Die Bauernproteste der letzten Tage haben gezeigt, wie zäh sich romantisierende Bilder von der Landwirtschaft halten, schreibt Michael Miersch bei den Ruhrbaronen. Und die Politik macht mit, will unbedingt die Familienbetriebe retten. Aber die Romantisierung ist falsch. "Beispiel Tierwohl: In Museumsdörfern kann man sich ansehen, wie Tiere früher gehalten wurden. Milchkühe standen oftmals lebenslang angekettet in dunklen Ställen. Die Schweinekoben waren zuweilen kaum größer als das Schwein selbst. Die Vorstellung vom romantischen Bauernhof, der einem Streichelzoo ähnelt, stammt aus Kinderbüchern, nicht aus der Realität vergangener Tage. Die schlechte Behandlung von Tieren begann nicht mit der Industrialisierung und Rationalisierung des Agrarsektors. Daher sollte man die Verbesserung des Tierwohls nach vorne denken und nicht rückwärts."
Statt eines AfD-Parteiverbots schlägt Volkan Agdar in der taz einen "Masterplan Antifaschismus" vor, um alle anzuprangern, die seiner Meinung nach eine "faschistische Wahl" treffen: "Auf diese Menschen muss ab sofort und im Sinne der unantastbaren Würde aller Menschen ein hoher Anpassungsdruck ausgeübt werden. Maßgeschneiderte Gesetze gegen Nazis wären eine Möglichkeit dafür. Viel effektiver erscheint es jedoch, diese Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen unter Druck zu setzen, sie im Alltag in der Schule, im Verein, am Arbeitsplatz, auf der Straße und in der Kneipe als Nazi oder Naziunterstützer:innen zu outen und auszugrenzen. Damit es möglichst unattraktiv für dieses Klientel ist, in Deutschland zu leben. Wer faschistische Ideen unterstützt, soll geächtet werden und sich dafür schämen müssen. Denn niemand wird als Nazi geboren. Und es gibt kein Recht auf Nazipropaganda." Würde das auch für sich selbst als Linke Lesende gelten, die die Hamas unterstützen?
"Bilde ich mir das nur ein, oder stehen in letzter Zeit alle auf der Verliererseite", fragt der israelische Schriftsteller Etgar Keret in der SZ. Alle haben starke Meinungen und sind überzeugt, das Richtige zu tun, beobachtet er, aber alle verlieren: "Nicht nur ich und du - alle anderen auch. Sogar die unaufgeklärten Idioten, die du nicht ausstehen kannst. Ja, selbst die, denen es irgendwie gelang, Wahlen zu gewinnen, die wir hätten gewinnen müssen, was wir nicht verstanden, und die dann umgekehrt nicht verstehen konnten, wie wir danach ihnen den Wahlsieg wegschnappten. Wo man auch hinblickt: Republikaner, Demokraten, in Gaza bombardierte israelische Geiseln, in Gaza bombardierte palästinensische Zivilisten, Evakuierte, Flüchtlinge - ist irgendjemand auf dieser Welt zufrieden damit, wie die Dinge gerade laufen? Wladimir Putin, Benjamin Netanjahu, António Guterres, Wolodimir Selenskij, Jahia Sinwar von der Hamas: Sieht ein Einziger von ihnen zufrieden aus?