Für einen "Fehler" hält es Ijoma Mangold auf Zeit Online, dass die Ausladung der rechten Dresdner Buchhändlerin SusanneDagen von einem Pfälzer Literaturfestival wohl kaum zu Wallungen im Feuilleton führen wird, denn "über Ausladungen empört man sich immer nur, wenn die eigenen Leute betroffen sind. ... Macht es doch bitte der AfD nicht zu leicht, das kulturelle Establishment dieses Landes als selbstgerechteHeuchler-Kaste zu schmähen!"
Außerdem: Andreas Platthaus hat für "Bilder und Zeiten" der FAZ ein philippinisches Comicfestival besucht. Ebenfalls In "Bilder und Zeiten" blickt Thomas Combrink auf Alexander Kluges Verhältnis zu seiner Heimatstadt Halberstadt. In Berlin hat LinorGoralik ihr Buch mit StimmenrussischerEmigranten vorgestellt, berichtet Yelizaveta Landenberger in der taz. Die Literarische Welt feiert in mehreren Beiträgen ihre erste vor 100 Jahren erschienene Ausgabe, damals noch in Herausgabe von Willy Haas.
Besprochen werden FionaSironics "Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft" (FR), ThomasMelles "Haus zur Sonne" (NZZ), WoodyAllens Debütroman "What's with Baum?" (NZZ), SorjChalandons "Herz in der Faust" (NZZ), JakobMartinStrids aufwändiges Bilderbuch "Der fantastische Bus" (taz), BenShattucks "Die Geschichte des Klangs" (taz), der neue DanBrown (Standard), ZytaRudzkas "Lachen kann, wer Zähne hat" (FAZ) und Nora Gomringers "Am Meerschwein übt das Kind den Tod" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der Frankfurter Anthologieschreibt Urs Heftrich über HryhoriySkovorodas "18. Lied":
"Zeisig, Vöglein du im gelben Kleide, Bau dein Nest dort droben nicht. Bau es hier im grünen Grase ..."
Gerrit Bartels (Tsp) und Marie Schmidt (SZ) porträtieren den Verleger SebastianGuggolz, der künftig dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels vorsteht. Der Dlf hat mit Guggolz gesprochen. Besprochen werden unter anderem DeenaMohameds Comic-Epos "Shubeik Lubeik" (FAZ.net), FredDuval und IngoRömlings Comic "Metropolia - Berlin 2099" (taz), ArundhatiRoys "Meine Zuflucht und mein Sturm" (Zeit) und AnjaKampmanns "Die Wut ist ein heller Stern" (SZ).
Nachdem MichelFriedman - mutmaßlich auf Anweisung des (nach 30 Jahren im Amt nun zurückgetretenen) Bürgermeisters - vom Literaturhaus Uwe Johnson in Klütz ausgeladen worden war, kamen er und der PENBerlin einfach auf eigene Faust für eine Kundgebung in die kleine Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern. Die Bevölkerung war derweil sehr angefasst von dem Medienrummel. Friedman selbst schlug versöhnliche Worte an: "'Es hat mich irritiert, dass es geheißen hat, ich passe nicht zu Klütz. Ich bin jetzt hier und finde, wir passen gut zueinander', sagt er und breitet die Arme aus", wie Ulrike Nimz in der SZ berichtet.
"Wie schon vergangene Woche werden die Gründe" für den Eklat "auch an diesem Abend nicht ganz klar", berichtet Jan Kahlcke in der taz, es könnte an den befürchteten hohen Security-Kosten gelegen haben. Dafür aber "gelingt etwas Erstaunliches": Der Markt wurde "zu einem Debattenforum auf Kopfsteinpflaster, bei dem jeder die Chance hat, zu Wort zu kommen. ... Es werden zwei Stunden konzentrierter und fast immer zivilisierter Debatte. ... Was sich in Klütz abspielt, ist auch ein Symptom zerrütteter Kommunalfinanzen. Die winzige Stadt mache jedes Jahr Millionenschulden, brauche Sanierungshilfen vom Land, sagt einer. Dass die Stadt sich das Literaturhaus leisten könne, sei eigentlich ein Wunder, meint ein anderer. Da kommt nicht so gut an, was die eigens angereiste Kulturministerin BettinaMartin (SPD) zu sagen hat, die die Ausladung von Friedman umgehend per Pressemitteilung kritisiert hatte. Jetzt sagt sie: 'Es geht nicht, dass Politik sich einmischt, wenn eine Kulturinstitution jemanden einlädt.' Dann müsse sie die Kultur eben auch auskömmlichfinanzieren, entgegnet jemand." (Die Kosten für Friedman waren allerdings von privaten Initiativen übernommen worden, hatte der Chef des Literaturhauses Hintz im Stern erklärt.) In der Welt sammeln Friedrich Steffes-Lay und Jens Ulrich Eckhard Stimmen aus den Diskussionen in Klütz.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Im FAZ-Gespräch mit Katrin Hillgruber gibt die SchriftstellerinMiekoKawakami Einblick in die japanische Gesellschaft der letzten 30 Jahre und damit in den historischen Hintergrund ihres aktuellen Romans "Das gelbe Haus": "1995 gab es ein großes Erdbeben in Kobe. Gleichzeitig verübte die Aum-Sekte Giftgasanschläge in der Tokioter U-Bahn. Für meine Generation war das der Anfangspunkt einer sehr dunklen Zeit, der sogenannten verlorenen dreißig Jahre. Alles Mögliche hat sich in dieser Zeit verändert. Von außen betrachtet, sieht Japan immer so aus, als wäre es ein sehr sicheres und reiches Land, aber die Armut nahm von diesem Zeitpunkt an zu. Damals ist das gesellschaftliche Sicherheitsnetz weggefallen. Das hat sich sogar bei der japanischen Mafia, der Yakuza, bemerkbar gemacht. ... Sie haben sich aufgesplittert, mussten sich digitalisieren, und es war für sie der Anfang des Abstiegs. All die Leute aus dem Milieu der Verbrecher und Kleinkriminellen, die ich im Roman beschrieben habe, sind letztendlich Übriggebliebene."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: Alex Rühle porträtiert in der SZ den KinderbuchautorJakobMartinStrid, der 15 Jahre an den hochgradig detaillierten Wusel-Zeichnungen seines neuen ziegelsteinschweren Buchs "Der fantastische Bus" gearbeitet hat. Nina Mueller erinnert in der JungleWorld an JeanRhys' 1966 veröffentlichten, feministischen Roman "Die weite Sargassosee". Tillmann Neuscheler meldet in der FAZ, dass der Verleger SebastianGuggolz künftig den Börsenverein des Deutschen Buchhandels leitet.
Besprochen werden unter anderem PeterWaterhouses "Z Ypsilon X" (Standard), KatieKitamuras "Die Probe" (FR), TilmanLahmes Biografie über ThomasMann (Welt) und MartinaClavadetschers "Die Schrecken der anderen" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Besprochen werden Götz Alys "Wie konnte das geschehen?" (Standard, hier unsere zahlreichen Leseproben aus dem Buch), ThomasMelles "Haus zur Sonne" (Zeit), Ozan Zakariya Keskinkılıçs "Hundesohn" (online nachgereicht von der FAS), T. C. Boyles "No Way Home" (NZZ), ClemensMarschalls Buch über die im Wiener Milieu berüchtigte Zuhälterin "WildeWanda", nach der auch die österreichische Rockgruppe um den Schriftsteller Marco Wanda benannt ist (Standard), und IngridNolls Krimi "Nachteule" (online nachgereicht von der FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Für die "Seite Drei" der SZ porträtiert Constanze von Bullion die SchriftstellerinAnneRabe. Julia Rothhaas spricht für die SZ mit der KrimiautorinIngrid Noll. Lars von Törne blickt für den Tagesspiegel auf 75 Jahre "Peanuts" zurück.
Besprochen werden unter anderem Ulrike Draesners Versepos "penelopes sch()iff" (online nachgereicht von der FAZ), KathrinRögglas Essaysammlung "Nichts sagen. Nichts sehen. Nichts hören" (online nachgereicht von der FAZ), HelleHelles "Hafni sagt" (NZZ), AnnSchlees "Die Rheinreise" (Standard), GeorgeSands "Nanon" (online nachgereicht von der FAZ), DieterKühns "Ausblicke vom Fesselballon" (online nachgereicht von der FAZ), Sara Paretskys Krimi "Wunder Punkt" (FR), AliSadrzadehs Biografie über AliKhamenei (NZZ) und ElizabethGilberts "All the Way to the River" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Menaf Osman. Foto: privatChris Schinke porträtiert in der taz den kurdischen Schriftsteller MenafOsman, der ein bedrückendes Martyrium hinter sich hat und nun dank eines PEN-Stipendiums in München untergekommen ist. Bereits in den Achtzigern in Syrien drangsaliert, floh er Anfang der Neunziger in die Türkei, machte sich dort für die Kurden stark und landete auf Jahre im türkischen Gefängnis, wo er schwer gefoltert wurde. "Trotz aller Repression schrieb Osman jedoch unermüdlich weiter: Gedichte, Romane, Essays, und arbeitete an Übersetzungen. Insgesamt entstanden während seiner Haftzeit 29 eigene Werke, dazu mehr als 30 Übersetzungen. ... Schreiben und Übersetzen sei sein Überlebensanker gewesen. Ohne diese hätte er die Zeit nicht überstanden, so Osman. Bis zur Jahrtausendwende war es fast unmöglich, Manuskripte aus dem Gefängnis herauszuschmuggeln. Viele Texte schrieb Osman mehrfach neu, da die Manuskripte beschlagnahmt wurden. Manche gelangten auf winzigen Zetteln oder auf Stoffresten von Taschentüchern in die Freiheit - versteckt im Jackenfutter von Mitgefangenen, die entlassen wurden." Seine Texte oszillieren "zwischen Verlust und Hoffnung, zwischen poetischer Erinnerung und politischer Realität". Weitere Artikel: "Schlicht schade" findet es tazler Dirk Knipphals, dass beim BerenbergVerlag, der nächsten März die Geschäfte einstellt, weil Leiter Heinrich von Berenberg mit 75 in den Ruhestand geht, "offenbar keine tragfähige Nachfolgeregelung gefunden wurde". "Bilder und Zeiten" der FAZ dokumentiert die Dankesreden des SchriftstellersMarkoMartin zur Auszeichnung mit dem Reiner-Kunze-Preis und der SchriftstellerinDanielaKrien zur Auszeichnung mit dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis. In der FAZ-Reihe zu 75 Jahre Friedenspreis sprechen Jona Elisa Krützfeld und Martin Schult mit der Schriftstellerin TheresiaEnzensberger über SusanSontagsFriedenspreisredeaus dem Jahr 2003. Elmar Krekeler hat für die WamS die KrimiautorinIngridNoll besucht. Der Biologe Stefan Kreft befasst sich in "Bilder und Zeiten" der FAZ damit, wie Umweltfragen in ThomasManns "Königliche Hoheit" Einzug hielten. Im Literaturfeature von Dlf Kulturwidmet sich Sonja Hartl dem Serienmörder in der Literatur.
Besprochen werden unter anderem KamelDaouds "Huris" (taz), EdouardLouis' "Der Absturz" (FR), ChristopherWimmers "Armut ganz unten" (taz), GünerYaseminBalcis "Heimatland" (FAZ), Ozan Zakariya Keskinkiliçs "Hundesohn" (FAS) und SamantaSchweblins "Das gute Übel" (WamS). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der Frankfurter Anthologieschreibt Henning Heske über LutzSeilers "für alle & jeden":
"letzte nacht der traum vom abgeschraubten mond ..."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Der BerenbergVerlag steht mit ChristianWunnickes"Wachs" zwar auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises - aber trotzdem stellt er im kommenden Frühjahr seine Geschäfte ein, seufzt Lothar Müller in der SZ. Ein Verlust für die hiesige Literatur: "Man fand bei Berenberg die Essays von Joachim Kalka über den Mond, den Staub oder das Gaslicht oder Sonia Simmenauers Innenansichten aus der Welt des Streichquartetts. Elegant sahen die Bücher aus, mit ihrer sorgfältigen Typografie und dem guten Papier, aber Preziosen für ein bibliophiles Publikum waren sie nicht, vielmehr vollgesogen mit Krisen, Abenteuern, Wendepunkten in Geschichte, Ökonomie und Politik, wie in einem der Longseller, John Maynard Keynes' 'Freund und Feind', Erinnerungsbuch und zugleich scharfe Kritik des Versailler Vertrags."
Weiteres: Anna Hoffmeister resümiert in der taz einen Abend in Dresden, bei dem die SchriftstellerinJennyErpenbeck aus ihrer Familiengeschichte in der DDR erzählte, in der FAZ schreibt Andreas Platthaus. Die SchriftstellerinTeresaPräauer verzweifelt in ihrer SZ-Kolumne darüber, wie sich in der Öffentlichkeit immer mehr apokalyptischeRhetorik festsetzt. In der Literarischen Welt (online eingereicht) gibtWanda-Sänger und nunmehr auch SchriftstellerMarcoWanda Einblick in die Bücher, die ihn am meisten geprägt haben.
Besprochen werden unter anderem YuliaMarfutovas "Eine Chance ist ein höchstens spatzengroßer Vogel" (Freitag), FranzSchuhs "Steckt den Sand nicht in den Kopf" (NZZ), JonasHassenKhemiris "Die Schwestern" (online nachgereicht von der FAZ), YvesKleins "Ästhetische Schriften" (FAZ) und DirkStermanns "Die Republik der Irren" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Julia Rothhaas spricht für die SZ mit der momentan sehr gefeierten japanischen SchriftstellerinMiekoKawakami, die von sich sagt, zwar "Feministin durch und durch", jedoch "keinefeministischeAutorin" zu sein. Das "ist ein Etikett, mit dem man Frauen in eine Ecke stellt. Wenn jemand über die feministischen Aspekte in meinen Büchern sprechen möchte: Gern. Aber ich möchte nicht auf diese Kategorie festgelegt werden."
Außerdem: Trotz leerer Kommunenkassen dürfte der ComicsalonErlangen weiterhin stattfinden, meldet Lars von Törne im Tagesspiegel.
Besprochen werden unter anderem PacoRocas Comic "Der Abgrund des Vergessens" (FAZ.net), IanMcEwans "Was wir wissen können" (TA), JonasHassenKhemiris "Die Schwestern" (FAZ) und WoodyAllens bislang nur auf Englisch veröffentlichter Debütroman "What's with Baum?" (SZ).
"Demokratie wird dann geschützt, wenn man Demokraten vor Übergriffen durch antidemokratische Rechte oder Hamas-Aktivisten bewahrt", schreibt Paul Jandl in der NZZ zur Ausladung von MichelFriedman von der Gemeinde Klütz aus mehr als dubiosen Gründen (mehr dazu in unserem Resümee). "Es wäre fatal, würden sich die Verhältnisse umkehren." Dlf Kultur hat mit Friedman über den Vorfall gesprochen.
Besprochen werden unter anderem WoodyAllens Debütroman "What's with Baum?" (Welt), MaxGoldts "Aber?" (Standard), IanMcEwans "Was wir wissen können" (FR, SZ), JulianSchütts Biografie über MaxFrisch (Welt), TylerWetheralls "Amphibium" (Welt) und neue Sachbücher, darunter KarolinBoves Studie "Im Geisteskampf" über den Reclam Verlag im Nationalsozialismus (FAZ).
Jens Uthoff resümiert in der taz den Ukraine-Abend des PENBerlin beim InternationalenLiteraturfestivalBerlin (mehr dazu bereits hier). Der Tages -Anzeiger hat Felix Stephans SZ-Gespräch mit dem LiteraturnobelpreisträgerAbdulrazakGurnah (hier unser Resümee) online nachgereicht.
Besprochen werden unter anderem die ersten Bände der neuen Werkausgabe EliasCanetti (NZZ), Heinrich August Winklers Memoiren (Welt), ThomasArzts "Das Unbehagen" (Standard), DimitréDinevs "Zeit der Mutigen" (Standard), ZoranDrvenkars Rachethriller "Asa" (Presse), TorreyPeters' "Stag Dance" (taz) und die Neuübersetzung von GeorgeSands "Nanon" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
BuchLink: Aktuelle Leseproben.
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