In der
Welt liefern sich Richard Kämmerlings und Mladen Gladic ein pro und kontra für die
großen Buchmessen. Wir brauchen sie, meint Kämmerlings, denn "ohne den Betrieb, jenes feine, unübersichtliche Beziehungsnetz aus Autorinnen, Übersetzerinnen, Jurys, Vermittlerinnen, Kritikerinnen, großen und kleinen Verlagen, gäbe es die
Literatur im Kollektivsingular gar nicht, sondern nur einzelne Bücher und Unternehmen. Unter den gegenwärtigen Marktbedingungen zerfiele die Literatur vollends in
sich selbst genügende ästhetische Nischen auf der einen und in Publikationsapparate mit ihren ausdifferenzierten Zielgruppen - von Krimilesern bis Ratsuchenden - auf der anderen Seite." Gladic dagegen findet: Bei Buchmessen geht es nie um Literatur, sondern immer nur um den Betrieb, der
um sich selbst kreise und dann auch noch regelmäßig mit Rechten konfrontiert werde.
Patrick Bahners und Andreas Kilb führen ein ganzseitiges
FAZ-Gespräch mit der Staatsministerin für Kultur
Claudia Roth. Über weite Strecken geht es eher um Geld und die Balance von Bund und Ländern. Aber sie benennt auch
die Akzente, die sie setzen will: "Wie erweitern wir Erinnerungskultur um den ganzen Bereich der Dekolonialisierung? Wie sieht Erinnerung in einer Gesellschaft aus, durch die der NSU eine Blutspur gelegt hat?
Erinnerungskultur ist der eine Schwerpunkt, den ich setzen will. Der zweite betrifft die '
Gesellschaft der Vielen'. Wie drückt sich diese Vielfalt eigentlich in unserer Kultur aus?" Ein dritter Schwerpunkt soll die
Klimakrise sein. Zur Frage, ob die
Documenta BDS-Positionen stark machen dürfe, sagt sie: "Zunächst einmal geht es auch um Vertrauen in die Documenta und ihre Träger. Ich kann da Anregungen geben, aber ich vertraue zunächst einmal denen, die
vor Ort Verantwortung tragen... Antisemitismus geht nicht. Aber wie halten wir Räume aufrecht, in denen Kontroversen ausgetragen werden, die sonst verschüttet wären?"
In der
NZZ verteidigt der evangelische Theologe
Richard Schröder Kreuz und die Umschrift am
Humboldt Forum, die fordert, "dass in dem Namen Jesu sich
beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind." Die Institutionen des Humboldt Forums wollen sich davon mit einer Tafel distanzieren, aber damit machen sie es sich zu leicht, meint Schröder: "Was den '
Alleingültigkeits-
und Herrschaftsanspruch des Christentums' anbelangt, den die Institutionen im Humboldt-Forum in der Inschrift erkennen wollen und von dem sie sich distanzieren: Er wird in dieser Erklärung wohl deshalb zurückgewiesen, weil er als Diskriminierung der anderen Religionen angesehen wird. Dagegen müsse gelten:
Alle Religionen sind gleichwertig und gleich wertvoll. Das ist sicher gut gemeint, aber nicht durchdacht und schlecht beobachtet. Ein engagierter Religionsangehöriger kann nicht alle Religionen als gleichrangig behandeln. Wenn er sich zu seiner Religion bekennt, bekennt er sich zwangsläufig zur anderen nicht. Man kann bemüht sein, allen Religionen und ihren Vertretern denselben Respekt entgegenzubringen. Man kann aber
nicht die Wahrheitsansprüche verschiedener Religionen vereint anerkennen, da sie sich nicht vereinigen lassen."