"Bestimmte Leistungen entstehen nicht ohne Schutzräume", verteidigt
Börsenblatt-Chef Torsten Casimir im Editorial die (in der
Schweiz gerade ausgehebelte) Institition der
Preisbindung. Der deutsche Gesetzgeber habe bei der grundsätzlichen Ablehnung einer Preisbindung Bücher ausgenommen, "weil er sich verpflichtet fühlte,
Gesellschaft zu gestalten", bleibt Casimir im Ungefähren. In einem weiteren Artikel zur gekippten Preisbindung fürchtet das Börsenblatt, dass schweizerische
Online-Händler deutsche Kunden beliefern könnten. Mit
einstweiligen Verfügungen ließe sich der illegale Buchverkauf kaum wirkungsvoll unterbinden. Einziges Druckmittel der Verlage wäre dann ein
Lieferstopp gegenüber den Onlinehändlern. In einem dritten Artikel untersucht Carlo Bernasconi die Struktur des schweizerischen Buchhandels, der jährlich rund 500 Mio Euro umsetzt (Deutschland: 9 Mrd Euro).
Edeka steht Pate bei der Idee in der Buchbranche, die unabhängigen Händler in einer "
EdeBu" zu bündeln. Würden die Sortimenter beim
Superverbund mitziehen, hat das Börsenblatt bei einem Telefon-Rundruf gefragt. Feine Idee, lautet der Tenor, "Wie unter einen Hut bringen?" und "Die großen Verlage müssen mitziehen" die Einschränkungen. Über die Edeka-Idee macht sich auch die "Gallionsfigur des unabhängigen Buchhandels"
Folkert Roggenkamp Gedanken. Eigentlich geht es im Interview um den Verkauf der Roggenkampschen Buchhandlung an die
Mayersche, am Ende erklärt der Buchhändler, dass spätestens nach dem nicht mehr unwahrscheinlichen Fall der Preisbindung die verbleibenden 150 bis 300 unabhängigen Buchhändler eine Koalition eingehen würden. Heute kämen noch rund 1000 Sortimente in Frage.
Rainer Moritz
berichtet von seinen Erlebnissen bei einer
Lesung in Erkrath, wo er aus seinem Buch "
Und das Meer singt sein Lied" (über "die Abgründe des
maritimen Schlagers von
Rudi Schuricke bis
Julio Iglesias") zwischen den Gänge eines edlen Menüs gelesen hat. Fazit: Begeistert. Den australischen Barsch
Barramundi kennengelernt, neben einem Ex-Gitarrenlehrer gesessen, der Kurse mit einer jungen Frau namens
Ute Krummenast gegeben hat. "Aus dieser sei dann irgendwann die Schlagersängerin
Claudia Jung geworden, der die Menschheit immerhin, wie ich ergänzte, die Klassiker 'Unter meiner Haut' und 'Stumme Signale' zu verdanken habe." PS: Jede Wette, dass Moritz bald selbst beim
Grand Prix auftritt.
Am 15. Juni küren die Mitglieder des
Börsenvereins in Berlin den
neuen Vorstand; die Kandidaten stellt das Börsenblatt vor (
hier). Überraschungen sind keine zu erwarten: Als Vorsteher kandidiert
Gottfried Honnefelder, der seit Anfang 2006 an der Spitze des Verbands (als Nachfolger des zurückgetretenen
Dieter Schormann) steht; als Schatzmeister bewirbt sich
Jürgen Horbach (Vemag, Köln), der ebenfalls schon aktiv ist (seit dem Rückzug von
Martin Ludwig im März).
Weitere Themen: Das Börsenblatt hat im Bookseller gelesen, dass
Amazon auf der London Book Fair ein
E-Book-Lesegerät vorgestellt hat. Der britische Filialist
Waterstone's hat das vergangene Geschäftsjahr mit einem Minus von 4,8 Prozent abgeschlossen. Tobias Gohlis schreibt über die Krimi-Novitäten des Frühjahrs, die zeigten, dass das Genre ästhetisch gereift sei. Wolfgang Schneider porträtiert den schweizerischen Philosophen und Bestseller-Autor
Peter Bieri (alias
Pascal Mercier, "Nachtzug nach Lissabon").