Die Buchmacher

Übersetzer und Verleger einigen sich nicht

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
30.04.2007. Warum die Gespräche zwischen Übersetzern und Verlegern gescheitert sind. Wieso Kinder- und Jugendbuchverleger den Nachmittagsmarkt fast nur in Deutschland beackern können. Wie es um die Preisbindung in der Schweiz steht. Und wie Weltbild Online- und Offline-Geschäfte verbindet.

buchreport.express

buchreport sorgt sich weiterhin um die Buchpreisbindung in der Schweiz. Die Regierung, der Bundesrat, werde nicht mehr im Laufe dieses Monats über das Ausnahmegesuch des Schweizer Branchenverbands SBVV entscheiden, die gerichtlich gekippte Preisbindung aus besonderem kulturellem Interesse zu erhalten. Der Verband habe jetzt einen neuen Ansatz für ein Buchpreisbindungsgesetz vorgestellt: Demnach sollen importierte Bücher im Hochpreisland Schweiz bis zu 20% teurer verkauft werden als der (umgerechnete) Euro-Preis. Innerhalb dieser Spanne solle der ausländische Verlag oder der Importeur einen Fixpreis festlegen, der landesweit von allen Wiederverkäufern eingehalten werden müsse. Ganz fix sei der Preis jedoch nicht, denn der Einzelhandel soll Endverbrauchern einen Rabatt gewähren können, der aber den "Minimalpreis" (der umgerechnete Euro-Preis) nicht unterschreiten dürfe. Durch das Modell werde das Problem vor allem der Fachbuchhandlungen, deren Kunden oft preisgünstiger in Deutschland per Internet einkauften, aber nicht gelöst.

Zweites großes Thema ist die "Service-Offensive" der Verlagsgruppe Weltbild (hier der Artikel). Die Augsburger, die sich als "Deutschlands größte Medienhändler" bezeichneten, haben angekündigt, dass künftig alle lieferbaren Bücher, CDs und DVDs aus dem Weltbild-Online-Angebot per Online-Bestellung in eine Weltbild plus-Filiale nach Wahl geliefert werden können - z.B. um das Porto zu sparen. "Umgekehrt können Kunden in sämtlichen Weltbild-plus-Shops (und auch bei Weltbild!) über die im Laden vorhandene schmale Auswahl hinaus alle lieferbaren Artikel bestellen, womit die Shops doch zu einer Art Vollsortiment werden", so die Dortmunder. Im Kommentar schreibt Till Spielmann, dass die Vernetzung von Online-Geschäft und stationärem Buchhandel den Schmalspurbuchhandel aufwerte.

Mit einer Kooperation betreten der Chronik Verlag (gehört zum Bertelsmann-Wissen Media Verlag) und die Konzernschwester wissen.de Web 2.0-Neuland: Laut buchreport können die Besucher des Wissensportals (rund 12 Mio Zugriffe im Monat) unter www.wissen.de/chronik-reporter eigene Erlebnisberichte und Fotos hochladen. Die besten Beiträge sollen Anfang 2008 in einem 16-seitigen Sonderteil des "Chronik Jahresrückblick 2007" veröffentlicht werden. Außerdem werde der Wissen Media Verlag noch 2007 ein Community-Portal mit lexikalischen Inhalten starten. Ad acta gelegt worden sei indes ein Community-Projekt, an dem das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus (BIFAB) als Content-Lieferant beteiligt war: Inhalte der großen Brockhaus-Enzyklopädie wurden mit aktuellen Artikeln der Zeitung Die Presse zu dem Community-Projekt "aLEXander" verknüpft.

Weitere Themen: Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels hat der Wal-Mart-Kette durch das Landgericht Darmstadt untersagen lassen, neue Bücher als Mängelexemplare gestempelt unter Preis zu verkaufen. Mit Blick auf den Übersetzerstreit berichtet buchreport, dass die übersetzer - bis zum Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs - nun mit einzelnen Verlagen über eine angemessene Vergütung verhandeln wollen. Die Frauenzeitschrift Brigitte hat zusammen mit Random House Audio ein Portal zum Download der hauseigenen sowie weiterer 150 Random-House-Hörbücher eröffnet. Und hier die Bestsellerlisten.
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Börsenblatt

Ende, aus, vorbei? Die Gespräche zwischen den Übersetzern und Verlegern sind gescheitert. Wie das Börsenblatt meldet, hat der Mediator Elmar Hucko (der zwischen Verlegern und Belletristikautoren noch erfolgreich vermitteln konnte) das Mediationsverfahren zur Aufstellung gemeinsamer Vergütungsregeln für die Übersetzer ausgesetzt. Laut Random-House-Chef Joerg Pfuhl ist das Festhalten der Gegenseite an der Nicht-Verrechenbarkeit von Garantiehonorar und Absatzbeteiligung ausschlaggebend gewesen.

Renate Reichstein, stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen und Lizenzchefin der Oetinger Verlagsgruppe in Hamburg, schreibt im Gastkommentar von ihren Erfahrungen bei der Kinderbuchmesse in Bologna. "In Bologna dröhnt keine Computeranimation durch die Gänge, ist die Luft nicht zum Schneiden. Eine Stimmung, um sich mit aufmerksamer Neugier zu begegnen. Man kann in solchen Gesprächen viel lernen - über den Nachmittagsmarkt zum Beispiel, eine der neueren deutschen Entdeckungen, über die unsere Lizenzpartner verwundert den Kopf schütteln, weil es den in ihren Ländern gar nicht geben kann: Dort gehen die Kinder ganztags zur Schule." Bologna sei auch ein Indikator dafür, welche Länder künftig zu den großen Lizenzpartnern werden könnten.

Ebenfalls zum Thema Kinder- und Jugendbuch beschreibt Ex-Frankfurter-Buchmesse-Sprecher Holger Ehling, dass deutschsprachige Titel im Ausland begehrt sind. Die meisten Abnehmer kämen aus Asien und Osteuropa. Eckart Baier analysiert die prekäre Situation der Informationsgenossenschaft eBuch, die 2006 einen Verlust von 240.000 Euro eingefahren hat. Neben wirtschaftlichen Problemen gebe es persönliche Differenzen zwischen Vorstand/Aufsichtsrat und den Handelsvertretern Lorenz Borsche und Herby Thurn.

Susanne Broos stellt vier Kochbuchhandlungen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Bielefeld vor (hier der Artikel). Vorbild der Spezialsortimenter sei Books for Cooks in Notting Hill. Nachdem Brit Lippold die Idee des 1983 gegründeten Kochbuchsortiments studierte, habe sie das Konzept nach Deutschland geholt und 2001 in Berlin-Mitte ihre kulinarische Buchhandlung Kochlust eröffnet. Die Buchhändler profitierten derzeit vom "Hype ums Kochen". Die Nachfrage nach Koch-Events - vom Einstieg in die tibetische Küche bis zur Pralinenherstellung - steige bundesweit weiter.

Weitere Themen: Im Rundruf hat das Börsenblatt bei Lizenzhändlern und Verlegern nachgefragt, ob der neue Standort der Londoner Buchmesse der Frühjahrsmesse neuen Schwung gegeben habe. "Die Stimmung war intimer und atmosphärisch um Klassen besser als voriges Jahr. Ort und Zeitpunkt passen uns: Der Rhythmus im Wechsel mit Frankfurt stimmt", frohlockt beispielsweise Georg Kessler von Gräfe und Unzer. Der Bahnhofsbuchhandel hat 2006 377 Mio Euro Umsatz erwirtschaftet (minus 3 Prozent); 70 Prozent des Umsatzes entfallen auf vier Firmen. Stefan Hauck und Guido Heyn geben einen Überblick über die 2006-er Produktion der Comic-Verlage - und eine Einführung ins Genre der anspruchsvollen Comics (besonders Graphic Novels, die oft so vielschichtig sind wie Romane). Im "Menschen"-Ressort porträtiert Emmanuel van Stein den Ex-Banker und Hermes-Krawattenverkäufer und jetzigen Verleger Herbert von Halm.
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