Bei dem
Hochwasser in Tschechien, Österreich und Deutschland standen und stehen natürlich auch
Buchhandlungen unter Wasser. So wurde nach Angaben des tschechischen, deutschsprachigen Verlags
Vitalis der gesamte Warenbestand der deutschen Buchhandlung in Prag vernichtet. Vitalis hatte die Buchhandlung betrieben, auch das Lager des Verlags wurde größtenteils zerstört. Aus Dresden, Grimma, Aue, Döblin, Freital, Pirna, Regenstauf und Passau meldet das
Börsenblatt einen Gesamtschaden an Buchhandlungen in Millionenhöhe. "Zudem treibt viele Sortimenter in den betroffenen Regionen die Sorge um, dass das Rechnungsgeschäft ganz wegbrechen könnte, weil die öffentliche Hand Gelder einfriert und Aufträge storniert. (...) Ein
Zeichen der Solidarität haben der Verband der Verlage und Buchhandlungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und der Börsenverein gesetzt. Spendenkonten wurden eingerichtet."
Spendenkonten und ein Brief des Börsenverein-Vorstehers
Dieter Schormann finden Sie
hier.
Birgit Politycki vom Literatur- und Pressebüro
Pauw & Politycki widmet sich der Frage, wie ein Buch die
Aufmerksamkeit von Journalisten und Lesern auf sich ziehen kann. "Bei jährlich 90.000 Neuerscheinungen, von denen maximal zehn Prozent besprochen werden können, helfen in den überforderten Redaktionen nur
strenge Auswahlkriterien. So weiß man, dass die
Zeit unangefordert eingegangene Bücher
gar nicht erst anschaut,
Amica Titel zu bestimmten Themen
komplett aussortiert und auch in anderen Redaktionen ganze Bücherkisten
unausgepackt den Weg ins moderne Antiquariat finden. (...) Neben persönlichen Vorlieben, dem angeblichen Bekanntheitsgrad von Autoren und anderen oft recht
dubiosen Gründen, war früher das Verlagsprofil ein weiteres Entscheidungskriterium. Unbekannte Autoren hatten es einfacher, wenn das literarische Umfeld stimmte. Das ist vorbei. Heutzutage (...) ist der Autor
auf sich allein gestellt." Und Birgit Politycki schreibt weiter: "In einer Zeit, in der ein Beitrag in
Gala oder
Brigitte de facto
mehr Aufmerksamkeit findet als eine Buchbesprechung in der
Süddeutschen Zeitung oder in der
Frankfurter Allgemeinen, wird es zunehmend wichtiger, dem Autor ein
Image zu verpassen: Besser irgendeines als gar keines! (...) In Amerika vermarkten Autoren ihre Bücher weitaus professioneller als ihre deutschen Kollegen." Aber: "Ob amerikanische Verhältnisse für den deutschen Buchmarkt wünschenswert sind, bleibt jedoch fraglich."
Nach der endgültigen
Könemann-Pleite befürchten viele Sortimenter eine
Ratgeber-Schwemme. Der Grund: "Etwa
20 Millionen Ratgeber sollen noch in den über den Globus verteilten Lagern des Kölner Könemann Verlags liegen. (...) Nach Einschätzung von Könemann-Geschäftsführer
Claus-Ulrich Schmidt müssen die meisten Bände wohl eingestampft werden, weil die Rechte nicht eindeutig geklärt sind; ein Teil der Bücher könnte möglicherweise jedoch zu Niedrigpreisen auf den Markt kommen".
Linda Broszeit von der
Bücherinsel in Duisburg erwartet Probleme höchstens für das Moderne Antiquariat.
Claudia Tölle vom Berliner
Kulturkaufhaus Dussmann sagt, ihre Buchhandlung werde "nicht in das Geschäft mit billigen Könemann-Titeln einsteigen, allein schon deshalb nicht, um die Preise der normalen Ratgeber nicht kaputt zu machen".
Der Marktführer
Thalia (Douglas-Konzern) wächst bei sinkendem Umsatz weiter: Der Umsatz der 77 deutschen Thalia-Buchhandlungen wurde im ersten Halbjahr 2002 um 3,4 Prozent gesteigert, flächenbereinigt bleibt ein Umsatzplus von 0,4 Prozent. Insgesamt schließt Thalia mit einem Umsatzminus von 0,3 Prozent ab. "Unterm Strich verbucht Thalia ein negatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 600.000 Euro" - bei einem Umsatz von 117 Millionen. "Im laufenden Geschäftsjahr will die Thalia-Gruppe ihre marktführende Position im deutschsprachigen Raum
weiter ausbauen",
schreibt das
Börsenblatt. "Die Buchsparte nimmt bei Douglas hinter Parfümerie und Schmuck den dritten Platz ein."
Weitere Meldungen: Die
WWF Wort + Ton GmbH, die die Hörfunkproduktionen des WDR vermarktet, ist
neuer Gesellschafter des
Deutschen Audio Verlags. Nach sechs Jahren Pause startet der Bremer
Kinderbuchverlag Rößler zur Frankfurter Buchmesse mit
sieben Bilderbüchern. Die
Umsatzentwicklung im Buchhandel war im Juli
überraschend erfreulich (mehr dazu unten). Und der Verlag
Velbrück Wissenschaft kooperiert ab Oktober mit dem Internet-Verlag
Humanities Online; die Online-Version eines Buches könnte künftig das wissenschaftliche Taschenbuch ersetzen, schreibt
Holger Heimann dazu.