Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.09.2025 - Literatur

Der PEN Berlin, der PEN Ukraine und das Ukrainische Institut haben am vergangenen Freitag beim Internationalen Literaturfestival Berlin einen Solidaritätsabend für die Ukraine veranstaltet. Gewidmet war er der Schriftstellerin Victoria Amelina, die 2023 bei einem Raketenangriff ums Leben kam. "Es wurde ein Abend über die Müdigkeit, aus dem man ganz wach herausging", schreibt Gerrit ter Horst im Tagesspiegel. Yevgeniy Breyger, Tanja Maljartschuk und Katja Petrowskaja "rangen sichtlich mit der Frage, was eigentlich die Aufgabe der Literatur im Krieg sei, ihre Antwort besteht darin, auf jeweils unterschiedliche Art das literarische Schreiben aufzugeben. Während Petrowskaja sich der Fotografie zuwandte, Breyger eine Form der dokumentarischen Lyrik entwickelte, fand Maljartschuk ihre neue Rolle als Herausgeberin ukrainischer Literatur: das vorhandene Material verwalten, es vor der Zerstörung bewahren, anstatt neue Sprache in den Raum zu stellen. Die einzige Literatur, die sie noch produzierten, so Petrowskaja und Maljartschuk, seien Nachrufe auf ihre Kolleginnen." PEN-Ukraine-Präsident Volodymyr Yermolenko beschloss den Abend: "In einer eindrücklichen Rede berichtete er von den ausgebrannten Geisterdörfern seiner Heimat, beklagte die Abwesenheit der Anwesenheit der anderen und kam über das radikale Böse bei Arendt zu Putin. Dieser führe nicht nur Krieg gegen die Ukraine und den Westen, sondern gegen die Gerechtigkeit selbst."

In der FAZ resümiert Kerstin Holm den Abend, das taz-Team liefert verstreute Eindrücke vom Festival.

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In Ozan Zakariya Keskinkılıçs Debütroman "Hundesohn" geht es um einen jungen Homosexuellen, der mit dem Islam und seinem Glauben hadert. Der Roman ist durchaus autobiografisch grundiert, verrät der Schriftsteller im Tagesspiegel-Gespräch mit Özben Önal. In einer Szene des Romans fantasiert sein Protagonist beim Gebet in der Moschee über Analverkehr mit dem Mann, der ihm beim Hinknien den Hintern entgegenstreckt. "Diese Szene fühle ich sehr, weil sie zeigt, wie absurd die Vorstellung ist, ein Raum voller Männer könnte entsexualisiert sein." Diese Passage "wird sehr viele Menschen wütend machen. Aber ich habe dieses Buch nicht geschrieben, damit es von allen Menschen gemocht wird. Das kann auch nicht der Anspruch von Literatur sein. Ich habe viele Jahre gebraucht, um die Stimme in meinem Kopf abzuschalten, die mir sagt: Das darfst du nicht. Ich habe Spaß an dem lyrischen Spiel mit der Sprache und daran, solche Gedanken weiterzuverfolgen. ... Natürlich verstehe ich, dass ich nicht wenige religiöse Menschen mit diesem Buch schocke, aber im Schock kann eine schöne Erweckung liegen. Die Freiheit, so zu leben, wie man möchte."

Der Standard dokumentiert die Rede, mit der Eva Menasse die Dachstein-Dialoge in Österreich eröffnet hat. Darin kommt die Schriftstellerin auch auf das Thema Kulturboykott zu sprechen: "Dass der Dirigent Lahav Shani in Gent ausgeladen wurde, ist strukturell genau das Gleiche wie die Ausladung von Omri Boehm, dem deutsch-israelischen Philosophen, der die Gedenkrede im Konzentrationslager Buchenwald im April nicht halten durfte", findet sie. Zudem grassiere "in Deutschland, dem Land mit der größten palästinensischen Diaspora Europas, eine weitverbreitete Hysterie gegenüber Menschen, die als 'BDS-nah' bezeichnet und damit pauschal als Antisemiten diffamiert werden." Dabei sollte "jede Institution, jedes Festival, jeder Konzertveranstalter frei und ohne Druck entscheiden können, wen er einlädt."

Frei und ohne Druck? Das passt gallig gut zu einer Posse im Literaturhaus Uwe Johnson im mecklenburgischen Klütz. Dessen Leiter Oliver Hintz wendet sich mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit, dass er Michel Friedman auf Druck des Bürgermeisters wieder ausladen musste, wie Matthias Alexander in der FAZ berichtet. Dieser "Streit ... sei von einer langjährigen Mitarbeiterin des Literaturhauses ausgegangen. Solange sie dort tätig sei, habe sie mitgeteilt, werde es keine Lesung mit Friedman geben. Als er, Hintz, sich unbeeindruckt gezeigt habe, habe sie sich an die Stadtpolitik gewendet. Schließlich habe der Bürgermeister ihn angewiesen, Friedman auszuladen, berichtet Hintz. In einem Gespräch sei ihm zur Begründung mitgeteilt worden, dass man Proteste von rechten Kräften befürchte."

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Weitere Artikel: Für den Standard spricht Jakob Goubran mit dem Schriftsteller Edouard Louis über dessen aktuellen Roman "Absturz". In Frankfurt las Peter Schröder David Foster Wallace, berichtet Judith von Sternburg in der FR. In der FR gratuliert Konstantin Johannes Sakkas dem Schriftsteller Peter Prange zum 70. Geburtstag. Mathias Mayer erinnert in der FAZ an Schillers Kritik an den Gedichten Gottfried August Bürgers.

Besprochen werden unter anderem Eva Illouz' Essay "8. Oktober" über das Verhältnis der Linken zum 7. Oktober (Zeit Online), Christine Wunnickes "Wachs" (FR), Lea Ypis "Aufrecht" (NZZ), Melara Mvogdobos "Großmütter" (NZZ), neue Kinderbücher, darunter Judith Burgers und Julie Völks "Opas Herz" (FAZ), sowie Manon Garcias "Mit Männern leben - Überlegungen zum Pelicot-Prozess" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.09.2025 - Literatur

Der Autor Fabio Stassi ist auf den Spuren von Antonio Tabucchi nach Kreta gereist. Der italienische Schrifsteller "liebte Griechenland - rau, essenziell, nur Felsgestein und Jahrhundertbäume, versunken im Mythos, Bergrücken voller Dornengestrüpp, Ziegen, Anis-Honigbrotkringel. Und so sollte auch sein Schreiben sein", schreibt Stassi in "Bilder und Zeiten" der FAZ. Hier "würde ich ihn sehr gerne fragen, was genau er auf Kreta gefunden hat. Ganz sicher, die unmittelbare Verzauberung, die schattigen Pergolen, den Salzgeruch in der Luft. Und mehr noch als das Meer, die Berge, die Wildpflanzen: das Heilkraut der Melancholiker und das der Liebe. Die steilen Felsschluchten, das dunkelglänzende Grün. Und seine Dichter, die von Unglück und Wechselfällen heimgesucht waren, wie Nikos Kazantzakis, auf dessen Grab geschrieben steht: 'Ich glaube an nichts. Ich erhoffe nichts. Ich bin frei.' Auch er spürte, was es heißt, wie es der Vers der portugiesischen Dichterin Sophia de Mello Breyner Andresen besagt, 'zur Rasse derer zu gehören, die durch das Labyrinth laufen, ohne jemals den Wollfaden des Wortes zu verlieren".

Weitere Artikel: Roman Bucheli erzählt in einem Longread für die NZZ von Annemarie Schwarzenbachs letzten Lebensjahren in der Schweiz. Nina Apin berichtet in der taz von den Feierlichkeiten rund um das 80-jährige Bestehen des Aufbau Verlags. Michael Hesse spricht für die FR mit Ken Follett über dessen neuen Roman "Stonehenge". FR-Kritiker Christian Thomas fügt seiner "ukrainischen Bibliothek" Karl Schlögels "Entscheidung in Kiew" hinzu. In "Bilder und Zeiten" der FAZ erinnert Martin Lhotzky daran, wie Donald Duck 1969 (in Deutschland im "Lustigen Taschenbuch" in den Siebzigern mit dem Titel "Donald mal ganz anders" dokumentiert, jüngst als dicker Band neu erschienen) zum Superhelden Phantomias und damit zum Rächer der Gedemütigten und Enterbten wurde.

Besprochen werden unter anderem Eva Illouz' Essay "Der 8. Oktober" über den Umgang der Linken mit dem 7. Oktober (NZZ, taz), Ozan Zakariya Keskinkılıçs "Hundesohn" (taz), Édouard Louis' "Der Absturz" (Freitag), Percival Everetts "Dr. No" (taz), Fann Attikis "Cave 72" (Presse), Jochen Schmidts "Holopoiia" (FR), Rebecca Godfreys und Leslie Jamisons "Peggy" (FAZ) und Heinrich August Winklers Memoiren (WamS).

In der Frankfurter Anthologie schreibt Matthias Weichelt über Kerstin Hensels "Gruß vom Kaßberg":

"Als ich Kind war fiel die Straßenbahn
Um in der Kurve ..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.09.2025 - Literatur

In der FAZ gratuliert Hubert Spiegel dem Literaturkritiker Ulrich Greiner zum 80. Geburtstag. Besprochen werden unter anderem Max Goldts "Aber?" (taz), J.K. Rowlings unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlichter Krimi "Der Tote mit dem Silberzeichen" (NZZ)  und Marko Dinićs "Buch der Gesichter" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.09.2025 - Literatur

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Josefine Rein porträtiert in der taz die ugandische Schriftstellerin und Anthropologin Stella Nyanzi, die sich in den Zehnerjahren mit der Politik und der Justiz in ihrem Heimatland angelegt hat und seit wenigen Jahren im Exil in Berlin lebt. Ihre Strategie im Kampf gegen die Obrigkeiten in Uganda: radikale Unhöflichkeit. "'Wenn ich den Präsidenten nicht mehr mit 'seine Exzellenz', sondern mit 'ein paar Arschbacken' anspreche, durchbreche ich den Bann seiner Autorität', sagt die ehemalige Professorin für Anthropologie. (...) Anstatt ihre Wut über Korruption, Müttersterblichkeit und politische Repressionen zu teilen, ist die Öffentlichkeit vor allem entsetzt über eins: dass eine Frau aus der Kultur der Baganda es wagt, solch schmutzige Wörter in den Mund zu nehmen. Ihre sexualisierte Sprache wird oft als westlich, als unafrikanisch verstanden. Die Autorin widerspricht dieser Annahme: 'Ich verbinde meine Poesie bewusst mit indigenen Traditionen. (...) Auch unsere Großmütter sangen offen über ihre Vaginas.'"

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"Diebstahl" ist der erste Roman von Abdulrazak Gurnah seit seiner Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis 2021. Erneut geht es um Sansibar, wo der spätere britische Literaturprofessor und Schriftsteller seine Kindheit noch unter Kolonialherrschaft verbracht hat. "Ich schreibe vor allem über das Gefühl, nicht in Sansibar zu sein", sagt Gurnah im SZ-Gespräch mit Felix Stephan, "wie es sich anfühlt, woanders zu sein und an Sansibar zu denken. Ich glaube, das ist ein sehr zeitgenössisches Phänomen." Dabei "begebe ich mich gedanklich sehr tief hinein. Ich möchte nicht als Außenseiter darüber schreiben (...) und um von innen zu erzählen, muss man von den gemeinsamen Werten dieser Leute sprechen, ihrer Kultur, die den Kolonialismus überlebt hat und die bis heute lebendig ist." Was er schreibt, "kommt aus dem Gedächtnis, aber es verdankt sich auch wirklich dem Prozess, sich während des Schreibens in diese Welt zu versenken. (...) Erinnern also in der Form von: es zu re-imaginieren."

Besprochen werden unter anderem Lorenz Hemickers "Mein Großvater, der Täter. Eine Spurensuche" (NZZ), der neue Band der jährlichen Comicanthologie "Spring" (FAZ.net), T. C. Boyles "No Way Home" (TA), neue Bücher zur Geschichte der frühen Fotografie (FAZ), Lea Ypis "Aufrecht" (Zeit) und Heinrich August Winklers Memoiren (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.09.2025 - Literatur

Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis ist da (alle nominierten Bücher finden Sie hier als Büchertisch in unserem Onlinebuchladen Eichendorff21).

Mit "Die Holländerinnen" von Dorothee Elmiger und "Haus der Sonne" von Thomas Melle sehen die meisten Kritiker die Favoriten klar gesetzt. Aber auch die vier weiteren Titel "sind so unterschiedlich und doch auch literarisch jeweils so gekonnt, dass man keinem von ihnen Außenseiterchancen absprechen kann", schreibt Andreas Platthaus in der FAZ. Alle Romane eint das Motiv der "Gewalterfahrung - ob bei dem vor seinem eigentlich fest verabredeten Suizid noch einmal luxuriös umsorgten Protagonisten von Thomas Melle, ob bei der mit den Untiefen der Zivilisation konfrontierten Theatertruppe bei Elmiger, bei Erdmanns Elfjährigem, der den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium miterlebt, bei Kicajs mit ihrer Familie dem Kosovo-Krieg entronnener Erzählerin, bei Sironics in einer nahen Zukunft im ökologischen Ausnahmezustand lebenden Mädchen oder bei Wunnickes beiden Frauen aus den letzten Jahren des französischen Ancien Régime, deren eine noch zur Zeugin der Exzesse der Revolutionszeit wird." Und "lesenswert sind diese Bücher" obendrein, "weil jeweils nicht nur die Moral ihrer Geschichte im Fokus steht, sondern auch die literarische Form."

Die Nominierten sind "erstaunlich anspruchsvoll", meint auch Adam Soboczynski in der Zeit. "Dass sie dabei erstaunlich düster sind, spricht ja nicht gegen sie." Das mit der Kunst sieht SZ-Kritiker Felix Stephan nicht ganz so euphorisch: "Alle nominierten Romane nähern sich auf künstlerische Weise Themen von unmittelbar gesellschaftspolitischer Relevanz, für ästhetizistische Poetiken scheint im Moment nicht die Zeit zu sein." Judith von Sternburg knobelt in der FR, wer wohl gewinnen wird, kommt aber zu keinem abschließenden Ergebnis: "Es ist zum Verzweifeln, es ist eine Lust." Über diese Romane kann man bei einer Abendgesellschaft prächtig konversieren, freut sich Björn Hayer im Freitag.

In ihrer Lyikkolumne für den Perlentaucher schreibt Marie Luise Knott über Gedichte von Fran Lock und Zheng Xiaoqiong. Während erstere einen Band mit "Arbeiter:innenklassenpoetik" herausgebracht hat, schreibt letztere in ihrer "Erzählung von den Konsumgütern" für die Wanderarbeiterinnen in China: "Derzeit gibt es In China ungefähr 300 Millionen Wanderarbeiterinnen. Auch Zheng Xiaoqiong, geboren 1980 und aus den Huangma Bergen stammend, ist 2001 als Wanderarbeiterin in die Provinz Guangdong gegangen. In vielen ihrer Gedichte versucht sie, die Sprache derer zu sprechen, die im Leben keine Sprache finden: 'Wir alle haben ein Recht auf Gedichte', sagt sie heute, 'weil sich die Arbeit ohne sie nicht ertragen lässt.'"

Weitere Artikel: Ulrike Baureithel resümiert im Tagesspiegel das Internationale Literaturfestival Berlin. Nadine A. Brügger spricht für die NZZ mit der Krimiautorin Ingrid Noll. Björn Hayer (FR) und Lothar Müller (SZ) schreiben zum Tod des Literaturkritikers Harald Hartung. Lars von Törne begibt sich für den Tagesspiegel anlässlich von 75 Jahren "Peanuts" auf Spurensuche, wann Charlie Brown eigentlich sein Debüt in Deutschland feierte - und kommt zu dem Schluss, dass in der hiesigen Comicforschung gängige Ansichten dazu eher auf Hörensagen beruhen.

Besprochen werden unter anderem Maxim Billers Novelle "Der unsterbliche Weil" (online nachgereicht von der Zeit), Marie Vieux-Chauvets "Liebe, Wut, Wahnsinn" (FR), Max Goldts "Aber" (FAZ) und Ozan Zakariya Keskinkılıçs "Hundesohn" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.09.2025 - Literatur

(Update) Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis ist da! Nominiert sind Dorothee Elmiger ("Die Holländerinnen"), Kaleb Erdmann ("Die Ausweichschule"), Jehona Kicaj ("ë"), Thomas Melle ("Haus zur Sonne"), Fiona Sironic ("Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft") und Christine Wunnicke ("Wachs"). Die Preisverleihung findet am 13. Oktober statt.

Auf Eichendorff21 haben wir ihnen einen Büchertisch mit allen Nominierten zusammengestellt. Die Bücher aus der Longlist finden Sie hier.

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In der FR porträtiert Konstantin Johannes Sakkas den Schriftsteller Robert Menasse. Andreas Platthaus schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Literaturkritiker Harald Hartung. Alan Posener erinnert in der Welt an den Kinderbuchautor E. M. Barrie.

Besprochen werden unter anderem Lea Ypis "Aufrecht" (Welt), Mieko Kawakamis "Das gelbe Haus" (NZZ), T. C. Boyles "No Way Home" (FR), Hanno Millesis "Zur Zeit der Schneefälle" (Standard), Susan Bernofskys Biografie über den Schriftsteller Robert Walser (Tsp) und Thomas Melles "Haus zur Sonne" (Welt). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Stichwörter: Elmiger, Dorothee

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.09.2025 - Literatur

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Der israelische Schriftsteller Yishai Sarid kommentiert mit seinen Romanen regelmäßig die israelische Gesellschaft. So auch in seinem aktuellen, "Chamäleon", der den Rechtsruck an einem opportunistischen Journalisten illustriert. "Der Angriff der Hamas und alles, was folgte, haben die israelische Gesellschaft sehr negativ verändert", sagt Sarid im taz-Gespräch gegenüber Till Schmidt. "Als jemand, der hier lebt und nirgendwo anders hin kann, weil dies einfach mein Land ist, ist es sehr schwer, damit klarzukommen. ... Meine Romane haben sich immer schon mit der Psychologie der israelischen Gesellschaft befasst. In 'Monster' etwa habe ich den tiefen Einfluss der Schoah auf unser Denken und Fühlen untersucht. Die Idee von Israel als jüdischem Staat dreht sich darum, dass dieser Staat garantiert, dass wir Juden nicht wieder hilflos sind, dass unsere Kinder nicht abgeschlachtet, entführt und gefoltert werden. Doch weil genau so etwas am 7. Oktober passiert ist, waren die Reaktionen so heftig."

Außerdem: Ronald Pohl liest für den Standard die aktuelle Ausgabe des Schreibheft, das sich in einem Dossier dem Schriftsteller Gregor von Rezzori widmet. Petra Ahne resümiert in der FAZ das Internationale Literaturfestival Berlin. Pippo Pollina erinnert in der SZ an den italienischen Schriftsteller Giuseppe Fava, der sich in Romanen und Theaterstücken gegen die Mafia richtete und von ihr 1984 ermordet wurde.

Besprochen werden unter anderem Kamel Daouds "Huris" (Standard), Annie Ernauxs "Die Besessenheit" (Standard), Lea Ypis "Aufrecht" (Standard), Percival Everetts "Dr. No" (NZZ), Maya Rosas "Moscow Mule" (Freitag), die ersten Bände einer neuen Wilhelm-Raabe-Ausgabe (Welt), Susan Bernofskys "Hellseher im Kleinen" über Robert Walser (Welt), Christian Barons "Drei Schwestern" (Welt) und neue Hörbücher, darunter "Die Geschichte des Klangs" von Ben Shattuck (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.09.2025 - Literatur

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"Beide Romane eint der Mut zur Ambivalenz", schreibt Verena Harzer in der taz nach der Lektüre von Antonia Baums "Achte Woche" und Claire Kilroys "Kinderspiel", die sich auf je unterschiedliche Weise - einmal "nüchtern-analytisch", einmal "mit sprachlicher Wucht" - mit Mutterschaft auseinandersetzen. Gregor Dotzauer ist im Tagesspiegel begeistert davon, wie begeistert sich der konservative Kulturstaatsminister Wolfram Weimer beim Auftakt des Internationalen Literaturfestivals Berlin von der Eröffnungsrede der linken mexikanischen Schriftstellerin Cristina Rivera Garza zeigte. Julia Hubernagel ist in der taz derweil nicht ganz so begeistert. Ambros Waibel empfieht in der taz Sophie Rois' in der ARD-Audiothek stehende Lesung von Nell Zinks Roman "Sister Europe".  Der Schriftsteller Moshe Sakal setzt in "Bilder und Zeiten" der FAZ seinen experimentellen KI-Dialog fort. In der FAZ gratuliert die Schriftstellerin Marion Poschmann ihrer Kollegin Hiromi Itō zum 70. Geburtstag. In der FAZ-Reihe zu 75 Jahre Friedenspreis beugt sich die Schriftstellerin Simone Buchholz über Margaret Atwoods 2017 gehaltene Dankesrede. In "Bilder und Zeiten" der FAZ schreibt Paul Ingendaay über die anhaltende Popularität von Ernest Hemingway. Rico Bandle erinnert in der NZZ an den österreichischen Schriftsteller Felix Salten, der 1939 vor den Nazis ins Exil in die Schweiz geflohen ist und dort seine letzte Lebensjahre verbracht hat.

Besprochen werden unter anderem Anthologien zur ukrainischen Literatur (NZZ), der von Ulrich Schmid herausgegebene Band "Ukrainische Literaturgeschichte" (NZZ), Anja Kampmanns "Die Wut ist ein heller Stern" (taz), Sylvain Prudhommes "Der Junge im Taxi" (Freitag), Caroline Wahls "Die Assistentin" (FR), Percival Everetts "Dr. No" (TA), Dan Browns neuer Roman "The Secret of Secrets" (Welt) und José Rizals "Noli me tangere" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

In der Frankfurter Anthologie schreibt Sebastian Böhmer über Albert Vigoleis Thelens "Wanderer ohne Ziel":

"Wie bin ich Wanderer ohne Ziel
und ohne Zuversicht -
Kein Licht ..."
Stichwörter: Weimer, Wolfram

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.09.2025 - Literatur

Die FAZ dokumentiert die Rede, mit der die mexikanische Schriftstellerin Cristina Rivera Garza gestern das Internationale Literaturfestival Berlin eröffnet hat. Stefan Müller-Doohm blickt für die FR auf das Verhältnis zwischen Thomas Mann und Theodor W. Adorno. Andreas Platthaus (FAZ) und Christine Knödler (SZ) schreiben Nachrufe auf die Bilderbuchkünstlerin Jutta Bauer. Der Tages-Anzeiger meldet die Nominierten für den Schweizer Buchpreis, darunter Nelio Biedermanns "Lázár" und Dorothee Elmigers "Die Holländerinnen".

Besprochen werden Emmanuel Carrères bislang nur in Frankreich erschienener Roman "Kolkhoze", für den SZ-Kritikerin Johanna Adorján dem Autor von Herzen den ihm bislang vorenthaltenen Prix Goncourt wünscht, Svealena Kutschkes "Gespensterfische" (online nachgereicht von der FAZ), Nelio Biedermanns "Lázár" (Standard) und neue Sachbücher, darunter Michi Strausfelds "Die Kaiserin von Galapagos. Deutsche Abenteuer in Lateinamerika" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.09.2025 - Literatur

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Eva-Sophie Lohmeier traut dem Feuilleton-Hype um Nelio Biedermanns Roman "Lázár" nicht. Detailliert führt sie auf 54books durch das Buch und listet Schwächen auf, die ihr bei der Lektüre begegnet sind: "So paradieren sie an einem vorbei, die Personen, die Penisse, die Jahre; Tauben fallen in dunkler Vorahnung tot vom Himmel, Juden verschwinden, Schlösser, Familienmitglieder kommen abhanden." Aber worum geht's dabei, fragt sie sich. "Am ehesten wird hier wohl von der Belesenheit eines jungen Autors erzählt, der sich im üblichen Kanon auch wirklich ganz gut auskennt und eine Menge Anspielungen einfügt, in denen beflissene Rezensenten ihr jüngeres Selbst und ihre Belesenheit gespiegelt sehen. Wie die Hymnen auf ein Buch voller schiefer Bilder, prätentiöser Sprache und halbverdauter Lektüre zustande kommen, ist wohl außerdem auch mit einer Faszination für die Familiengeschichte des Autors zu erklären. Die meisten Autoren haben leider weniger schillernde Adelshintergründe, andere sind Frauen, daher stellt sie niemand unter Genieverdacht."

Weitere Artikel: Marlene Knobloch porträtiert für die Zeit die New Yorker Essayistin Fran Lebowitz, die sich in ihrer seit 30 Jahren anhaltenden Schreibblockade ganz gut eingerichtet hat. Zelda Biller erzählt in der Zeit von ihrem Besuch im Café Nilus, das sich in Tel Aviv zum Schriftstellertreff entwickelt hat. Jakob Ballhausen berichtet in der FAZ vom Literaturfestival, das der Schriftsteller Dinçer Güçyeter nun zum zweiten Mal im Nettetal veranstaltet hat. In den Actionszenen der Weltliteratur erinnert Erhard Schütz daran, wie dem japanischen Schriftsteller Mori Ôgai im Deutschen Kaiserreich einmal der Kragen platzte.

Besprochen werden unter anderem Abdulrazak Gurnahs "Diebstahl" (online nachgereicht aus der LitWelt), Daniela Strigls "Zum Trotz. Erkundung einer zwiespältigen Eigenschaft" (NZZ), Volker Kutschers "Westend" (taz), Usama Al Shahmanis "In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied" (FR), Robert Seethalers und Rattelschnecks Comic "Trotteln" (FAZ.net), Verena Keßlers "Gym" (Zeit), Christina Fonthes Debütroman "Wohin du auch gehst" (FAZ) und Peter Wawerzineks "Rom sehen und nicht sterben" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Stichwörter: Biedermann, Nelio