzadeh berichtet für den Tagesspiegel vom Filmfestival in Rotterdam. Stephan Hilpold spricht für den Standard mit österreichischen, für ihre Arbeit an "Tár" oscarnominierten Cutterin MonikaWilli. Besprochen werden HelenaWittmanns "Human Flowers of Flesh" (Standard, Tagesspiegel, SZ, unsere Kritik) und PepeDanquarts Dokumentarfilm über den Künstler DanielRichter (Tsp).
Was für eine Erleichterung: Kurz nach Ankündigung eines trockenen Hungerstreiks (unser Resümee) ist JafarPanahi gegen Kaution frei gelassen worden.
Auf Artechockfreut sich Rüdiger Suchsland über das von der Initiative Zukunft Kino+Film erstellte Paper mit Forderungen zur Reform der Filmförderung: "Der geforderte Neuanfang ist radikal und entschieden". Doch auch wenn "die Richtung stimmt", geht ihm das Papier nicht weit genug: "Die Zukunft des deutschen Films muss visionär gedacht werden. Visionen bedeuten Entwürfe - Designs -, die mutig al fresco in die Debatte geworfen werden. Vorurteilsfrei müssen sie sein, und vorgabenfrei. Tabus darf es nicht geben. Gerade das Undenkbare muss gedacht und diskutiert werden dürfen. Zum Beispiel: Die Abschaffung des Kulturföderalismus, die totale Transparenz aller Gremien, Quoten für europäische Filme und für Filmkunst, Kunstsubventionen statt Standortsubvention und rückzahlbare Darlehen, Förderbanken mit zinslosen Darlehen zur Zwischenfinanzierung, das Ende der Indienstnahme von Kunst für politische und gesellschaftliche Zwecke, staatliche Filmmuseen und -bibliotheken in jeder Stadt, öffentlich-rechtliche Kinos als Opernhäuser des 21. Jahrhunderts, Film und Medienkunde als Pflichtfach an den Schulen, die Gleichstellung (ästhetisch wie politisch wie ökonomisch) von Kino und Film gegenüber anderen Künsten."
Außerdem: Für Artechockwirft Nora Moschuering einen Blick auf die bestenDokumentarfilmeimFebruar. In The Quietuserinnert Sean McGeady an "The Naked Spur", einen düsteren Western mit JamesStewart aus den Fünfzigern. Moriticia Zschiesche befasst sich in einem Filmdienst-Essay mit der Rückkehr des Wanderkinos. Ralf Krämer macht im Freitag auf den neuen Podcast "Kinderfilm" aufmerksam. In der FAZgratuliert Verena Lueken dem Thriller-Auteur MichaelMann zum 80. Geburtstag. In der "Bilder und Zeiten"-Beilage der FAZ erinnert Andreas Platthaus an AgnèsVardas "Black Panther"-Doku aus dem Jahr 1968.
Besprochen werden TanjaC. Krainhöfers und JoachimKurz' Buch "Filmfestivals. Krisen, Chancen, Perspektiven" (Filmdienst), der Buchband "Außen Fuji Tag" des Filmemachers Rainer Komers (taz), ParkChan-wooks Thriller "Frau im Nebel" (Zeit, mehr dazu hier), AlbertSerras "Pacifiction" (Artechock, critic.de, unsere Kritik hier), HelenaWittmanns "Human Flowers of Flesh" (critic.de, unsere Kritik), PepeDanquarts Dokumentarfilm über den Künstler DanielRichter (Jungle World), AndréSzardenings' "Bulldog" (Artechock), AlexSchaads "Aus meiner Haut" (Artechock) und HannaDooses "Wann kommst Du meine Wunden küssen" (SZ, Artechock).
Eigentlich war die Inhaftierung JafarPanahis bereits im vergangenen Oktober vom Obersten Gericht des Landes aufgehoben worden, wie nun bekannt wurde: Das entsprechende Urteil von 2010 sei nach zehn Jahren ohne Vollstreckung verjährt. Dennoch sitzt der Regisseur weiterhin im berüchtigten Evin-Gefängnis ein. Jetzt wehrt er sich mit einem trockenenHungerstreik dagegen und ist bereit, zum Äußersten zu gehen, berichtet Daniel Kothenschulte in der FR: "Die Mitteilung über Panahis Hungerstreik wirkt umso alarmierender, als es gerade diesem Filmemacher immer wieder gelungen ist, unter denkbar widrigen Umständen weiterzuarbeiten. Nicht nur ignorierte er mehrfach sein Arbeitsverbot, aus den formalen Beschränkungen erwuchsen auch verfeinerte künstlerische Ausdrucksformen. Und nicht nur das: Nie überwog in seinen letzten Filmen die Bitterkeit, stets gab es etwasMenschlich-Aufbauendes darin, von dem man sich fragen konnte, woraus er es schöpfte." Die Weltbringt Panahis Erklärung im Wortlaut.
Der Berliner Filmbranche hat ein Nachwuchs- und Fachkräfte-Problem: Wollten früher noch so gut wie alle jungen Leute zu Film und Fernsehen, ist das heute nicht mehr der Fall, beobachtet die selbst noch junge Helena Sophia Schäfer in der FAZ. "Woran könnte das bloß liegen? Wer in Bologna-Zeiten studiert und von einem schlechtbezahltenPraktikum in besagter Medien- und Kreativwirtschaft ins andere schlittert, muss da tief in sich gehen. Das ZDF-Programm von heute verspricht 'Die Küchenschlacht', 'Bares für Rares' und 'Die Rosenheim-Cops', vermutlich gespickt mit Werbung für Tabletten gegen Schwindel, Sodbrennen und Prostataleiden. Wer träumte da nicht, Kabelschlepper beim Rundfunk zu sein? Die Kreativität lebt, da können die besorgten Älteren ganz beruhigt sein. Nicht die Jungen sind spießig, sondern das Fernsehen der Alten ist es. Die Jungen haben längst ihreeigenen Formate erfunden. Und ein Glück: Das Tiktok-Video kann man eigenhändig mit dem Smartphone produzieren. Da muss niemand Kabel schleppen."
Besprochen werden Albert Serras "Pacifiction" (Tsp, FAZ, mehr dazu bereits hier) und AlexSchaads Körpertauschfilm "Aus meiner Haut" (Standard, ZeitOnline).
Halluzinierter Exotismus: Albert Serras "Pacifiction" Albert Serra setzt sein extravagantes, sonst eher in den tiefen Archiven der Geschichte wühlendes Kino fort: Sein neuer Film "Pacifiction" spielt auf Tahiti, "ein umwerfender BenoîtMagimel regiert als ausgebrannter Hochkommissar über Französisch-Polynesien", schreibtPerlentaucherin Thekla Dannenberg und ist hingerissen über diesen für das paris-fixierte französische Kino doch sehr ungewöhnlichen Ortswechsel: "Tahiti als Schauplatz einer postkolonialen Fantasie ist ein Geniestreich." Zwar wächst mit fortlaufender Spielzeit das "Unbehagen, doch die Kamera berauscht sich an der Schönheit der Landschaft, der Körper, der Gesichter. ... Ein Plot entspinnt sich nicht aus diesen Versatzstücken des Polit-Thrillers. Serra ruft die Motive spielerisch auf, die politische Intrige, die Paranoia und die raunenden Andeutungen. ... Die Vernunft und die Kontrolle sind die großeFiktion, die Serra in 'Pacifiction' verabschiedet. Die Cahiers du Cinéma haben ihn zum besten Film des Jahres 2022 gekürt. Die postkoloniale Herrschaft scheint bei ihm nicht fürs Tragische zu taugen, selbst wenn die Menschheit verloren ist und ihrem Untergang entgegengeht, allenfalls für einen verrücktenapokalyptischenTrip."
SZ-Kritiker Philipp Stadelmaier stürzt sich voller Begeisterung in die sich buchstäblich auftürmende Brandung dieses Films: "Wenn es heutzutage einen Grund gibt, ins Kino zu gehen, um etwas zu sehen, was man sonst nirgends sehen kann - dann ist es "Pacifiction", dieser meisterhafte, einzigartige Film. ... Der fast dreistündige Film verzichtet auf jede übergeordnete dramatische Struktur. Und dann ist da das Risiko des Exotismus. 'Pacifiction' ist ein wunderschöner Film, getaucht in tropisches Licht und paradiesische Rottöne, als wäre die Sonne stets am Auf- oder Untergehen. Und doch verliert die Erzählung keine Sekunde an Spannung, während die Arbeitsmethode des Filmemachers alle Klischees eliminiert." Zu erleben ist "eine Phantasmagorie, in der der Exotismus mit seinen Farben ebenso wie die postkoloniale Thematik nichts als eine Pazifik-"Fiktion" ist. Die Dinge, die wir auf der Leinwand sehen, kommen uns vor, als würden wir sie ebenso halluzinieren, wie die Figuren es tun." Weitere Besprechungen in taz und FAZ.
Endlich mal die Filmkarriere wagen? Die Berliner und Brandenburger Filmszene sucht jedenfalls händeringendPersonal, meldet Kurt Sagatz im Tagesspiegel. Besprochen werden Helena Wittmanns "Human Flowers of Flesh" (Perlentaucher, taz), AlexSchaads "Aus meiner Haut" (FAZ, nachtkritik), AliAbbasis "Holy Spider" (Standard, unsere Kritik), die DVD-Ausgabe von GaryShermans 70s-Horrorfilm "Der Tunnel der lebenden Leichen" mit Donald Pleasence (taz), die Komödie "Ein Mann namens Otto" mit Tom Hanks (SZ) und ein Netflix-Porträtfilm über PamelaAnderson (FAZ, Standard), Außerdem weiß die SZ, welche Filme sich in dieser Woche lohnen und welche nicht.
Filmische Täuschungsmanöver: "Die Frau im Nebel" von Park Chan-Wook Nach seinen Ausflügen ins englischsprachige Ausland kehrt der Thriller-Auteur ParkChan-wook mit dem Kriminaldrama "Die Frau im Nebel" in seine südkoreanische Heimat zurück. Wohl auch, weil das südkoreanische Kino nach den Erfolgen von "Parasite" und "Squid Game" wieder ziemlich boomt, schreibt Simon Rayß im Tagesspiegel. Von den früheren Gewaltexzessen ist hier allerdings kaum mehr etwas übrig, führt Rays weiter aus: Der Regisseur hat "den Grad an Sex und Gewalt deutlich zurückgefahren. Der Blick auf die Liebesgeschichte im Zentrum bleibt unverstellt. ... 'Die Frau im Nebel' spielt mit den Regeln des Genres. Er verdreht sie, weitet sie, sodass der Film unerwartethumorvoll, vor allem aber melodramatisch gerät." Zugleich spricht aus dem Film "seine Liebe zum visuellen Erzählen, besonders zum Kino Alfred Hitchcocks. Parks Film lässt sich auch als 'Vertigo'-Variante verstehen."
Gerhard Midding von epdFilmhat viel Freude an dieser Revue "filmischerTäuschungsmanöver". Und auch er sieht den Regisseur endgültig in einer neuen Werksphase angekommen: "Gewalt und Erotik, die er zuvor provozierend drastisch in Szene setzte, weichen einem argwöhnischenRomantizismus. Die Verführung vollzieht sich vergleichsweise keusch. An Sinnlichkeit gebricht es ihr nicht. Der lyrischeDetailreichtumderInszenierung zeigt sich nicht zuletzt in der Empfindsamkeit für die Witterung der Küstenlandschaften, die hier eine intrigierende erzählerische Rolle spielen." Mit diesem Film wollte er "zu den fundamentalen Bestandteilen des Kinos zurückkehren, auf Action und alles Ablenkende verzichten und das Publikum mit ganz schlichten Mitteln von meiner Geschichte überzeugen", erzählt der Regisseur im taz-Gespräch.
Wer leidet mehr an der Geschichte? Die Schwarzen, die Juden - oder doch der NZZ-Kritiker? Kenya Barris' auf Netflix gezeigte Culture-Clash-Komödie "You People" lässt EddieMurphy (als eifersüchtig wachenden, schwarzen Pater Familias) und JonahHill (als jüdischen Schwiegersohn in spe) aufeinander treffen. Dieses Karussell der Vorbehalte, Befindlichkeiten und Opferhierarchien ist zwar gutgemeint, aber letzten Endes doch "vermasselt", findet Andreas Scheiner in der NZZ: Die Komödie Film "weiß nicht, ob es ihr um den Zusammenprall von weiß und schwarz geht oder um jenen von jüdisch und muslimisch. Beides kann man machen. Aber wenn man beides zusammen macht, wird es kompliziert. Denn identitätspolitisch steht weiß für privilegiert, für Macht, muslimisch und schwarz stehen für Ohnmacht. Und wo steht jüdisch? Hier hat die identitätspolitische Schleife einen Knoten: Wer das Judentum im Bändel weiß und mächtig verschnürt, hat das antisemitische Stereotyp gleich mit im Gewirr. Jüdisch gleich privilegiert? Das ist das hässliche Zerrbild, das angesichts der 2000-jährigen Geschichte des Judenhasses mehr als verquer ist."
Außerdem: Die Köchin Antje de Vries nimmt den Boom an Filmen und Serien über den überaus ruppigen Umgang miteinander in Sterne-Küchen in der SZ zum Anlass, um ihre eigenen Erfahrungen Revue passieren lassen: Ja, was in den Formaten gezeigt wird, entspringt durchaus der Realität - aber es bessert sich einiges und manches im kurzsilbigen Umgang miteinander ist schlicht funktional. Moritz Borchers widmet sich im Tagesanzeiger ausführlich dem Stand der Dinge in der Horror- undKriminalfilm-Forschung. Außerdem besprochen werden die Komödie "Ein Mann namens Otto" mit TomHanks (Standard) und ein Netflix-Film über PamelaAnderson (ZeitOnline).
Regé-JeanPage ist nun auch nach wissenschaftlichen Kriterien offiziell der schönste Schauspieler der Welt, meldet Pascal Blum im Tagesanzeiger. Besprochen werden die Endzeit-Serie "The Last of Us" (NZZ) und ein Netflix-Porträtfilm über PamelaAnderson (taz).
Mit glazialer Geschwindigkeit: "Alaska" von Max Gleschinski Dass beim auf den deutschen Filmnachwuchs abonnierten Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken der "formal eigenwilligste Beitrag" gewinnt, erlebt man auch nicht alle Tage: Und doch ist MaxGleschinski mit "Alaska" genau das geglückt, berichtet Kaspar Heinrich im Tagesspiegel. Sein Film "führt hinaus auf die Mecklenburgische Seenplatte. In aufreizender Ereignislosigkeit plätschern die ersten 20 Minuten dahin, was weniger abwertend als wörtlich zu verstehen ist. ... Das nächtliche Zirpen der Grillen und Quaken der Frösche lassen sanft hineingleiten in diesen Film", der von der Kanufahrt einer Mittvierzigerin erzählt, die einen Schicksalsschlag verarbeiten muss. "Das Drama dieses Verlusts schält sich mit glazialer Geschwindigkeit heraus, auch der Sinn ihrer Reise. 'Alaska' nimmt sich Zeit, hält die Neugier des Publikums wach, ist zudem ein Film für die große Leinwand, weil er von seiner Poesie und Atmosphäre lebt."
Außerdem: In der SZ bejubelt Tobias Kniebe JamesCameron, der mit seinem milliardenschweren Boliden "Avatar Zwo" sogar in die Gewinnspanne vordringt "Ein einziger Mann, der nur alle Jubeljahre mal einen Film macht, beansprucht jetzt drei der vier ewigen Spitzenplätze in der Geschichte des Blockbusterwesens für sich allein." Barbara Schweizerhof resümiert für ZeitOnline das Indiefilm-Festival Sundance, das sorgenvoll auf die Zukunft seiner Zunft schaut: Zwischen Coronapandemie und Streaming-Zukunft zeigt sich wenig Platz für Indiekino. In der Weltempfiehlt Hanns-Georg Rodek den Besuch der Galerie Bastian in Berlin, wo sich noch bis März die rare Gelegenheit bietet, WimWenders 3D-Kurzfilm über EdwardHopper zu sehen. Für den Standard porträtiert Katharina Rustler den Schauspieler Felix Kammerer, der für den mehrfach oscarnominierten Netflixfilm "Im Westen nichts Neues" vor der Kamera stand. In seiner Serien-Kolumne für die Zeiterinnert Matthias Kalle an die Sitcom "Das Leben und ich", der ein Musterbeispiel dafür glückte, wie man eine Serie zu einem befriedigenden Abschluss führen kann.
Besprochen werden PeterHengls österreichischer Horrorfilm "Family Dinner" (Standard), ChinonyeChukwus "Till" (SZ), der autobiografische Bildband "Magnificent Obsessions Saved My Life" des Schweizer Kinomachers MatthiasBrunner (NZZ) und die Apple-Serie "Shrinking" mit JasonSegel und HarrisonFord (taz).
An der Amazon-Serie "German Crime Story: Gefesselt" lässt sich so ziemlich alles ablesen, was es zum "True Crime"-Trend im Guten wie im Schlechten zu sagen gibt, schreibt Benjamin Moldenhauer im Filmfilter: Die Serie versucht jedenfalls händeringend, jeder Lesart des Genres etwas Fleisch vor die Füße zu werfen. Doch sie "fliegt dabei fürchterlich auf die Schnauze in mindestens einer, aber nicht in jeder Hinsicht, und ist bei all dem sehrunterhaltsam. ... 'German Crime Story' erliegt der Faszination ihrer Figur, die sie selbst konstruiert. OliverMasucci spielt den sadistischen Mörder als bedrohliches, komisches und unbremsbares Triebwesen, mit einem übersteigerten Hamburger Akzent, was allerdings durchaus Sinn ergibt." Auch zeigt sich, was True Crime "sein könnte, wenn das Genre seinen allzu faszinierten Blick endlich einmal konsequent und nicht nur alibihalber von den Tätern abwenden und dem, was diese Täter umgibt, zuwenden würde: eine Bild- undErzählmaschine, die eine krasse, aber genaue Wahrnehmung der sozialen und gesellschaftlichen Voraussetzungen von Verbrechen und Gewalt ermöglicht und diese Realität in ihrer verborgenen Groteskheit zeigt."
In der FAZ (online nachgereicht) verneigt sich Daniel Haas vor der Schauspielerin LauraDern, die aktuell in "The Son" im Kino zu sehen ist. Für ihn zählt sie "zu den besten Schauspielerinnen ihrer Generation. Ihr Blick: eine subtil orchestrierte Suchbewegung. Ihr Lächeln: mal zaghafte Reizung des Gegenübers, mal Selbstvermummung in Zweifel und Groll. Ihr Mund: ein die feinnervigsten Regungen in mimische Andeutung übersetzender Seismograph. Allein dieser Mund wäre einen ganzen Artikel wert. ... Hetäre, Heilige, Bigotte oder Verruchte: Die Rollen, die uns Literatur und Kino als Verkörperung eines vertrackten Begehrens anbieten, zerspielt sie mit einem einzigen Lippenzittern, einem jagend-lüsternen Blick."
Außerdem: Johanna Adorján erzählt in der SZ von ihrem Interviewtermin mit GérardDepardieu. Besprochen werden KirillSerebrennikows "Petrow hat Fieber" (SZ, ZeitOnline, mehr dazu bereits hier), PeterHengls österreichischer Horrorfilm "Family Dinner" (Filmfilter), DavyChous "Return to Seoul" (Zeit, unsere Kritik), die Science-Fiction-Serie "The Peripheral" nach dem gleichnamigen Roman von William Gibson (Jungle World), FlorianZellers Familiendrama "The Son" (Tsp) und die vierte Staffel der israelischen Netflix-Serie "Fauda" (NZZ).
Gegen den nationalistischen Geist: Serebrennikows "Petrow hat Fieber" KirillSerebrennikows "Petrow hat Fieber" nach dem gleichnamigen Roman von AlexejSalnikow bietet "eine furiose Zweieinhalbstundenirrfahrt durch postsowjetische Bewusstseinslabyrinthe", schreibt Kerstin Holm online nachgereicht in der FAZ: Die Titelfigur deliriert sich hier bei seinem Weg durchs triste Jekaterinburg im Fieber durch "Wahnvisionen, Jenseitserscheinungen und Kindheitserinnerungen": Hier wünscht einfach jeder jeden zum Teufel. "Als sich plötzlich die Tür auf ein Bürgerkriegsgetümmel öffnet, in dem willkürlich die Reichen abgeknallt werden, gerät der fiebernde Held in einen Film im Film, worin die Aggressionen des Volkes in die Tat umgesetzt werden." Artechock-Kritiker Rüdiger Suchsland ist von diesem "genial-fiebrigen radikalen Film" regelrecht umgehauen: "Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Traum, Wahrnehmung und Taumel folgen ohne erkennbare Ordnung oder Abstimmung aufeinander", bis man schließlich feststellt, "dass alles, was man gesehen hat, nichts anderes ist, als die Geschichte eines Mannes, der von einem Bild aus seiner Kindheit besessen ist, als die Chronik eines Landes, das in einer Epoche verankert ist, die es gleichzeitig verunglimpft und nach der es sich sehnt. ... Serebrennikov gelingt ästhetisch herausragendes Achterbahnkino, in dem inspirierterEklektizismus dominiert: Ein fiebriger Film über die chronische Krankheit einer fiebrig-taumelnden russischen Gesellschaft und ein rebellisches Manifest gegen den nationalistischen Geist, nicht nur den russischen." Fünf deutsche Filme im Berlinale-Wettbewerb ("absurde Übertreibung") und neun Oscarnominierungen für EdwardBergers "Im Westen nichts Neues": Rüdiger Suchsland hält von all dem auf Artechock nichts. "Wir erleben gerade eine Angstblüte. Davon spricht man, wenn ein Baum, kurz bevor er stirbt, noch mal ganz besonders prächtig blüht. So ungefähr geht es womöglich dem deutschen Kinofilm. Neun Nominierungen für 'Im Westen nichts Neues' ist toll für den Film, den man auch einen deutschen Film nennen kann, aber schlimm für die Zukunft. Das lenkt ab, es wird den deutschen Film nachhaltig schädigen. Weil nun alle Förderer sagen: Wir brauchen Netflix, dann kriegen wir Oscar-Nominierungen. ... Der deutschen Filmbranche geht es schlecht, sehr schlecht. Das bestätigen paradoxerweise gerade die Lorbeeren der Berlinale. Denn jede Berlinale-Zusage bedeutet eine Absage aus Venedig, aus San Sebastián, aus Sundance. Von Cannes reden wir jetzt mal gar nicht. Jeder deutsche Film, der in Deutschland gezeigt wird, wird im Ausland erst einmal nicht gesehen."
Weitere Artikel: Axel Timo Purr resümiert auf Artechock das 21. DhakaFilmfestival. Birgit Schmidt wirft einen Blick auf Stars, die den klingenden Namen ihrer Hollywood-Eltern zu Geld gemacht haben.
Besprochen werden LukasDhonts "Close" (FAZ, Filmdienst, Welt, Zeit, Artechock, unsere Kritik), TineKuglers und GüntherKurths Langzeit-Dokumentarfilm "Kalle Kosmonaut" über Kindheit in Berlin-Hellersdorf (Artechock, SZ), Davy Chous "Return to Seoul" (Filmdienst, unsere Kritik), JoMüllers "Schattenkind" (Filmdienst), FlorianZellers Depressionsdrama "The Son" (Welt, Artechock, ZeitOnline), Edward Bergers für die Oscars nominierter Netflix-Kriegsfilm "Im Westen nichts Neues" (taz) und die Apple-Serie "Shrinking" mit HarrisonFord und Jason Segel (Freitag),
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