Im Kino

Gut geölte Maschine

Die Filmkolumne. Von Nicolai Bühnemann
25.06.2025. Der Plot ist gewunden wie eine Rennstrecke, die Rennszenen sind komplex montiert. Dennoch gelingt es Joseph Kosinskis technisch hochgerüsteten Motorsportfilm "F1", sich in den entscheidenden Momenten auf das Wesentliche zu konzentrieren.

"It's not about the money."
"So what is it about?"

Die Antwort auf die zentrale Frage, was ihn antreibt, bleibt Sonny Hayes (Brad Pitt) gleich zweimal schuldig, erst am Anfang, dann am Ende des Films. Müsste man die rahmende Frage, worum es Film und Figur geht, mit einem Wort beantworten, dann würde es lauten: Beschleunigung.

Doch als Lebensgefühl der Figur wie als ästhetisches Konzept des Films ist Beschleunigung kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um einen bestimmten Zustand zu erreichen. Es geht in "F1" nämlich darum, dass die vielen Kurven und Hindernisse in Leben und Rennsport in diesen einen Moment münden, in dem man einfach über die Fahrbahn fliegt, ohne dass auch nur irgendwas einen aufhalten oder aus der Bahn werfen könnte. Der englische Begriff "being in your zone" steht im Sport für Momente höchster Konzentration und Leistungsfähigkeit. Zweieinhalb Stunden lang erzählt "F1" davon, wie ein Rennfahrer darum kämpft, seine ganz persönliche Zone zu erreichen. Weil zwanzig Sekunden in dieser Zone ausreichen, um als Sieger in die Sportgeschichte einzugehen.

Aber der Reihe nach: Zu Beginn ist Sonny ein ziemliches Wrack. Vor dreißig Jahren war er ein überaus talentierter Nachwuchsrennfahrer, dessen Träume, in der Formel 1 ganz nach oben zu kommen, durch einen schweren Unfall zunichtegemacht wurden. Seitdem kämpft er mit Spielsucht, stolpert von einer gescheiterten Ehe oder Affäre zur nächsten, lebt in einem Van.


Nun sucht ihn sein alter Partner von einst, Ruben Cervantes (Javier Bardem), auf, weil auch er knietief im Schlamassel sitzt. Astronomisch hoch verschuldet, ist Rubens einzige Hoffnung der Sieg seines Teams um den jungen, überaus talentierten Nachwuchsfahrer Joshua Pearce (Damson Idris) und Kate (Kerry Condon), die erste weibliche Chefmechanikerin in der Geschichte des Sports. Als zweiten Fahrer braucht er Sonny.

"F1" ist ein Film über Underdogs: Alternde Männer und eine auch nicht mehr ganz junge Frau in einer Männerdomäne, die es allen zeigen wollen. Dass das alles denkbar generisch daherkommt, gereicht dem Film zum Guten. Der Verzicht darauf, irgendetwas Originelles erzählen zu wollen, schafft die Möglichkeit, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich interessiert: der Ablauf der Arbeitsprozesse, die als Mittel zur Beschleunigung zum Sieg führen.

Bei aller Gegenwärtigkeit, die Filme, in denen Technologie eine zentrale Rolle spielt, fast immer an sich haben, nimmt sich eine große Jerry-Bruckheimer-Produktion wie "F1" im von aufgeplusterten Franchise-Filmen dominierten Hollywood der Gegenwart wie ein faszinierender Fremdkörper aus: Eine gut geölte Maschine, in der sich Einfachheit und Komplexität ständig gegenseitig durchdringen. Der Plot ist gewunden wie eine Rennstrecke: Männer mit Riesenegos müssen ihre Pläne und Bedürfnisse aufeinander abstimmen, ein Rennfahrer und eine Chefmechanikerin verlieben sich und ein aalglatter Manager intrigiert im Hintergrund, was das Zeug hält. Komplex ist auch der Schnitt in den Rennszenen, die einen Großteil der Laufzeit ausmachen: Dem Grundprinzip der Beschleunigung folgend, werden die dramatischen Ereignisse auf der Strecke parallelisiert mit dem Geschehen im Boxenbereich, beim Rest des Teams und auf den Zuschauerrängen.

Regisseur Joseph Kosinski greift dabei oft auf jene für die Sportfilme der 1980er typischen, von einem Song unterlegten Montagesequenzen zurück, die im Gegenwartskino sonst schmerzlich fehlen. Wer sich nicht für Autorennen interessiert, mag bei dem Fachjargon, der einem hier und da um die Ohren geschmissen wird, die Segel streichen. Aber letztlich geht es ums Prinzip: dass viele Zahnräder auf und neben der Strecke ineinander greifen, damit eine Gruppe von Menschen zum Team wird. Zu einem Team, das gewinnt.

Nicolai Bühnemann

F1 - USA 2025 - Regie: Joseph Kosinski - Darsteller: Brad Pitt, Damson Idris, Kerry Condon, Javier Bardem - Laufzeit: 148 Minuten.