Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

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Magazinrundschau vom 11.10.2016 - New Yorker

Manchmal hat das Alter auch sein Gutes, lernt David Remnick bei der Recherche für sein episches Porträt Leonard Cohens in der neuen Ausgabe des New Yorker. Er hat den heute 82-jährigen Musiker erst kürzlich in Los Angeles kennengelernt. Cohen, der gerade ein neues Album herausgebracht hat, kann heute leichter arbeiten als früher, erzählt er, weil es keine Ablenkungen (Geld, kleine Kinder, Ehefrau) mehr gibt. Auch über das Verhältnis von Cohen und Bob Dylan schreibt Remnick: Die beiden sahen sich gelegentlich und in den frühen Achzigern saßen sie in einem Pariser Cafe zusammen. Dylan lobte Cohens Song "Hallelujah": "Bevor 300 andere Performer den Song mit ihren Coverversionen berühmt gemacht hatten, lange bevor der Song in den Soundtrack von 'Shrek' aufgenommen wurde und in 'American Idol' gespielt wurde, erkannte Dylan die Schönheit dieser Hochzeit des Heiligen mit dem Profanen. Er fragte Cohen, wie lange er daran gearbeitet hatte. 'Zwei Jahre', log Cohen. Tatsächlich hatte er fünf gebraucht. Er entwarf Dutzende von Versen und danach dauerte es Jahre, bis er eine Endversion erarbeitet hatte. In verschiedenen Schreibsessions fand er sich in seiner Unterwäsche wieder, den Kopf gegen eine Hotelwand schlagend. Cohen sagte Dylan, dass er 'I and I' sehr mochte, ein Song, der auf Dylans Album 'Infidels' erschienen war. 'Wie lange hast du gebraucht, ihn zu schreiben'? 'Ungefähr fünfzehn Minuten', sagte Dylan. Als ich Cohen über diese Szene befragte, meinte er: 'So waren halt die Karten verteilt.'"

Dexter Filkins arbeitet den Militärputsch in der Türkei auf und streift dabei kurz das Dilemma der Erdogangegner: "Die Ironie des Putsches ist die, dass Erdogan gestärkt daraus hervorgeht. Das Aufbegehren, das die Verschwörung stoppte, wurde von Leuten angeführt, die Erdogan kaum weniger verachten als die Vorstellung eines Militärregimes. Das Ergebnis war, dass Erdogan und seine Partei regieren, und zwar so lange wie dieser es will."

Außerdem: Julie Phillips porträtiert die enorm produktive Sci-Fi-Autorin Ursula K. Le Guin. Zoë Heller schreibt über Shirley Jackson und die neue Jackson-Biografie von Ruth Franklin. Adam Gopnick nimmt sich neue Romane von Howard Jacobson, Anne Tyler und Margaret Atwood vor, die Shakespeare adaptieren. Und Alexandra Schwartz überlegt, ob Emily Witt mit ihrem Buch über unsere sexuellen Vorlieben ("Future Sex") auch ihr eigenes Verlangen stillen konnte.

Magazinrundschau vom 04.10.2016 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker dreht sich alles ums Geld und wie man es verdient. Tad Friend erkundigt sich bei Sam Altman vom Gründerzentrum Y Combinator, wie man ein Start-Up zum Milliarden-Unternehmen macht, und bekommt einen Blick in unsere Zukunft: "Viele im Silicon Valley sind fasziniert von der Simulationshypothese, dass all unsere Erfahrungen aus einem Rechner stammen. Ein paar Milliardäre haben sogar Wissenschaftler angeheuert, um uns aus der Simulation zu befreien. Laut Altman droht die Gefahr der Kontrolle nicht von unseren möglichen Schöpfern, sondern von unseren eigenen Geschöpfen, Smartphones etwa. Für Altman ist das verträglichste Szenario das einer Fusion. Das bedeutet weniger Konflikt, meint er, sonst heiße es: Entweder die Künstliche Intelligenz oder wir. Die ultimative Fusion sieht er gekommen, wenn wir unsere Gehirne in die Cloud hochladen. Wir müssen den Menschen entwickeln, sagt er. Unsere Nachfahren werden das Universum erobern oder alles Bewusstsein auslöschen … Und bezogen auf seine Firma: Bestenfalls wird es die Technik der Zukunft erlauben, dass wir nicht mehr zwischen den wenigen und den vielen wählen müssen. Wenm Künstliche Intelligenz die Wirtschaft verändert, so Altman, werden wir unerschöpflichen Reichtum haben und jede Menge Verdrängung auf dem Arbeitsmarkt. Ein Grundeinkommen wäre dann wirklich sinnvoll. Und es würde den einen unter einer Million dazu befähigen, das nächste Apple zu erschaffen."

Außerdem: Nathan Heller testet, wie es sich in Schweden (fast) ohne Bargeld lebt. Sheelah Kolhatkar berichtet über mit allen Mitteln konkurrierende Fahrdienste. Larissa MacFarquhar erkundet, was in West Virginia los ist, wo alle plötzlich Trump wählen. Und eine Handvoll Autoren erzählt über ihre ersten Joberfahrungen als Dogwalker, Nacktmodell, wandelnde Eistüte.

Magazinrundschau vom 27.09.2016 - New Yorker

Er habe versucht den Kubanern keinen Yankee-Imperialismus zu präsentieren, sondern ihnen zu versichern, dass die Zukunft in ihrer eigenen Hand liegt, meint Barack Obama nach seinem Kubabesuch zu dem Reporter Jon Lee Anderson. Das sah dann so aus, erzählt Anderson in der neuen Ausgabe des New Yorker: Bei einem Treffen mit amerikanischen und kubanischen Unternehmern, Regierungsvertretern und Journalisten, pries Obama Brian Chesky, dessen Unternehmen Airbnb in acht Jahren vom Nichts auf einen Börsenwert von 25 Milliarden Dollar kletterte. "Obama blickte lächelnd ins Publikum. Niemand musste daran erinnert werden, dass dieser Wert fast ein Drittel des kubanischen Bruttoinlandsprodukts ausmachte. 'Ich nehme Brian als Beispiel', sagte er. 'Er ist einer unserer herausragenden jungen Entrepreneure, der eine Idee hatte und danach handelte. Und in dieser globalen Ökonomie kann sie abheben.' Obama meinte, wenn die Kubaner ihren Stand in der globalen Wirtschaft verbessern wollten, müsse die Regierung mehr Freiheiten geben. 'Kuba sollte Ideen übernehmen, Ideen stehlen, von überall, wo etwas gut läuft', sagte er. 'Mein Rat wäre: Stehlen sie keine Ideen von dort, wo sie nicht funktionieren.'"

Thomas Meaney porträtiert die AfD-Politikerin Frauke Petry als neuen Stern ganz rechts in Deutschland und "entwaffnend mustergültig". Meaney erkennt sogar Parallelen zu Trump: "Obwohl der politische Stil in Deutschland im Vergleich zur Ära Trump sehr anständig ist und Petrys spröde Art sich stark von der Trumps unterscheidet, weisen ihrer beider Aufstiege Ähnlichkeiten auf. Auch Petry ist spät zur Politik gekommen und genießt ihren Outsider-Status. Wie Trump arbeitet sie mit Unterstellungen und facht so Konspirationstheorien an, um Zusammenhalt in den eigenen Reihen zu stiften. Wie Trump wurden ihr finanzielle Delikte vorgeworfen. Wie er geißelt sie die Medien für liberale Tendenzen und profitiert zugleich von medialer Aufmerksamkeit. Petry und ihre Parteigenossen haben es geschafft, die Nachrichten derart zu dominieren, dass ein Gast in Deutschland leicht annehmen könnte, die AfD regiere bereits."

Außerdem: Die Utopie kommt wieder in Mode, lernt Akash Kapur, der zwei neue Bücher zum Thema vorstellt: Erik Reeces "Utopia Drive" und Chris Jennings' "Paradise Now: The Story of American Utopianism". Laura Miller schreibt über die Dublin Murder Squad Serie der Krimiautorin Tana French. Peter Schjeldahl besucht die Ausstellung "Jerusalem, 1000-1400: Every People Under Heaven" im Metropolitan Museum. Hua Hsu hört die neue CD "22, A Million" von Justin Vernon. Anthony Lane sah im Kino Antoine Fuquas Remake der "Glorreichen Sieben" und Andrew Neels Film "Goat". Und Ariel Levy stellt die Comedian Ali Wong vor, die reihenweise Tabus thematisiert, popelnde Frauen etwa. Lesen darf man außerdem Etgar Kerets Geschichte "To the Moon and Back".

Magazinrundschau vom 20.09.2016 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker macht Evan Osnos uns keine Hoffnung. Trumps Präsidentschaft wird sein wie Trumps Kandidatur, meint er: "Wenn Trump erklärt, was er erschaffen und was zerstören wird, weicht er nie von drei Grundprinzipien ab: Für ihn kümmert sich Amerika zu viel um die Probleme der Welt; Handelsabkommen schaden dem Land, Immigranten ebenfalls. Er schweift umher, weicht aus, und dementiert, aber er ist getrieben von einem starken Selbsterhaltungswillen, und er weicht nie allzu weit von seinen Grundüberzeugungen ab. Trumps langjähriger Berater Roger Stone meint, es sei ein Fehler anzunehmen, dass Trump seine radikalen Ziele gar nicht verwirklichen würde. 'Und wenn ihm die Gerichte verbieten, alle Muslime zu verbannen, dann verbannt er eben alle Ägypter, Syrer und Araber. Wie Reagan ist er ein Pragmatiker.'"

Außerdem: Rivka Galchen überlegt, ob Operationen bei Übergewicht helfen. Michael Schulman porträtiert den Transgender-Schauspielstar Hari Nef. Ed Caesar befasst sich mit der Autobiografie einer Frau, die unter extremer Lichtempfindlichkeit leidet. Ärzte haben Zweifel an ihrem Fall. Die Historikerin Katrina Forrester liest ein Buch über die Pornoindustrie: "The Pornography Industry: What Everyone Needs to Know" von Shira Tarrant. Adam Gopnik stellt die Urbanistin und Autorin Jane Jacobs vor, die in diesem Jahr hundert Jahre alt geworden wäre. Und Anthony Lane sah im Kino Ron Howards Beatles-Doku "Eight Days a Week" und "Bridget Jones's Baby" mit Renée Zellweger.

Magazinrundschau vom 13.09.2016 - New Yorker

In einer Style-Ausgabe des New Yorker fordert Jill Lepore die Präsidentschaftskandidaten auf, bei der ersten "presidential debate" am 26. September nach allen Regeln des guten Geschmacks zu argumentieren, offenbar keine Selbstverständlichkeit: "Um die politische Streitkultur steht es schlecht. Anstatt zu streiten, dauerkommentiert jeder nur noch, wie in den Kommentar-Spalten des Internets. Man twittert lieber als Anhörungen beizuwohnen. Demokratische Kongressabgeordnete, die es nicht schafften, das Repräsentantenhaus dazu zu bewegen, Maßnahmen zur Waffenkontrolle zu diskutieren, organisierten ein Sit-in, live übertragen über eine Video-App. Während der Kampagnen und sogar auf den Nominierungsveranstaltungen, gab es Protestler, die versuchten, andere Redner im Namen der Meinungsfreiheit mundtot zu machen. An Universitäten wurden Leute gefeuert, die unliebsame politische Meinungen vertraten. An High Schools weigerten sich Schüler politische Themen zu behandeln. Einer von drei US-Bürgern lehnt es ab, politische Fragen woanders als im privaten Umfeld zu diskutieren. Weniger als ein Viertel spricht noch mit Menschen, die politisch anderer Meinung sind; weniger als ein Fünftel hat jemals einer Debatte mit anders Denkenden beigewohnt. Das soll eine Demokratie sein?"

Außerdem: Rebecca Mead erklärt den Manierismus von Guccis Kreativdirektor Alessandro Michele. Nick Paumgarten porträtiert den naturbewegten Boss der Outdoor-Bekleidungsfirma Patagonia. Judith Thurman erkundet neueste Annäherungen in Sachen Islam und Mode. Und Ian Frazier macht sich Gedanken über das verführerische Grün der Freiheitsstatue.

Magazinrundschau vom 06.09.2016 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker erzählt Burkhard Bilger vom zweiten Gesicht seiner Urgroßmutter in Herzogenweiler und seinem Nazi-Großvater, dem er in deutschen Archiven auf die Spur zu kommen sucht. Das ist mühsam, und so begibt er sich zu Gabriele Baring, um der Geschichte seiner Vorfahren mittels der umstrittenen alternativ-psychologischen Methode der Familienaufstellung auf die Spur zu kommen. Er scheint das für eine in Deutschland gängige Form der Vergangenheitsbewältigung zu halten, seit die Tätergeneration fast ausgestorben ist: "Aber ihre Kinder - zu jung, um selber gekämpft oder den Krieg begriffen zu haben, doch alt genug, um davon traumatisiert zu werden - sie waren immer noch da … Wenn die 'Familienaufstellung' so großen Erfolg hat, dann vielleicht weil, die Geheimnisse dieser Nation so tief und dunkel sind. In Kontakt zu treten mit unseren Vorfahren bedeutet in Deutschland offenbar mehr als Mystik. Es ist eine praktische Notwendigkeit. Wie sonst könnte ein Volk, das so lange im Schweigen verharrte, seine wahre Geschichte erfahren?"

Außerdem: Tom Kizzia besucht die Inupiat in Alaska, die gleichermaßen vom Öl abhängen und vom Klimawandel betroffen sind. Ian Parker geht zum Dinner mit dem einflussreichen Restaurant-Kritiker Pete Wells, der beim Essen aussieht, als knackte er ein schwieriges Rätsel. Und Ariel Levy berichtet, dass die Amazonas-Droge Ayahuasca in New York und im Silicon-Valley gerade richtig abgeht.

Magazinrundschau vom 30.08.2016 - New Yorker

Adam Kirsch erklärt, dass wir uns immer noch mit den gleichen Grundfragen herumschlagen wie die Philosophen der Aufklärung. Modern, fragt er, was bedeutet das eigentlich: "Wir selber gefallen uns darin, uns in einem Zeitalter der Diskontinuität zu sehen - Luft- und Raumfahrt, Fernsehen, Internet. Könnte man einen Menschen aus dem Jahr 1916 ins Heute transportieren, fragen wir stolz, würde dieser Mensch nicht überwältigt sein von all den Veränderungen? Sicher, zumindest einige Tage, bis er herausgefunden haben würde, wie alles funktioniert. Aber eines wäre unserem Zeitreisenden doch vertraut: der Stolz und die Angst, modern zu sein. Die Menschen im frühen 20. Jahrhundert waren sich ihrer Modernität genauso bewusst wie wir, und zwar zu Recht. Ein Mensch, der aus dem Jahr 1816 ins Jahr 1916 transportiert würde, so würden sie sagen, hätte der sich die Eisenbahn vorstellen können, Telegrafen, das Maschinengewehr oder die Dampfschiffe? Modernität ist mit technologischem und sozialem Fortschritt nicht zu erfassen. Eher handelt es sich um einen subjektiven Zustand, ein Gefühl oder die Vorstellung, dass wir in einem grundsätzlichen Sinn anders sind als unsere Vorfahren. Das moderne Leben, das wir uns als immer schnellere Abfolge von Wissenszugewinn, Reichtum und Macht über die Natur vorstellen, basiert auf einem Verlust: dem Verlust der Verbindung mit der Vergangenheit. Je nach Standpunkt wird dieser Verlust als Enterbung begriffen oder als Emanzipation. Moderne Politik dreht sich zum einem Gutteil darum, welchen Standpunkt man in dieser Frage einnimmt. Aber in jedem Fall wirkt es desorientierend."

Außerdem: Joshua Yaffa berichtet von zwei jungen Journalisten in der Ukraine, die die Korruption ihrer Politiker satt hatten und selber in die Politik gingen. Janet Malcolm stellt uns die Pianistin Yuja Wang vor. Christopher Glazek erklärt den Hype um das Luxus-Streetwear-Label Hood By Air. Emma Allen besucht einen Kurs für Impro-Comedy der Upright Citizens Brigade. Und Jonathan Lethem schickt eine Kurzgeschichte.

Magazinrundschau vom 23.08.2016 - New Yorker

Das neue Heft des New Yorker bringt exklusiv Auszüge aus Melania Trumps Tagebuch, aufgezeichnet von Paul Rudnick: "Liebes Tagebuch, es hat nicht geklappt. Vielleicht hätte ich Michelle Obamas gesamte Convention-Speech abkupfern sollen. Oder vielleicht hätte ich einfach dauernd die Worte 'Ich liebe Hillary' wiederholen sollen. Doch jetzt fühle ich mich verdammt. Ich wünschte, ich wäre wieder in Slowenien und würde für Polyester-Jacken modeln und unserer Ziege zuflüstern: 'Eines Tages werde ich nach Amerika segeln und einen reichen, schönen Mann heiraten.' Ich hätte hören sollen, als die Kuh, die heimlich lauschte, meinte: 'Bloomberg!' Das Leben ist seltsam. So viele Jahre dachte ich immer, Donald träumt, wenn er zu mir sagte, er wolle Präsident werden. So, wie wenn er sagte, er wolle ein echter Mann werden. Aber er hörte nicht auf, es zu sagen, sogar, als Ivanka ihm eine scheuerte. Als Stiefmutter sorge ich mich um Donalds ältere Söhne, die mich immer an Teletubbies erinnern, die sich als Börsenmakler verkleidet haben. Einmal habe ich Donald gefragt, ob er seinen Jungs mit all seinem Geld keine Kinnladen kaufen könne. Eric und Donald Jr. lieben es, in Afrika wilde Tiere zu jagen und abzuschlachten. Damit wollen sie ihren Vater beeindrucken. Aber er nennt sie weiterhin nur Nr. 1 und Nr. 2."

Außerdem: Dana Goodyear besichtigt das kolossale, von antiken Städten inspirierte Monument des Künstlers Michael Heizer in der Wüste von Nevada. Ed Caesar berichtet über einen Finanzskandal mit russischem Geld bei der Deutschen Bank. Vinson Cunningham besucht das neue National Museum of African American History and Culture in Washington D.C. Nick Paumgarten speist in Amerikas exklusivsten Restaurant, das mindestens bis 2025 ausgebucht ist. Und es gibt einen Comic von Art Spiegelman.

Magazinrundschau vom 16.08.2016 - New Yorker

Für das aktuelle Heft des New Yorker besucht Patrick Radden Keefe eine Sondereinheit der britischen Polizei, die "super-recognizers". Anders als Millionen Überwachungskameras verfügen ihre Mitglieder über eine Gabe, die tatsächlich hilft, Delinquenten zu erwischen: "In jedem Polizeirevier gibt es jemanden, der sich besonders gut Gesichter merken kann, aber 'Metropolitan Police Service' verfügt als erster Bezirk über eine Spezialeinheit, deren Mitglieder sich allesamt einer Vielzahl von wissenschaftlichen Tests unterzogen haben, um ihre besondere Fähigkeit zu beweisen. Anhand der verpixelten Filmaufnahme eines Gesichts kann ein super-recognizer jeden Gauner identifizieren, auch wenn er ihn das letzte Mal Jahre zuvor gesehen hat, leibhaftig oder auf einem Polizeifoto. Nach den Krawallen in London 2011 studierte der super-recognizer Gary Collins das grobkörnige Bild eines jungen Mannes, der Brandbomben auf Autos warf. Der Täter trug eine rote Bandana, die nur einen Augenschlitz freiließ. Doch Collins hatte diese Augen, diesen Blick Jahre zuvor auf dem Revier gesehen und sich gemerkt. So konnte der Täter gefasst und verurteilt werden." (Und heißen sie alle Connie Sachs?)

Weitere Artikel: Jeffrey Toobin stellt einen Zivilrechtsanwalt aus Alabama vor, der gegen die Todesstrafe kämpft und ein Denkmal für die Opfer der Lynchjustiz bauen lässt. Siddhartha Mukherjee berichtet über die Jagd nach einem Serum gegen das Zika-Virus. Und Lizzie Widdicombe erklärt, wie die Trump-Familie, namentlich Ivanka und ihr Mann Jared, Wahlkampf macht.

Magazinrundschau vom 02.08.2016 - New Yorker

Für das aktuelle Heft des New Yorker dringt Jon Lee Anderson tief in die Wälder am Amazonas ein, wo an der Grenze zwischen Peru und Brasilien noch immer einige isolierte Völker leben: "Eines Tages, nach stundenlanger Fahrt auf dem Fluss, ohne ein Zeichen von Leben, sahen wir eine Frau und ein Kind in einem Einbaum. Als sie uns bemerkten, paddelten sie hastig ans Ufer und schrien 'pishtaco'. Vorsichtig gingen wir an Land. Das Camp, das wir vorfanden, war hastig verlassen worden, ein Fisch röstete noch über dem Feuer. Mein Begleiter schlug vor, lieber nicht weiter flussaufwärts zu fahren, da die Indigenen uns angreifen könnten. Als ich ihn nach dem Wort fragte, das die Frau gerufen hatte, sagte er, es richte sich gegen eine böse Person, jemand, der ihnen das Öl aus dem Leib stiehlt. Monate später erklärte mir ein peruanischer Anthropologe den Ursprung dieser Angst: Der Begriff 'pishtaco' stammt aus dem 16. Jahrhundert, als die spanischen Eroberer wie Lope de Aguirre den Amazonas erkundeten. Die ersten Kontakte mit den Indigenen waren so traumatisch, dass der Mythos fortdauert: Die Spanier, frustriert, dass ihre Musketen und Kanonen im feuchten Dschungel so schnell rosteten, töteten Indigene, um ihre Leiber zu kochen und ihr Fett dazu zu verwenden, um das Metall zu einzufetten."

Außerdem: Sam Knight stellt uns die olympische Disziplin der Dressurreitens als exquisite Kunstform vor. Jill Lepore fragt sich angesichts des Wahlkampfspektakels, wer eigentlich das sogenannte Volk ist. Und Lauren Collins berichtet über kulturelle Lernprozesse zwischen Amerikanern und Franzosen, offenbar alles eine Frage der Zuneigung