Magazinrundschau - Archiv

Elet es Irodalom

642 Presseschau-Absätze - Seite 39 von 65

Magazinrundschau vom 14.08.2012 - Elet es Irodalom

Als Resultat der Pariser Friedensverträge, die mit Ungarn im Schloss von Trianon unterzeichnet wurden, verlor das Land 1920 zwei Drittel seiner Gebiete an die teilweise mit dem Zerfall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie neu entstandenen Nationalstaaten. Seitdem leiden die Ungarn am Trianon-Syndrom. Die Erinnerung daran lässt sich leicht in die in gewohnt tragischem Ton vorgetragene Meistererzählung der nationalen Vergangenheit integrieren und liefert eine plausible Erklärung für das Verhältnis Ungarns zum Westen und vor allem zu den Nachbarstaaten. Demgegenüber kommt dem Holocaust, bei dem keine Territorien verloren gingen, wohl aber mehr als 600.000 Ungarn ermordet wurden, bei weitem keine solche Stellung im kollektiven Gedächtnis zu. Den Grund dafür sieht der ungarische Historiker Gábor Gyáni in der aktiven oder passiven Mittäterschaft der Mehrheitsgesellschaft am Genozid: "Deshalb konnte in der Vergangenheit die Erinnerung an den Holocaust auch hierzulande nicht zu einem vollwertigen Ort des nationalen Gedenkens werden, als solch ein Ort scheint bis heute allein Trianon legitimiert zu sein. Das kollektive Gedächtnis an die Judenverfolgung und den Genozid wird erst dann zu einer echten und breit akzeptierten nationalen Erinnerung werden können, wenn die kulturellen Konstruktionen der identitätsstiftenden Opfer-Traumata auch bei uns um das Täter-Trauma ergänzt werden. Dies lässt sich jedoch vorerst auf sich warten."

Magazinrundschau vom 24.07.2012 - Elet es Irodalom

Der ungarische Schriftsteller Balázs Györe ist bekannt für seine "Tatsachen-Romane", die das eigene Leben und das Andenken an Familienmitglieder und Freunde beschreiben, stets mit Klarnamen. Der Fiktion lässt er darin keinen Raum. Nun hat Györe, der in den '70er und '80er Jahren von einigen seiner engsten Freunde bespitzelt wurde, die Dokumente seiner Stasi-Akte zu einem Buch verarbeitet, mit dem Titel "Meine Freunde, die auch meine Spitzel waren". Im Gespräch mit dem Literaturkritiker Csaba Károlyi sprach er über den Ansatz, den gesamten Prozess seiner Bespitzelung - von den Vorermittlungen über die Berichte und deren Auswertung bis hin zur Aktenschließung - darzustellen: "Ich wollte, dass dieser ganze Prozess im Buch enthalten ist. Und darin ich, die Spitzel, die damit verbundenen Träume, und auch ich, von außen betrachtet. Ich musste warten, bis meine Wut, meine Emotionen sich gelegt hatten, damit ich keinen Satz niederschrieb, den ich später bereuen würde; ich wollte vielmehr versuchen, das alles aus einer gewissen Entfernung zu betrachten. Gleichzeitig ist es auch wahr, dass man über drei, vier verschiedene Dokumente verfügen muss, um über eine Sache etwas erfahren zu können. Die Wahrheit? - ich wage es kaum, auszusprechen. Wovon ich besessen bin, ist gerade das, wovon auch [die Schriftsteller Miklós] Mészöly und [Géza] Ottlik besessen waren: die extreme Schwierigkeit, die Wirklichkeit zu begreifen. Inwieweit sind wir in der Lage, die Wirklichkeit zu berühren? Können wir uns auch nur eine Handbreit beleuchten? Ich bezweifle es. Ich möchte sehr gern die Wirklichkeit begreifen, mich selbst, die Welt, meine Freunde, meine ehemaligen Freunde begreifen. Die Frage ist, ob dies möglich ist. Dass ich mich ihnen immer mehr annähern will und dabei alles verwende und Daten, Zeit- oder Temperaturangaben festhalte, heißt noch lange nicht, dass ich irgendetwas tatsächlich näher komme. Das ist eine ziemlich verzweifelte Sache."
Stichwörter: Stasi, Stasi-Akten, Spitzel, 1970er, 1980er

Magazinrundschau vom 17.07.2012 - Elet es Irodalom

Zum 300. Geburtstag von Jean-Jacques Rousseau erklärt der ungarische Philosoph Miklós Tamás Gáspár, er könne dessen Enttäuschung über die Gesellschaft nur teilen. "Sagen wir denn unserem Kind heute, dass wir (aus Angst vor den Konsequenzen) als Steuerzahler und 'gesetzeskonforme' Bürger einem Staat gehorchen, der besser wie eine Spatzenschar verjagt werden sollte, weil er gewaltsam Zustände aufrecht erhält, die ein rechtschaffener Mensch nicht gutheißen kann; dass in den Schulen und Universitäten Unwissenden durch andere Unwissende konventionelle und konformistische Lügen 'vermittelt' werden; [...] dass die meisten im Internet auffindbaren 'Informationen' eine Fiktion oder ein Missverständnis sind, [...] dass die meisten gesellschaftlichen Vorteile (Karriere, Reichtum, Ruhm) nicht legitimierbar, zufällig oder unmoralisch sind, dass die Macht zumeist auf reiner Waffengewalt oder auf von Resignation und Hoffnungslosigkeit geprägter Gleichgültigkeit basiert, dass Tiere gequält, Kranke vernachlässigt und Lebensmittel gefälscht werden...? [...] Jene, die die einzig relevante Frage stellen - nämlich, wie man leben soll -, werden als naiv bezeichnet. Aber das sollte uns nicht kümmern, das ist nur ein Wort, flatus vocis. Wie soll ich diesen Artikel beenden? Ich weiß es nicht."
Stichwörter: Rousseau, Jean-Jacques

Magazinrundschau vom 10.07.2012 - Elet es Irodalom

Die Debatte über den Nutzen einer zeitgenössischen politischen Dichtung in Ungarn hatte Folgen: Gerade erschien eine Anthologie politischer Lyrik, die unter dem Titel "Édes hazám" (dt. etwa: "Lieb's Vaterland") 172 Gedichte von 64 Autoren aus der Zeit nach 1989 umfasst. Grundeinheit der Anthologie ist nicht das Gedicht, sondern Verszyklen, die einem (vom Herausgeber und Literaturkritiker Tibor Bárány konstruierten) Dialog zwischen den einzelnen Gedichten zugrunde liegen, unabhängig von der Zugehörigkeit des Autors zu dem einen oder dem anderen politischen Lager. Es ist zwar fraglich, ob dieser Dialog im realen Leben Bestand hätte, zumindest aber ermöglicht es dieses Konzept, die Gedichte nach rein ästhetischen Kriterien zu beurteilen, meint die Literaturkritikerin Emese László: "Es ist nicht zu leugnen, dass eine große Zahl herausragender Gedichte in die Sammlung aufgenommen wurden, von denen sich der Leser betroffen fühlt, aber man hat nicht so oft den Eindruck, dass das jeweilige politische Gedicht etwas Großartiges, auch poetisch Entscheidendes aufweisen würde. [...] In letzter Zeit macht sich auch die Tendenz bemerkbar, dass immer mehr dichterische Reaktionen auf aktuelle politische Ereignisse entstehen, die zwar eine wichtige politische Handlung darstellen können, aus ästhetischer Sicht jedoch weniger befruchtend sind."

Der Kritiker und Schriftsteller Zoltán András Bán, dessen Briefwechsel mit dem Literaturwissenschaftler Sándor Radnóti die oben genannte Diskussion angestoßen hatte, würdigt die Anthologie mit den Worten: "Unter anderem zeigt diese herausragende und kluge Sammlung, dass seriöse politische Werke nicht nur von der Politik, sondern auch von der Geschichte handeln, von unserem Leben darin, manchmal auch daneben oder dagegen. Weil wir aber darin leben, sehen wir nicht ganz klar. Die eigentlichen Leser dieser Anthologie werden daher die kommenden Generationen sein."

Magazinrundschau vom 26.06.2012 - Elet es Irodalom

Kim Lane Scheppele, Professorin an der Princeton University, bezeichnete das neue ungarische Grundgesetz kürzlich als nicht verfassungskonform, weil es einen Polizeistaat zur Folge habe. Im Gespräch mit dem Verfassungsrechtler Gábor Halmai begründet sie diesen Standpunkt u.a. damit, dass die ungarische Regierung eine Terrorabwehrzentrale mit weitreichenden Befugnissen gegründet und gleichzeitig die so genannten "checks and balances" außer Kraft gesetzt hat. Viele Ungarn stimmen ihrer Einschätzung dennoch nicht zu: "Eine Regierung ohne Kontrolle ist potenziell gefährlich. Ob Ungarn tatsächlich bereits eine Diktatur oder ein Polizeistaat ist? Vielleicht nicht. Aber das jetzige Rechtssystem hat die Voraussetzung dafür geschaffen, deshalb habe ich mich für eine starke Wortwahl entschieden. Es gibt diese alte Geschichte vom Frosch, der in einem Topf mit Wasser sitzt, das erhitzt wird. Dass das Wasser immer wärmer wird, nimmt der Frosch zwar wahr, spürt aber keine Gefahr. Und als das Wasser kocht, ist der Frosch schon tot."

Magazinrundschau vom 05.06.2012 - Elet es Irodalom

Eine Eigenschaft westlicher Gesellschaften ist ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion und die Tradition immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und bei Bedarf zu ändern, schreibt der Politologe Ervin Csizmadia. Ungarn sei dazu noch nicht fähig, obwohl die formalen Institutionen der westlichen Demokratie (Parteien, Parlament, Verfassungsgericht, usw.) seit der Wende ausgebaut wurden, fehlten bislang jene Institutionen, die einen Wandel, eine Änderung der Tradition ermöglichten: "Wir müssen mit einem langsamen Ausbau dieser Institutionen beginnen, vorher müssen wir aber genau beobachten, wie es in Westeuropa gemacht wird. Dies stellt einen neuartigen Lernprozess dar - nachdem wir im Großen und Ganzen bereits gelernt haben, wie Parteien gegründet, Skandale ausgelöst und (neuerdings) Politiker zum Rücktritt gezwungen werden. Damit sind wir aber erst am Anfang der Lektion. Jetzt müssten wir uns mit der Feinmechanik vertraut machen und möglichst viel davon verstehen. Noch nicht umsetzen, sondern zunächst nur verstehen. Langsamkeit bedeutet, [...] uns endlich einmal ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wie der Westen, zu dem wir so sehr aufschließen wollen, funktioniert."

Magazinrundschau vom 15.05.2012 - Elet es Irodalom

Mit der Abwahl des bisherigen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy wurde vor allem seinem Konzept einer "neuen Rechten" eine Absage erteilt, in die Sarkozy sowohl das politische Zentrum als auch den rechten Rand integrieren wollte, meint Ádám Balázs vom ungarischen "Institut für die demokratische Alternative" (IDEA): "Sarkozy hatte vor fünf Jahren ein ganz bestimmtes Frankreich entworfen, ein Land der 'stillen Mehrheit', der Frühaufsteher. Allerdings blieb dieser Traum vielen französischen Bürgern verwehrt: Jenen, die nachts arbeiten, die es nicht gerne sehen, wenn sie aufgrund ihrer Herkunft mit den heutigen illegalen Einwanderern gleichgesetzt werden, die keine Schmarotzer, aber doch angewiesen sind auf Unterstützung durch die französischen Sozialsysteme. Frankreich ist eine farbenreiche, komplexe Welt. Sarkozy wollte der Champion einer Nation sein, wurde aber nur der Held einer dünnen Schicht. Hollande ist weder ein Champion noch ein Held, er will seinem Land dienen. Das bedeutet, dass er Perspektiven aufzeigt, Aussichten aufweist und den Franzosen nicht vorschreibt, wie sie ihre eigene Zukunft gestalten sollen. Dafür bedarf es einer politischen Intelligenz, die vorerst noch auf sich warten lässt."
Stichwörter: Neue Rechte, Sarkozy, Nicolas

Magazinrundschau vom 08.05.2012 - Elet es Irodalom

Der Skandal um das Gedicht "Was gesagt werden muss" von Günter Grass wird in Ungarn eher kühl reflektiert, die meisten Kommentatoren schließen sich der Meinung an, Israel hätte Grass lieber einladen und ihn von der Gastfreundschaft des Landes überzeugen sollen, als ihn zur unerwünschten Person zu deklarieren. Man sollte die Sache nicht überdimensionieren, schließlich sei das Gedicht gut gemeint gewesen und auch ein Dichter könne sich mal irren, oder gar lügen. Die Publizistin und Holocaust-Überlebende Éva Szécsi sieht das allerdings anders: "Nicht einmal in einem freien Vers kann Israel als potenzieller Kriegsverbrecher und als den 'brüchigen Weltfrieden' gefährdende Atommacht dargestellt werden. Wer dies tut, ist in der Tat antisemitisch: er will die Juden vernichten. Weshalb sollte jemand, der israelfeindlich ist, kein Antisemit sein? Wo gibt es noch Juden in Europa? Einige Zehntausend in Ungarn oder Frankreich? Einige Hundert in Norwegen? Einige Dutzend in Polen? In Deutschland gibt es höchstens russische Juden, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eingewandert sind. Deutsche Juden sind nicht dorthin zurückgekehrt, ist ihnen einmal die Flucht vor Hitler gelungen. Wer Israel ausradieren will, will das Judentum vernichten. [...] Die Debatte läuft und der Autor gibt fröhlich Interviews. Dem einen so, dem anderen so. Schade, dass er wieder gelogen hat: Das war noch lange nicht seine letzte Tinte."

In Ungarn sind mehrere wissenschaftliche Arbeiten und Umfragen der letzten Zeit zu dem Schluss gekommen, dass die Bevölkerung mit dem westlichen Wertesystem wenig anfangen kann. Judit Kádár hat daher die Kultur- und Wochenend-Beilagen der vier größten ungarischen Tageszeitungen (Magyar Hírlap, Magyar Nemzet, Népszabadság und Népszava) im Monat Februar nach deren pro- bzw. anti-westliche Einstellung hin "abgeklopft" und dabei festgestellt, dass trotz markanter Unterschiede zwischen den einzelnen Zeitungen "die überwiegende Mehrheit der Artikel in den kulturell-gesellschaftskritischen Wochenend-Beilagen und im Kultur-Resort die Europäische Union und den Westen aus der Außenperspektive, von der Peripherie betrachtet. [...] Die europaskeptischen Ansichten erscheinen in den meisten Fällen in auf Ungarn bezogenen Artikeln, weil die gesamte ungarische Tagespresse nach innen gewandt und provinziell ist, nach dem Motto: 'Extra Hungariam non est vita'. Die kulturelle Berichterstattung über das Ausland ist fast völlig verschwunden, keine der Zeitungen vermittelt zeitgenössische westliche Konzepte, Theorien oder Erklärungen zu globalen Themen. Da ist es kein Wunder, dass die Mehrheit der ungarischen Bevölkerung immer noch über die aus dem Feudalismus geerbte paternalistisch-antiliberale Einstellung verfügt und 'nicht-westliche' Werte vertritt."

Magazinrundschau vom 01.05.2012 - Elet es Irodalom

Der italienische Schriftsteller Claudio Magris war im April Ehrengast des Budapester Buchfestivals. Am Rande des Festivals sprach er auf einer vom Kunsthistoriker József Mélyi moderierten Podiumsdiskussion mit seinem ungarischen Kollegen Péter Esterházy über Mitteleuropa, Nostalgie und Provinzialität. Dass nun Magris einst von einem Journalisten als "kosmopolitischer Provinzialist" beschrieben wurde, findet Esterházy ziemlich zutreffend, denn diese Formulierung beschreibe einerseits Offenheit und andererseits das Gefühl, Zuhause zu sein an dem Ort, an dem man lebt. Magris zufolge müsste dies aber für jeden freien Menschen gelten: "Wie jene Kinder zum Beispiel, die in einem kleinen Hinterhof spielen; sie lieben den Hof und reden im örtlichen Dialekt, aber sie suchen dort nicht das Lokale und Provinzielle, sondern das Spiel und das Abenteuer. Zum Weltbürger wird man durch die Art, wie man mit seinen Freunden in einem Hinterhof spielt - ganz gleich, ob dies in einer Großstadt oder in einer kleinen Ortschaft in der Provinz geschieht." Esterházy ergänzt dies mit den Worten: "Provinzialität entsteht allerdings nicht aus einer freien Entscheidung, sondern aus Angst. Wenn du im Hof spielst und dich vor der Welt außerhalb des Hofes fürchtest, bleibst du im Hof. ... Heute schließen wir alle Fenster, vor allem aus Angst. Diese Angst ist nicht ganz unbegründet, weil sich der Mensch in der Welt, die außerhalb des Hofes existiert, nicht zurechtfindet."

In einem anderen Teil des Gesprächs erwähnt Magris den Protest gegen sein erstes Buch ("Der habsburgische Mythos in der modernen österreichischen Literatur") in Österreich, weil er sich darin gegen die Nostalgie gewandt habe, und er erinnert an Joseph Roth, der seine Liebe zum Habsburger Reich und zu Österreich mit seiner früheren Rebellion gegen Franz Joseph I. rechtfertigte: "Dies ist die Treue, die aus der Rebellion entsteht. Ohne Revolte ist jede Treue falsch, und die Nostalgie ist überhaupt und in jeder Hinsicht immer das Falscheste. Mein Freund, der Dichter Biagio Marin hat einmal gesagt, dass die Vergangenheit nicht existiere. Es gibt entweder nur Fakten, die einst eine Funktion hatten, nun aber nicht mehr - mein vor zehn Jahren gültiger Reisepass beispielsweise hat keinen Sinn mehr. Oder es gibt Werte, Gefühle, Menschen, die schlichtweg existieren. Sie sind nicht Objekte der Nostalgie, man kann sie lieben oder hassen, sie sind aber nicht Teil der Nostalgie, des Zurücksehnens. Jeder Mensch, den wir einst geliebt hatten, ist präsent. Shakespeare ist ein Dichter, sagen wir, und nicht, dass er ein Dichter war. Nostalgie ist Fälschung, falsch gegenüber Gefühlen und Menschen. Und auch gegenüber der Geschichte, die sie beschönigt."

Magazinrundschau vom 24.04.2012 - Elet es Irodalom

Der Literaturkritiker Sándor Bazsányi würdigt den Essayisten László F. Földényi zu dessen 60. Geburtstag: "Neben der kultur- und ideengeschichtlichen Beobachtung der aus der schwarzen Galle entspringenden Gemütskrankheit behandelt Földényi in seinen einzelnen Büchern die schwermütigsten Künstler auf ausdrucksvolle und leidenschaftliche Weise - darunter Goya, Blake, Friedrich, Kleist oder Imre Kertész. Außerdem spricht er über sein eigenes Berlin-Erlebnis in der Kindheit sowie seine Museumsbesuche als Erwachsener. Über all das also, was zum Alltag eines in der Kultur existierenden und sich darin verletzenden und heilenden europäischen Menschen dazugehört. Die Kunstgattung der kulturellen Selbsttherapie bei Földényi ist der Essay. Auch wenn er über so manche wissenschaftlichen Talente verfügt - seine wahren Vorzüge, die seiner Schriften, sind die aus der Gattung Essay folgenden Texteigenschaften: die experimentelle Form, die stilisierte Persönlichkeit, die Ausdruckskraft, eine Art intellektuelle Empfindsamkeit; und vor allem: die Betroffenheit. Die Essays von Földényi sprechen den Leser an, weil sie selbst von einer Betroffenheit zeugen. Von den Wahlverwandtschaften des von der Kultur angesprochenen und betroffenen Autors."