Karl Schlögel

Entscheidung in Kiew

Ukrainische Lektionen
Cover: Entscheidung in Kiew
Carl Hanser Verlag, München 2015
ISBN 9783446249424
Gebunden, 352 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Was macht die Ukraine aus? Mit dem Krieg ist auch eine Kontroverse über die politische und kulturelle Eigenständigkeit des Landes ausgebrochen. Seit vielen Jahren ist Karl Schlögel in der Ukraine unterwegs, noch in jüngster Zeit hat er Reisen dorthin unternommen. Lemberg, Odessa, Czernowitz, Kiew, Charkiw, Donezk und Dnipropetrowsk: All diese Namen stehen für einst blühende Städte, für eine Kultur von eigenem Rang. Der Westen hat sie viel zu lange ignoriert, auch das ermunterte Putin zu seiner Expansionspolitik. 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs sind in Europa wieder Städte von der Auslöschung bedroht. In solchen Zeiten führen Karl Schlögels Städtebilder vor Augen, was gar nicht fern von uns auf dem Spiel steht. Wer wirklich wissen will, was in Europa gerade passiert, muss auf die Städte der Ukraine schauen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2015

Ein ebenso leidenschaftliches wie lehrreiches Buch kann Rezensentin Kerstin Holm mit Karls Schlögels "Entscheidung in Kiew" empfehlen. In dieser aufschlussreichen Essaysammlung lernt die Kritikerin etwa, dass man auch Städte ermorden kann, wie Schlögel am Beispiel der Bergbaumetropole Donezk zeigt: Strom, Wasser und Geldautomaten fallen aus, Ärzte, Juristen, Dozenten und Geschäftsleute ziehen in westlichere Teile der Ukraine und die Stadt entwickelt sich mehr und mehr zum Militärlager, berichtet der Historiker, der in diesem Band aber auch die Schönheit ukrainischer Städte beschwört. Die Rezensentinlernt dabei, die Architektur Kiews oder die Avantgardebaukunst in Charkiw zu bewundern und erhält tiefe historische und aktuell politische Einblicke. Einziger Kritikpunkt: Während die Rezensentin bei Schlögel hier viel über Russlands antiukrainische Propaganda erfährt, kommen ihr die ukrainischen Akteure zu kurz.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 02.10.2015

Wie bedeutsam die Ukraine für Europa wirklich ist, lernt Richard Herzinger bei Karl Schlögel. Dabei nimmt ihn der Historiker und Russlandkenner mit auf seine eigene Erkundungstour in ein ihm bis dahin weitgehend unbekanntes Land, ein Kernstück europäischer Identität, wie Schlögel ahnt. Schlögels Annäherung, seine Städteporträts, Beobachtungen und Analysen scheinen Herzinger derart aufschlussreich, dass er sie westlichen Staatslenkern auf den Nachttisch wünscht. Schlögels Auseinandersetzung mit ukrainischer Geschichte und Kultur, mit dem "Informationskrieg", Putins Aggressionskurs und dem drohenden Rückfall in imperiales Kräftemessen ergeben für Herzinger zwar weder eine geschlossene Geschichte der Ukraine noch einen Kommentar zum aktuellen Geschehen, der Aufklärung dient sie jedoch allemal, versichert der Rezensent.