Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 29 von 33

Die Buchmacher vom 26.08.2002 - Börsenblatt

Der Bertelsmann Club will Mitgliederzahl und Umsätze steigern und soll daher in drei Marken aufgeteilt werden. "Neben dem allgemeinen Angebot soll ein trendorientiertes Programm und ein Club für eine intellektuelle Zielgruppe eingerichtet werden", zitiert das Börsenblatt aus einem Handelsblatt-Interview mit Club-Geschäftsführer Wulf Böttger. "Durch die stärkere Ausrichtung auf einzelne Kundengruppen könnten eine Million neue Mitglieder gewonnen werden, wird Böttger zitiert. Derzeit hat der Club rund 4,2 Millionen Mitglieder - alle kleineren Buchgemeinschaften eingeschlossen." Das Segmentierungskonzept soll zunächst an 50.000 Haushalten getestet werden.

Ein Artikel über die Thomson Corporation bildet den Auftakt einer Serie über internationale Fach- und Wissenschaftsverlage. "Sexy sind sie nicht, Glanz und Glamour sind nicht ihre Stärke: Doch die auf Fachinformationen und Wissenschaft spezialisierten Verlage (...) gehörten in den vergangenen Jahren zu den profitabelsten Medienunternehmen überhaupt." Die Überzeugung werden von den Konzernchefs allerdings nicht durchweg geteilt. "Eine Rückbesinnung auf so genannte Kernkompetenzen macht die Runde. Viele Unternehmen erwägen, sich von ihren Wissenschafts- und Fachverlagstöchtern zu trennen." Thomson geht genau diesen Weg nicht - und ist dabei offenbar sehr erfolgreich.

Aus der Sicht der Kultur-Leser sind Geschenkbücher zwar igitt, Geld lässt sich mit ihnen dennoch verdienen. "Die Folge: Immer mehr Geschenkbuch-Reihen kommen auf den Markt - und viele sehen sich verblüffend ähnlich", schreibt Eckart Baier. "Großmutter. Herz der Familie" und "Dankeschön. Von ganzem Herzen". Klingt irgendwie mehr nach einem Tonikum für Senioren und einer aufwendig verpackten Schokolade als nach Büchern.

Außerdem schreibt Stefan Hauck über die Folgen der Flutkatastrophe für die Buchhandlungen in den Hochwassergebieten, Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann lobt die beeindruckende Solidarität, und Verlage wollen den Buchhändlern helfen.

Die Buchmacher vom 19.08.2002 - Börsenblatt

Bei dem Hochwasser in Tschechien, Österreich und Deutschland standen und stehen natürlich auch Buchhandlungen unter Wasser. So wurde nach Angaben des tschechischen, deutschsprachigen Verlags Vitalis der gesamte Warenbestand der deutschen Buchhandlung in Prag vernichtet. Vitalis hatte die Buchhandlung betrieben, auch das Lager des Verlags wurde größtenteils zerstört. Aus Dresden, Grimma, Aue, Döblin, Freital, Pirna, Regenstauf und Passau meldet das Börsenblatt einen Gesamtschaden an Buchhandlungen in Millionenhöhe. "Zudem treibt viele Sortimenter in den betroffenen Regionen die Sorge um, dass das Rechnungsgeschäft ganz wegbrechen könnte, weil die öffentliche Hand Gelder einfriert und Aufträge storniert. (...) Ein Zeichen der Solidarität haben der Verband der Verlage und Buchhandlungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und der Börsenverein gesetzt. Spendenkonten wurden eingerichtet." Spendenkonten und ein Brief des Börsenverein-Vorstehers Dieter Schormann finden Sie hier.

Birgit Politycki vom Literatur- und Pressebüro Pauw & Politycki widmet sich der Frage, wie ein Buch die Aufmerksamkeit von Journalisten und Lesern auf sich ziehen kann. "Bei jährlich 90.000 Neuerscheinungen, von denen maximal zehn Prozent besprochen werden können, helfen in den überforderten Redaktionen nur strenge Auswahlkriterien. So weiß man, dass die Zeit unangefordert eingegangene Bücher gar nicht erst anschaut, Amica Titel zu bestimmten Themen komplett aussortiert und auch in anderen Redaktionen ganze Bücherkisten unausgepackt den Weg ins moderne Antiquariat finden. (...) Neben persönlichen Vorlieben, dem angeblichen Bekanntheitsgrad von Autoren und anderen oft recht dubiosen Gründen, war früher das Verlagsprofil ein weiteres Entscheidungskriterium. Unbekannte Autoren hatten es einfacher, wenn das literarische Umfeld stimmte. Das ist vorbei. Heutzutage (...) ist der Autor auf sich allein gestellt." Und Birgit Politycki schreibt weiter: "In einer Zeit, in der ein Beitrag in Gala oder Brigitte de facto mehr Aufmerksamkeit findet als eine Buchbesprechung in der Süddeutschen Zeitung oder in der Frankfurter Allgemeinen, wird es zunehmend wichtiger, dem Autor ein Image zu verpassen: Besser irgendeines als gar keines! (...) In Amerika vermarkten Autoren ihre Bücher weitaus professioneller als ihre deutschen Kollegen." Aber: "Ob amerikanische Verhältnisse für den deutschen Buchmarkt wünschenswert sind, bleibt jedoch fraglich."

Nach der endgültigen Könemann-Pleite befürchten viele Sortimenter eine Ratgeber-Schwemme. Der Grund: "Etwa 20 Millionen Ratgeber sollen noch in den über den Globus verteilten Lagern des Kölner Könemann Verlags liegen. (...) Nach Einschätzung von Könemann-Geschäftsführer Claus-Ulrich Schmidt müssen die meisten Bände wohl eingestampft werden, weil die Rechte nicht eindeutig geklärt sind; ein Teil der Bücher könnte möglicherweise jedoch zu Niedrigpreisen auf den Markt kommen". Linda Broszeit von der Bücherinsel in Duisburg erwartet Probleme höchstens für das Moderne Antiquariat. Claudia Tölle vom Berliner Kulturkaufhaus Dussmann sagt, ihre Buchhandlung werde "nicht in das Geschäft mit billigen Könemann-Titeln einsteigen, allein schon deshalb nicht, um die Preise der normalen Ratgeber nicht kaputt zu machen".

Der Marktführer Thalia (Douglas-Konzern) wächst bei sinkendem Umsatz weiter: Der Umsatz der 77 deutschen Thalia-Buchhandlungen wurde im ersten Halbjahr 2002 um 3,4 Prozent gesteigert, flächenbereinigt bleibt ein Umsatzplus von 0,4 Prozent. Insgesamt schließt Thalia mit einem Umsatzminus von 0,3 Prozent ab. "Unterm Strich verbucht Thalia ein negatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 600.000 Euro" - bei einem Umsatz von 117 Millionen. "Im laufenden Geschäftsjahr will die Thalia-Gruppe ihre marktführende Position im deutschsprachigen Raum weiter ausbauen", schreibt das Börsenblatt. "Die Buchsparte nimmt bei Douglas hinter Parfümerie und Schmuck den dritten Platz ein."

Weitere Meldungen: Die WWF Wort + Ton GmbH, die die Hörfunkproduktionen des WDR vermarktet, ist neuer Gesellschafter des Deutschen Audio Verlags. Nach sechs Jahren Pause startet der Bremer Kinderbuchverlag Rößler zur Frankfurter Buchmesse mit sieben Bilderbüchern. Die Umsatzentwicklung im Buchhandel war im Juli überraschend erfreulich (mehr dazu unten). Und der Verlag Velbrück Wissenschaft kooperiert ab Oktober mit dem Internet-Verlag Humanities Online; die Online-Version eines Buches könnte künftig das wissenschaftliche Taschenbuch ersetzen, schreibt Holger Heimann dazu.

Die Buchmacher vom 19.08.2002 - Börsenblatt

Ulrich Daniels, Inhaber der Wolthat'schen Buch-Kette, sieht viel Potenzial für eine Expansion seines Unternehmens. "Expansion ist in all jenen Städten möglich, die mehr als 80.000 Einwohner haben. Diese haben wir längst noch nicht alle besetzt", sagt Daniels im Interview mit dem Börsenblatt. Von der angespannten Lage in Berlin sei die Wohlthat'sche Buchhandlung nicht betroffen. "Natürlich gab es auch bei uns im ersten Halbjahr geringe Umsatzrückgänge - die Einnahmen sind flächenbereinigt um etwa vier Prozent gesunken. Aber das verursacht noch kein 'Schwanken'."

Weitere Meldungen: Die DuMont Buchverlage wechseln zum Jahresende zur Vereinigten Verlagsauslieferung VVA. In Düsseldorf hat eine Hörbuchhandlung eröffnet (Pempelfort, Sternstraße 52). Eine Studie hat herausgefunden, dass professionelle Entscheider im Sanitär- und Klimafach überdurchschnittlich häufig branchenbezogene Spezialzeitschriften lesen. Der Passauer E-Book-Verlag Readersplanet hat sein Angebot an E-Books ausgeweitet. Und Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Bibliothek, hält den Internet-Wegweiser Gabriel für einen ersten Schritt zu einer virtuellen europäischen Bibliothek.

Außerdem bieten Heinrich Maurer und Roland Ulmer einen Überblick über Fachliteratur für Landwirte. Und Nils Kahlefendt stellt den Dresdner Verlag der Kunst vor, der in diesem Jahr 50 wird.

Die Buchmacher vom 14.08.2002 - Börsenblatt

Der Könemann Verlag ist endgültig am Ende. "Nach Angaben von Könemann-Geschäftsführer Claus-Ulrich Schmidt konnte sich der fünfköpfige Gläubiger-Ausschuss nicht auf ein Sanierungskonzept für das angeschlagene Unternehmen verständigen." Am 1. August wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Dem Insolvenzverwalter zufolge umfassen die weltweit verteilten Lagerbestände circa 20 Millionen Bücher, schreibt das Börsenblatt. Könemann hatte im Dezember 2001 vorläufigen Insolvenzantrag gestellt, seither gab es immer mal wieder Erfolgsmeldungen. Der "auf Kunst, Kulinaria und Lifestyle spezialisierte Mass-Market-Anbieter" beschäftigte zuletzt 100 Mitarbeiter.

Die Barsortimente haben Titel der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA) wieder im Angebot - "und zwar mit einem Grundrabatt von 35 Prozent". Damit haben sich die Barsortimente gegen den Verlag durchgesetzt. "Nach Einzelgesprächen mit den Barsortimenten sei beschlossen worden, den Grundrabatt nicht anzutasten", sagte Verlagsleiter Jürgen Horbach dem Börsenblatt. "Der Verlag nimmt damit die im Mai eingeführte Absenkung des Grundrabatts auf 33 Prozent wieder zurück."

Die Urheber haben einen "Punktsieg" errungen: Pro verkauftem CD-Brenner müssen Hersteller und Importeure sechs Euro an die Verwertungsgesellschaften überweisen - rückwirkend ab 1. Juli. Der Branchenverband Bitkom "befürchtet nun einen Preisanstieg bei CD-Brennern in Höhe von zehn Prozent."

Das Buch "Wir sind Priesterinnen" ist vom Erzbischöflichen Ordinariat München mit einer Einstweiligen Verfügung gestoppt worden. Der Patmos Verlag wird aufgefordert, schreibt das Börsenblatt, "die Behauptung, Ende Juni 2002 seien 'Frauen von römisch-katholischen Bischöfen zu Priesterinnen geweiht worden', zu unterlassen. Derzeit werde geprüft, ob Patmos Rechtsmittel einlegt, sagte Pressesprecherin Barbara Oh." Mitherausgeberin des Buches ist die exkommunizierte "Priesterin" Gisela Forster. Laut taz wird das Buch weiterhin verkauft, allerdings teilgeschwärzt.

Was die Print-Ausgabe noch nicht meldet: Klaus Eierhoff verlässt Bertelsmann. Eierhoff war bislang Leiter der DirectGroup (Clubs und E-Commerce), sein Nachfolger wird Ewald Walgenbach, COO im Bertelsmann-Vorstand. Mehr hier.

Weitere Beiträge: Die Verlagsgruppe Holtzbrinck hat die Druckerei Clausen & Bosse an die französische Gruppe Chevrillon Philippe Industrie verkauft. Ein längerer Artikel bereitet die Börsenblatt-Leser auf die Buchmesse vor (nur ein Teil dieses Artikels ist im Netz zu finden). Der Springer-Verlag Heidelberg stellt in seinem Online-Portal mathematische Forschungsergebnisse zur Verfügung. Der Verlag Juris will ab Januar 2003 einen Online-Kommentar zum Zivilrecht bereitstellen. Der Datenbankanbieter Ebsco Information Services stellt bereits seit Anfang Juli den Hispanic American Periodicals Index bereit. Die Bibliothek des Börsenvereins ist in die Deutsche Bibliothek umgezogen, im Herbst folgt das Historische Archiv. Und der Perlentaucher ist unter die Verlagsdienstleister gegangen: Mehr hier.

Die Buchmacher vom 14.08.2002 - Börsenblatt

Auch in der Post-Middelhoff-Zeit hält Bertelsmann am geplanten Verkauf von BertelsmannSpringer fest. Weiter meldet das Börsenblatt aus Gütersloh: "Gunter Thielen, der neue Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, rechnet offenbar mit einem schwierigen Jahr für den Medienkonzern. Im ersten Halbjahr sei das Geschäftsergebnis bei rückläufigen Umsätzen 'im Plan' gewesen, schrieb Thielen an die rund 80.000 Mitarbeiter; die weitere Ergebnisentwicklung schätzt er allerdings 'sehr vorsichtig' ein."

Das Thema wird tatsächlich noch diskutiert: Literaturagenturen - sind sie wichtig oder überflüssig? "Die deutschsprachige Verlagslandschaft ist nach wie vor voller engagierter Lektoren, Verleger, Rechte-, Marketing- und Presseleute - nur werden sie zunehmend buchfremden Zwängen unterworfen. Agenturen versuchen, diese Unwucht auszugleichen und helfen damit letztendlich auch den Verlagen, das Potenzial ihrer Bücher erfolgreich auszuschöpfen - und zunächst erst einmal die richtigen zu finden", schreibt der Literaturagent Werner Löcher. Natürlich kümmern sich Literaturagenten auch darum, "dass ihre Autoren ein angemessenes Honorar erhalten". Jochen Jung vom Salzburger Jung und Jung Verlag sieht das anders (er vertritt ja auch die "Contra"-Position): "War es vor dem Auftreten der Agenten wirklich die Regel, dass ein Autor nur unter unfairen Bedingungen zu einem Verlag kam? Finden jetzt Autoren Verlage, die es früher nicht geschafft hätten? Gibt es mehr Lizenzen für deutschsprachige Autoren? Sind die Autoren generell zufriedener? Sind sie von Buch zu Buch geschützter? Woher kommt das Geld, das jetzt die Agenten kriegen? Wo fehlt es daraufhin? (...) Was nehmen die Agenten den Verlagen wirklich ab (außer Geld)? Was den Autoren (außer Post, Peinlichkeit bei Absagen und Geld)?"

Weitere Meldungen: Das Erlanger Poetenfest findet statt. Der Espresso Verlag, der vor 25 Jahren unter dem Namen Elefanten Press gegründet wurde, wird eingestellt. Verlegerin Maruta Schmidt nennt persönliche, gesundheitliche Gründe. In der Reihe "Markenbildung im Sortiment" stellt Sabine Schwietert das Buchhaus Campe in Nürnberg vor. Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums der Goldmann-Taschenbücher schreibt Andreas Trojan über den umsatzstärksten deutschen Taschenbuchverlag: Als Bertelsmann den Verlag 1977 übernahm, hatte Goldmann vor allem beim Buchhandel "enorm an Strahlkraft eingebüßt. Ein Grund mag gewesen sein, dass es der Verlag mit der Originaltreue bei Klassikerausgaben nicht allzu genau nahm. Bei anderen Titeln im Programm fielen häufiger erotische Stellen dem Lektoratsstift zum Opfer. Unvorstellbar, wenn man bedenkt, welch wichtiges Marktsegment heute Erotik in Verlagen - und natürlich nicht allein bei Goldmann - darstellt."

Das Börsenblatt druckt die Kurzfassung einer Rede, die Michael Klett zur Feier des 25-jährigen Bestehens des Klett-Cotta Verlags gehalten hat. Darin spricht Klett über den "tiefen Bruch", "der uns heute von der großen Epoche unserer Literatur und unserer Geschichte als Fernerinnerung trennt. Das alles muss zu Hitler geführt haben, war das Argument". Dieser Bruch hatte, so Klett, verheerende Folgen für die deutsche Identität. "Man höhnte den pflügenden Landmann und Gretchen am Spinnrad, so als ob wir nicht von etwas herkämen, das ebenso Bestandteil unserer Existenz ist wie Zukunftshoffnung, so als ob der Entwicklungsroman, diese Gipfelleistung für Werden und Festigung junger Menschen, präfaschistischer Unfug wäre, so als ob bei aller musischen Envergure die Literatur überhaupt nicht dazu da sei, das Andere, das Fremde, das Reizende, das Unheimliche nahe zu bringen." (Alles gut und schön. Aber hat die Verheerung der deutschen Identität nicht sehr viel früher begonnen?)

Die Buchmacher vom 05.08.2002 - Börsenblatt

Das Börsenblatt hat die Spekulationen um die Ablösung von Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff gesammelt: "War es der von Middelhoff konsequent und mit hohem Tempo verfolgte Kurs, Bertelsmann 2005 an die Börse zu bringen - ein Kurs, der eine unterm Strich zehnprozentige Rendite über alles stellte, um das Unternehmen börsenfit und attraktiv für potenzielle Aktionäre zu machen? Könnte es die Tatsache gewesen sein, dass Middelhoff heute hier und morgen da Unternehmen zukaufte und wieder abstieß? Lag es daran, dass traditionelle Geschäftsfelder im Vergleich zu Internet, Fernsehen und Musik zunehmend eine untergeordnete Rolle spielten? Oder gab das per 'Süddeutsche Zeitung' verkündete Vorhaben den Ausschlag, sich von der rentablen Fachverlagssparte BertelsmannSpringer trennen zu wollen? Die Liste der Spekulationen ist lang."

Gesammelt hat das Börsenblatt auch Reaktionen aus der Buchbranche. Vito von Eichborn (Europa Verlag) etwa meint: "Uns Büchermenschen kann der Rausschmiss des Obermohrs aus Gütersloh ganz und gar egal sein - denn er hatte ja hierzulande erkennbar nichts mit Büchern am Hut, die er zur Marginalie im Konzern gemacht hat." Gottfried Honnefelder (DuMont Literatur und Kunst Verlag) schreibt: "Für die deutschsprachige Verlagslandschaft (...) bedeutet diese Trennung einen Verlust. Den 'Verlust des Beispiels' für jeden auch noch so kleinen Verlag und die Grenze einer Vision vom globalen, neuen Markt. Möglichkeit und Grenze - beides brauchen wir so dringend." Christoph Links erwartet jetzt eine "Umorientierung auf eher traditionelle Geschäftsfelder" bei Bertelsmann. "Wenn die Verlage nicht mehr die Geldbringer sein müssen, um andere Abenteuerfelder zu finanzieren, kann das nur gut sein und wieder zu realistischen Renditeerwartungen führen. Das wäre nicht nur für die Kollegen in den betroffenen Verlagen, sondern für die gesamte Branche ein vernünftiges Zeichen."

In Berlin hat Thalia die beiden Kiepert-Filialen in der Schönhauser Allee und in Zehlendorf zum 1. August ohne Aktiva und Passiva übernommen, meldet das Börsenblatt. Damit habe der Branchenführer seine Präsenz in der Hauptstadt auf zwölf Filialen erweitert. Die knapp 40 Mitarbeiter wurden übernommen.

Weitere Meldungen: Um die in Hannover zum Verkauf stehende Buchfläche von 3.500 Quadratmetern konkurrieren Thalia und Weiland. Droemer stellt seine Hörbuch-Aktivitäten nach nur einem Jahr ein. Der Kölner Fachverlag Carl Heymanns hat sein Buchhandelsnetz um eine Filiale in Ulm erweitert. Und die Kölner Krimibuchhandlung Alibi zieht in die Ehrenstraße.

Die Buchmacher vom 05.08.2002 - Börsenblatt

Die Vorbereitungen für den Deutschen Bücherpreis haben begonnen: Buchhändlerinnen und Buchhändler können ihre Empfehlungen für preiswürdige Titel einreichen. Wie gehabt gibt es neben deutschsprachiger und internationaler Belletristik, Biografie/Zeitgeschichte, Sachbuch, Ratgeber, Kinder- und Jugendliteratur sowie dem erfolgreichen Debüt die Kategorie Lebenswerk. Aus den Empfehlungen wird die Redaktion des Deutschen Bücherpreises Ende September eine Nominierungsliste zusammenstellen. Im Februar dürfen die Kunden ihr "liebstes Buch des Jahres" wählen.

In Köln-Ehrenfeld eröffnen immer mehr Buchhandlungen, die Venloer Straße "entwickelt sich zum neuen Buchhandelspflaster": Zanolli ist bereits nach Ehrenfeld gezogen, die Bunt Buchhandlung und der Rhiannon Frauenbuchladen folgen.

Trotz anderer Bestellkanäle werden die Ergebnisse von Vertreterreisen von den Verlagen immer noch mit Spannung erwartet. Zwei Monate nach Beginn der aktuellen Reisen hat sich Volkhard Bode in den Reisegebieten umgehört und dabei festgestellt: Ganze Verlagsprogramme finden kaum noch Abnehmer, das Interesse an "Titeln mit hohem Verkaufspotenzial" dominiert. Erstbestellzahlen gehen bei Novitäten weiter zurück. Konzernverlage konzentrieren ihre Werbung ausschließlich auf Spitzentitel. Die Belletristik stößt weiterhin auf starkes Interesse, das Sachbuch etwas weniger, das Taschenbuch läuft bei Spitzentiteln "unverändert gut". Trotz viel beschworener Ratgeberkrise sind die Bestellzahlen hier nur leicht gesunken. Und: "Trotz zögernder Nachfrage im Sortiment erwarten zahlreiche Verlage ein leichtes Umsatzplus durch ihre Spitzentitel."

Weitere Meldungen: Buch.de kommt trotz allgemeiner Krise langsam aus den roten Zahlen. Das Leipziger Zentrum für Bucherhaltung baut elf Stellen ab. Die Jokers-Testfiliale in Winterthur schließt und wird zu einem Weltbildplusladen umgebaut. Und Christina Schulte schreibt über die Einführung einer digitalen ISBN für Quellen im Internet: Digital Object Identifier (DOI) heißt die Nummer. Ein Zusammenschluss europäischer Partner, darunter auch die Buchhändler-Vereinigung, entwickelt derzeit Anwendungen für die einheitliche Verwaltung von Inhalten in mehreren Sprachen.

Dem Börsenblatt liegt die HR-Hörbuchbestenliste für den Monat August bei. Auf Platz eins: Vladimir Nabokovs "Pnin", gelesen von Ulrich Matthes.

Die Buchmacher vom 29.07.2002 - Börsenblatt

Zwölf "linke Verlage" haben sich zusammengeschlossen, um das Buch "Unterhaltungen über den Sozialismus nach seinem Verschwinden" zu produzieren. Beteiligt an dem Titel sind die Verlage Argument, BdWi, Berliner Debatte, Carl Dietz, Globus, Pahl-Rugenstein, PapyRossa, spw, VSA, Weiss, Widerspruch und Yetipress.

Der Bertelsmann Buchclub führt seinen Spezialclub für romantische Literatur weiter, will ihn aber enger mit dem Clubsortiment "verzahnen", berichtet das Börsenblatt. Der Club mit dem schönen Namen Moments hat derzeit 10.000 Kunden. Der Moments-Katalog geht künftig nicht mehr nur an sie, sondern auch an rund 200.000 der insgesamt knapp vier Millionen Club-Mitglieder, "die eine Affinität für romantische Lektüre haben erkennen lassen". "Eine Befragung der Moments-Mitglieder habe gezeigt, dass die Kunden eine stationäre Anlaufstelle wünschten und darüber hinaus auch an anderen Produkten interessiert seien, sagte Markus Naewie, Leiter Business Development beim Club, dem Börsenblatt. Umgekehrt hätten die Club-Mitglieder, die auch Moments-Mitglieder geworden sind, ihren Einkauf beim Club nicht verringert. Die Moments-Kunden sind nach den Worten Naewies Vielleser, die im Schnitt mehr als 20 Romane im Jahr kaufen."

Die Zahl der Neuerscheinungen in Österreich ist im vergangenen Jahr um fünf Prozent gestiegen: "Die 'Österreichische Bibliographie' verzeichnet 4.263 Novitäten, 202 mehr als im Vorjahr. Verlegt wurden insbesondere mehr Belletristik, Kinder- und Jugendbücher sowie Titel aus den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften."

Weitere Meldungen: Amazon.com hat den Umsatz erhöht, schreibt dennoch weiter rote Zahlen, ist aber überzeugt, das Geschäftsjahr 2002 mit einem Plus abzuschließen. Der Thieme Verlag bietet medizinischen Fachbuchhandlungen die Möglichkeit, für 300 Euro pro Jahr ein virtuelles Schaufenster auf einer Thieme-Website einzurichten (mehr hier). Der Elternratgeberverlag Oberstebrink will seine Titel künftig weltweit vermarkten. Harry Potter belastet das Achterbahn-Ergebnis. Und BertelsmannSpringer übernimmt die Netzeitung.

Außerdem schreibt Andreas Meyer über die Kundenorientierung von Publikumsverlagen. Er fordert ein radikales Umdenken in den Verlagen hin zu kundenzentriertem Arbeiten. Dieses Umdenken könne nicht im Vertrieb oder im Lektorat beginnen, sondern nur mit der Verpflichtung zur absoluten Kundenorientierung auf Top-Managementebene. "Solange nicht die Kundensicht, sondern die Produktsicht dominiert, werden nicht nur zu viele, sondern die falschen Bücher von den falschen Leuten gemacht."

Dann porträtiert Sabine Schwietert die Heidelberger Buchhandlung Leanders Leseladen, deren Inhaberin Gabriele Hoffmann sich mit ihren Kinderbuchempfehlungen (Leanders Leseliste) einen Namen gemacht hat. Und Claudia Kramatschek stellt einige Bücher aus den Herbstprogrammen der Belletristik-Verlage vor.

Die Buchmacher vom 29.07.2002 - Börsenblatt

Der Insolvenzantrag der Berliner Buchhandlung Kiepert bezieht sich nach Auskunft des Amtsgerichts Charlottenburg auf das Hauptgeschäft am Ernst-Reuter-Platz und auf die Filiale an der Freien Universität, schreibt das Börsenblatt. "Nicht in die Insolvenz einbezogen sind demnach die Berliner Kiepert-Filialen an der Humboldt-Universität, im Marktplatz Center Hellersdorf" und am U-Bahnhof Stadtmitte.

Zwei Kiepert-Filialen wurden von der Buchkette Thalia übernommen. Und die wächst immer weiter: Ab 1. Oktober gehört die Erlanger Universitätsbuchhandlung Palm & Enke dem Hamburger Großfilialisten. "Zu Palm & Enke gehören die Erlanger Universitätsbuchhandlungen Mencke-Blaesing und Theodor Krische sowie die Jenaer Universitätsbuchhandlung; sie werden unter ihren bisherigen Namen weitergeführt. Die laut Geschäftsleiter Ernst W. Bork 75 Mitarbeiter der Gruppe werden von Thalia komplett übernommen."

"Die deutschen Aussteller müssen wieder mit Begeisterung zur Messe kommen", sagt der neue Direktor der Frankfurter Buchmesse, Ex-Random-House-Geschäftsführer Volker Neumann, im Interview mit Hendrik Markgraf. "Mein Ziel ist es, die Messe attraktiver zu machen: vor allem für die Fachbesucher und für das allgemeine Publikum. Für jeden Germanistikstudenten zum Beispiel muss die Buchmesse eine Pflichtveranstaltung sein. Universitäten und Professoren sollen angesprochen werden."

Auch die Sparte Fachinformation ist vom Stellenabbau des Süddeutschen Verlags betroffen, sagt Dirk Refäuter, Sprecher der Geschäftsführung. "Unsere Investitionen konzentrieren wir gegenwärtig auf den Regionalteil Nordrhein-Westfalen der Süddeutschen Zeitung und die Online-Rubriken unter der Website sueddeutsche.de", sagt Refäuter im Interview mit Sybille Fuhrmann. Er ist seit kurzer Zeit auch kommissarischer Leiter der Fachverlagssparte SVHFI. Auch diese zähle "zu den Kerngeschäften" des Süddeutschen Verlags. Auf die Frage, ob Teile der Fachsparte zur Disposition stünden, sagt Refäuter: "Wir führen Gespräche mit einem Finanzinvestor mit dem Ziel, ihn an unserer Fachinformationsgruppe zu beteiligen. Das würden wir nicht tun, wenn wir den Bereich verkleinern wollten. Es ist aber nicht auszuschließen, dass man über das Portfolio nachdenkt, wenn es darum geht, diesen Bereich neu auszurichten. Ob am Ende eine stärkere Fokussierung auf einzelne Segmente herauskommt, ist noch völlig offen."

Der Jung-und-Jung-Verleger Jochen Jung erinnert daran, dass Bücher einerseits auch nur ein Medium unter vielen, andererseits aber auch "keine Kirchenmäuse" sind: Bücher bestehen aus Sprache, "unserer wunderbaren Sprache mit ihren wunderbaren Regeln und ebenso wunderbaren Ausnahmen von diesen Regeln, und da spielt es erst mal gar keine Rolle, um was für einen Inhalt es geht."

Weitere Meldungen: Die Sanierung des Könemann Verlages kommt offenbar gut voran; bereits im Herbst könnten erste Titel neu- oder nachgedruckt werden. Und die Stiftung Lesen und der Börsenverein fordern nach der Pisa Studie neue Initiativen.

Die Buchmacher vom 22.07.2002 - Börsenblatt

Laudator bei der diesjährigen Verleihung des Friedenspreises wird Theodor Berchem sein, Präsident des DAAD und Präsident der Universität Würzburg. Geehrt wird in diesem Jahr der nigerianische Schriftsteller Chinua Achebe. Der Friedenspreis wird am 13. Oktober verliehen.

Weltbild-Chef Carel Halff hält die Probleme der Buchbranche für selbst verschuldet. Im Interview mit dem Börsenblatt sagt er: "Die Branche hat Probleme - und die sind hausgemacht, ja sogar zielgerichtet herbeigeführt. Als Stichwörter nenne ich Überproduktion und Flächenexpansion in einem stagnierenden, schrumpfenden Markt. Wer solche Strategien verfolgt, muss sich nicht wundern, wenn er lange Durststrecken zu bewältigen hat." Zudem werde an überholten Geschäftmodellen festgehalten: "Eine großstädtische Buchhandlung mit Vollsortiment unter 100 Quadratmetern zum Beispiel kann heutzutage nicht mehr funktionieren. Auf diesem Gebiet findet jetzt ein notwendiger Bereinigungsprozess statt." Die Weltbildplus-Filialen nähmen solchen Buchhandlungen allerdings keine Kunden weg: "Laut Kundenbefragungen suchen Weltbildplus-Kunden kaum andere Buchhandlungen auf."

Nach eigenen Angaben hat Weltbild seinen Umsatz von Juni 2001 bis Juni 2002 um ein Prozent auf 627,8 Millionen Euro gesteigert. "Töchter und Beteiligungen erzielten ein Plus von sechs Prozent und erwirtschafteten 320,6 Millionen Euro. (...) Angaben zum Ergebnis wurden nicht gemacht. Carel Halff, Vorsitzender der Geschäftsführung, bewertete es jedoch als zufriedenstellend - insbesondere Fortschritte im Kostenmanagement hätten zu einer Verbesserung geführt. Im Geschäftsjahr 2000/2001 hat das Umsatzwachstum noch bei rund zehn Prozent gelegen. Diesen Wert hätte man nicht erreicht, so Halff, unter anderem deswegen, weil ertragsschwache Segmente abgebaut worden seien."

Am 17. Juli hat die angeschlagene Berliner Traditionsbuchhandlung Kiepert den Insolvenzantrag gestellt. Der Betriebsrat hat, so berichtet das Börsenblatt, "nur noch wenig Hoffnung auf Rettung des Unternehmens". In einer Presseerklärung warf er der Geschäftsführung Fehlverhalten (und, so der buchreport, "Missmanagement") vor. "Zugleich wandte sich der Betriebsrat gegen Darstellungen, er habe der Kündigung von 50 Mitarbeitern zugestimmt." Laut Betriebsrat sollen insgesamt 65 Kündigungen ausgesprochen worden sein. "Die Entlassungen seien von der Geschäftsführung als unabdingbar bezeichnet worden, so der Betriebsrat, um das Unternehmen verkaufen zu können beziehungsweise vor der Insolvenz zu bewahren. Nun sehen sich Betriebsrat und Belegschaft 'getäuscht'." Neben den verkauften Filialen in Prenzlauer Berg und Zehlendorf sollen die Kiepert-Läden in den ProMarkt-Häusern am Kurfürstendamm und in Reinickendorf geschlossen werden. "Die Verträge seien zum 31. Juli aufgelöst worden, sagte eine Sprecherin der ProMarkt Holding auf Anfrage." Der Betriebsrat meint, damit sei die Chance auf einen Verkauf des Hauptgeschäfts erheblich gesunken. Kiepert werde von vielen Verlagen nicht mehr oder nur gegen Vorkasse beliefert, so das Börsenblatt weiter. (Für die Kunden sind die Folgen bereits erkennbar: Einige obere Regalbretter sind leer.)

Untätigkeit will sich der Börsenverein nicht vorwerfen lassen: Er hat Gespräche mit der Bundesregierung und mit den Fraktionen im Bundestag aufgenommen, "um ein Kreditsicherungsprogramm für kleinere Verlage und Buchhandlungen anzuregen", meldet das Verbandsorgan. "Hintergrund: die Kürzung von Zuschüssen für Übersetzungen, die rückläufige Förderung von wissenschaftlichen Verlagsprojekten durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die zunehmend restriktive Praxis der Banken bei der Kreditgewährung für kulturwirtschaftliche Unternehmen." Zur Kreditvergabe der Banken gibt es einen weiteren Artikel.

Das Börsenblatt hat einige Buchhändler befragt, was ihre Sommerhits 2002 sind. Neben "Tod eines Kritikers", "Schundroman" und "Die Korrekturen" werden unter anderem folgende Bücher genannt: "Ayla und der Stein des Feuers" von Jean M. Auel, "Das Gesetz der Lagune" von Donna Leon, "Was ich liebte" von Siri Hustvedt, "Kreutzersonate" von Margrit de Moor, "La Cucina Siciliana oder Rosas Erwachen" von Lilly Prior ("prall, humorvoll, erotisch"), "Meeresrand" von Veronique Olmi, "Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet" von Anna Gavalda, "Im Namen von Ismael" von Guiseppe Genna, "Die Stadt der wilden Götter" von Isabel Allende, "Die Stille ist ein Geräusch" von Juli Zeh und "Dunkler Schlaf" von Karin Fossum ("ungeheuer raffiniert psychologisches Buch"). Alle Antworten hier.

Weitere Meldungen: Auch im Juni war der Umsatz im Buchhandel rückläufig: rund zwei Prozent minus. Das kumulierte Umsatzminus des Jahres 2002 stieg von zwei auf drei Prozent. Außerdem schreibt Sylvia Werfel über die Gestaltung von Schulbüchern: Weniger ist mehr gilt auch hier.

In seiner Online-Ausgabe meldet das Börsenblatt, dass die Frankfurter Buchmesse einen neuen Chef hat: Volker Neumann, Ex-Geschäftsführer von Random House.

Ein Extra-Teil beschäftigt sich mit dem Thema Aus- und Fortbildung in Verlagen und Handel.