Top-Thema im
Börsenblatt ist eine Analyse des
Online-Buchhandels, dessen Wachstum "
steil nach oben" zeige:
Amazon habe das letzte Quartal umsatzmäßig mit
plus 35 Prozent abgeschlossen (und dabei 71 Prozent des Umsatzes durch Medien erwirtschaftet),
Weltbild habe mit seinen Shops im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende Juni) den Umsatz um
32 Prozent auf 333 Millionen Euro erhöht. Zwar sähen sich immer mehr stationäre Buchhändler durch die Online-Shops bedroht. Grund für
Panik gebe es jedoch nicht, immerhin seien im Netz 2006 laut "Buch und Buchhandel in Zahlen" lediglich
700 Millionen Euro umgesetzt worden (dass es für die Zahlen offenbar keine verlässliche statistische Grundlage gibt, verschweigt der Autor - wie passten sonst die 333 Millionen Weltbild-Online-Umsatz ins Bild, wenn amazon.de klarer Marktführer in Deutschland ist?). Zum Thema interviewt Eckart Baier amazon.de-Chef
Ralf Kleber (vorbildlich: Auszug im Heft, komplett im Netz:
hier). "Ich halte die ganze
Online-Offline-Diskussion für völlig
überflüssig", erklärt Kleber auf die Frage nach der Angst der Buchhändler vor Amazon. "Als Händler sollte man immer wissen: Was will der Kunde von mir? In unserem Fall heißt die Frage: Warum gibt es
69 Millionen aktive Amazon-Kunden, die an unserem Angebot Gefallen finden? Das Bemühen um den Kunden ist das einzige, was zählt."
Rainer Moritz
sinniert anlässlich der Lektüre von
Hanns-Josef Ortheils neuem Roman "
Das Verlangen nach Liebe" über
unbequeme Fragestunden im Anschluss an
Autorenlesungen. Ängstlich verenge sich der Blick des Veranstalters, wenn die Frage aller Fragen komme, "wenn endlich Klartext geredet und die Grenze des Fiktionalen überwunden werden soll" - ob das
Buch autobiografisch sei. Strategien des Reagierens gebe es viele. "Ich rate Schriftstellern ein trockenes '
Ja, selbstverständlich' zu erwidern, was ihren
Glamourfaktor schlagartig erhöht und solchen Veranstaltungen, mit Hanns-Josef Ortheil zu sprechen, 'alle Leidenschaft und alles Leuchten' zurückgibt."
Rote Zahlen, aber nicht mehr dunkelrote: Der
DuMont Literatur und Kunst Verlag hat im ersten Halbjahr 2007 bei Literatur und Sachbüchern ein
Umsatzplus von 67 Prozent und eine Verdreifachung der durchschnittlichen Auflage erzielt. Wie Börsenblatt-Autor bai meldet, will Verlagsleiter
Marcel Hartges das Kölner Haus durch eine intensivere Betreuung der einzelnen Titel, 15 statt 30 Frühjahrs-Novitäten und die Einstellung der Programmlinie Kunstmarkt wieder auf Kurs bringen. By the way erwähnt der Autor, dass Hartges den kriselnden Verlag vom heutigen Vorsteher des
Börsenvereins,
Gottfried Honnefelder, übernommen hat.
Weitere Themen: Der Rostocker Buchhändler
Manfred Keiper will mit einer zu gründenden
Interessengemeinschaft literarischer Buchhandlungen ein Informationsnetzwerk schaffen und Synergieeffekte in Werbung und Öffentlichkeitsarbeit erzielen (
hier die Meldung). Der
Bertelsmann Buchclub schließt fünf Läden in Viersen, Oberhausen, Rheine, Bautzen und Görlitz; nach Bertelsmann-Angaben sei dies nicht der Auftakt zu einer "Schließungswelle" (
hier die Meldung). Der Detmolder Buchhändler
Stephan Jaenicke ist als Vorstand der
Arbeitgemeinschaft Unabhängiger Buchhandlungen zurückgetreten. "Gründe hierfür waren inhaltliche Differenzen in Bezug auf einige Zielsetzungen der AUB (...) und ein deswegen zunehmend eskalierender Konflikt zwischen dem AUB-Vorstandsmitglied und -Initiator
Hartwig Bögeholz und mir", zitiert das Börsenblatt aus der öffentlichen
Erklärung. Im "Menschen"-Ressort interviewt Holger Heimann den "
Odyssee"-Übersetzer
Kurt Steinmann. Den "Fragebogen" hat die Kinderbuchautorin
Kirsten Boie ausgefüllt (Lieblingsbeschäftigung? "Bara vara - Schwedisch für: Einfachnur sein").