Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 4 von 33

Die Buchmacher vom 09.09.2007 - Börsenblatt

"Nie war buchhändlerische Fitness so überlebenswichtig wie heute", schreibt Börsenblatt-Chef Torsten Casimir im Editorial. Anlass seiner Diagnose sind die jüngsten Meldungen, nach denen die großen Filialisten in Nürnberg (hier), Göttingen, Wuppertal und Düsseldorf (hier) expandieren wollen und "dem kleinen und mittleren Sortimenter die Luft zum Atmen immer dünner wird." Bei den Großen glaube keiner an eine erhebliche Markterweiterung, ein gleich großer Kuchen werde nur neu verteilt.

Der Bertelsmann-Club steht wieder im Fokus der Preisbindungswächter. Nach dem Stopp eines irreführenden Werbeslogans geht es diesmal um den Bücher-Bestell-Service des Clubs, bei dem, Bestellungen preisgebundener Titel, die nicht im Club-Programm sind, auf die Abnahmeverpflichtung des Mitglieds angerechnet werden können - angeblich ein Verstoß gegen die die im "Potsdamer Protokoll" formulierten Branchenregelungen für Buchclub-Ausgaben (hier die Meldung).

Jochen Jung sucht im Kommentar eine Lösung für das Problem der Überproduktion. "Aus lauter Angst, einen Marktanteil, geschweige denn ein Marktsegment zu verlieren und - horribile dictu - dem Konkurrenten zu überlassen, produziert man lieber weiter, nicht munter, aber doch. Kurz und schlecht: von den Verlegern ist da nichts zu erwarten", klagt der Salzburger Verleger. Also müsse man das Problem noch früher angehen, von den Schreibern her, die ihre Geniekarrieren heute an den Schreibschulen mit "Siegel, Stempel und Ausweis" antreten. "Wenn man einen dieser Stempel verweigert, dann wird nichts mit dem Dichter, dann muss er Bibliothekar werden, dann bleibt das eine oder andere Buch ungeschrieben, dann atmet der Buchhändler auf und der Leser am Ende ebenso."

Das Börsenblatt druckt weiterhin konsequent Leserbriefe und Kommentare zu Internetmeldungen ab - darunter sind regelmäßig interessante Fundstücke. Nachdem die Frankfurter Ende August gemeldet hatten, dass Open Access nur für 7,5 Prozent der Fachverlage schon unmittelbare Auswirkungen auf Umsätze und Geschäftsmodelle hat, schaltet sich der Historiker und OA-Verfechter Klaus Graf ein (hier sein Wikipedia-Eintrag). "Die Verlage demütigen und knechten Wissenschaftler ohne vernünftigen Grund", schreibt Graf im Kommentar. Als Beiträger zur "Enzyklopädie der Neuzeit" (Metzler Verlag) bekomme er ein paar Euro ("20 oder so"), müsse aber mindestens zehn Stunden recherchieren. Noch nicht einmal ein Freiexemplar des Bandes bekomme er vom Verlag. Um Erkenntnisse mitzuteilen, sei Open Access heutzutage "schneller und für alle Beteiligten angenehmer".

Weitere Themen: Sabrina Gab schickt eine Reportage von der Buchmesse in Peking, wo die Risiken der Geschäfte von deutschen Verlagen nur schwer zu kalkulieren seien. Tamara Weise porträtiert Gabriele Rittig und Birgit Staniewski, die beide für die "Titanic" gearbeitet und Bücher geschrieben - und im Frühjahr eine Buchhandlung in Frankfurt eröffnet haben. Den Fragebogen hat den Kunstmann-Vertriebschef Uli Deurer nicht besonders inspirierend ausgefüllt (Lebensmotto? "Schaun mer mal!"). Hier das Inhaltsverzeichnis.

Die Buchmacher vom 03.09.2007 - Börsenblatt

Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir bilanziert das vom Börsenvereins-Landesverband NRW organisierte Treffen in Düsseldorf zum Thema "Hauen & Stechen" - ein tête-a-tête zur Situation der Branche. Verkäufer, die nicht verkaufen könnten, Individualisten, die den Begriff Einzelhandel allzu wörtlich nähmen, Sortimenter, die ihren Kunden nicht kennen - das Plenum sei zu Befunden gekommen, die "eher nach Obduktion als nach Zukunft klangen" - es sei erstaunlich, wie die Branche "sich mit ihren Selbstgefährungen arrangiert" habe. Der Buchhandel sei zu lange ein "geschlossenes System" gewesen, ohne Kontakte zu Nachbarn. Die Präsentationen der Veranstaltungen können hier heruntergeladen werden.

Nachdem das Börsenblatt in der Print-Ausgabe noch gemeldet hatte, dass die Barsortimente KNV und Libri bei der Einführung der neuen vom Börsenverein ausgearbeiteten Warengruppensystematik im Herbst nicht mitmachen wollen, hat es sich KNV offenbar noch einmal anders überlegt. Online melden die Frankfurter, dass KNV die neue Warengruppensystematik übernehmen werde - möglicherweise jedoch noch nicht zum Start am 1. Oktober. "So oder so - die Umstellung wird kommen: Das VLB und Media Control werden sich vom 1. Oktober auf die neue WGS stützen", schreibt das Börsenblatt.

Holger Heimann analysiert den Markt von Buchmagazinen, die - anders als Buchjournale wie "Lesart" oder "Büchermenschen" - großen Tageszeitungen beigelegt, statt über den Buchhandel vertrieben werden. Was in der Schweiz und Österreich seit Jahren gut funktioniere, solle jetzt auch in Deutschland getestet werden. So suche der Verlag Bücherpick aus Zürich nach einem Kooperationspartner in Deutschland, während der Essener Verlag VVA Kommunikation mit "Seite 4" im März an den Start gegangen sei (800.000 Exemplare als Beilage der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung) - das Heft erscheint auch in Österreich und der Schweiz. Wie sich die Magazine entwickelten, hinge davon ab, wie viel die Verlage in Anzeigen investierten.

Weitere Themen: Im Gastkommentar erklärt der Verleger Otfried Wolfrum (Laetitia Verlag), warum Fantasy nicht zum Abenteuerroman gehört - der Autor von Abenteuerliteratur sei der Forderung nach Glaubwürdigkeit "erbarmungslos ausgesetzt". Verlage müssen in diesem Jahr keine Netzpublikationen bei der Deutschen Nationalbibliothek abliefern - die Verordnung tritt laut Börsenblatt erst Anfang 2008 in Kraft. Die Verhandlung über die Plagiatsklage des Journalisten Peter Leuschner gegen die Autorin Andrea Maria Schenkel ist für den 20. Februar 2008 angesetzt. Michael Roesler-Graichen unterhält sich mit der Kabarettisten Georg Schramm, dessen Figur Lothar Dombrowski sich jetzt als Buchautor versucht ("Lassen Sie es mich so sagen", Blessing). Den "Fragebogen" hat Suhrkamp-Autor Ralf Rothmann ausgefüllt (Lieblingsbeschäftigung? "Auf dem Sofa liegen und ins Blaue hinausträumen").

Die Buchmacher vom 27.08.2007 - Börsenblatt

Top-Thema im Börsenblatt ist eine Analyse des Online-Buchhandels, dessen Wachstum "steil nach oben" zeige: Amazon habe das letzte Quartal umsatzmäßig mit plus 35 Prozent abgeschlossen (und dabei 71 Prozent des Umsatzes durch Medien erwirtschaftet), Weltbild habe mit seinen Shops im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende Juni) den Umsatz um 32 Prozent auf 333 Millionen Euro erhöht. Zwar sähen sich immer mehr stationäre Buchhändler durch die Online-Shops bedroht. Grund für Panik gebe es jedoch nicht, immerhin seien im Netz 2006 laut "Buch und Buchhandel in Zahlen" lediglich 700 Millionen Euro umgesetzt worden (dass es für die Zahlen offenbar keine verlässliche statistische Grundlage gibt, verschweigt der Autor - wie passten sonst die 333 Millionen Weltbild-Online-Umsatz ins Bild, wenn amazon.de klarer Marktführer in Deutschland ist?). Zum Thema interviewt Eckart Baier amazon.de-Chef Ralf Kleber (vorbildlich: Auszug im Heft, komplett im Netz: hier). "Ich halte die ganze Online-Offline-Diskussion für völlig überflüssig", erklärt Kleber auf die Frage nach der Angst der Buchhändler vor Amazon. "Als Händler sollte man immer wissen: Was will der Kunde von mir? In unserem Fall heißt die Frage: Warum gibt es 69 Millionen aktive Amazon-Kunden, die an unserem Angebot Gefallen finden? Das Bemühen um den Kunden ist das einzige, was zählt."

Rainer Moritz sinniert anlässlich der Lektüre von Hanns-Josef Ortheils neuem Roman "Das Verlangen nach Liebe" über unbequeme Fragestunden im Anschluss an Autorenlesungen. Ängstlich verenge sich der Blick des Veranstalters, wenn die Frage aller Fragen komme, "wenn endlich Klartext geredet und die Grenze des Fiktionalen überwunden werden soll" - ob das Buch autobiografisch sei. Strategien des Reagierens gebe es viele. "Ich rate Schriftstellern ein trockenes 'Ja, selbstverständlich' zu erwidern, was ihren Glamourfaktor schlagartig erhöht und solchen Veranstaltungen, mit Hanns-Josef Ortheil zu sprechen, 'alle Leidenschaft und alles Leuchten' zurückgibt."

Rote Zahlen, aber nicht mehr dunkelrote: Der DuMont Literatur und Kunst Verlag hat im ersten Halbjahr 2007 bei Literatur und Sachbüchern ein Umsatzplus von 67 Prozent und eine Verdreifachung der durchschnittlichen Auflage erzielt. Wie Börsenblatt-Autor bai meldet, will Verlagsleiter Marcel Hartges das Kölner Haus durch eine intensivere Betreuung der einzelnen Titel, 15 statt 30 Frühjahrs-Novitäten und die Einstellung der Programmlinie Kunstmarkt wieder auf Kurs bringen. By the way erwähnt der Autor, dass Hartges den kriselnden Verlag vom heutigen Vorsteher des Börsenvereins, Gottfried Honnefelder, übernommen hat.

Weitere Themen: Der Rostocker Buchhändler Manfred Keiper will mit einer zu gründenden Interessengemeinschaft literarischer Buchhandlungen ein Informationsnetzwerk schaffen und Synergieeffekte in Werbung und Öffentlichkeitsarbeit erzielen (hier die Meldung). Der Bertelsmann Buchclub schließt fünf Läden in Viersen, Oberhausen, Rheine, Bautzen und Görlitz; nach Bertelsmann-Angaben sei dies nicht der Auftakt zu einer "Schließungswelle" (hier die Meldung). Der Detmolder Buchhändler Stephan Jaenicke ist als Vorstand der Arbeitgemeinschaft Unabhängiger Buchhandlungen zurückgetreten. "Gründe hierfür waren inhaltliche Differenzen in Bezug auf einige Zielsetzungen der AUB (...) und ein deswegen zunehmend eskalierender Konflikt zwischen dem AUB-Vorstandsmitglied und -Initiator Hartwig Bögeholz und mir", zitiert das Börsenblatt aus der öffentlichen Erklärung. Im "Menschen"-Ressort interviewt Holger Heimann den "Odyssee"-Übersetzer Kurt Steinmann. Den "Fragebogen" hat die Kinderbuchautorin Kirsten Boie ausgefüllt (Lieblingsbeschäftigung? "Bara vara - Schwedisch für: Einfachnur sein").

Die Buchmacher vom 17.08.2007 - Börsenblatt

Feuilletonisten, aufgepasst - bahnt sich da eine neue Generationendebatte an? Im Gastkommentar fragt der Berliner Verleger Jörg Sundermeier, wo die "alten, doch noch nicht ganz alten Autorinnen und Autoren in Deutschland, Österreich und der Schweiz" geblieben sind. Schriftsteller wie Helga M. Novak, Elke Erb, Oswald Wiener, Hermann Peter Piwitt oder Gabriele Wohmann seien aus dem öffentlichen Bewusstsein nahezu verschwunden, ihre Werke, die einst bei großen Verlagshäusern verlegt worden seien, hätten inzwischen in kleinen Verlagen Unterschlupf gefunden. "Sie sind ergraut, Falten prägen ihre Gesichter, ihre Stimmen sind rau oder werden immer leiser, sie rauchen vielleicht und sie finden nicht mehr alles amüsant.", sucht Sundermeier nach Ursachen. "Sie sind nicht süß, ihre Fehler, Dummheiten und ihre Halsstarrigkeit kann man nicht mehr mit mangelnder Erfahrung entschuldigen. Zur Mahner- und Warnerrolle, die Walser, Grass oder Jens so perfekt ausfüllen, fehlt den Angehörigen der nachfolgenden Generation wiederum die Staats-, Partei- oder Moralgläubigkeit."

Christina Schulte greift die Dauerkrise der Buchhändler-Abrechnungs-Gesellschaft BAG auf. Mit der BAG-Übernahme drohten dem Verband hohe finanzielle Belastungen, besonders zur Modernisierung der EDV. Im Interview mit dem Börsenblatt verteidigt BAG-Vorstand Volker Neumann die Entscheidung, auf die 25-prozentige Beteiligung zu verzichten und so den Börsenverein zum alleinigen Eigentümer zu machen. Alternativ, so Neumann, hätte der Wert der BAG in drei Jahren neu bestimt werden müssen - bis dahin hätte eine "Hängepartie" ohne Einfluss des BAG-Vereins gedroht. Schlimmstenfalls hätte die BAG dann Geld an die MVB nachschießen müssen, was nicht möglich gewesen wäre.

Die US-Buchkette Borders steht in Verhandlungen mit dem Medienhändler W.H. Smith zur Übernahme der 70 britischen Borders-Standorte. In Bankenkreisen sei ein möglicher Kaufpreis von 50 Millionen Pfund genannt worden.

Weitere Themen: Im Juli ist der Umsatz im US-Buchhandel um 6,6 Prozent auf 832 Millionen Dollar zurückgegangen.; seit Jahresbeginn sank der Umsatz um 4,6 Prozent. Sabine Cronau beschreibt den Profilwechsel beim Callwey Verlag, der früher Bücher übers Bauen veröffentlicht habe, inzwischen aber Wohn- und Gartenbücher fürs breite Publikum verlege. Wolfgang Schneider seziert die Longlist des Deutschen Buchpreises, die primär Bücher von "wenig durchgesetzten Namen" wie Larissa Boehning, Lena Gorelik oder Gregor Sander enthalte. Im "Menschen"-Ressort porträtiert Nils Kahlefendt die Templiner Buchhändlerfamilie Karger. Den Fragebogen hat der Illustrator Philip Waechter ausgefüllt (Lebensmotto? "Morgen ist ein neuer Tag").

Die Buchmacher vom 13.08.2007 - Börsenblatt

Sommerloch in Frankfurt, von wo aus das Börsenblatt eine dünne Ausgabe verschickt hat. Das "Thema der Woche" widmet sich der Frage, ob Hintergrundmusik im Einzelhandel nervtötend oder absatzfördernd ist. Ansonsten beschreibt Christina Schulte das Erfolgsrezept des bayerischen Minifilialisten Tintenfässchen, der seinen Kunden in jedem der Städtchen mit einem "zielgruppengenauen Konzept" bediene - mal mit, mal ohne Schreibwaren, Post- oder Reinigungsannahmestelle (öhm?).

Nachdem wieder pfundweise Vorschauen in die Buchhandlungen verschickt wurden, diskutieren die Buchhändler Sara Willwerth (Pro) und Klaus-Dieter Zobel über die Frage, ob "digitale Leichtgewichte" besser wären. Willwerth findet einen Service, der alle Novitäten verlagsübergreifend zusammenfasst ideal, Zobel mag beim besten Willen nicht am Bildschirm lesen.

Olala, nachdem die Barsortimente Libri, Umbreit und KNV angekündigt haben, die Gebühren um vier bis fünf Prozent zu erhöhen, sind die Buchhändler stinkig. "Ich bemühe mich verstärkt um Verlagsbestellungen und Bünderlungen. Bei Großhändlern werde ich weniger bestellen", kündigt beispielsweise die Tübinger Sortimenterin Ulrike Dahmen im Börsenblatt-Rundruf an.

Im "Menschen"-Ressort porträtiert Michael Roesler-Graichen den Chef des Bamberger Verlags C.C. Buchner, Gunnar Grünke - in dessen Brust ein preußisches Herz schlägt. Die Autorin Franziska von Gerstenberg beschreibt ihr Lieblingsbuchhandlung, das Antiquariat von Joachim Wilder in Hannover ("Man muss die Bücher schnuppern. Passend dazu gehe ich wie ein Trüffelschwein die Regale ab". Noch Fragen?). Den Fragebogen hat die wieder einmal herrlich unkompliziert wirkende Autorin Alexa Hennig von Lange ausgefüllt (Lebensmotto? "Mutig sein").

Weitere Themen: Thalia hat den Umsatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres um 25,9 Prozent gesteigert - das Plus ist allerdings vorwiegend durch die Übernahmen von Gondrom, Grüttefien und Buch & Kunst bedingt. buch.de hat seit Januar den Umsatz um 6,2 Prozent auf 25,8 Millionen Euro gesteigert - das vergleichsweise geringe Ergebnis-Plus (April bis Juni: 124.000 Euro) erklären die Münsteraner durch Investitionen ins Marketing. Vom 23. bis 27. April 2008 findet erstmals eine Buchmesse in Österreich statt (10.000 Quadratmeter im Designcenter in Linz).
Stichwörter: Antiquariate, Knv, Libri, Einzelhandel, Linz

Die Buchmacher vom 06.08.2007 - Börsenblatt

Dass das Börsenblatt redaktionell nicht unabhängig vom Verband agiert, ist kein Geheimnis. Und doch überrascht es, wie unkritisch die Frankfurter über die Zusammenlegung der Gebühren für "Volltextsuche Onnline" und "Verzeichnis lieferbarer Bücher" berichten. Nachdem zuletzt MVB-Chef Ronald Schild in einem Interview Werbung für die VTO-VlB-Allianz machen konnte (hier), beantwortet das Börsenblatt in dieser Woche in verbandseigener Sache die "meistgestellten Fragen" zum Thema. So liest man Sätze wie "VTO stellt unter Marketingaspekten gerade auch für kleinere Verlage eine attraktive Variante dar, mit der Bücher besser gefunden und verbreitet werden können." Wer spricht da, fragt der geneigte Leser, MVB oder Börsenblatt? Völlig unkritisch meldet das Blatt außerdem, dass Reiner Klink, seit Februar VTO-Projektleiter, die MVB nach der Buchmesse verlässt. Klar, "aus privaten Gründen". Ist nicht schon einmal ein VTO-Projektleiter vor kurzem gegangen, mit einigem Streit im Nachgang (hier und hier mehr dazu)? Kontrovers wird immerhin in dem vom Börsenblatt ins Leben gerufenen VTO-Blog diskutiert, mit Beiträgen von MVB- und Google-Top-Managern - und Kritikern der VlB-VTO-Flatrate.

Im Gastkommentar erklärt Wolfgang Schneider, freier Literaturkritiker in Berlin, warum manchen Klassikern Kürzungen gut bekommen. "Je größer die Aura des Meisterwerks, desto heikler wird das Kürzungsgeschäft", räumt Schneider zwar ein. Aber: "Bei Barockromanen ist die Phase der Auratisierung allerdings meist abgelaufen. Und auch die oft als Fortsetzungsromane entstandenen Klassiker des 19. Jahrhunderts überleben beherzte Amputationen in der Regel gut - was immer uns die unkritischen Fetischisten des Originals, die alles für gleichermaßen unentbehrlich halten, einreden wollen."

Passend zum Klassiker-Thema analysiert Andreas Trojan sehr differenziert den Markt für Klassiker-Literatur. Besonders Luxusausgaben (wie "Gullivers Reisen" von Jonathan Swift als Prachtband bei Manesse für 80 Euro) seien auf dem Vormarsch. Für den Kölner Buchhändler Klaus Bittner sind Klassiker-Ausgaben "wirtschaftlich hoch interessant". "Ich habe Kunden, die extra zu uns kommen, weil wir ein reiches Klassiker-Angebot haben."

Hübsche Umfrage: "Verdienen Sie, was Sie verdienen?" Regina Moths, Buchhändlerin aus München: "Es tröstet, die Kunden zu haben, die man verdient hat. Der Rest ist Schweigen."

Weitere Themen: Buchhändler besetzen nach einer Kemper's-Studie sechs Prozent aller 1-A-Einzelhandelsflächen; zum Vergleich: Textiler besetzen 26 Prozent. Nach einer Studien von Deloitte liegt der Anteil der Umsätze mit digitalen Produkten bei den deutschen Verlagen noch unter einem Prozent. Im "Menschen"-Ressort porträtiert Andreas Trojan den Krimiautor Friedrich Ani. Den "Fragebogen" hat Random-House-Chef Joerg Pfuhl ausgefüllt (Nächstes Ziel? "Die Beendigung des Streits um die Übersetzervergütung"; Hauptcharakterzug? "Gelassene Ungeduld").

Die Buchmacher vom 30.07.2007 - Börsenblatt

Mladen Jandrlic, Chef der Züricher Literaturagentur Books & Rights, kommentiert die in den USA aufgekommene Kritik an verschiedenen Kinder-Bilderbüchern - in einem Fall sitzt ein Hase auf der Toilette, den grimmigen Blick auf den Berachter gerichtet. "Too aggressive", so die Kritik der "Bilderbuchamerikaner". "Dass Kinderbücher die Nähe zum jeweiligen kulturellen Hintergrund suchen, ist verständlich, und dies sollte, gelegentliche Absurditäten hin oder her, mit Gelassenheit betrachtet werden", so der Agent. "Trotzdem: Wo derlei Bedenken Vorurteile und überkommene Ansichten zementieren helfen, anstatt sie mit Neugier und Humor zu überwinden, wünscht man sich mehr Mut - und etwas weniger Optimismus."

Steffi Hugendubel (was für ein Name für eine Buchbranchen-Journalistin!) berichtet, dass sich umweltschonende Verfahren in der Branche erst langsam durchsetzen. Im Interview erklärt Random-House-Herstellungsleiter Wolfgang Michael Hanke, dass der durchschnittliche Buchkäufer zwar kein Umweltlogo im Impressum einklage, die Sensibilität der Buchkäufer aber wachse (Random House druckt teilweise auf FSC-zertifiziertem Papier - das Label markiert Holzprodukte, die die Waldressourcen schonen).

Sabine Cronau war beim 4. Münchner Typotag und fragt nach der Machart des "Buch 2.0". Das Münchner Fazit überrascht kaum: Es dürfe sich nicht beim Internet anbiedern, müsse seine Vorteile wie Haptik, Qualität und Typografie voll und ganz ausspielen (was sollen Typografie-Experten auch sonst fordern, um weiterhin Aufträge zu bekommen?)

Im Interview mit Christina Schulte stellt MVB-Chef Ronald Schild den neuen VTO-VlB-Kombi-Preis vor. Dass die VlB-Preise nun auch für Verlage, die nicht an der Volltextsuche teilnehmen, teurer ausfallen, werde von den Verlagen mitgetragen. Die MVB trete grundsätzlich nun in Vorleistung (mit einem siebenstelligen Betrag). Zum Schluss erklärt Schild, dass VTO definitiv in diesem Jahr an den Start gehe.

Weitere Themen: Das Stuttgarter Verlagskontor (SVK) hat sich gegen eine Erhöhung der BAG-Gebühren ausgesprochen. Das de-facto-Plus von 22,5 Prozent sei inakzeptabel. Der neue Carto-Travel-Eigentümer MairDumont plant einen Stellenabbau von 150 Arbeitsplätzen. Derzeit werden Sozialpläne erarbeitet. Im "Menschen"-Ressort stellt Sabrina Gab den Marburger Buchhändler Wolfgang Kreutzer vor. Den "Fragebogen" füllt Ulla Hahn aus (Lebensmotto? "Trotzdem!" Hauptcharakterzug? "Mut").

Die Buchmacher vom 23.07.2007 - Börsenblatt

"Voller Respekt" verneigt sich Börsenblatt-Chefredakteur Torster Casimir vor den Leistungen des Weltbild-Konzerns, der im Geschäftsjahr 2006/2007 im Internet um 32 Prozent und über alle Sparten um 15 Prozent zulegen konnte. Stationärer und Online-Handel müssten keine gegeneinander stehenden Vertriebswege sein, schlussfolgert Casimir. Im Interview kündigt Weltbild-Boss Carel Halff an, besonders in Polen, Russland und den Niederlanden wachsen zu wollen.

Die Gema hat dem Börsenverein einen Tarif für die Musiknutzung unter anderem an Hörbuchstationen in Buchhandlungen vorgeschlagen: Pro Kopfhörer 10 Euro per anno, die vom Buchhändler zu zahlen sind. Börsenverein: Veto! Thomas Wrensch (Buchhandlung Graff): "Abzocke!"

Im Kommentar beklagt der Salzburger Verleger Jochen Jung, dass die Buchbranche keinen Siegfried Unseld mehr hat, "einen, von dem wir sagen konnten: Er ist unser Bester" - einen, der für alle Verleger spreche. Der Nachwuchs, darunter Verlegerinnen wie Katharina Wagenbach oder Daniela Seel sei wunderbar, habe aber kein Interesse an Repräsentation. Möglicherweise sei die "Repräsentationsidee an sich längst überholt", formuliert der Verleger vorsichtig.

By the way: Im Börsenblatt zeichnen sich allmählich auch Spuren der neuen Online-Strategie ab. So drucken die Frankfurter an prominenter Stelle (direkt hinter dem Kommentar) Stimmen aus dem Internet-Leserforum ab, zu Themen wie Potter, Überproduktion der Verlage oder Internethandel - unabhängig von der Qualität der Beiträge eine konsequente Online-Offline-Verzahnung.

Michael Roesler-Graichen interviewt den Verleger Klaus G. Saur (Chef von Walter de Gruyter), dessen Verlag nach der Übernahme des Saur-Verlags und Niemeyer in Kontinentaleuropa an der Spitze steht (weltweit Nummer zwei hinter Oxford University Presse). Die Integration der Verlage soll zum 1. August 2007 abgeschlossen werden, weitere Zukäufe seien geplant.

Weitere Themen: Tobias Hierl analysiert die Situation auf dem österreichischen Buchmarkt, wo der Konzentrationsprozess gestoppt habe (große Filialen rechneten sich meist nicht). Frank Magdans gibt einen Überblick über neue Computerspiele. Im "Menschen"-Ressort porträtiert Stefan Hauck den Hamburger Illustrator Peter Schössow. Bodo Kirchhoff schreibt über eine Idealbuchhandlung, die es nur in seiner Fantasie gibt (es soll dort nach frischem Gebäck duften).

Die Buchmacher vom 18.06.2007 - Börsenblatt

Abseits vom Printheft hat das Börsenblatt die Buchhändlertage in Berlin groß und breit im Internet begleitet - hier etwa mit einem Live-Ticker die Hauptversammlung. Höhepunkte: Der Börsenverein plant 2007 einen ausgeglichenen Haushalt ein - vielleicht sogar ein Plus von rund 150.000 Euro. Vorsteher Gottfried Honnefelder wurde mit 273 von 323 Stimmen im Amt bestätigt. Der neue BAG-Vorstand (die Sortimenter Andreas Meier und Peter Peterknecht, der Verleger Volker Neumann und der Zwischenbuchhändler Helmut Richter) verhandelt mit dem Vorstand des Börsenvereins über das Kölner Modell, mit dem Ziel, den Anteil des BAG-Vereins von 25 Prozent auf 25,1 Prozent zu erhöhen und so dem Verein ein größeres Mitspracherecht zu sichern. Im Heft vermelden die Frankfurter, dass vier von fünf Geschäftsbereichen der BAG 2006 mit roten Zahlen abgeschlossen haben (insgesamt minus 14 Millionen Euro).

Schönstes Stück im Heft ist ein Porträt von Guido Zanolli (Autor: Holger Heimann) - dem Mann, der wie kein anderer in den letzten Jahren für (zuletzt meist negative) Schlagzeilen gesorgt hat. Etliche Wochen, nachdem Zanolli dem Buchmarkt (also dem mit ihm befreundeten Herausgeber Christian von Zittwitz) für ein Interview parat stand, bricht der spektakulär mit seinem Modernen-Antiquariat-Großhandel in die Pleite gesteuerte Kölner also auch gegenüber den Frankfurtern sein Schweigen. Zanolli erklärt, dass er nächtelang mit seiner Frau über seine Pleite geredet und auch die eine oder andere Träne vergossen habe. Nein, Suizid-Gedanken habe er nicht gehabt. "Das Verlagsgeschäft war eine Nummer zu groß für uns", räumt der Kölner ein. Aber andererseits habe er auch "ein großes Rad gedreht". Inzwischen arbeite er als Makler im MA-Geschäft - ein Großteil des Einkommens muss der Köln-Italiener jedoch an die Gläubiger abführen. "Der 47-Jährige schuldet ihnen Millionen, und er haftet persönlich. Möglicherweise wird er für den Rest seines Lebens bezahlen müssen", schreibt Heimann.

Weitere Themen: Das pfälzische Edenkoben will sich als Bücherstadt präsentieren - sechs bis zehn Antiquariate sollen in den kommenden 18 Monaten angesiedelt werden. Michael Roesler Graichen stellt eine Studie vor, die den Wandel der Verlagshersteller untersucht. Fazit: "Aus dem Hersteller wird der Content-Logistiker, der den digitalen Workflow managt." Der Autor Jochen Schimmang beklagt sich, dass Buchhandlungen seit gut zehn Jahren ihre Seele verloren haben (Angst um die Existenz, Arroganz und Ignoranz herrschten inzwischen vor). Den Fragebogen hat der C.H. Beck-Belletristik-Chef Martin Hielscher ausgefüllt. Schwerpunkt des Heftes ist der Markt für Kunstbücher.

Die Buchmacher vom 11.06.2007 - Börsenblatt

Bevor sich die BAG-Mitglieder am Donnerstag bei den Buchhändlertagen in Berlin treffen, analysiert das Börsenblatt vergleichsweise schonungslos die Situation der kriselnden Buchhändler-Abrechnungs-Gesellschaft (Zweck der Gesellschaft ist insbesondere die nationale und internationale Zahlungsabrechnung - Clearing - im Buchhandel, hier mehr). Neue "Unregelmäßigkeiten" seien jetzt durchgesickert. In den BAG-Bilanzen sollen noch "klärungswürdige Zahlen und Bewertungen" stehen. Dabei gehe es um Summen im sechsstelligen Bereich. Sorgen bereite auch die Tatsache, dass alle vier unter dem Dach der BAG wirtschaftenden Firmen mit Verlusten zu kämpfen hätten. Im Interview äußern sich die drei zur Wahl stehenden Vorstandskandidaten (Volker Neumann, Helmut Richter, Peter Peterknecht) zur Zukunft der BAG. Uneinigkeit herrscht beispielsweise in der Frage, ob die Vertriebstochter ZMV (handelt mit den Zanolli-Pleite-Resten) verkauft werden soll, und ob die BAG wieder zwei Geschäftsführer benötigt. "Darüber habe ich mir noch keine Meinung gebildet", erklärt Richter frank und frei.

Ob das die Bücher-Welt in dieser Woche bewegt? Der Salzburger Verleger Jochen Jung sinniert im Kommentar über den ersten Satz in der Literatur. "Anfangen, dort, wo nichts war, nur das weiße Blatt und darübergebeugt ein Kopf mit Ideen - ja, der erste Satz steht für den Schöpfungsakt schlechthin, für die Souveränität des Autors, des Machers, des Erfinders. Einer beginnt zu erzählen: Nennt mich Ismael."

Weitere Themen in dem insgesamt inhaltlich sehr dünnen (dafür anzeigenstarken) Börsenblatt: Andreas Trojan untersucht das Erotik-Segment im Taschenbuch-Bereich. Im Menschen-Ressort porträtiert Holger Heimann die Leiterin des Merlin Verlags, Katharina Meyer. Gastland auf der Frankfurter Buchmesse 2009 wird China. Das Unternehmen DiViBib, Tochter des ekz, testet die digitale Entleihe für Bibliotheken per Download. Mit 24 neuen und Backlisttiteln startet Reclam im Oktober eine "Taschenbuch-Offensive" (Börsenblatt). Und hier ist der neue Börsenblatt-Webauftritt zu sehen.