Magazinrundschau - Archiv

Elet es Irodalom

642 Presseschau-Absätze - Seite 38 von 65

Magazinrundschau vom 18.12.2012 - Elet es Irodalom

Die meisten Künstler in Ungarn sind von der Politik angewidert und wollen sich, aus Prinzip, Bequemlichkeit oder Existenzangst, aus den parteipolitischen Grabenkämpfen heraushalten. Aber Künstler haben eine Verantwortung, ruft der Theatermacher Árpád Schilling empört seinen Kollegen zu: "Dieser Opportunismus ist inakzeptabel! Dieses feige Schweigen ist inakzeptabel! Die freie Meinungsäußerung ist in manchen Fällen nicht nur ein Grundrecht, sondern auch eine berufliche Pflicht. Wann verstehen Sie denn endlich, dass die aus Existenzangst vermiedene Stellungnahme gerade die Existenz unmöglich machen wird, die jene, die alles dulden, zu schützen meinen. Wenn wir uns nicht dazu äußern, dass die Maschine von Dilettanten betrieben wird, dann steht die Maschine früher oder später still. Wenn wir der Versuchung zu schweigen erliegen, werden wir unbemerkt zwischen den Zahnrädern eingeklemmt werden, und das letzte Zucken der Maschinerie wird zugleich unser aller Todesseufzer. Werden Sie doch endlich politisch!"
Stichwörter: Grundrechte

Magazinrundschau vom 13.11.2012 - Elet es Irodalom

Der Schriftsteller András Bruck bezweifelt, dass die Ungarn in zwei Jahren Ministerpräsident Viktor Orbán abwählen werden - zu sehr wird er von vielen verehrt. Und das trotz einer kläglichen Wirtschaftspolitik und der Verschwendung von EU-Subventionen: "Vielen anderen Ländern ist es gelungen, ihre innere Zwietracht und ihre Manien zu überwinden und vom Nullpunkt wieder hochzukommen. Ein Geheimrezept dafür gibt es nicht. Was aber ganz und gar nicht geht: Geld, das für drei Marshall-Pläne ausreichen würde, verprassen, und dann hochmütig den Geldgeber zu beschimpfen; das halbe Land mit Zierpflaster zu bedecken und dann auf dem schmucken Hauptplatz Arbeitslosengeld zu verteilen. Es bedarf eines Kulturwechsels. Nur haben wir leider weder eine Regierung, die diesen Wechsel in Angriff nehmen, noch eine, die ihn fortsetzen und auch keine Gesellschaft, die ihn mitmachen würde. Ohne dies wird man in Ungarn niemals ein gutes Leben haben. Die Orbán-Ära wird irgendwann zu Ende gehen, aber das, was sie möglich machte, bleibt. Und dann fängt alles von vorne an - dasselbe, nur unter anderem Namen."

Magazinrundschau vom 30.10.2012 - Elet es Irodalom

Die Listen der Stasi-Mitarbeiter werden in Ungarn auch noch 23 Jahre nach der Wende unter Verschluss gehalten; nur gelegentlich wird ein Spitzel enttarnt, was jedes mal wieder eine Diskussion darüber auslöst, ob und wie man mit dieser jüngsten Vergangenheit umgehen soll. Der ungarische Historiker Gábor Gyáni ist - mit Verweis auf Elias Canetti, demzufolge das Geheimnis eines der zentralen Wesensmerkmale der Macht ist - ausdrücklich für eine Veröffentlichung der Akten: "Solange nicht jeder, der einst als Spitzel tätig war, als solcher enttarnt wird (wofür es keine allzu realistischen Chancen gibt), wird das schädliche geistig-moralische Erbe der Diktatur unverändert fortwirken. Mit der Offenlegung der Identität der Informanten könnte die vor gar nicht allzu langer Zeit noch ganz normal und legal praktizierte Konfiszierung des Geheimnisses durch die Macht endgültig aufgekündigt werden. Wenn wir die diesbezüglichen, strengstens geheimgehaltenen Fakten der einstigen Diktatur nicht erfahren wollen, betrachten wir diese auch nicht als unser eigen und erkennen diese Informations-Wiedergutmachung weiterhin nicht als einen legitimen Anspruch an. Die Vergangenheit, unsere Vergangenheit gehört somit immer noch nicht uns."

Im Gespräch mit dem ungarischen Publizisten János Széky stellt der Sozialpsychologe Micha? Bilewicz fest, dass in Polen und Ungarn - wo Jugendliche bei Demonstrationen "Gestern Moskau, heute Brüssel" skandierten und sich damit offenbar weiterhin als Unterdrückte sehen - auch der Geschichtsunterricht die Fremdenfeindlichkeit verstärken kann: "Der Geschichtsunterricht in der Schule verfestigt gedankliche Muster, die wir in Polen als Opferidentität bezeichnen. Die Menschen sind der Auffassung, dass die Gruppe, der sie angehören, stets ein Opfer gewesen ist. Unsere Untersuchungen zeigen, dass sich anhand dieser Opferidentität der Antisemitismus sehr gut erklären lässt. Wenn wir herausfinden wollen, ob jemand antisemitisch ist oder nicht, dann ist die einfachste Methode, ihn danach zu fragen, ob seiner Meinung nach die Polen öfter eine Opferrolle gespielt hatten als andere Gruppen. Bejaht er die Frage und meint, wir seien stets Opfer gewesen, dann ist es fast sicher, dass diese Person auch antisemitisch ist. Und dieser verblüffende Zusammenhang ergab sich auch aus anderen Studien, nämlich dass sich in den Tiefen der Xenophobie und des Rechtsradikalismus dieses Gefühl der Opferrolle verbirgt."

Magazinrundschau vom 23.10.2012 - Elet es Irodalom

Der ungarische Dirigent und Musikdirektor des Berliner Konzerthauses am Gendarmenmarkt Iván Fischer ist auch als Komponist international bekannt. Zu seinen Stücken zählen Kompositionen zu jiddischsprachigen Texten, darunter die Deutsch-Jiddische Kantate, in der u.a. Gedichte von Goethe, Rilke und Abraham Sutzkever verarbeitet werden und Fischer jener "Liebesbeziehung" ein Denkmal setzt, die die gebildeteren jüdischen Familien in Osteuropa mit der deutschen Kultur verband - auch nach dem Holocaust. Diese jiddischsprachigen Stücke, die bislang in sechs Ländern gespielt wurden, dürfen nach dem Willen von Iván Fischer in Ungarn nicht aufgeführt werden. Im Interview mit László J. Gy?ri erklärt er dieses Verbot damit, dass die Denkweise in Ungarn dafür noch nicht reif genug sei. Diese Einsicht habe ihm das Leben im westlichen Ausland vermittelt: "Ungarn wird von außen ganz anders gesehen als von innen. Das Land wird aus dem Ausland mit Zuneigung und Besorgnis beobachtet. Die Besorgnis gilt vor allem der Frage, wie Ungarn wettbewerbsfähig sein wird, ob und wie das Land seinen Mann stehen und Dinge produzieren kann, die in den Regalen des großen Supermarkts der Welt einen Platz finden. In Ungarn ist das unwesentlich, wichtiger ist die Frage, 'wer mit wem und mit wem nicht'. Im Ausland beispielsweise interessiert man sich dafür, wer unter den ungarischen Wissenschaftlern an internationalen wissenschaftlichen Foren was publiziert - während man sich in Ungarn dafür interessiert, wer was über den anderen sagt. ... Manchmal habe ich das Gefühl, zwischen zwei Planeten zu pendeln."

Magazinrundschau vom 16.10.2012 - Elet es Irodalom

Der ungarische Schriftsteller (und Fotograf) Péter Nádas ist am letzten Sonntag 70 Jahre alt geworden. Élet és irodalom hat (entsprechend der Zahl der von Nádas veröffentlichten Bücher) 27 Weggefährten gebeten, Texte in einer Länge von 70 Wörtern an und über den Autor zu schreiben. Der Essayist László F. Földényi würdigt Nádas mit den Worten: "Auf wen er seinen Blick richtet, der gerät unter eine Art Glasglocke. Aber auch das Chaos entfesselt er in ihm. So geht es zumindest mir mit ihm, bereits seit drei Jahrzehnten. Als würde sich das Leben um ihn herum kontinuierlich zu einem Roman formieren, zu dessen Figur auch ich geworden bin. Auch deshalb habe ich die 'Parallelgeschichten' regelrecht verschlungen; ich konnte nicht feststellen, wo die Grenze zwischen dem Leben und der Literatur verlief. Er vermint die Grundfesten der Existenz. Gleichzeitig wünscht er eine Ordnung um sich herum. Doch diese Ordnung vertieft sich, wenn man ihn liest, zu einem Abgrund."

Und der Dichter Gábor Schein schreibt: "'Die Abstufungen von Schwarz und Weiß enthüllen die aufgrund der Farben abhanden kommenden Verbindungen. Die Gegenstände harren, von ihren Farben losgelöst, auf eine Ausbreitung, eine Form', notierte ich einst bei der Betrachtung von Péter Nádas' Bildern. Wenn von ihnen die Rede ist, muss man über das Licht sprechen. Über das unerreichbare, von peripheren Punkten einbrechende Licht. Über die schauderhafte Grausamkeit, mit der er die Körper durchleuchtet, und über die Sätze, die das Licht absorbieren. Darüber, was Nádas anders kann als alle anderen, die bislang über den Menschen sprachen."

Magazinrundschau vom 25.09.2012 - Elet es Irodalom

Der ungarische Schriftsteller Balázs Györe, bekannt für seine "Tatsachen-Romane", in denen er das eigene Leben und das der Familienmitglieder und Freunde beschreibt, hat die Dokumente seiner Stasi-Akte zu einem Roman verarbeitet: "Meine Freunde, die auch meine Spitzel waren". Tatsächlich war Györe in den '70er und '80er Jahren von einigen seiner engsten Freunde bespitzelt worden (mehr dazu hier). Der Publizist János Tódor hat das Buch gelesen und schreibt: "Im Roman wird niemand zur Rechenschaft gezogen, auch findet sich darin keine Abscheu oder Drohung, höchstens eine Prise Wut, oder Wut gegenüber sich selbst; vielleicht deshalb hatte der 'beste' Spitzelfreund [der sich gegenüber dem Autor vor dem Schreiben des Buches enttarnt hatte, Anm. der Red.] angenommen, dass alles in Ordnung sei, seine Beichte habe ihr Ziel erreicht, sein einstiger Freund habe ihm die Absolution erteilt. Dabei ist hier von Vergebung keine Rede, von Absolution erst recht nicht. Es gibt keine Katharsis. Györe steht auch in dieser äußerst heiklen Situation ganz entspannt herum, denn dieses Herumstehen zwischen den Menschen und den Dingen ist die conditio sine qua non seines schriftstellerischen Daseins. Er sichtet, untersucht und ordnet seine einstigen Freunde - wie ein pedantischer Insektensammler seine ohnmächtige Beute, die gerade noch sein Blut gesaugt hatte - aber er setzt sie nicht auf die Anklagebank. Warum die verbluteten Wanzen noch an der Wand zerdrücken? Mene. Tekel. Ufarsin. Die Freundschaften wurden gewogen und für zu leicht empfunden. Die Zeit wird die Dinge früher oder eher später an ihren rechten Platz rücken, sagt der Autor."

Kürzlich ist in Ungarn eine neue - dritte - Übersetzung von James Joyces "Ulysses" erschienen. Übersetzt wurde das Werk acht Jahre lang von der "Ungarischen James Joyce Werkstatt" (das sind Marianna Gula, András Kappanyos, Gábor Zoltán Kiss und Dávid Szolláth), die sich bei ihrer Arbeit auf die Übersetzung des ungarischen Schriftsteller Miklós Szentkuthy aus dem Jahr 1974 stützte. Der Literaturkritiker István Csuhai würdigt die Neuerscheinung als bedeutendes kulturelles Ereignis, ist allerdings ein wenig verwundert darüber, dass der neue Ulysses eine vorhandene Übersetzung als Grundlage nimmt und diese im Grunde bestätigt: "Alles in allem sehe ich diese sowohl in ihrer Form und ihrer Aufstellung, als auch hinsichtlich der Zeitspanne und der Kommunikation außergewöhnliche übersetzerische Teamarbeit so: Hier wurde das ursprüngliche Gebäude abgetragen, die Ziegelsteine, Dachziegel, Balken, Dachkonstruktion, Fenster und Türen blieben erhalten und aus diesen Elementen errichteten die Baumeister ein neues Gebäude. Den Grundriss behielten sie bei, schöne Details bauten sie wieder ein, einige Ornamente setzten sie wieder an ihren ursprünglichen Ort, andere schnitzten sie neu, die Ziegel, Dachziegel und Balken sind im Ganzen vorhanden; das fertige Haus haben sie neu gestrichen, ebenso Fenster und Türen, und nun ist alles vertraut und dennoch neu. Und der Roman selbst ist genauer, ansprechender, frischer, flüssiger und überschaubarer geworden, wenngleich er dem Leser immer noch eine gewisse Arbeit und Fürsorge, eine spezielle Aufmerksamkeit abverlangt."

Magazinrundschau vom 18.09.2012 - Elet es Irodalom

In der Debatte um eine korrekte Sprache in der ungarischen Geschichtsschreibung fasst der Historiker András Gerö, der diesen Streit mit einem Vorwurf an seinen Kollegen Ignác Romsics losgetreten hatte (mehr dazu hier), die bisherigen Erkenntnisse dieser Debatte zusammen: "Die" ungarische Geschichte gibt es nicht, jedenfalls solange, wie man sich nicht auf eine gemeinsame Sprache einigen kann. "Das Bedürfnis einer scheinbar oder tatsächlich einheitlichen Narration, Interpretation, Geschichte und Sprache existiert nur im wissenschaftlichen Leben von Diktaturen - anderswo ist es eine Fiktion. Und aus diesem Grunde ist es unzeitgemäß und lebensfremd, besonders dann, wenn auch die ungarischen und europäischen geistigen Tendenzen und Kontexte von etwas anderem handeln. Vorher muss man sich also mehrmals und gründlich streiten, damit irgendwann ein sauberer und nachhaltiger - auf einem Konsens oder auf einem Meinungsunterschied basierender - Frieden entsteht. Nichts wird uns miteinander verbinden, solange wir nicht genau wissen, was uns voneinander trennt. Der erste Schritt auf diesem langen Weg ist getan worden."

Während die sozialliberale Regierung von Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány von der ungarischen Bevölkerung massiv abgelehnt und bei den Wahlen 2010 regelrecht verjagt wurde, stößt der derzeitige Demokratieabbau unter Ministerpräsident Viktor Orbán nur auf geringen Widerstand im Land. Eszter Rádai fragte die in Berlin lebende ungarische Psychologin Eszter Fischer, woran das liegen könnte: "Der Demokratieabbau in Ungarn stößt meiner Ansicht nach deshalb auf einen geringen Widerstand, weil die Menschen nicht erkannt haben, dass sie inzwischen in einer Demokratie leben. Sie haben kein Verlustgefühl, weil die Demokratie nicht zu einer alltäglichen Erfahrung wurde. [...] Das bedeutet nicht, dass die Regierung Orbán populär wäre, nur gibt es keine Alternative. Es gibt keinen Prinzen, auf den man hoffen kann, dass alles wieder gut wird, wenn er den Thron besteigt. Es gibt keine Prinzen mehr."

Magazinrundschau vom 11.09.2012 - Elet es Irodalom

Kürzlich hat Ungarn den im Jahre 2006 wegen Mordes an einem Armenier zu lebenslanger Haft verurteilten Aserbaidschaner Ramil Safarow an seine Heimat ausgeliefert und damit einen handfesten internationalen Skandal ausgelöst. Denn Safarow wurde, anders als von der ungarischen Seite angenommen, nach seiner Ankunft in Baku begnadigt und als Held gefeiert - Armenien ist schockiert. Der Auslieferung vorausgegangen war ein Gipfeltreffen zwischen Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán und dem aserbaidschanischen Staatschef Ilham Alijew, der den Kauf ungarischer Staatsanleihen durch den staatlichen Erdölfonds Aserbaidschans im Wert von bis zu drei Milliarden Euro in Aussicht gestellt hatte. Für den Journalist János Széky zeigen diese Verhandlungen, dass der ungarischen Führung inzwischen jedes Mittel recht ist, die Schulden des Landes zu finanzieren, ohne den Bedingungen westlicher Geldgebern wie EU und IWF nachkommen zu müssen. "Wie konnte die ungarische politische Kaste innerhalb von 23 Jahren so tief sinken?" fragt sich Széky und gibt dem Nationalismus die Schuld: "Viktor Orbán hat nicht nur keine Ahnung von den beiden wichtigsten Themen der Regierungsarbeit, nämlich von der Wirtschaft und der Außenpolitik - vielmehr ist alles, was im modernen Zeitalter und unter demokratischen Umständen zur Aufsicht dieser beiden Bereiche notwendig ist, seinem Wesen völlig fremd: Dass er nämlich mit den Interessen und Überzeugungen anderer, unabhängiger wirtschaftlicher Akteure oder Länder rechnen sollte. Überhaupt, dass er rechnen sollte! Der Nationalismus macht dies überflüssig, denn in seinen Augen existieren allein unsere Interessen, nur diese werden verletzt (und zwar konstant, was für eine Ungerechtigkeit!), nur diese müssen durchgesetzt werden, und wenn es nicht gelingt, ist die Welt dran schuld. Orban ... führt das Land in eine wirtschaftliche Katastrophe und in eine demütigende internationale Isolation. Der heutige ungarische Nationalismus ist äußerst unpatriotisch."

Magazinrundschau vom 28.08.2012 - Elet es Irodalom

Die drei verurteilten Mitglieder von "Pussy Riot" schmoren jetzt zwar im Arbeitslager, aber eins haben sie mit ihrer Aktion doch erreicht: Die Welt noch einmal auf die manipulierten Wahlen in Russland aufmerksam zu machen. Man sollte sich die drei zum Vorbild nehmen, meint János Széky, denn in Ungarn finden in zwei Jahren Wahlen statt und man hat gerade damit begonnen, das Wahlgesetz dem Ministerpräsidenten Viktor Orbán auf den Leib zu schneidern: "Mit der feministischen Punk-Gruppe 'Pussy Riot' sympathisieren lediglich sechs Prozent der Russen, die Mehrheit verurteilt sie. Die liberale Opposition in den Großstädten hielt sie stets für verrückt und bewertete ihre Aktionen als nutzlos. Nun haben sie mit ihnen ein riesiges Glück: Nachdem die drei Mädchen mit dem Kopf gegen die Wand gerannt sind, haben die russischen Freunde der Freiheit eine Angelegenheit in der Hand, für die sie sich einsetzen können und die auch die Aufmerksamkeit der Welt weckt. Dies muss ein fataler Schlag gegen das Prestige Putins gewesen sein ... Die Frage ist, ob es 2014 in Ungarn derart mutige und sympathische Provokateure geben wird, die etwas tun, das die Welt verstehen lässt, was hier läuft."

Magazinrundschau vom 21.08.2012 - Elet es Irodalom

Die Hoffnung, der Marsch in die Diktatur werde bald beendet sein und die Orban-Regierung zu Verstand kommen, erinnert den ungarischen Schriftsteller András Bruck an das Buch "Geschichte eines Deutschen" von Sebastian Haffner, in dem dieser die unerfüllten Hoffnungen der deutschen Gesellschaft während der Entstehung der Nazidiktatur schildert: "Auch die Deutschen hatten mit kristallklarer Logik dargelegt, weshalb es zu keinem weiteren Rechtsverstoß, Verbot, Schließung, Entlassung und Schauprozess kommen könne. Millionen von aufrichtigen Deutschen dachten an jedem neueren Wendepunkt der unablässig zunehmenden staatlichen Unterdrückung, dass nun sicher das Ende erreicht sei, dass dies wirklich die letzte Rechtsbeschneidung, der letzte Racheakt gewesen sei. Stets hatten sie auf eine Ernüchterung der Macht gehofft - und auch sie wurden stets enttäuscht. Das wirklich Verblüffende ist, wie viele Ähnlichkeiten die beiden Epochen und Systeme trotz all ihrer Unterschiede aufweisen. Dabei ist das unsere angeblich immer noch ein demokratischer Rechtsstaat, während das andere zu einer massenmörderischen Diktatur wurde. Nur eine Frage: In welcher anderen europäischen Demokratie sitzt eine Partei im Parlament, in deren Personalpolitik die nazistische Rassenideologie präsent ist? Und darüber hat hier keiner auch nur ein Sterbenswörtchen verloren. Glaubt denn wirklich noch jemand, dass es nicht noch schlimmer kommen kann?"