Magazinrundschau - Archiv

The Spectator

157 Presseschau-Absätze - Seite 12 von 16

Magazinrundschau vom 22.08.2006 - Spectator

Der Terrorismus britischer Muslime ist nicht hausgemacht, er hat nichts zu tun mit Tony Blairs Außenpolitik, Armut, Diskriminierung oder Islamophobie, stellt Stephen Schwartz, selbst 1997 zum Islam konvertiert, klar. "Die rund eine Million Sunniten mit pakistanischem Hintergrund, die unter den britisch-asiatischen Muslimen die größte Gruppe stellen, umfassen auch das größte Kontingent radikaler Muslime in Europa. Ihre Sympathien für den Dschihad sind Ausdruck einer importierten, von Moscheen und anderen religiösen Institutionen organisierten Ideologie, und nicht ein hausgemachtes Phänomen, wie es das Klischee will... Der Islam in Großbritannien ist mehrheitlich von Imamen und anderen religiösen Kadern beeinflusst, die in Pakistan geboren wurden und dort - oder in Saudi-Arabien - ausgebildet wurden."

Nach einer Reihe von Flügen fragt sich Rod Liddle, ob es nicht Zeit wäre, die Sicherheitsbestimmungen an den Flughäfen zu vereinheitlichen. In London durfte er nicht einmal seine Nikotinkaugummis mit an Bord nehmen! "Am JFK waren keine Kekse erlaubt, selbst in einer ungeöffneten Packung nicht... Acht Meilen weiter, am La Guardia wurden Babymilch und - bizarrerweise - Computerspiele als vollkommen sicher angesehen. Am O'Hara in Chicago war es plötzlich erlaubt, Gatorade mit sich zu nehmen, und in Pittsburgh war das Personal so gelangweilt, dass sie auch den Teilchenbeschleuniger in Ihrem Rucksack hätten durchgehen lassen."

Weitere Artikel: Yahya Birt möchte klargestellt sehen, dass es sich bei den Briten, die zum Islam konvertiert sind, weder um gestörte Personen noch um Islamfaschisten handelt: Die meisten seien daran interessiert, "einen spirituellen Weg zu finden." Cosmo Lush mokiert sich über Frankreichs Versuche, der amerikanischen Dominanz im Internet mit der Suchmaschine Quaero oder dem Geoportail zu trotzen. Douglas Davis sieht nach dem Ende der Kämpfe im Libanon eine Propaganda-Schlacht um die Frage heraufziehen, wer den Sieg für sich beanspruchen kann.

Magazinrundschau vom 15.08.2006 - Spectator

Boris Johnson, zufällig in New York geboren, aber so britisch wie Roastbeef und Königin, verkündet, dass er keinen Wert mehr auf seinen amerikanischen Zweitpass legt, weil er gefälligst auch als Brite in die USA einreisen dürfen will. "Welches andere Land besteht darauf, dass man sein Staatsbürger sein muss, nur weil man es sein kann? Stellen Sie sich vor, alle in Großbritannien geborenen Amerikaner dürften nur in dieses Land reisen, wenn sie ihren britischen Pass benutzen. So etwas krankhaft Besitzergreifendes habe ich nicht mehr erlebt seit den Verhandlungen um die EU-Fischfangquoten, als die Iren darauf bestanden, dass der Kabeljau des Atlantiks in seiner Fischseele immer noch irisch sei, auch wenn er längst in portugiesischen Gewässern schwimmt."

Man könne zwar fragen, ob Israels Vorgehen gegen die Hisbollah im Libanon politisch klug ist, meint Paul Robinson, aber vom militärgeschichtlichen Standpunkt aus entspreche Israels Kriegsführung den Standards des gerechten Krieges - und genau der Taktik der Nato gegenüber Serbien 1999. "Die Absicht der israelischen Armee (eine fremde Macht einzugrenzen, indem man ihrer Infrastruktur unwiderruflichen Schaden zufügt), die Ziele (Straßen, Brücken, Fernsehstationen) und die Folgen (angesichts der Länge der Kämpfe ungefähr die gleiche Anzahl an unschuldigen Toten) sind sehr ähnlich. Diejenigen, die Israel jetzt kritisieren, aber die Nato-Schläge guthießen, sollten entweder ihre jetzige Opposition oder ihre damalige Unterstützung überdenken."

Weiteres: David Cameron hat die britischen Tories auf einen israelkritischen Kurs geführt, Fraser Nelson fragt sich, ob es Zufall ist, dass das neue Logo der Partei - ein grüner Baum - aussieht wie die Flagge des Libanon. Und Rod Liddle erklärt Großbritannien für übervölkert.

Magazinrundschau vom 08.08.2006 - Spectator

Der wahre Gegner Israels ist weder der Libanon noch die Hisbollah, sondern der Iran, betont Melanie Phillips. Und dann dreht sie sich in einer überraschenden Wendung um und zeigt auf Russland. "In einem iranischen Fernsehinterview vom 23. Juli behauptete Präsident Mahmud Ahmadinedschad, dass 'England der Begründer des bösen Regimes' (Israel) und, genau wie Amerika, 'ein Mitschuldiger an dessen Verbrechen' gewesen sei. Tatsache ist jedoch, dass Großbritannien eigentlich sein Versprechen gebrochen hat, einen jüdischen Nationalstaat in Palästina zu gründen. Es hat sich auf die Seite der die Nazis unterstützenden Araber gestellt und sich letztlich bei der UN-Abstimmung zur Gründung Israels der Stimme enthalten. Die wirkliche Unterstützung erhielten die Juden von der Sowjetunion - also sollte der Empfänger von Ahmadinedschads Beschwerden ordnungsgemäß sein momentaner Schutzpatron Vladimir Putin sein."

Magazinrundschau vom 01.08.2006 - Spectator

Denis MacShane erinnert daran, dass die britische Regierung unter Neville Chamberlain nicht ganz unschuldig war am Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs: "Vor 70 Jahren startete ein britischer Pilot vom Croydon Airport. An Bord seines Dragon Rapide waren ein spanischer Zeitungsmann, ein MI6-Offizier und zwei hübsche junge Frauen zur Tarnung. Sie flogen über Frankreich und Portugal zu den kanarischen Inseln. Dort ließen sie einen sehr konservativen General namens Franco einsteigen. Das Flugzeug brachte ihn zu seinen Soldaten von der spanischen Fremdenlegion in Marokko. Von hier startete Franco, der den Applaus der spanischen und europäischen Rechten für die brutale Niederschlagung eines Streiks im Jahr 1934 erhalten hatte, seine Invasion Spaniens zur Niederwerfung der gerade gewählten Mitte-Links-Regierung."

Zum gleichen Thema reszensiert Raymond Carr Antony Beevors neues Buch "The Battle of Spain".

Magazinrundschau vom 25.07.2006 - Spectator

Der Spectator kennt in dieser Woche nur ein Thema: Die Kämpfe im Libanon: Aus Beirut berichtet Michael Young über die Haltung der Menschen zur Hisbollah: "Natürlich sind die Leute wütend und fürchten eine Ausweitung der israelischen Angriffe, doch während sie beobachten, wie ihr Land in Stücke zerschlagen wird, richtet sich ihr Zorn gegen die Hisbollah. Die Libanesen haben beobachtet, wie die Hisbollah eine hochgerüstete Armee als Staat im Staate errichtet hat, die das Land in einen verheerenden Konflikt geführt hat, den es nicht gewinnen kann. Die meisten haben die Nase voll. Sunniten, Christen und Drusen haben kein Verlangen, den Preis für die martialische Eitelkeit von Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah zu zahlen. Sie werden es auch nicht freundlich hinnehmen, wenn er versuchen sollte, die Zerstörung des Landes in einen politischen Sieg umzudeuten."

Der Philosoph David Selbourne zeichnet eine eher apokalyptische Variante. Für ihn sind die Gefechte um den Libanon nur ein weiterer Beweis, dass "wir" den Krieg gegen den "Islam" zu verlieren drohen. Denn anstatt den Kampf aufzunehmen, setzen Europas Regierungen und selbst die USA auf Verhandlungen! "Die Schlacht in der Levante ist nur eine Front, und sogar nur eine kleine im größeren Kampf zwischen der islamischen und der nicht-muslimischen Welt. Die Zeit für ernsthafte Diplomatie und für einen Dialog zwischen Muslimen und Kafir (den Ungläubigen) ist noch nicht gekommen. Tatsächlich wird sie nicht kommen, bis eine der beiden Mächte in diesem Krieg der Welten - der mit unterschiedlicher Intensität und auf verschiedene Arten von Afghanistan bis zum Horn von Afrika, vom Kaukasus bis zum Kaschmir, von Nigeria bis Xingjiang und von der Levante bis Südostasien geführt wird - endgültig besiegt worden ist."

Weitere Artikel: Douglas Davis erklärt, warum dem Iran so viel an der Hisbollah liegt. Richard Beeston erinnert sich wehmütig an das Paris des Nahen Ostens zurück, das Beirut einmal war, und setzt die Hoffnung auf seine Bewohner: "Die Libanesen sind immer noch die gastfreundlichsten, amüsantesten und schlauesten Leute im Nahen Osten."

Magazinrundschau vom 18.07.2006 - Spectator

Der BBC-Reporter Fergal Keane kann sich gut vorstellen, warum sich die Fundamentalisten für ihre jüngsten Bombenattentate gerade Bombay ausgesucht haben: "Bombay ist übervölkert, vielfältig, freiheitsliebend. Es ist säkular und strenggläubig, gesetzestreu und korrupt, ein epischer Widerspruch in sich selbst, der nicht funktionieren dürfte, aber es wundersamer Weise tut. Es ist eine lebende Herausforderung für obskure und fundamentalistische Ideen. In seinem großartigen Buch 'Maximum City' beschreibt der indische Autor Suketu Mehta, wie er sich von dieser Stadt zermahlen fühlt und zugleich getröstet."

Für Paul Brita ist die Equipe Tricolore der Gegenbeweis zu allen multikulturellen Ideen: "Die französische Mannschaft war nicht zusammengestellt, um politisch einen Punkt zu machen. Es war eine rein darwinistische Selbstselektion, in dem das bestmögliche Team rein zufällig vor allem aus schwarzen Männern bestand. Sie wurden nicht ausgesucht, weil sie anders aussehen oder um eine antirassistische Botschaft auf die bigotte Tribüne zu senden. Damit wären sie nie so weit gekommen." (Vielleicht war ja das darwinistische daran gerade das antirassistische?)

Weiteres: Con Coughlin sieht den Hauptgrund für das Wiedererstarken der Taliban in Afghanistan in der Untätigkeit von Pakistans Präsident Musharraf. Und Allister Heath annonciert das neue Buch "Men of Property" des Historikers W.D. Rubinstein, das zeigt, dass die Reichen niemals reicher und einflussreicher waren als heute. "Millionäre sind Großbritanniens am schnellsten wachsende Klasse geworden."

Magazinrundschau vom 11.07.2006 - Spectator

Am Wochenende findet der G-8-Gipfel in Sankt Petersburg statt. Die Historikerin und Kolumnistin Anne Applebaum ist fassungslos, dass der Westen Wladimir Putin eine solche Bühne bereitet: "Dieses Treffen wird seine stillschweigende Zustimmung zum Raub privater Vermögen geben, zur Zerstörung der Rechtsstaatlichkeit und der Verletzung der Menschenrechte... Im Kreml wird man sich - zusammen mit Venezolanern, Iranern, arabischen Führern und anderen Öltyrannen - lachend zurücklehnen und einig sein, dass die Führer des so genannten Westens nur Lippenbekenntnisse zu den Idealen von Freiheit und Demokratie abgeben; sie glauben nicht wirklich dran. Du brauchst nur genug Öl, dann lassen sie dich schon in ihren schicken Club. Wie Putins Verteidigungsminister es kürzlich fasst: 'Alles, was heute zählt, ist Macht.' Oder wie Putins Berater sagte: 'Sie reden über Demokratie, aber sie denken an unsere Rohstoffe.'" Erschütternd findet sie auch, dass der russische Öl-Konzern Rosneft, der sich Michail Chodorkowskis zerschlagenen Jukos-Konzern unter den Nagel gerissen hat, ab dem 14. Juli an der Londoner Börse gehandelt wird.

Weiteres: Im Gespräch mit Matthew d'Ancona und David Rennie bescheidet EU-Kommissionspräsident Manuel Jose Borroso den euroskeptischen Briten, man sollte nicht in ein Steakhouse gehen, wenn man Vegetarier ist. Der DC-süchtige Philosoph A.C. Grayling hat sich den neuen Superman-Film "Superman Returns" angesehen und stellt völlig unvoreingenommen fest: "Dieser Film ist ein Knaller."

Magazinrundschau vom 04.07.2006 - Spectator

Ein Jahr nach den Bombenanschlägen in London widerspricht Philip Bobbitt Ansichten, nach denen die Anschläge eine Reaktion auf den Irakkrieg oder die gescheiterte Integration von Muslimen gewesen seien: "Bei den Anschlägen ging es, ganz einfach, um Demokratie. Werden demokratisch gewählte Regierungen in der Lage sein, auf der Basis ihrer Institutionen und Urteilsfähigkeit ihre Politik zu verfolgen oder werden sie in Versuchung geraten, ihre Bevölkerung freizukaufen, wenn sie als Geisel gehalten wird? Wie al-Sawahiri und al-Sarkawi offen aussprachen, ist es die Demokratie, die Zivilisten zu legitimen Zielen macht, es ist die Demokratie, die die Wünsche einer messianischen Minderheit ablehnt; es ist die Demokratie, die auf dem Spiel steht."

Für Michael Gove wurde das Jahr nach den Anschlägen völlig nutzlos vertan. Statt endlos darüber zu diskutieren, wie sich das Land am vernünftigsten schützt, hätte man darüber reden sollen, was die Attentäter antreibt, meint Gove, denn der Islamismus sei keine religiöse Bewegung, "keine Kampagne, die durch Lehre, Predigt und Ermunterung die Frömmigkeit wiederherstellen will. Es ist der revolutionäre Versuch, eine neue Gesellschaft zu schaffen, sicher durch Überzeugung, aber unvermeidlich mit Gewalt, um die totale Unterwerfung unter eine einzige gestrenge und militaristische Göttlichkeit zu sichern."

Saira Khan hat als überzeugte britische Muslimin vor allem eine Frage an die Muslime, die sich nicht britisch fühlen wollen: "Warum lebt ihr hier?"

Magazinrundschau vom 20.06.2006 - Spectator

Susan Richards wundert sich mehr als nur ein bisschen über die Politik der USA gegenüber Russland und seinen Nachbarstaaten. Die Amerikaner haben die Russen vor den Kopf gestoßen, indem sie die Rosenrevolution in Georgien und die Orange Revolution in der Ukraine unterstützten. "Fast ohne, dass darüber berichtet worden wäre, legte kurz darauf ein US-Marineboot während einer gemeinsamen Militärübung der Ukraine und der Nato in der Krim an. Gleichzeitig wurde die Diskussion weitergeführt, ob die Ukraine 2008 Mitglied der Nato werden soll. Die Krim, wenn Sie sich erinnern, ist immer noch die Heimat der Russischen Marine. Ist das jetzt Kanonenboot-Diplomatie oder bin ich eine Rübe?" Russland antwortet darauf, indem es beide Staaten wirtschaftlich unter Druck setzt, so Richards weiter. Georgien etwa darf weder Obst und Gemüse noch sein Mineralwasser nach Russland mehr exportieren. Die USA wiederum machen keine Anstalten, ihren Verbündeten in dieser prekären Situation zu helfen. "Wenn wir wieder Menschen ermutigen, gegen die Russen aufzustehen, und sie dann wieder fallenlassen, wie die Ungarn 1956, wer wird uns noch trauen?"

Tim Walker porträtiert den Dramatiker und Drehbuchautor Ronald Harwood, der mit seinen 71 Jahren so produktiv ist wie nie. "Im September werden zwei seiner Drehbücher verfilmt, eine Adaption von Gabriel Garcia Marquez' 'Liebe in Zeiten der Cholera', mit Mike Newell als Regisseur, und 'The Diving Bell and the Butterfly', die Geschichte von Jean-Dominique Bauby, dem Journalisten, der nach seinem Schlaganfall ein Buch schrieb, aus Briefen, die er mit dem Zucken seines Augenlids verfasst hatte. Im Augenblick sitzt Harwood an 'Dover', einem Buch über den Prozess Kreationisten gegen Darwinisten in Pennsylvania, der vor sechs Monaten die Schlagzeilen bestimmte." Die Arbeitswut kommt von seiner Mutter. "Sie treibt mich immer noch an, sogar jetzt. Was für einen anderen Zweck hat der Ruhm, als ihn auf das Grab seiner Mutter zu legen?"

Magazinrundschau vom 13.06.2006 - Spectator

Peter Oborne berichtet aus Darfur. "Als wir das Schlachtfeld erreichten, sahen wir, dass die Leichen hastig in Massengräbern verscharrt worden waren. Ein Arm reckte sich unter einem Busch hervor, das Fleisch war von wilden Tieren abgenagt worden. Ein menschlicher Fuß wuchs aus einem anderen Grab empor. Ausgetrocknete Blutpfützen bedeckten den Boden. Der Gestank von verwesenden Menschen durchdrang die Luft. Stücke und Fetzen von Kleidung, Patronenhülsen und die Schutzamulette afrikanischer Kämpfer waren über den Boden verstreut. Ein Körper war noch nicht vergraben. Der tote Mann war offenbar auf einen Baum geklettert, um seinen Angreifern zu entkommen, war aber aus seinem Versteck heruntergeschossen worden."
Stichwörter: Der die Mann, Kleidung, Darfur