
Jean-Luc Racine
schildert die wenig ermutigende Lage in Pakistan nach der Tötung Osama bin Ladens, die zu keinerlei Umdenken geführt habe: "
Einige mutige Journalisten in Pakistan riskierten es, nach der US-Aktion von der pakistanischen Armee
Rechenschaft zu fordern oder sogar
offen zu schreiben, was viele denken: 'Wenn wir nichts gewusst haben, sind wir ein gescheiterter Staat, wenn wir aber Bescheid wussten, sind wir ein Schurkenstaat.' Obwohl einige Stimmen eine vollständige strategische Neuorientierung Pakistans forderten, ging es in der öffentlichen Debatte bald nur noch um die Frage der nationalen Souveränität. Die Regierung, führende Politiker der Opposition und die Medien verurteilten einstimmig den Übergriff der USA... Das Militär wiederum beklagte vor allem, dass die bloße Anwesenheit bin Ladens in einer Garnisonsstadt eine '
Verleumdungskampagne gegen Pakistan' ausgelöst habe. Und als ISI-Chef Pasha seinen Rücktritt anbot, lehnten der Staatspräsident ebenso wie der Ministerpräsident und das Parlament ab."
Im
Jemen gehen die Proteste gegen den mittlerweile ausgereisten Präsidenten
Ali Abdullah Saleh weiter. Laurent Bonnefoy und Marine Poirier
liefern einen spannenden Hintergrundbericht zur Lage im Land, dessen
Zersplitterung in Parteien, Clans, Religionen und Generationen sich bisher immer auch auf die Opposition übertrug. Doch dies könnte sich jetzt ändern, meinen die beiden Autoren. Die Solidarität werde zum zentralen Prinzip des Wandels: "Gleichzeitig hat sich auch ein neues Bild der Jugend herausgebildet: als politisch, aber nicht parteigebunden,
pluralistisch und autonom. Anstelle der sektiererischen oder regionalistischen Symbole von früher dominieren heute auf den großen Plätzen die Nationalfarben und die Nationalhymne. Viele Beobachter fragen sich deshalb, ob die
Einheit des Jemen, die viele schon am Zerfallen sahen, sich nicht im Gegenteil eher festigt."
Außerdem
eruiert Alain Gresh, wie sich der arabische Frühling auf Palästina auswirkt, da
PLO und Hamas mit Hosni Mubarak in Ägypten und Baschar al-Assad in Syrien jeweils ihre stärksten
Unterstützer verloren haben. Und es gibt einen Text von Alexander Smoltzcyk über
Bahrain als Vorabdruck aus dem Buch "Die arabische Revolution".