Cocaine Bear Im Kino 12.04.2023 Elizabeth Banks' Horrorfilm "Cocaine Bear" über einen zugekoksten wütenden Mamabär, der eine trottelige Gruppe Wanderer terrorisiert, killt trotz Ray Liotta den Trash mit Ironie. Von Nicolai Bühnemann
Klempner gegen das Böse Im Kino 05.04.2023 Aaron Horvath und Michael Jelenic haben aus dem Videospiel "Super Mario Bros." einen nie ermüdenden zuckersüßen Diabetes-Risiko-Film gemacht. Ein Großereignis digitaler Animationskunst sind die Elemente: Wie hier das Wasser sprudelt und das Sonnenlicht fließt, ist so atemberaubend wie die planimetrische Hüpf-Sequenz. Von Thomas Groh
Und in der Außenseiterrolle: Nike Im Kino 05.04.2023 Ben Afflecks "Air" erzählt weniger die Geschichte des Ausnahme-Basketballers Michael Jordan als eine Geschichte um Werbung und Geld. Der Sportfilm wird zum - in diesem Fall ziemlich amüsanten - Businessfilm. Die Idealisten sterben aus. Von Jochen Werner
Kurs der Kopfgelder Im Kino 23.03.2023 Chad Stahelskis Actionfilm um den Auftragskiller "John Wick 4" setzt auf eine eigenwillige Ethik des Handwerks, die immer dann an ihre Grenzen gerät, wenn Gefühle die herrschende Amoral durchbrechen. Von Sebastian Markt
Aura des Endgültigen Im Kino 08.03.2023 Walter Hill treibt Christoph Waltz in "Dead for a Dollar" die Tarantino-Manierismen aus. Überhaupt hat Hill einen Western von einer reduzierten Eleganz gedreht, der in seiner unaufdringlichen Schönheit und klugen Melancholie jedem Liebhaber des Genres die Tränen in die Augen schießen lassen dürfte. Von Lukas Foerster
Im Kino gewesen. Das Licht gesehen. Im Kino 08.03.2023 Erst nach dem Tod seiner Eltern konnte er diesen Film drehen, sagt Steven Spielberg. "The Fabelmans" ist Spielbergs intimstes Werk, ein aufrichtiger Selbsttherapiefilm in atemberaubenden Bildern. Meisterlich verschränkt Spielberg biografisches Material mit den erprobten Ideen seines Kinos, um daraus virtuos rekontextualisierte Erinnerungsfantasien zu schmieden. Von Rajko Burchardt
Insistenz auf das Übermenschliche Im Kino 01.03.2023 Die Dirigentin Lydia Tár ist ein Genie. Oder doch nicht. Vielleicht muss der Genie-Begriff in seiner Monstrosität abgeschafft werden? Regisseur Todd Field scheint dieser Ansicht, aber sein eigener Film ist durchdrungen von einer Atmosphäre der Hochkultur, wie sie die Filme Weerasethakuls, Tarkowskis, Hanekes oder Kubricks prägt. Von Jonas Nestroy
Eine Träne und ein Lächeln Im Kino 18.01.2023 Damien Chazelles "Babylon" erzählt von der Zeit, als Film noch die Jagd nach Licht war und sich erst langsam zur Jagd nach Geld wandelte. Es ist ein profund historischer und klug eingefädelter Abgesang auf die Filmindustrie, ein endgültiger Bruch mit ihren nostalgisch-selbstverliebten Nabelschauen. Von Katrin Doerksen
Radikale Unversöhntheit Im Kino 28.12.2022 Das Festival des unabhängigen amerikanischen Kinos, "Unknown Pleasures", zeigt in einer Werkschau des deutsch-jüdischen Filmemachers Michael Roemer dessen Spielfilmdebüt "Nothing but a Man" aus dem Jahr 1964 über einen schwarzen Eisenbahnarbeiter, der sich dem Rassismus stellen muss, und die Gewalt, die ihm widerfährt, am Ende gegen die Seinen richtet. Von Nikolaus Perneczky
Gedankenlosigkeit als Krone Im Kino 28.12.2022 Rian Johnsons Whodunnit "Glass Onion: A Knives Out Mystery" schaut einer Handvoll Idioten bei der Selbstdemontage zu. Ein überdrehtes Melodrama mit Mord, das keine Fragen offen lässt, aber als Satire über eine dumme, reiche Elite Spaß macht: Edward Norton schafft eine wunderbare Aura aus Selbstherrlichkeit und Einfalt, Kate Hudson spielt, als bade sie täglich genussvoll in den Klatschspalten der Welt. Von Robert Wagner
Die Dialektik der Welt Im Kino 14.12.2022 James Camerons "Avatar - The Way of the Water" ist das Meisterwerk geworden, das der Vorgänger gerne gewesen wäre. Lange darf man in Schönheit schwelgen, doch nur, damit die Fallhöhe umso größer wird, wenn er den Ethnokitsch mit atemberaubender Gemeinheit konterkariert, die auch die Na'vi nicht verschont. Von Nicolai Bühnemann
Verdammt komplex Im Kino 23.11.2022 "Guillermo del Toros Pinocchio" bewegt sich in einem dichten Netz aus Referenzen und erzählt dabei gleich drei Geschichten: Eine Abenteuergeschichte, eine Vater-und-Sohn-Geschichte und eine Geschichte von Krieg und Faschismus. Dabei treiben Del Toros wild wuchernde Fantasiewelten immer dort die schönsten Blüten, wo er sie auf das reale Grauen der Geschichte treffen lässt. Von Nicolai Bühnemann