Magazinrundschau - Archiv

The Spectator

157 Presseschau-Absätze - Seite 13 von 16

Magazinrundschau vom 06.06.2006 - Spectator

"Sei niemals schrecklich in einem schrecklichen Film". Tim Walker trifft den Schauspieler Christopher Lee (der bisher in satten 257 Filmen aufgetreten ist) im Le Caprice in St James. "In den vergangenen zwanzig Jahren habe ich dort schon mit einer Reihe von politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Größen gegessen und selbstverständlich haben die Kellner nicht mal eine Augenbraue gehoben. Bis vor kurzem, als ich dort mit einem Mann dinierte, der das Restaurant fast zum Zusammenbruch brachte. Jeder schaute auf diese königlich hochgewachsene Figur, als sie hereinkam. Als er ging, stellten sich die Kellner in einer Linie auf, um ihn zu verabschieden. Sie haben das nicht einmal für Diana getan, aber sie taten es für Christopher Lee. Am 27. Mai hat er seinen 84. Geburtstag gefeiert, und wie nicht viele achtzigjährige Schauspieler kann er von sich behaupten, sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere zu befinden."

Allister Heath berichtet über die zunehmende Verfolgung von nicht-schiitischen religiösen Minderheiten im Iran. "Während das Regime Israel hasst, wäre die Festnahme von Juden der beste Weg, um einen internationalen Aufschrei zu provozieren. So wurde ein Ersatzfeind gefunden: die Baha'i Religion, die im 19. Jahrhundert im Iran gegründet wurde (mehr). Ihre Vorfahren konvertierten vom Islam, somit sind sie Apostaten. Und weil der Baha'i Glaube sein Hauptquartier in Israel hat, werden sie fälschlicherweise beschuldigt, Zionisten oder amerikanische Spione zu sein. Im Gegensatz zu Christen, Juden und Zoroastriern (mehr) - die als anerkannte Religionen wenigstens eine gewissen Schutz durch die Verfassung genießen - sind die 300.000 Baha'is im Iran offiziell 'ungeschützte Ungläubige' oder eine 'irregeleitete Sekte' und deshalb die Niedrigsten der Niedrigen."
Stichwörter: Sekten, Walker, Tim, Spio

Magazinrundschau vom 09.05.2006 - Spectator

Austen Ivereigh, Koordinator der gemeinsamen Da Vinci Code Response Group der englischen und walisischen Kirche und Opus Dei, beschreibt, wie die Organisation die Rolle als Bösewicht in Dan Browns Bestseller zur kostenlosen Werbung umgewandelt hat: "Wenn man die Pressesprecher der britischen Sektion Jack Valero und seine Kollegen durch die TV-Studios rauschen sieht, kann man sich nur schwer vorstellen, dass das einmal die verschwiegenste, zurückgezogenste Organisation der katholischen Kirche war, besessen von Geheimhaltung und mit einem fast perversen Stolz auf die Feindlichkeit der Medien. Einst der Prügelknabe progressiver Katholiken, ist Valero nun das neue Gesicht von Opus Dei: fröhlich, energetisch, transparent, so offen wie ihre Türen. Sie wollen einen supernumerarischen Musiker mit Zwillingen in Notting Hill treffen? Kein Problem. Züchtigung mit einem zölibatären Numerarier diskutieren? Sicher." Mary Wakefield assistiert und bescheinigt Opus Dei eine fast beängstigende Normalität.
Stichwörter: Normalität, Katholiken, Opus Dei

Magazinrundschau vom 25.04.2006 - Spectator

Ernüchtert kehrt Boris Johnson von einem Besuch in China wieder: "Es war gegen Ende meiner Reise, als mir die große, schöne Kommunistin die Killer-Frage stellte: 'Nun Mister Johnson, haben Sie Ihre Meinung über die Dinge geändert?' Und ich musste antworten: Oh ja. Verdammt richtig, das habe ich. Vollständig geändert hatten sich meine Ansichten über die Chancen für eine Demokratie in China... An einem Abend aß ich mit einer Gruppe charmanter junger Chinesen, die alle in England studiert hatten und von denen man erwartet hätte, dass sie einen kräftigen Schluck von unserem liberalen Zaubertrank genommen haben. Ich begann zu erklären, dass ich zu diesen exotischen britischen Phänomen der Schattenminister gehöre. Natürlich, sagte ich etwas gönnerhaft, ihr habt keine Opposition, nicht? 'Nein', lächelten sie. 'Nun', fragte ich, 'wäre das nicht eine gute Sache?' Ich deutete mit meinen Armen auf das Panorama von Schanghai, wo beleuchtete Vergnügungsboote über den Fluss tuckerten und sich die Fangzähne von ungefähr dreihundert Wolkenkratzern in die Nacht bohrten. 'Was, wenn ihr genug habt von den Leuten, die diese Show hier aufführen? Würdet Ihr die nicht gern rausschmeißen? Die Bastarde davonjagen?' Ich stach mit mit meinen Stäbchen in den flutschen Tintenfisch. 'Eigentlich nicht', sagte Oswald, ein netter Kerl mit Brille, der in Oxford studiert hatte. Er glaube nicht, dass das britische System in China funktionieren würde. Der Tintenfisch schoss von meinen linkischen Stäbchen auf die Tischdecke - ganz Metapher für westliches Nichtbegreifen."

Magazinrundschau vom 18.04.2006 - Spectator

Im Prinzip ist die Schwäche von Italien und Frankreich gut für die EU-Politik der Briten, meint David Rennie. "Es ist wahr, eine gewisse Freude erfüllt das Herz jedes freigeborenen Engländers beim Anblick eines Frankreichs, das in den Seilen hängt." Starke Regierungen auf dem Kontinent läuteten immerhin das Ende von Margaret Thatcher ein. Aber die Sache ist komplizierter, so Rennie weiter. "Wenn Demonstranten auf dem ganzen Kontinent verlangen, dass sie vor jeder Veränderung und jeder Reform beschützt werden müssen, dann könnte eine starke Straße noch schlimmer sein" als eine starke französische Regierung.

Weitere Artikel: Michael Moorcock, der vor Jahren nach Amerika gezogen ist, erzählt, wie er in einer texanischen Bar bekannt hatte, einst die Sozialisten (Labour) gewählt zu haben. Die Reaktion eines "6ft6 cowboys" trug zu seinem Entschluss bei, amerikanischer Staatsbürger zu werden. Peter Osborne hat einen Wahlkämpfer der BNP (British Nationalist Party) begleitet und stellt fest, dass die Partei vor allem frühere Labourwähler anzieht, die sich vergessen fühlen.

Magazinrundschau vom 21.03.2006 - Spectator

Der Spectator begeht in dieser Ausgabe ausführlichst den dritten Jahrestag des Einmarschs in den Irak. Im Aufmacher bleibt Con Coughlin dabei, dass es richtig war, den Krieg zu beginnen, er hätte vielleicht nur besser geführt werden müssen. Ron Liddle hält es dagegen für an der Zeit zuzugeben, dass der Krieg ein Desaster war: "Haben wir die Lage im Irak verbessert? Wird sich die Lage mittelfristig verbessern? War die These, aufgrund der wir den Krieg begonnen haben, korrekt? War Krieg der Strategie vorzuziehen, Saddam 'einzudämmen'? Auf all diese Fragen ist die Antwort - unabhängig davon, auf welcher Seite man ursprünglich gestanden hat - ein unmissverständliches Nein."

Philip Longworth empfiehlt Richard Pipes' Studie "Russia's Conservatism and its Critics", die das Fehlen einer zivilen Gesellschaft in Russland mit der Verantwortungslosigkeit der Intelligenzia erklärt und der Tradition, den Zar und den Staat gleichzusetzen: "Wenn russische Politik manchmal an ein Mysterienspiel erinnert, dann liegt es auch an einem anderen Zug in der politischen Kultur - der manichäischen Tendenz, einen Führer entweder als Heiland zu preisen oder als Antichrist zu verteufeln."
Stichwörter: Irak, Mysterienspiel

Magazinrundschau vom 14.02.2006 - Spectator

Die Debatte um die Karikaturen teilt die Redaktion des Spectator. Der Leitartikel verteidigt den Nichtabdruck der Zeichnungen und kritisiert lieber ausländische Medien. "Es wäre nett, wenn die deutschen und französischen Zeitungen, die die Karikaturen abgedruckt haben, dieses Recht ein bisschen mehr gegen ihre eigenen Regierungen und die EU einsetzen würden. Wo waren diese großen Verteidiger der Meinungsfreiheit in der französischen Presse, als bekannt wurde, dass Francois Mitterand bei weitem nicht der Resistanceheld war, wie er behauptete, sondern ein Apologet Vichys?"

Theodor Dalrymple ist da ganz anderer Meinung. "Die Reaktion Großbritanniens und der Vereinigten Staaten lehrt die muslimischen Extremisten, dass sie mit genug Brustgetrommel mächtige Staaten einschüchtern können, und dass die Bekenntnisse zum Glauben an die Meinungsfreiheit leer sind. Mit anderen Worten, die terroristische Taktik der Schwachen kann den Starken die Zensur aufzwingen. Muslimische Extremisten sind zu der nicht ganz falschen Schlussfolgerung gelangt, dass die Männer, die die westlichen Regierungen kontrollieren, nicht fest genug an etwas glauben, um ihre eigenen Haut zu riskieren, kurz: Sie sind dekadent."

Magazinrundschau vom 07.02.2006 - Spectator

In einem Kommentar vermisst Daniel Wolf die offene Zensur, wie sie noch im England der Sechziger praktiziert wurde. Das sei geschmackvoller und ehrlicher gewesen als die heutige politische Korrektheit. "Zu glauben, dass wir neue Höhen der Freiheit und damit der Perfektion erklommen haben, weil wir ein gewisses Maß an Zurückhaltung verloren haben, ist ein klassischer Fehler. Die freie Rede ist heute im gleichen Maße kontrolliert wie vor dem Aufkommen des Fernsehens und des Internet, wahrscheinlich sogar mehr. Die Regierung nützt das öffentliche Desinteresse gegenüber den Grundsätzen einer freien Gesellschaft aus, Gegenmeinungen werden von Interessengruppen als 'unakzeptabel' oder 'unpassend' bezeichnet."
Stichwörter: England

Magazinrundschau vom 31.01.2006 - Spectator

William Cash erzählt, wie er letztens zum Tee bei dem Gentleman-Farmer, Brunnenbauer, Skeletonbob-Fahrer (ein halsbrecherischer Sport, der auch vom St. Moritz Tobogganing Club zelebriert wird) und gelegentlichen Autor Major Ranulf Rayner eingeladen war und ein ungewöhnliches Angebot erhielt: "Gerade als uns eine zweiten Runde Kuchen angeboten wurde, fragte er uns 'Wäre einer von Ihnen vielleicht daran interessiert, Hitlers Telefon zu sehen?' Wir bejahten. Nachdem er eine riesige Panzertür geöffnet hatte, die in ein Gewölbe führte, kam der Major mit einem ziemlich dreckigen und schmierigen roten Telefon zurück, an dem noch das Originalkabel hing. 'Mein Vater wurde zuerst in Eva Brauns Schlafzimmer geführt, wo ihm ihr schwarzes Telefon angeboten wurde. Das wurde als angemessene Beute angesehen. Aber mein Vater sagte in seinem besten Russisch Niet. Er würde das rote neben Hitlers Bett bevorzugen, weil Rot seine Lieblingsfarbe sei. Ich würde sagen, dass das Telefon womöglich das finsterste Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg ist. Ja, ich würde das so klar sagen. Ich habe es nie reinigen lassen.'"
Stichwörter: Farmer

Magazinrundschau vom 10.01.2006 - Spectator

Warum gehen die Amerikaner - vor allem die Erwachsenen - immer seltener ins Kino? Weil die Hollywoodfilme immer unrealistischer werden, glaubt James Bowman. Seit dem "Weißen Hai" und "Star Wars" wollten Filme nicht mehr dem Leben gleichen, sondern anderen Filmen. Und dann die politische Korrektheit! Zumindest bis "True Lies" (1994) sei es möglich gewesen, arabische Terroristen als Verrückte zu zeigen. Nach dem 11. September nicht mehr, klagt Bowman. Völlig außer Mode gekommen seien auch "normale" Leute, wie sie zum Beispiel 1968 Henry Fonda, Lucille Ball und ihre 18 Kinder in "Yours, Mine and Ours" verkörperten. Das Remake des Films mit Dennis Quaid und Rene Russo "verwandelt Papa von einem bescheidenen Unteroffizier bei der Navy in den Kommandanten der Küstenwache - ein Mann, der seinen Kindern Teamwork beibringt, indem er sie auf seiner Segelyacht arbeiten lässt! Mama wiederum ist nicht mehr Krankenschwester bei der Navy, sondern eine Designerin von Luxus-Handtaschen, die kurz vor ihrem Durchbruch steht. Wie die Mutter in 'Im Dutzend billiger' darf sie Karriere machen, während vom Vater erwartet wird, seine aufzugeben, damit er sich um die Kinder kümmern kann. In der wirklichen Welt dürfte das nicht sehr oft passieren - nicht mal in Hollywood", meint Bowman.

Paul Robinson findet Russlands Vorgehen im Streit mit der Ukraine um den Gaspreis aus der Perspektive eines Marktwirtschaftlers und Umweltschützers absolut richtig: "Die Ukraine ist nicht der sechstgrößte Verbraucher von Erdgas, weil ihre Industrie soviel davon braucht, sondern weil die subventionierten Preise jegliches Energiesparen unerheblich gemacht haben. Mehr für Energie zu zahlen, kann hier von Vorteil sein."

Magazinrundschau vom 13.12.2005 - Spectator

Theodor Dalrymple belegt eindrücklich, wie standesgemäße Hüte das ewige Problem mit der ungezogenen Jugend lösen könnten. "Der Hut - oder besser gesagt: das Fehlen desselben - ist die Quelle allen schlechten Benehmens. Blanke Köpfe oder Köpfe mit der falschen Bedeckung, verursachen unseren Mangel an Selbstrespekt und damit das Verlangen nach dem Respekt der anderen. Was wir also brauchen, sind mehr Hüte: wahre Hüte, von Schiebermützen zu Trilbys (Beispiel), Homburgs (Beispiel), Melonen und Zylindern."

William Cash beschreibt nach seinem Besuch der Art Basel Miami die Preisblase auf dem zeitgenössischen Kunstmarkt, der sich vor Nachfrage kaum retten kann. "Ich nahm an einem Dinner des Kunstmessensponsors Bulgari im alten Dupont-Gebäude im Stadtzentrum teil. Vor dem Essen wurden die VIP-Sammler und Gäste eingeladen, in den Gewölben von 1920 herumzustromern, wo Geschmeide im Wert von Dutzenden Millionen ausgestellt war. Als ich champagnerschlürfend in dem Art-Deco-Gewölbe stand, vernahm ich die Bemerkung eines superreichen amerikanischen Sammlers, der über den Eröffnungstag der Messe grummelte: 'Ich habe meine Frau mit einem unbegrenzten Budget ausgestattet - und sie hat es überschritten.'"

In der Online-Ausgabe hält Mark Steyn die gigantische Moschee mit 70.000 Plätzen, die die islamische Gruppe Tablighi Jamaat neben dem geplanten Olympia Stadion im Londoner Osten (das 80.000 Zuschauer fasst) bauen will, für das passendere und richtigere Symbol des neuen Englands.