Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

802 Presseschau-Absätze - Seite 35 von 81

Magazinrundschau vom 30.05.2014 - New York Times

Das Magazin der New York Times hat einen Themenschwerpunkt Gesundheit. Ein spannender Beitrag von Michael Behar behandelt das Feld Bioelektronik und die Hypothese, dass zwischen Nerven- und Immunsystem eine Verbindung besteht. Kann die elektrische Stimulation des Vagusnervs Entzündungskrankheiten wie Arthritis abwenden? Und wenn ja, wie geht die Sprache dieser Krankheit? "Eine Herausforderung besteht darin, Krankheitssignale aus der Fülle "gesunder", neuronaler Signale herauszufiltern und zu verstehen, wie die Krankheit mit dem Nervensystem kommuniziert. So wie Computer sprechen auch Neuronen eine binäre Sprache, ihr Vokabular funktioniert nach dem Prinzip an/aus. Abfolge, Intervall und Intensität des An/Aus bestimmen die Informationsübertragung. Da jede Krankheit jedoch ihre eigene Sprache spricht, braucht es einen Übersetzer. Der Harvard-Physiker Adam E. Cohen und seine Kollegen setzen auf Optogenetik. Anstatt mittels Licht Neuronen zu aktivieren, verwenden sie Licht, um Neuronen-Aktivität aufzuzeichnen." Bleibt die Frage der Sicherheit. Auch wenn Bioeletronik weniger Nebenwirkungen verspricht als konventionelle Medizin, arbeitet sie doch mit Mitteln, die heikel sind. "Bioelektrische Implantate arbeiten mit kabelloser Justierung und Updates, so wie die Software auf einem iPhone. Kabellos aber bedeutet "hackable", manipulierbar. Eine beunruhigende Tatsache."

Außerdem: Jeneen Interlandi berichtet von einer neuen revolutionären Behandlungsmethode für posttraumatische Belastungsstörungen. Und Gretchen Reynolds berichtet von einer Studie mit neuen Erkenntnissen zum Abnehmen. Auf den Technologieseiten warnt Danny Hakim, dass es mehr als ein Gerichtsurteil braucht, um im Netz "vergessen" zu werden. Und John Markoff berichtet von Fortschritten bei der Teleportation von Daten, was Einsteins Diktum zur Quantenmechanik endgültig widerlegen könnte.

In der Sunday Book Review besprach Michael Lewis die Erinnerungen des vorletzten Finanzministers der USA, Timothy Geithner. Und Anne Enright besprach Edward St. Aubyns Roman "Lost for Words".

Magazinrundschau vom 23.05.2014 - New York Times

Dass Studenten aus wohlhabenden Elternhäusern in den USA im Schnitt viel häufiger ihren Collegeabschluss machen als "Arbeiterkinder", hat weniger mit Begabung zu tun hat als mit Selbstvertrauen, hat man an der Universität von Texas herausgefunden, wie Paul Tough im New York Times Magazine berichtet: "Die Studenten haben Zweifel, ob sie wirklich aufs College gehören. Und sie glauben, dass Intelligenz eine fixe Größe ist, die sich durch Lernen nicht verändern lässt. Wenn sie Erfahrungen machen, die sie glauben lassen, sie seien nicht schlau genug, eine schlechte Note etwa, interpretieren sie das als Zeichen dafür, dass sie es niemals schaffen werden... Studenten aus wohlhabenden oder akademischen Verhältnissen nehmen Rückschläge viel entspannter hin. Nur Studenten mit den speziellen Ängsten und Exklusionserfahrungen von Minoritäten haben offensichtlich ein Problem damit. Sie missinterpretieren momentane Rückschläge als dauerhaften Beleg dafür, dass sie es auf dem College nicht schaffen können."
Stichwörter: Soziologie, Texas, Ungleichheit

Magazinrundschau vom 09.05.2014 - New York Times

Thema Geld beim New York Times Magazine. In einem Gastbeitrag fragt Jesse Eisinger vom Non-Profit-Newsdesk ProPublica, wie es angeht, dass nur ein einziger, dazu nicht mal besonders skrupelloser Top-Banker für seine Rolle bei der Finanzkrise in den Staaten hinter Gittern sitzt. "Es sieht aus, als hätten die Behörden keinen Mumm, doch die Dynamik dahinter ist komplizierter. Das Justizministerium hat eine Reihe Fiaskos im Unternehmenssektor hinter sich, die zu bedeutenden Änderungen in der Strafverfolgung bei der Wirtschaftskriminalität geführt haben. Man setzte schließlich auf Vergleiche statt Gefängnisstrafen. Das zog einen Rückstand an Erfahrung nach sich, die aber nötig ist, um gegen die besten Anwaltskanzleien zu punkten. In der Folge wurden komplexe Finanzfälle immer wieder heruntergespielt. Hinweise, dass Lehman Vorstände mehr über den Liquiditätsmangel ihrer Bank wussten, als sie zugaben, wurden einfach vernachlässigt. Mitte der 90er machte Wirtschaftskriminalität 17,6 Prozent aller bearbeiteten Fälle aus, von 2009 bis 2012 waren es nur 9,4 Prozent ... Die Müßigkeit der Justiz hat zum Teil mit ihren eigenen Zielvorgaben zu tun. Bis in die 80er Jahre verfolgten Staatsanwälte individuelle Wirtschaftsstraftäter. Aber das Ausheben von Mafia-Clans wie den Bonnanos gab vielen das Gefühl, ganze Organisationen ins Visier zu nehmen, sei der effektivere Weg, um der Korruption Herr zu werden ... Die Behörden selbst haben allerdings andere Erklärungen: Die Fälle wären zu komplex, argumentieren sie, und den Jurys kaum auseinanderzusetzen. Außerdem hätten die Verfehlungen der Banker eher mit Leichtsinn zu tun, als mit Kriminalität."

Auf der Technologieseite berichtet David Streitfeld, dass Amazon Bücher des Hachette Verlags immer öfter erst nach zwei, drei Wochen ausliefert. Die Gründe dafür liegen nicht bei Hachette, versichert der Verlag. Streitfeld vermutet foul play von Amazon. Es wäre nicht das erste Mal: "2010 entfernte der Buchhändler alle Kauf-Buttons von Büchern des Macmillan Verlags, nachdem man sich nicht über die Preise der Ebooks einigen konnte. Zwei Jahren später verhandelte Amazon mit der Independent Publishers Group über höhere Rabatte. "Sie erklärten, dass wir unsere Bedingungen herunterschrauben müssten" sagte damals IPG-Präsident Mark Suchomel. "Es war unvernünftig. Man kann nur bis zu einer bestimmten Grenze gehen." Amazon entfernte prompt 4.000 Ebooks von IPG aus seinem Angebot. Nach langen und diskret geführten Verhandlungen einigten sich die Parteien und die Bücher wurden wieder aufgenommen."

Außerdem: In der Sunday Book Review wurden zwei Präsidentenbiografien besprochen - über James Madison (hier) und John Quincy Adams (hier).

Magazinrundschau vom 02.05.2014 - New York Times

Im Magazin der New York Times fragt Charles Siebert den Juristen und Präsidenten des "Nonhuman Rights Project" Steven Wise, ob Tiere justiziable Personen sein können, die ihre Eigner verklagen können. Eine spannende Frage, weniger absurd, als sie zunächst erscheint: "Vor zehn Jahren wäre Wise für seine Bemühungen ausgelacht worden. Was die Sache heute realistisch erscheinen lässt, hat zum Teil mit den Fortschritten in der neurologischen und genetischen Forschung zu tun, die zeigt, dass Tiere wie Schimpansen, Orkas und Elefanten über Selbstbewusstheit, Selbstbestimmung und einen Sinn für die Vergangenheit wie für die Zukunft verfügen. Sie haben eigene Sprachen, komplexe soziale Beziehungen und die Fähigkeit, Werkzeug zu benutzen. Sie trauern, fühlen mit und vererben ihr Wissen. Mit anderen Worten, sie haben die gleichen Eigenschaften, die wir für spezifisch menschlich hielten. Wise möchte diese Tatsache nutzen, um seine Klienten zu "autonomen Lebewesen" zu erklären, die in der Lage sind "frei zu wählen, sich selbst zu definieren und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, ohne dabei reflexartig oder nach Maßgabe angeborenen Verhaltens zu agieren". Für Wise sind diese Fähigkeiten die Mindestanforderung für justiziable Personen." Dazu gibt es eine Videodoku, in der Wise den Unterschied zwischen einer Sache und einer Person erläutert.

Außerdem im NYT Mag: Gretchen Reynolds erklärt kurz und wissenschaftlich, warum Schokolade gut für uns ist.
Stichwörter: Tierrechte, Autonome, Elefanten

Magazinrundschau vom 19.04.2014 - New York Times

John Jeremiah Sullivan zeigt, was ein mit Film, Foto und Audiosnippets interaktiv gestalteter Essay alles kann. Zum Beispiel auf grandiose Weise die Geschichte zweier Frauen erzählen, Elvie Thomas und Geeshie Wiley, die mit drei Blues-Platten und zwei Songs, "Motherless Child Blues" und "Last Kind Words Blues", aufgenommen 1930/31, die afroamerikanische Musik des 20. Jahrhunderts mit beeinflusst haben, aber fast vollständig in Vergessenheit gerieten. Sullivan schildert, wie damals Jazz, Country und Blues auf Schellack vertrieben wurden, nämlich als Accessoire in Möbelgeschäften. Aufgenommen wurde in den kalten, feuchten, scheunenartigen Studios der Paramount, die Fenster mit Decken verhängt, auf dem Boden dicke Teppiche: "Ein dunkler, pelziger Schuhkarton, schlimmer Ort, um Musik aufzunehmen. Die Künstler bekamen Alkohol, um sich aufzulockern. Die Aufnahmetechnik war ein Monster, elektrisch, aber vom Anschein her akustisch. Man sang in einen riesigen hölzernen Trichter, der den Sound zu einem Mikrofon leitete … Nach jedem aufgenommenen Song mussten die Toningenieure das System aus Gewichten und Riemenantrieb neu justieren. Die Eigenwilligkeiten des Systems sind auch zu hören, etwa nach den ersten 2/3 von "Motherless Child Blues", wenn das Tempo sich plötzlich leicht ändert."

Magazinrundschau vom 11.04.2014 - New York Times

Zum Tod des amerikanischen Schriftstellers, Umweltaktivisten, Zen-Priesters und vermeintlichen CIA-Agenten Peter Matthiessen, Autor der Generation von Kurt Vonnegut und E.L. Doctorow, bringt das Magazin der NY Times einen Text von Jeff Himmelman, in dem unter anderem zu erfahren ist, wie Matthiessens Faszination für die Natur und sein Erzählen einander befruchten konnten: "In den späten 60ern schickte der New Yorker Matthiessen auf die Suche nach der Grünen Meeresschildkröte vor Nicaragua. Matthiessen lieferte seinen Artikel ab, fand aber, ein Roman würde besser ausdrücken, was er erlebt hatte. Acht Jahre experimentierte er an der Geschichte. Das Ergebnis war "Far Tortuga", ein in jeder Hinsicht radikaler Roman mit Leerstellen, Dialogen ohne Anführungszeichen und Zuordnung, Piktogrammen, handgemalten Illustrationen und, das Erstaunlichste vielleicht, nur ein oder zwei Vergleichen im gesamten Text … Die Auslöschung des Ichs gehört zu den Standards im Zen. Ebenso das Streben nach Einfachheit und der Verzicht auf Ausschmückung. "Ein Kakerlak, der unter dem Küchenschrank hervorkommt, Fühler aufgerichtet, das ist so überwältigend und schräg und schön, dass niemand einen Vergleich braucht, z. B. "wie eine Radioantenne" oder so was", sagte er. "Nicht nötig. Die Sache an sich ist so gut.""

Außerdem schreibt Michael Lewis eine seiner gefürchten Wirtschaftsreportagen, diesmal knöpft er sich den Hochfrequenzhandel vor.

Magazinrundschau vom 04.04.2014 - New York Times

Kann es sein, dass der Niedergang der französischen Küche noch zu stoppen ist? Das vielleicht nicht. Aber es gibt Zeichen für einen Neuanfang, schreibt Michael Steinberger in einem nützlichen und ausführlichen Artikel im Magazin der New York Times. Die Anstöße kommen ausgerechnet zum großen Teil von ausländischen Köchen in Paris - die französisch und nichts anderes kochen wollen. Steinbrenner stellt eine ganze Reihe von Restaurants vor, eines sei herausgegriffen: "Abri ist eine der schwierigsten Reservierungserfahrungen in Paris. Vielleicht ist es auch das verrückteste Restaurant in Paris, nur wenig größer als ein Schuhkarton, und die offene Küche auf einer Seite des engen Raums sieht aus wie bei einem Imbiss. Die gesamte Equipe ist japanisch, keiner spricht Englisch, und ihr Französisch ist ebenfalls recht lückenhaft. (Aber das macht nichts, sie gehen ohnehin nie ans Telefon und antworten nicht auf E-Mails. Ich bin überhaupt nur reingekommen, indem ich vorbeiging und mich auf eine Warteliste setzen ließ, zwei Tage später um 11 Uhr kam ein Anruf, dass ich einen Tisch für Mittags halb zwei haben kann.) Der rätselhafte Geist hinter dem Abri ist Katsuaki Okiyama, der bei dem berühmten Joel Robuchon lernte und im Taillevent, einem der Restaurants der vornehmen alten Garde gearbeitet hatte, bevor er sich selbständig machte. Er sagt, dass er keine Lust hatte, nach Japan zurückzugehen. Er wollte "französisch für Franzosen" kochen." Mehr übers Abri auch hier. Die beiden Zeitschriften, die man in Frankreich lesen muss, um auf dem laufenden zu sein sind: Le Fooding (Website) und Omnivore (Website).

Außerdem im Magazin: Carina Chocano porträtiert den 15-jährigen Chefkoch Flynn McGarry, der nicht nur Jugend und herausragendes Talent hat, sondern auch noch umwerfend gut aussieht. Und Jonah Weiner stellt zwei Brüder vor, die das beste Bier in Dänemark brauen, aber zutiefst verfeindet sind - eineiige Zwillinge eben, mit Bärten!

Weiteres: Im Kulturteil berichtet Noam Cohen, dass immer mehr Organisationen wie etwa Museen die Wikipedia entdeckenund Wikipedianer zu "edit-a-thons" einladen, um bisher unerschlossene Wissensbereiche zugänglich zu machen. In der Book Review bespricht Peter Bogdanovich die John-Wayne-Biografie von Scott Eyman, Hari Kunzru schreibt über Teju Coles Buch "Every Day Is for the Thief", Judith Shulevitz bespricht Simon Schamas Geschichte der Juden und der Autor Daniel Woodrell stellt Amy Greenes "Long Man" vor.

Magazinrundschau vom 21.03.2014 - New York Times

William J. Broadmarch beschreibt ein Problem der amerikanischen Forschung: Die massiven Kürzungen von staatlichen Geldern in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass immer öfter superreiche Amerikaner einspringen und wissenschaftliche Projekte fördern. Eigentlich eine gute Sache, weil sie oft effizienter arbeiten als staatliche Forschungsprogramme. Aber diese schleichende Privatisierung der Wissenschaft löst auch einiges Unbehagen aus: "Auf dem Spiel steht, so Kritiker, der Sozialvertrag, wonach Wissenschaft der Allgemeinheit zugute kommen soll... Historisch betrachtet ist die Erforschung von Krankheiten besonders anfällig für ungleiche Aufmerksamkeit entlang der ethnischen und ökonomischen Linien. Ein Blick auf die größten Projekte legt nahe, dass Philantropen mit ihrem Krieg gegen Krankheiten diese Kluft noch vergrößern. Einige der Projekte, getrieben von persönlicher Not, richten sich gezielt gegen Krankheiten, die mehrheitlich Weiße heimsuchen - Mukoviszidose, Hautkrebs und Gebärmutterkrebs."

Im Magazin lotet Yiren Lu das Altersgefälle im Silicon Valley aus und stellt fest, dass junge IT-Nerds nicht auf Grundlagenentwicklung stehen und alte Hasen oft nicht smart genug sind und sich nicht für Apps interessieren. Leicht handhabbare Programmierschnittstellen und -tools machen es möglich, ohne großartige Programmierkenntnisse erfolgreiche Start-ups zu gründen, sorgen aber auch dafür, dass die Programmierung und Herstellung der Web-2.0-Infrastruktur an den weniger coolen, meist älteren Typen hängen bleibt. "Natürlich gibt es Ausnahmen, doch im Ganzen scheinen die Jungen rastloser, immer auf der Suche nach dem nächsten großen Ding, auch weil die Start-ups diese Haltung fördern; daher die Wanderbewegung von Yahoo zu Google zu Facebook und weiter zu jüngeren, hipperen Unternehmen ... Auf der anderen Seite gibt es immer noch Apple, alte Garde, aber nicht uncool. Cool ist da, wo smarte Leute, Geld und ein verlockendes Produkt zusammenkommen."

Magazinrundschau vom 14.03.2014 - New York Times

Senatorin Dianne Feinstein, die Vorsitzende des Senate intelligence Committee, galt bisher immer als treue Verteidigerin der Geheimdienste. Nun hat sie spektakulär mit der CIA gebrochen und sie der Einschüchterungsversuche gegenüber Politikern beschuldigt, berichten Mark Mazzetti und Jonathan Weisman: "Als Schlüsselereignis für die Aufsicht über amerikanische Geheimdienste bezeichnet Frau Feinstein das Vorgehen der CIA, Dokumente von Computern verschwinden zu lassen, an denen Mitarbeiter des Geheimdienstkomittees des Senats an einem Bericht über das Haftprogramm der CIA arbeiteten. Nachdem der Bericht fertiggestellt war, durchsuchte die CIA die Computer und leitete ein Strafverfahren ans Justizministerium weiter, um die Untersuchungen des Komitees zu durchkreuzen." Großartig Feinsteins Erklärung zu der Sache, die die NYTimes per Video eingebunden hat.

Das NYT Magazin bringt einen rührenden Text des Pulitzerpreisträgers Ron Suskind. Garantiert ohne Einflussnahme von Disney verfasst, heißt es, was in diesem Fall besondere Bedeutung hat, denn Suskind schildert, wie sein autistischer Sohn Owen mit Hilfe von Disneyfilmen die Fähigkeit zur Kommunikation wiedererlangte: "Indem er die Filme wieder und wieder sah, zeichnete er Töne und Rhythmen auf. Sprache hat ihre eigene Musikalität, die die meisten von uns nicht hören. Für ihn waren Intonation und Takt über Jahre alles, was er hörte, als würde jemand ohne Japanischkenntnisse einen Kurosawa-Film memorieren. Auf einmal lernte er Japanisch, indem er die übertriebenen Gesichtsausdrücke der animierten Charaktere und ihre Interaktion mit der jeweiligen Situation dazu nutzte, all die merkwürdigen Geräusche zu definieren … Diese gespeicherten Töne halfen wir ihm zu kontextualisieren, indem wir mit ihm sprangen, herumwirbelten, lustige Fratzen zogen, genau wie im Dschungelbuch … Wir lebten ein Doppelleben. Tagsüber gingen meine Frau, Owens Bruder Walt und ich unseren Geschäften nach, abends schlüpften wir in die Rollen von animierten Disney-Figuren."

Außerdem zu lesen: Ein sehr interessantes Porträt der indischen Autorin und Aktivistin Arundhati Roy, die gerade an einem neuen Roman arbeitet. Und ein Interview mit Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian, über Zukunftspläne für das Blatt und Post-Snowden-Mysterien, wie Buchstaben, die schon beim Tippen vom Bildschirm verschwi…

Magazinrundschau vom 07.03.2014 - New York Times

Die USA werden von einem Überwachungsskandal erschüttert, den ausnahmsweise mal nicht Edward Snowden enthüllt hat. Demnach soll die CIA einen Senatsausschuss ausgespäht haben, der die fragwürdigen Verhörmethoden der CIA unter der Bush-Regierung aufarbeiten sollte. Wie Mark Mazzetti berichtet, wurde der demokratische Senator Mark Udall aus Colorado darauf aufmerksam, dass eine interne CIA-Studie offenbar Einzelheiten aus dem unveröffentlichten Abschlussbericht des Ausschusses enthielt. In einem Brief an Barack Obama bezeichnet Udall das Vorgehen der CIA als "hochgradig beunruhigend für die Arbeit des Aufsichtsausschusses und für unsere Demokratie".

Brennende Fragen wirft Nathaniel Rich im Magazin der New York Times auf. In Kalifornien besucht er das Revive & Restore Labor, in dem enthusiastisch daran gearbeitet wird, längst ausgestorbene Tierarten, wie die 1914 ausgerottete Wandertaube, mit verwandtem DNA-Material wiederzubeleben. Doch wozu Arten zurückholen, deren Lebensraum nicht mehr existiert? Was geschieht, wenn ein hundert Jahre altes Immunsystem auf neue Krankheiten trifft? Und schließlich ist die Wiederbelebung womöglich bloß eine prima Exitstrategie für all unsere drängenden ökologischen Probleme. Problematisch könnte auch sein, dass der Mensch sich mit dem Revival-Programm zum Schöpfer aufspielt: "Man hofft, ein Tier zu erschaffen, das in die gleiche ökologische Nische passt wie sein verstorbenes Pendant, tut es das nicht, dann ab zurück in die Petrischale… Was macht es, ob die Wandertaube 2.0 eine echte Wandertaube ist? Wenn der neue, synthetisch geschaffene Vogel das Ökosystem eines Waldes bereichert, werden höchstens Konservatoren nörgeln, (die nämlich um ihren Job bangen, d. R.). Die genetisch angepassten Vögel würden auch nicht der erste Eingriff des Menschen in ein Ökosystem sein.. Als der Mensch auftauchte, war der Kontinent von Kamelen, zwei Meter großen Biebern und 250 Kilo schweren Riesenfaultieren bevölkert."