Hundesohn
Roman

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783518432549
Gebunden, 219 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Dies ist eine Liebesgeschichte. Sie spielt im Juni, im Juli, im August in Adana, dreitausend Kilometer weit weg von Berlin. In Berlin lebt Zeko. Hier trifft er Männer in Parks und Cafés, auf Dating-Apps und vor der Moschee. Doch jedes Mal, wenn sich ihre Lippen berühren, reißen ihn die Gedanken zurück zu Hassan, dem Nachbarsjungen in Adana, den Dede, sein Großvater, immer nur "Hundesohn" nennt. Zeko kennt das laute Viertel, den Staub in den Gassen nur aus den Sommerferien. Dann stirbt Dede an einem Herzinfarkt. Aber Zeko will nicht vergessen, nicht den Großvater, der alten Männern die Sorgen aus dem Bart schnitt und auf Arabisch sang, nicht die religiösen Rituale und den Geschmack von Bamya. Und vor allem nicht Hassan."In neun Tagen werde ich Hassan wiedersehen", wiederholt er wie ein Mantra: beim Freitagsgebet, in der Therapiesitzung, im Prinzenbad, beim Mittagessen mit seiner besten Freundin Pari. Aber etwas ist geschehen, als Zeko und Hassan sich das letzte Mal sahen. Etwas, das immer heftiger heraufdrängt, je näher der Tag seiner Abreise kommt.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2025
Rezensent Maximilian Mengeringhaus liest in Ozan Zakariya Keskinkilics Romandebüt vom jungen Deutschtürken Zeko, der schwul und gleichzeitig praktizierender Muslim ist, der sich gern die Hintern der Männer beim Gebet in der Moschee anschaut und die Almans allein mit seiner Existenz provoziert. Die Themen Identität, Rassismus, Assimilation und Außenseitertum kennt Mengeringhaus schon aus Essays und Gedichten von Keskinkilic und da haben sie ihn auch etwas mehr überzeugt: Etwas zu repetitiv und dabei zu konstruiert scheint ihm der Aufbau des Buches, und manche Reflexion findet der Kritiker nicht ganz ausgereift. Insgesamt aber doch ein lesenswertes Debüt, versichert er.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.10.2025
Zakariya, der Held dieses Romans ist Muslim, gläubig und schwul. Familiendrama gibt's nicht und so kann man sich ganz der Vorfreude Zakariyas auf den sehnsüchtig erwarteten Hassan hingeben. Überhaupt gibt es keinen richtigen Plot, fährt die Rezensentin Jolinde Hüchtker fort, die den Autor Ozan Zakariya Keskinkılıç auf einen Kaffee getroffen hat. Aber das macht gar nichts, versichert sie. Denn erstens schreibt Keskinkılıç so schön über schwulen Sex, wie zuvor Ocean Vuong: Seine Sprache "ist geradezu körperlich", schwärmt sie. Und zweitens sind Gott und der Geliebte, Beten und Ejakulieren bei Keskinkılıç praktisch dasselbe. Das geht so gegen alle Klischees, dass "Hedonisten wie Heilige" sich gleichermaßen angesprochen fühlen dürfen, freut sie sich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.09.2025
Rezensent Tobias Rüther zeigt sich ziemlich begeistert vom Romandebüt des Lyrikers und Politikwissenschaftlers Ozan Zakariya Keskinkilic, der die Geschichte von Zakariya erzählt, einem jungen schwulen Muslim mit türkischen Vorfahren in Deutschland. Zakariya, der von allen Zeko genannt wird, versucht, zwischen Sommern in Adana, seiner besten Freundin Pari und seiner Liebe zu Hassan seinen Platz in der Welt zu finden. Dabei geht es laut Kritiker viel um Sex, aber auch um Sprache (türkische Sentenzen sind eingestreut, erfahren wir), und um eine Identität, die zwischen Türkei und Deutschland, Maskulinität und Homosexualität, den verschiedenen Sprachen hin- und hergerissen ist. Keskinkilic ruft dabei laut Rüther Themen wie Fremd- und Eigenwahrnehmung, Traditionen und Politik auf, um sie höchst poetisch zu verarbeiten.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 20.09.2025
Begeistert bespricht Rezensent Ekkehard Knörer Ozan Zakariya Keskinkilics neues Buch, das tatsächlich eine Art Prosa-Liebesgedicht ist. Im Zentrum steht der in Berlin Kreuzberg lebende Zakariya, der sich gelegentlich als Hund Zeko imaginiert - und sich nach Hassan, einen Mann, den er in Adana kennengelernt hat, sehnt. Strukturiert sei der Roman wie ein Countdown - noch sieben Tage bis Hassan, noch sechs und so weiter. Zakariyas Identität zwischen Deutschland und seinen türkischen Eltern spielt laut Knörer eine Rolle, viel schwuler Sex in verschiedenen Facetten kommt vor, außerdem geht es um die diversen Sprachen, in und mit denen Zakariya lebt. Politisches der Gegenwart von Ukraine bis Gaza kommt auch vor, erzählt der Rezensent, aber das Besondere am Buch ist vor allem die ausgesprochen reichhaltige, dem Lyrischen nahe Sprache. Einfach nur toll, schließt Knörer, wie Keskinkilic in dieser Figur Individuum und Gesellschaftliches, Körper und Sprache, Glaube, Liebe und Gewalt in eins bringt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.09.2025
Ein Buch über eine "verheerende Verliebtheit" hält Rezensent Gustav Seibt hier in Händen: Das "mitreißende und anstrengende" Sprachkunstwerk von Ozan Zakariya Keskinkılıç erzählt von der Leidenschaft des männlichen Ich-Erzählers für den "in der fernen, verlorenen Heimat" Türkei zurückgebliebenen Hassan. "Litaneihaft" wird die Vorfreude auf das Wiedersehen hier beschworen, das allerdings, verrät Seibt, nie stattfinden wird. Bewusst umgehe der Autor allerdings eine lineare Geschichte, vielmehr verdichten sich disparateste sprachliche Elemente, poetische Formen, Dialekte, Idiome oder religiöse Sprache zu einem mächtigen Sprachstrom, dem sich der Rezensent beeindruckt aussetzt. Was das Sexuelle angeht, ist dieses Werk hemmunglos explizit, so Seibt, dabei aber nie "schlüpfrig", vielmehr spiegelt es "urbane Wirklichkeit" auch auf sprachlicher Ebene, referiert zum Beispiel auf Chats beim Online-Dating. Letztendlich geht es aber auch um den Konflikt der unbeheimateten Identität und den Rassismus, dem sich das Ich "in der migrantischen Existenz" ausgesetzt sieht. Ein komplexes und ambivalentes Kunstwerk, das ganz aus der Sprache wirkt, wie der begeisterte Kritiker schließt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 16.09.2025
Rezensent Jan Drees ist ausnahmslos begeistert vom Romandebüt des 36-jährigen Politikwissenschaftlers und Lyrikers. Inmitten der zuweilen etwas provinziell wirkenden deutschsprachigen Gegenwartsliteratur sieht Drees in dieser sehnsuchtsvollen Liebesgeschichte über zwei Männer, Zakariya und Hassan, eine wohltuende Ausnahme à la Sasha Marianna Salzmann. Erzählt wird die melancholisch-amüsante Lücke von neun Tagen, in denen Zakariya auf die erneute Begegnung mit seinem Geliebten Hassan warten muss. "Genderfluid und weltgewandt" rast das Buch dabei durch unterschiedliche Handlungsgerüste und vermischt Deutsch, Französisch, Englisch und Türkisch. Hassan bleibt als Figur kaum mehr als Staffage für die Sprache, doch diese Oberflächlichkeit ist laut Drees Teil des ästhetischen Programms. Der Text kalibriere sich dadurch auf die Geschwindigkeit einer Dating-App, in der die unterschiedlichsten Stimmungen und Figuren strudelartig zusammenlaufen. Das Besondere sieht Drees in ebendiesem Sprachstrudel, der durch die Kombination all seiner Teile - Dating, Queerness, migrantisches Großstadtleben - erst seine einzigartige Wirkung entfalten kann. Bemängeln kann er nur, dass nach der allzu schnellen Lektüre dieses Romans bisher nicht genug weitere Bücher von Ozan Zakariya Keskinkılıç vorliegen.