Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 5 von 33

Die Buchmacher vom 02.06.2007 - Börsenblatt

Vito von Eichborn macht sich im Kommentar nach eigenen Angaben zum ersten Mal Sorgen um das Schicksal des Buchs. Anlass ist der Einstieg von Libri ins Gebrauchtbuchgeschäft. "Warum schreit eigentlich niemand?", fragt Eichborn. In den USA kauften Schüler und Studenten mehr als die Hälfte ihrer Bücher längst billiger im Netz. "Die Rechenaufgabe ist simpel", so Eichborn: "Wenn man die steigende Kurve der Stückzahlen im wild wachsenden Gebrauchthandel imaginiert - tritt simultan die sinkende Kurve der Auflagen von Novitäten vor Augen." Und dann? Startauflagen und Lagerhaltung würden ganz abgeschafft, das nur einmal on demand gedruckte Exemplar werde gebraucht weiterverkauft. "Dann müssen Autoren und Verlage ihr Geld online verdienen. Dafür braucht man allerdings keinen Buchhändler mehr, der wird umgeschult auf Content-Broker."

Christian Försch schreibt eine interessante Analyse des italienischen Buchmarkts. Einerseits habe sich die Zahl der Neuerscheinungen seit 1980 mehr als verdreifacht; täglich kämen rund 100 Titel heraus. Andererseits würden fast 90 Prozent der Bücher von einer Handvoll Großverlagen produziert, alle aus dem Norden. "Sie diktieren die Gesetze des Marktes, kaufen den Kleinverlagen die Talente weg, drücken im Vertrieb die eigenen Titel durch. Die restlichen 90 Prozent der Verleger kämpfen ums Überleben", so Försch. Kleinverleger hielten zunehmend mit konzertierten Aktionen dagegen und schlössen sich zusammen, um eine eigene Vertriebsstruktur aufzubauen.

Von der Tagung der Deutschen Fachpresse in Wiesbaden berichtet Michael Roesler-Graichen. Ziel der Verleger sei, künftig einen Programmmix zu komponieren, der alle Medienkanäle bedient, und "zugleich das Printmedium mit den elektronischen Medien zu einem Leistungsbündel" zu schnüren, "dessen Komponenten sich zueinander komplementär verhalten". Achso.

Jörg Hoewner, Chef der Düsseldorfer Agentur K12 und Berater beim Börsenblatt-Online-Relaunch, erklärt, wie Online-Marketing funktioniert. Fazit: Im Web 2.0 gebe es ein großes Potenzial, nur ließen sich die klassischen Marketingansätze nicht ohne weiteres übertragen. Zukunftsträchtige Werbeträger seien unter anderem Podcasts und Videoclips sowie "Blog-Vertising". Man darf gespannt sein, wie viel das Börsenblatt demnächst online erlöst.

Weitere Themen: Die Edel AG will mit einem Ausbau des Büchergeschäfts die Krise auf dem Musikmarkt kompensieren - 2008 planen die Hamburger einen Buch-Umsatz von 30 bis 40 Millionen Euro ein. Die deutsche "Harry Potter VII"-Übersetzung erscheint am 27. Oktober 2007 bei Carlsen. In der kleinen Serie über Volltextsuche-Portale stellt Volkhard Bode ocelot.de vor, wo bislang (nur) 50 Titel mittlerer und kleinerer Verlage online recherchierbar sind. Nils Kahlefendt schreibt einen Vorbericht zum Treffen von Literaturzeitschriftenverleger in Köln (an diesem Wochenende). Peter Stamm lobt seine Lieblingsbuchhandlung Obergass Bücher in Winterthur. Den Fragebogen hat der Autor Wolfram Fleischhauer ausgefüllt (Lieblingsbeschäftigung: Tango tanzen).

Die Buchmacher vom 28.05.2007 - Börsenblatt

Dirk Vaihinger, Leiter des Verlags Nagel & Kimche in Zürich, legt einen interessanten Kommentar über die Zukunft des preisbindungsfreien Buchmarkts in der Schweiz vor. Seine These: "Sehr bald werden die Bücher insgesamt teurer." So erzwinge "die einfache betriebswirtschaftliche Rechnung im Buchhandel eine Preiserhöhung der meisten Titel zur Kompensation des verlorenen Umsatzes bei den Bestsellern." Fazit: "Erstaunlich wird das alles sein! Und dann werden wir wieder dort angelangt sein, wo wir immer waren: Die Schweiz ist unverschämt teuer."

Einen Tag nach der Rückkehr von einer halbjährigen Schiffsreise gibt der "Schiffsschreiber" Matthias Politycki dem Börsenblatt ein Interview. An Bord habe ihn das "Seemannsgarn, diese fabelhafte Mischung aus Fakten und Fiktionen" besonders interessiert. Davon habe es auch unter den Passagieren reichlich gegeben. "Einer hat mir sogar mal auf der Joggingstrecke den Weg verstellt, weil der Mitteilungsdrang zu groß war; ein anderer ist direkt vor mir in den Swimmingpool gesprungen, als ich dort meine Bahnen zog", erinnert sich der Hamburger. Eindruck hat Politycki offenbar auch beim Personal gemacht. Vom Kapitän über den Bordpastor bis zum Klavierstimmer hätten viele Mitarbeiter am Bordtagebuch mitgeschrieben (auf der Seite des Autors ist hier die Route der Reise zu sehen, hier das Tagebuch der Reise).

Volkhard Bode analysiert, wie die Verlage auf die zunehmende Macht der Buchhandelsfilialisten reagieren. So habe Droemer einen Kundenbetreuer nur für die Belange von Thalia abgestellt, ein weiterer sei nur für DBH (Hugendubel, Weltbild) und die Mayersche zuständig. Bei Fischer arbeite man daran, das Key-Account-Management zu optimieren - Zauberwort sei auch hier die "Ausdifferenzierung", bei der die einzelnen Interessen der Handelspartner bedient werden sollen. Lübbe habe bislang keine Key-Account-Stelle, wolle diese aber bis Ende des Jahres einrichten.

Weitere Themen: Volkhard Bode testet das Volltextangebot von Campus; im "Digibooks"-Programm stehen 600 Titel zum Download bereit. Michael Roesler-Graichen interviewt den Thieme-Verleger Albrecht Hauff, der eine Dependance in Indien gründen will. Dort soll das englischsprachige Verlagsprogramm vertrieben sowie ein eigenes Programm für den indischen Markt produziert werden. Der Audio Verlag kooperiert mit dem Wagenbach-Verlag; pro Programm sollen eine Novität und drei Backlisttitel der Berliner als Hörbuch erscheinen. Im vergangenen Jahr wurden erstmals mehr Bücher per Internet als über das traditionelle Kataloggeschäft verkauft. In Großbritannien schließt laut Bookseller derzeit im Schnitt eine Buchhandlung pro Woche - weil der Druck der Ketten zu hoch ist. Den "Fragebogen" hat die Fotografin Digne Meller Marcovicz ausgefüllt.

Die Buchmacher vom 18.05.2007 - Börsenblatt

Das Börsenblatt stellt die drei Modelle vor, die für die in die Bredouille geratene Buchhändler Abrechnungs-Gesellschaft (BAG) im Gespräch sind: die Umwandlung in eine brancheneigene Bank (über die die Mitglieder ihren Geldverkehr abwickeln, die die Zinserträge von anderen Instituten abzieht und über die Deutsche Buchhändler Bank direkt in die Branche lenkt); das "Kölner Modell" (die BAG wird ein eigenständiges Unternehmen, gleichberechtigt neben den anderen Börsenvereins-Wirtschaftsbetrieben AuM und MVB) und das Genussscheine-Modell (Ausgabe von bis zu 60.000 Genussscheinen im Nennwert von je 100 Euro, zuschlagen können alle Unternehmen im Buchhandel und deren Mitarbeiter). Hier der Artikel.

Jochen Jung, Leiter des gleichnamigen Verlags in Salzburg und fast in Alleinregie Gast-Kommentarschreiber im Börsenblatt, nimmt dem Leser das schlechte Gewissen angesichts hunderter ungelesener Bücher im Schrank. "Gewisse Titel können Sie vermutlich schon heute auf eine Liste schreiben mit der Überschrift: Was ich nie lesen werde. 'Der Mann ohne Eigenschaften' vielleicht? 'Witiko'?? 'Don Quijote'??? Sie dürfen dabei davon ausgehen: Auch ein Leben ohne 'Ulysses', ja selbst ohne 'Krieg und Frieden' kann ein erfülltes Leben sein."

Mit gemischten Gefühlen reagiert die Branche auf die Übernahme der Karstadt-Bücherflächen durch Thalia. Der angekündigte Umzug der Bücherabteilungen in die oberen Geschosse der Warenhäuser sei für die Kundenfrequenz abträglich. Ein namentlich im Artikel nicht genannter Vertriebsmitarbeiter spricht sogar von einer "krassen Fehlentscheidung" von Thalia. Karstadt habe schon vorher das Problem fehlender Kunden gehabt, dies werde jetzt verschärft.

Weitere Themen: Weltbild testet den Büchervertrieb in einem Familia-Warenhaus in Karlsruhe. Zweitausendeins hat den ersten Shop-in-Shop im Georg-Büchner-Buchladen in Darmstadt eröffnet. Im "Menschen"-Ressort stellt Stephan Eppinger den Darmstädter Buchhändler Stephan Jaenicke vor. Den "Fragebogen" hat die Kinderbuchillustratorin Sybille Hein ausgefüllt (sehr nett: mit kleinen Skizzen; sehr sympathisch: Begeisterungsfähigkeit und Verwirrtheit seien ihre Hauptcharakterzüge).

Die Buchmacher vom 14.05.2007 - Börsenblatt

"Bestimmte Leistungen entstehen nicht ohne Schutzräume", verteidigt Börsenblatt-Chef Torsten Casimir im Editorial die (in der Schweiz gerade ausgehebelte) Institition der Preisbindung. Der deutsche Gesetzgeber habe bei der grundsätzlichen Ablehnung einer Preisbindung Bücher ausgenommen, "weil er sich verpflichtet fühlte, Gesellschaft zu gestalten", bleibt Casimir im Ungefähren. In einem weiteren Artikel zur gekippten Preisbindung fürchtet das Börsenblatt, dass schweizerische Online-Händler deutsche Kunden beliefern könnten. Mit einstweiligen Verfügungen ließe sich der illegale Buchverkauf kaum wirkungsvoll unterbinden. Einziges Druckmittel der Verlage wäre dann ein Lieferstopp gegenüber den Onlinehändlern. In einem dritten Artikel untersucht Carlo Bernasconi die Struktur des schweizerischen Buchhandels, der jährlich rund 500 Mio Euro umsetzt (Deutschland: 9 Mrd Euro).

Edeka steht Pate bei der Idee in der Buchbranche, die unabhängigen Händler in einer "EdeBu" zu bündeln. Würden die Sortimenter beim Superverbund mitziehen, hat das Börsenblatt bei einem Telefon-Rundruf gefragt. Feine Idee, lautet der Tenor, "Wie unter einen Hut bringen?" und "Die großen Verlage müssen mitziehen" die Einschränkungen. Über die Edeka-Idee macht sich auch die "Gallionsfigur des unabhängigen Buchhandels" Folkert Roggenkamp Gedanken. Eigentlich geht es im Interview um den Verkauf der Roggenkampschen Buchhandlung an die Mayersche, am Ende erklärt der Buchhändler, dass spätestens nach dem nicht mehr unwahrscheinlichen Fall der Preisbindung die verbleibenden 150 bis 300 unabhängigen Buchhändler eine Koalition eingehen würden. Heute kämen noch rund 1000 Sortimente in Frage.

Rainer Moritz berichtet von seinen Erlebnissen bei einer Lesung in Erkrath, wo er aus seinem Buch "Und das Meer singt sein Lied" (über "die Abgründe des maritimen Schlagers von Rudi Schuricke bis Julio Iglesias") zwischen den Gänge eines edlen Menüs gelesen hat. Fazit: Begeistert. Den australischen Barsch Barramundi kennengelernt, neben einem Ex-Gitarrenlehrer gesessen, der Kurse mit einer jungen Frau namens Ute Krummenast gegeben hat. "Aus dieser sei dann irgendwann die Schlagersängerin Claudia Jung geworden, der die Menschheit immerhin, wie ich ergänzte, die Klassiker 'Unter meiner Haut' und 'Stumme Signale' zu verdanken habe." PS: Jede Wette, dass Moritz bald selbst beim Grand Prix auftritt.

Am 15. Juni küren die Mitglieder des Börsenvereins in Berlin den neuen Vorstand; die Kandidaten stellt das Börsenblatt vor (hier). Überraschungen sind keine zu erwarten: Als Vorsteher kandidiert Gottfried Honnefelder, der seit Anfang 2006 an der Spitze des Verbands (als Nachfolger des zurückgetretenen Dieter Schormann) steht; als Schatzmeister bewirbt sich Jürgen Horbach (Vemag, Köln), der ebenfalls schon aktiv ist (seit dem Rückzug von Martin Ludwig im März).

Weitere Themen: Das Börsenblatt hat im Bookseller gelesen, dass Amazon auf der London Book Fair ein E-Book-Lesegerät vorgestellt hat. Der britische Filialist Waterstone's hat das vergangene Geschäftsjahr mit einem Minus von 4,8 Prozent abgeschlossen. Tobias Gohlis schreibt über die Krimi-Novitäten des Frühjahrs, die zeigten, dass das Genre ästhetisch gereift sei. Wolfgang Schneider porträtiert den schweizerischen Philosophen und Bestseller-Autor Peter Bieri (alias Pascal Mercier, "Nachtzug nach Lissabon").

Die Buchmacher vom 07.05.2007 - Börsenblatt

In ihrem Artikel über Buchhändlerkooperationen blickt Sybille Fuhrmann nach Großbritannien, wo der unabhängige Buchhändler Tim Walker vor einem Jahr mit der Idee einer Independent Buying Group (IBG) an die Öffentlichkeit gegangen sei. "Dem losen Verbund haben sich inzwischen 150 Buchhändler angeschlossen. Walkers Ansatz: Gemeinsam könnten die Independents bei den marktführenden Publikumsverlagen höhere Rabatte für ausgewählte Titel durchsetzen, diese Vorteile im Einkauf ganz oder teilweise an die Kunden weiterreichen - und damit den Buchhandelsketten wenigstens punktuell Paroli bieten." Für eine erste Aktion im Weihnachtsgeschäft hätten Verlage Rabatte zwischen 50 und 57,5 Prozent gewährt.

Im Interview mit dem Börsenblatt kündigt Klett-Vorstandsvorsitzender Uwe Brinkmann an, in Europa expandieren zu wollen. Im vergangenen Jahr steigerten die Stuttgarter ihren Umsatz um 15 Prozent auf 406 Millionen Euro, das Ergebnis wurde mehr als verdoppelt (15 Millionen Euro).

Im Gastkommentar stellt Ulrich Granseyer, Vorstand von B. I. & F. A. Brockhaus, die nicht gerade Atem beraubende These auf, dass Zielgruppenansprache, Marktforschung und die Entstehung von Schulbüchern weitgehend der Produktion von Sachbüchern gleichen. Daraus leitet Granseyer das "Anliegen" ab, wie das Schulbuch dem Sachbuch folgen sollte: "Ich meine, man sollte es besitzen. Es gibt sehr harte pädagogisch-didaktische Gründe für das eigene Buch."

Der Medienforscher Winfried Kaminski stellt steile Thesen zur Buchprägung vor. Demnach öffnen sich weibliche Leser der Lektüre auf mindestens drei Ebenen: "sozial-emotional (Lachen/Weinen)", "hedonistisch (Begeisterung)" und "ästhetisch-reflexiv (Stil)". Bei Männern dominiere die "intellektuell-kognitive Ebene".

Weitere Themen: Bei der Abgeordnetenversammlung des Börsenvereins hat sich das Parlament geschlossen hinter den Vorstand und dessen Kurs in der Diskussion um den Kredit der MVB für die angeschlagene BAG gestellt. Außerdem hat das Gremium grünes Licht für die Beitragsstrukturreform gegeben (dabei müssen große Unternehmen künftig mehr Geld abdrücken). Im "Rundruf" hat sich die Redaktion unter Buchhändlern umgehört, ob die heißen Temperaturen dem Handel einen Strich durch die Rechnung machen: Peter Seiler (Die Schatzinsel, Münster) erklärt, dass er von der gegenüberliegenden Eisdiele profitiere. Eichborn hat 2006 mit einem deftigen Minus (2,3 Millionen Euro bei einem Umsatz von 16,7 Millionen Euro) abgeschlossen; "Außergewöhnliche Rückstellungen und Abschreibungen" seien die Ursache, so die Berliner. Im Menschen-Ressort porträtiert Ulrich Rüdenauer das Buchhändlergespann Rosemarie Lux und Rainer Moritz.

Die Buchmacher vom 30.04.2007 - Börsenblatt

Ende, aus, vorbei? Die Gespräche zwischen den Übersetzern und Verlegern sind gescheitert. Wie das Börsenblatt meldet, hat der Mediator Elmar Hucko (der zwischen Verlegern und Belletristikautoren noch erfolgreich vermitteln konnte) das Mediationsverfahren zur Aufstellung gemeinsamer Vergütungsregeln für die Übersetzer ausgesetzt. Laut Random-House-Chef Joerg Pfuhl ist das Festhalten der Gegenseite an der Nicht-Verrechenbarkeit von Garantiehonorar und Absatzbeteiligung ausschlaggebend gewesen.

Renate Reichstein, stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen und Lizenzchefin der Oetinger Verlagsgruppe in Hamburg, schreibt im Gastkommentar von ihren Erfahrungen bei der Kinderbuchmesse in Bologna. "In Bologna dröhnt keine Computeranimation durch die Gänge, ist die Luft nicht zum Schneiden. Eine Stimmung, um sich mit aufmerksamer Neugier zu begegnen. Man kann in solchen Gesprächen viel lernen - über den Nachmittagsmarkt zum Beispiel, eine der neueren deutschen Entdeckungen, über die unsere Lizenzpartner verwundert den Kopf schütteln, weil es den in ihren Ländern gar nicht geben kann: Dort gehen die Kinder ganztags zur Schule." Bologna sei auch ein Indikator dafür, welche Länder künftig zu den großen Lizenzpartnern werden könnten.

Ebenfalls zum Thema Kinder- und Jugendbuch beschreibt Ex-Frankfurter-Buchmesse-Sprecher Holger Ehling, dass deutschsprachige Titel im Ausland begehrt sind. Die meisten Abnehmer kämen aus Asien und Osteuropa. Eckart Baier analysiert die prekäre Situation der Informationsgenossenschaft eBuch, die 2006 einen Verlust von 240.000 Euro eingefahren hat. Neben wirtschaftlichen Problemen gebe es persönliche Differenzen zwischen Vorstand/Aufsichtsrat und den Handelsvertretern Lorenz Borsche und Herby Thurn.

Susanne Broos stellt vier Kochbuchhandlungen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Bielefeld vor (hier der Artikel). Vorbild der Spezialsortimenter sei Books for Cooks in Notting Hill. Nachdem Brit Lippold die Idee des 1983 gegründeten Kochbuchsortiments studierte, habe sie das Konzept nach Deutschland geholt und 2001 in Berlin-Mitte ihre kulinarische Buchhandlung Kochlust eröffnet. Die Buchhändler profitierten derzeit vom "Hype ums Kochen". Die Nachfrage nach Koch-Events - vom Einstieg in die tibetische Küche bis zur Pralinenherstellung - steige bundesweit weiter.

Weitere Themen: Im Rundruf hat das Börsenblatt bei Lizenzhändlern und Verlegern nachgefragt, ob der neue Standort der Londoner Buchmesse der Frühjahrsmesse neuen Schwung gegeben habe. "Die Stimmung war intimer und atmosphärisch um Klassen besser als voriges Jahr. Ort und Zeitpunkt passen uns: Der Rhythmus im Wechsel mit Frankfurt stimmt", frohlockt beispielsweise Georg Kessler von Gräfe und Unzer. Der Bahnhofsbuchhandel hat 2006 377 Mio Euro Umsatz erwirtschaftet (minus 3 Prozent); 70 Prozent des Umsatzes entfallen auf vier Firmen. Stefan Hauck und Guido Heyn geben einen Überblick über die 2006-er Produktion der Comic-Verlage - und eine Einführung ins Genre der anspruchsvollen Comics (besonders Graphic Novels, die oft so vielschichtig sind wie Romane). Im "Menschen"-Ressort porträtiert Emmanuel van Stein den Ex-Banker und Hermes-Krawattenverkäufer und jetzigen Verleger Herbert von Halm.

Die Buchmacher vom 23.04.2007 - Börsenblatt

Das Börsenblatt mausert sich langsam zum versierten Krisenanalytiker. Ähnlich offen und detailliert, wie die Frankfurter vor einigen Wochen die Turbulenzen bei der Wirtschaftsschwester BAG untersucht haben, widmen sie sich in dieser Ausgabe der Krise der Buchhändlergenossenschaft eBuch (verknüpft die Warenwirtschaftssysteme der Mitgliedsbuchhandlungen über das Internet, um die Statistik- und Wirtschaftsdaten analysierbar zu machen). Dort habe sich nicht nur die Zusammenarbeit zwischen den Leitungsgremien Vorstand und Aufsichtsrat sowie den zwei Handelsvertretern Herby Thurn und Lorenz Borsche rapide verschlechtert - zuletzt wurde der technische Vorstand Alexander Klein vom Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung gefeuert (Begründung: Verstoß gegen Geheimhaltungsvorschriften, Bruch von Stillschweigepflichten). Auch die wirtschaftliche Situation der Genossenschaft sei schwierig. Der vorläufige Jahresabschluss zum 31. Dezember 2006 weise einen Jahresfehlbetrag von 105.000 Euro aus. Zusammen mit den Verlustvorträgen aus Vorjahren ergebe sich damit ein Gesamtfehlbetrag von 240.000 Euro. Im Editorial schreibt Börsenblatt-Chef Torsten Casimir: "Wenn nicht rasch gegengesteuert wird, droht womöglich die Insolvenz." Und schlägt eine Allianz der Verbünde eBuch und LG Buch (eine weitere Einkaufsgemeinschaft) vor.

In einem sehr lesenswerten Gastbeitrag machen sich Gabriele Schink und Stefan Könemann vom Landesverband NRW Gedanken über die zukünftige Ausrichtung des Börsenvereins. Im Verband gebe es viel zu wenig direkte Kontakte zu den Mitgliedern, ein System von Außendienstbetreuung sei nicht vorhanden. Außerdem führe das Machtgefüge Bundesverband-/Landesverbände zu vielfältigen Handlungsblockaden. Weitere Kritikpunkte: Es gebe zu viel Abstimmungsbedarf und zu wenig Entscheidungsfreiheiten. "Darunter leiden die Kreativität und die Lust an der inhaltlichen Arbeit, das ist auch bei den hauptamtlich Beschäftigten nicht anders", schreiben die Autoren. Als Gegenmaßnahme schlagen Schink und Könemann vor, die Verflechtungen zwischen Wirtschaftsbetrieben und Verband weiter zu lösen. "Daraus ergäben sich neue Entscheidungsfreiheiten und Handlungsspielräume für alle Beteiligten." Außerdem sollten die Aufgaben von Bundes- und Landesverbänden stärker aufeinander abgestimmt werden.

Weitere Artikel: Im "Rundruf" hat sich das Börsenblatt umgehört, wie die deutschen Kollegen zu der Idee der Schweizer Buchhandlungen stehen, am heutigen Montag zu schließen, um für die Preisbindung zu demonstrieren. Das Gros der Sortimenter hält geschlossene Türen für den falschen Weg. Drei Wochen nach seinem ersten Kommentar darüber, wie wichtig Verrisse sind, legt der Salzburger Verleger Jochen Jung nach - indem er sich korrigiert. Entgegen der ursprünglichen Behauptung, dass Verrisse zwar wichtig, aber für den Kritiker ganz und gar kein Vergnügen seien, erklärt Jung nun: "Ein größeres Vergnügen als ein satter Verriss ist für einen Rezensenten kaum denkbar. In nichts kniet er sich lustvoller hinein, da lebt er auf, da ist er ganz und gar bei sich, heroisch seinem Gegenüber ins brechende Auge blickend. Und keine Rede von klammheimlich, weswegen ich an dieser Stelle offen und ein für alle Mal bekenne: Verreißen ist schön." Der Verriss komme "so angenehm rasch auf seinen Schmerzpunkt. Er hat die Kraft der Eindeutigkeit, ethisch betrachtet: der Kompromisslosigkeit."

Die Buchmacher vom 16.04.2007 - Börsenblatt

Na, hat denn schon das Sommerloch angefangen? Mit einem inhaltlich dünnen Heft wartet in dieser Woche das Börsenblatt auf. Im Editorial salbadert Torsten Casimir über die gesprächsintensiven Wochen, vor denen die Branche stehe (Vorstands- und Fachausschüsse-Sitzungen im Börsenverein, die Abgeordnetenversammlung, die zum Branchenparlament umgebaut werden soll) - "viele Gelegenheiten, aneinander vorbeizureden", kalauert Casmir, um - Spaß beiseite - das "Ende der kommunikativen Formkrise" herbeizuschreiben: "Die Wiederentdeckung von Vertraulichkeit. Das Gespür für zumutbare Offenheit. Die Bereitschaft zum Kartextreden." (Darf man weiterdichten: Die Nicht-Bereitschaft, weiter solche Stakkato-Floskeln lesen zu müssen?)

Hübsches Thema: Die Leipziger Buchmesse will möglicherweise ein Rauchverbot ab 2008 einführen. Im Börsenblatt-Rundruf reagieren unter anderem Joachim Unseld ("....sicher wunderbar. Aber unsere Branche hat schon auch größere Probleme...") und Egon Ammann ("Blödsinn. Rauchen gehört wie ein gutes Glas Wein zum Lesen").

Der Literaturkritiker Wolfgang Schneider sinniert im Kommentar darüber, ob Männer wirklich auf Kriegsfuß mit dem "guten Buch" stehen. Und findet wenig Gefallen an der These: "Wie kommt man überhaupt zu repräsentativen Daten? Steht da jemand mit einem Zählapparat an der Buchhandelskasse und gibt ein, ob gerade ein Mann oder eine Frau den neuen Genazino gekauft hat? Und was hätte das zu bedeuten angesichts des Umstands, dass der Käufer eines Buches nicht unbedingt auch sein Leser ist
- sondern oft sein Verschenker oder bloßer Wegsteller?"

Thomas J. Spang analysiert in einem - große Ausnahme - sehr interessanten Artikel über den Stellenwert der Buchketten Borders und Barnes & Noble in den USA. Das Gerücht von einer Fusion der Riesen halte sich hartnäckig. Treibende Kraft im Hintergrund sei ein Hedgefonds, der an der Nummer eins und Nummer zwei beteiligt sei. Für die unabhängigen Buchhändler wäre ein Zusammeschluss der "ultimative Albtraum", schreibt der Autor.

Weitere Themen: Amazon hat die stationären Händler in der Schweiz verschreckt. Das Angebot des Onliners: Kaufe drei Bücher und erhalte das vierte mit 20 Prozent Rabatt. Sabine Cronau unterhält sich mit der Chefin der Künstlersozialkasse, Sabine Schlüter, über die geplante Reform des Versicherungssystems. Im "Menschen"-Ressort porträtiert Torsten Casimir den "heutigen Konquistador", "Fernwehmütigen", "Meerestiefenberauschten" und "Auf-den-Grund-Geher" (siehe oben) Nikolaus Gelpke - Gelpke ist Gründer der Zeitschrift Mare.

Die Buchmacher vom 09.04.2007 - Börsenblatt

Harald Fette hat elektronische Enzyklopädien getestet und ein multimediales Wettrüsten der Verlage ausfindig gemacht. So werde die neue Version des "Brockhaus multimedial" mit einem Planetarium, mit dem der Hobbyastronom im virtuellen Flug Sonnensystem und Galaxien erkunden könne, ausgeliefert. Microsoft habe seine "Encarta" um ein Kinderlexikon erweitert. "Ein digitales Lexikon hat mehr zu bieten als die entsprechende Buchausgabe, mehr als nur Bilder und Textinformationen", bilanziert der Autor. Was in dem Artikel zu kurz kommt, ist jedoch die Frage des Pricings - wie setzen die Verlage den Preis an im Vergleich zu Print-Produkten? Und welches Medium zukünftig als Datenträger eine Rolle spielen wird.

In seinem sehr lesenswerten Kommentar schreibt der Verleger Jochen Jung über die Pflicht des Rezensenten zum strengen Urteil. Auf die Frage, warum "man nicht einfach der freundlichen Schwester den Vortritt lässt und ansonsten mit des Sängers Höflichkeit schweigt", antwortet Jung: "Weil Sie, liebe Leserin, lieber Leser, aber durchaus auch Sie, lieber Autor, liebe Autorin, ein Recht darauf haben, ernst genommen zu werden. Und ernst genommen werden heißt, dass Ja und Nein gleiches Recht haben und sogar gleiche Pflicht." Verrisse müssten schrecklich sein, "ab-schrecklich nämlich".

Ueberreuter bringt eine Großdruck-Edition auf den Markt. Ob der Markt solch eine Edition braucht? Beim "Rundruf" erklärt das Gros der vom Börsenblatt angesprochenen Sortimenter, dass Großdruckbücher kaum nachgefragt werden.

Weitere Themen: Amazon greift im Vorfeld des neuen "Harry Potter" in die Trickkiste und bietet die deutsche und englische Ausgabe zusammen für 48,90 Euro an. Formal sei an dem Kombipreis nichts auszusetzen, so das Börsenblatt, Sortimenter würden dennoch verärgert reagieren. "Suggeriert doch wieder mal ein Großer, dass er kleine Preise hat. Dabei stochert Amazon beim Preis der Übersetzung im Nebel - so wie alle anderen", kommentieren die Frankfurter. Im "Menschen"-Ressort porträtiert das Börsenblatt den Autor Per Petterson.

Die Buchmacher vom 02.04.2007 - Börsenblatt

Georg Klein fasst für das Börsenblatt seine Eindrücke der sich zum Branchen-"Event" gerierenden Leipziger Buchmesse zusammen. Der Autor scheint sich diesmal nicht so richtig amüsiert, geschweige denn für den Trubel interessiert zu haben - immerhin habe er jedoch ein Gespräch in guter Erinnerung behalten, und zwar mit einer Buchhändlerin aus dem fernen Flensburg. "Da berichtete sie mir, wie sie als junges Mädchen, das in der Abgeschiedenheit einer nordfriesischen Insel aufgewachsen war, zum ersten Mal vor der Rolltreppe eines Kaufhauses gestanden hatte und wie sie, Sinje P., die automatischen Stufen des Konsumtempels nicht zu betreten gewagt hatte, weil sie sich um ihre Füße sorgte. Schon war es mit einem einzigen Blinzeln in mich hineinfotografiert! Allein für dieses erzählenswerte Bild von den behütenswerten Füßen hatte es sich gelohnt, nach Leipzig zu pilgern." In den restlichen Messe-Artikeln widmet sich die Branchen-Zeitschrift neuen Geschäftsideen für das Hörbuch, der Generation Manga ("so selbstsicher bewegen sich die verkleideten Jugendlichen in ihrer Rolle als Comic-Helden, dass Pickel und dicke Schenkel kein Thema mehr sind") und dem Ammann Verlag, dessen Übersetzer mehrfach mit Preisen belohnt wurden.

Auf vier Seiten berichten die Frankfurter von der Mitgliederversammlung des BAG-Vereins: Der Darlehensvertrag mit der MVB wurde abgenickt, zudem wurden Zukunftsszenarien für die BAG diskutiert. Außerdem haben die bislang verschwiegenen BAG-Zahlendreher erstmals die Folgen der Zanolli-Pleite detailliert aufgeschlüsselt - man bedenke: zwei Jahre nach der Insolvenz: Demnach hat die Pleite der Kölner Billigbuchhändler die BAG 10,8 Millionen Euro gekostet.

Im Kommentar hinterfragt Rainer Moritz die Floskel vom "guten Buch", die, würde Eckhard Henscheid sich daranmachen, seine Sammlung "Dummdeutsch" neu zu bearbeiten, darin sicher aufgenommen würde. "Das gute Buch" sei eine Leerformel, die mit größter Vorsicht zu genießen sei. "Misstrauen Sie allen Menschen, die vom ,guten Buch' faseln und dann am Swimmingpool doch wieder nur ,Vanity Fair', ,Gala' oder die ,Bild'-Zeitung schaffen", rät Moritz.

Weitere Themen: Auf der Leipziger Buchmesse waren diesmal laut Veranstalter 1000 Besucher mehr (127.000) unterwegs. Barnes & Noble hat 2006 3,4 Milliarden Euro umgesetzt (plus 2 Prozent). Auch in diesem Jahr wird das Plus nicht höher ausfallen - trotz neuem "Harry Potter", durch den zwar die Umsätze, nicht aber der Gewinn stiegen. Christina Schulte stellt das "innovative Vergütungsmodell" des Nürnberger Hotels Schindlerhof vor, bei dem sich das Gehalt nach der Entwicklung des "Mitarbeiteraktienindexes Max" bemisst - 20 Indikatoren (darunter Ideen-Impulse, Pünktlichkeit, Fehler) seien für den persönlichen Kurs ausschlaggebend. Jochen Hörisch hält eine Lobrede auf den diesjährigen Kerr-Preisträger und "emphatischen Gnostiker" Hubert Winkels. Christoph Schröder stellt den Journalisten und neuerdings auch Erzähler Ulf Erdmann Ziegler vor. Den Fragebogen hat die Kinderbuchautorin Sybil Schlepegrell ausgefüllt.