Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.07.2023 - Film

Nur noch 200 Filme bei der Berlinale, zwei Sektionen eingestellt (unser erstes Resümee): Es ist "eine kulturpolitische Blamage", was das Bundeskulturministerium dem Festival mit seinem auferlegten Sparzwang da eingebrockt hat, kommentiert Bert Rebhandl im Tip Berlin. "Berlin ist im Februar durch die Berlinale mehr Weltstadt als sonst. Jeder dieser Filme, die nicht gezeigt werden, ist auch ein Verlust an Horizont für eine Stadt, die nach der letzten Wahl ohnehin einen großen Schritt Richtung Kleingeistigkeit gemacht hat." Auch das Ende der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" hat Folgen: So "fehlt gerade den Debütierenden ein Forum, und das internationale Publikum, die angereisten Kritiker und Produzenten, werden weniger mitbekommen. Deutschland wird sich ein bisschen aus den Vernetzungen der Filmbranche herausnehmen."

Tobias Kniebe und Susan Vahabzadeh von der SZ finden den Wegfall der "Perspektive" halb so wild, denn laut Ankündigung sollen deutsche Beiträge nun vermehrt über die anderen Sektionen verteilt werden. "Es werden am Ende ein paar Filme weniger sein", aber "so kann jeder einzelne Film, der ausgewählt wird, mehr Rampenlicht für sich beanspruchen. Ein stärkerer kuratorischer Fokus im gesamten Programm ist überhaupt eine wünschenswerte Entwicklung." Andreas Kilb findet es in der FAZ ebenfalls vernünftig, dass die im letzten Vierteljahrhundert völlig aus dem Leim gegangene Berlinale sich nun wieder besser definieren will. "Diese Verschlankung könnte das künstlerische Profil der Filmfestspiele schärfen. ... Allerdings wundert man sich, dass Kulturstaatsministerin Claudia Roth, die als politisch Verantwortliche über den Bundeszuschuss für die Berlinale entscheidet, offenbar nicht den Hauch einer eigenen Idee für die Zukunft des Festivals hat."

Weitere Artikel: Andrey Arnold porträtiert in der Presse die Schauspielerin Thea Ehre, die mit ihrer Rolle in Christoph Hochhäuslers "Bis ans Ende der Nacht" gerade ihren Durchbruch hatte. Thomas Abeltshauser spricht für die taz mit der Regisseurin Lola Quiveron über deren Film (in der Welt, im Standard und bei uns im Perlentaucher besprochenen) "Rodeo" (mehr dazu hier). Besprochen werden Claire Denis' "Mit Liebe und Entschlossenheit" (FR, taz, Tsp) und "Mission Impossible 7" mit Tom Cruise (Perlentaucher, FR). Außerdem informiert die SZ, welche Filme sich in dieser Woche lohnen und welche nicht.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.07.2023 - Film

Unter Dieter Kosslick zeigte die Berlinale in den letzten Jahren weit über 300 Filme - nun soll das Programm auf 200 gedeckelt werden. Das teilte die Festivalleitung gestern mit. Alle Sektionen werden schmaler - mit Ausnahme des Wettbewerbs (der unter Carlo Chatrian allerdings eh schon an Umfang verloren hat). Daneben werden die Sektionen "Perspektive Deutsches Kino" und Berlinale Series komplett abgeschafft, ihre inhaltlichen Schwerpunkte sollen in die übrigen Sektionen eingehen. "Das ist eine heftige Maßnahme", kommentiert Christiane Peitz im Tagesspiegel. Die Festivalleitung verbreitet Sonnenschein-Optimismus, das Kulturstaatsministerium zeigt sich über die Kürzungen hoch erfreut, legt aber keine Eile an den Tag, eine Nachfolge für die ausscheidende Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek zu finden oder Carlo Chatrians Vertrag zu verlängern. "So fahrlässig ist noch kein:e Amtsvorgänger:in Roths mit dem größten deutschen Kulturevent umgegangen. ... Dann schrumpft halt mal. Es klingt fast zynisch, bedenkt man, wie leidenschaftlich Claudia Roth bei den Berlinale-Eröffnungen für das Kino, das Festival und die Sache des Films geworben hatte. Die Politik lässt die Berlinale im Regen stehen."

Kino-Wucht: Lola Quivorons "Rodeo"

Lola Quivorons Debütspielfilm "Rodeo" spielt im Motorrad-Milieu der Banlieues. Die jugendliche Hauptdarstellerin Julie Ledru entspringt selbst diesem Milieu und ist eine echte Entdeckung, freut sich Andreas Busche im Tagesspiegel: "Man versteht augenblicklich, was die Regisseurin an Ledru, deren finstere Miene beim Röhren der Motoren, im bläulichen Qualm der Abgase, zu leuchten beginnt, begeistert hat. Es ist eine eigene Welt, die Kameramann Raphaël Vandenbussche nicht mit dem sozialrealistischen Gestus der Dardenne-Brüder einfängt; eher schon mit der adrenalinbrausenden Energie der 'Fast and Furious'-Filme." Zwar habe der Film hier und da seine Schwächen: "Die Übergänge von Realismus und Metaphysik sind eigentlich nur plausibel - dann allerdings mit einer Wucht, wie man sie im Kino selten erlebt! -, wenn Quivorons Film sich dem Rausch der Geschwindigkeit, dem Metall der Karosserien und dem Fetisch der Pferdestärken hingibt."

Außerdem: Marius Nobach schreibt im Filmdienst einen Nachruf auf den Schauspieler Alan Arkin. Besprochen werden Christopher McQuarries neuer "Mission Impossible"-Film mit Tom Cruise (Tsp, FAS, mehr dazu bereits hier) und die auf Netflix gezeigte Krimiserie "Florida Man" (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.07.2023 - Film

Husch, husch, weg war er: PR-trächtige fünf Sekunden in "Mission Impossible 7"

Der neue "Mission Impossible"-Blockbuster mit Tom Cruise kommt in die Kinos und der Star rennt mal wieder um sein Leben, um das Kino zu retten, schreibt Michael Meyns in der taz und bleibt aber skeptisch: "Kann man dieses Ego-Spektakel mit gutem Gewissen noch als Film bezeichnen?" Im Zentrum der Filmreihe stehen immer die Stunts und vor allem das PR-Versprechen, dass Cruise seine Stunts komplett selber durchführt. "Cruise springt mit einem Motorrad von der Klippe! Seit einem halben Jahr kann man sich das Video von diesem Stunt im Internet anschauen, kann hören, wie Regisseur Christopher McQuarrie bedeutungsschwer behauptet, dies sei der größte Stunt der Filmgeschichte. ... Im Film selbst verpufft diese Szene, dauert kaum fünf Sekunden." So "fühlt sich das siebte 'Mission: Impossible'-Abenteuer oft wie eine Selbstparodie an, die bekannte Muster, Versatzstücke und Handlungselemente variiert".

Jan Küveler von der Welt staunt derweil über die prognostischen Fähigkeiten der Drehbuchautoren Erik Jendresen und Christopher McQuarrie: "Wie sehr das Skript die Kriege und Debatten der Gegenwart voraussieht, ist von einem Wahnwitz, der mit den Stunts des Hauptdarstellers locker mithalten kann. Eine Hauptrolle spielen erstens die Russen und zweitens eine künstliche Intelligenz. Verrückt, bedenkt man, dass selbst die Dreharbeiten schon vor drei Jahren stattgefunden haben." In der SZ streckt David Steinitz angesichts einer Handlung, die "komplett gaga" ist, die Waffen: "Man muss sich diesem Hollywoodunsinn einfach lustvoll ergeben, dann hat man sehr unterhaltsame 163 Minuten vor sich."

Außerdem: Michael Ranze resümiert im Filmdienst das Filmfestival von Karlovy Vary. Hollywood wird wohl demnächst Sommerferien wider Willen machen, meldet Claudius Seidl in der FAZ: Während der Drehbuchstreik derzeit noch anhält, drohen nun auch die Schauspieler mit Streik.

Besprochen werden Lola Quivorons Banlieue-Film "Rodeo" (Standard, Welt), die in der ZDF-Mediathek nur nachts gezeigte Serie "It's a Sin" über die schwule Szene der Achtziger in London ("nicht hoch genug zu preisen", jubelt Jan Feddersen in der taz)  und die ARD-Doku "Generation Crash - Wir Ost-Millenials" über die von Gewalt geprägten Neunziger in Ostdeutschland (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.07.2023 - Film

Die Berlinale wird den Gürtel enger schnallen müssen, heißt es aus gut unterrichteten Kreisen: Gerüchten zufolge könnten die Sektionen "Perspektive Deutsches Kino", "Berlinale Series" und die "Berlinale Classics" inklusive der Hommage demnächst wegfallen. Das Festival selbst bestätigt nichts konkret, aber durchaus "die Notwendigkeit, ressourcenschonende Maßnahmen zu ergreifen" und das Programm mengenmäßig zu straffen, wie Christiane Peitz im Tagesspiegel bereits am Samstag (aber zu spät für unsere Kulturrundschau) die Festivalleitung zitierte. Inhaltlich würden die angezählten Sektionen wohl in anderen Sektionen aufgehen, spekuliert Peitz. "So oder so, der Tanker Berlinale schlingert in unruhigem Fahrwasser. Viele bewährte Festivalkinos haben in den letzten Jahren geschlossen oder fielen wegen Umbaus weg. Der Potsdamer Platz ist jetzt nur noch Zentrum für die Fachbesucher, die Zukunft des Berlinale-Palasts ist ungewiss, und die Publikumskinos sind über die ganze Stadt verteilt. Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek hatte außerdem Ende März bekannt gegeben, dass sie ihren Vertrag über 2024 hinaus nicht verlängert." Auch "über die Vertragsverlängerung von Carlo Chatrian ist noch nicht entschieden."

Außerdem: Esther Buss führt im Filmdienst durch die Filme des italienischen Autorenfilmers Pietro Marcello, dessen "Die Purpursegel" (unsere Kritik) aktuell in den Kinos läuft. In der FAZ freut sich Nina Rehfeld, dass Disney in den kommenden Wochen auf seinem Streamingdienst zahlreiche Cartoons aus der Frühgeschichte des Konzerns in teils restaurierten Ausgaben zugänglich macht.

Besprochen werden Philippe Weibels "The Art of Love" (Filmdienst), Matt Walshs auf Twitter veröffentlichter Interviewfilm "What Is a Woman?" (NZZ) und die Paramount-Serie "The Ex-Wife" (FAZ),

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.07.2023 - Film

Am 20. Juli ist das "epischste Blockbuster-Battle der jüngeren Kinogeschichte" zu erleben, prophezeien Cornelius Pollmer und David Steinitz in der SZ: Dann starten zeitgleich Greta Gerwigs Plastikspielzeug-Sause "Barbie" (Warner) und Christopher Nolans Atombomben-Biopic "Oppenheimer" (Universal), weshalb im Netz unter den Stichwörtern "Barbenheimer" und "Oppenbarbie" bereits ganze Meme-Kriege entbrannt sind. Eigentlich ja ein Unding, Hollywood terminiert seine Produktionsboliden üblicherweise penibel aneinander vorbei. Geht es um eine Fehde hinter den Kulissen? Nolan dreht seit vielen Jahren eigentlich für Warner, die aber "während der Pandemie als eines der ersten und dann eifrigsten Studios große Blockbuster einfach beim hauseigenen Streamingdienst HBO Max online stellten, anstatt zu warten, bis die Kinos wieder aufmachen. Für den fanatischen Kinofetischisten Christopher Nolan ein Affront. Er sagte damals dem Hollywood Reporter: 'Einige der größten Filmemacher und wichtigsten Filmstars sind gestern mit dem Gefühl ins Bett gegangen, für das beste aller Filmstudios zu arbeiten. Nur um heute aufzuwachen und festzustellen, dass sie leider für den schlechtesten Streamingdienst tätig sind.'... Dass sein Ex-Arbeitgeber Warner 'Barbie' jetzt einfach auf denselben Starttag programmiert hat, könnte durchaus eine kleine Retourkutsche sein. Rache ist rosa." Hier ein Mash-Up-Trailer:



Außerdem: Pascal Blum plaudert im Tages-Anzeiger mit Actionregisseur John McTiernan. Besprochen werden die Serie "Then You Run" (FAZ) und Laura Baumeisters nicaraguanisches Sozialdrama "La hija de todas las rabias", das allerdings nur in der Schweiz startet (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.07.2023 - Film

"Wenn Du Barbie hasst, ist dieser Film für Dich" - Werbezeile im Trailer zu Greta Gerwigs "Barbie" mit Margot Robbie und Ryan Gosling

Claire Beermann spricht im ZeitMagazin ausführlich mit der Filmemacherin und Schauspielerin Greta Gerwig, die mit auf Festivals gefeierten Low-Budget-Indiefilmen über eigensinnige Frauen bekannt wurde und jetzt den "Barbie"-Blockbuster mit Margot Robbie und Ryan Gosling in die Kinos bringt. Ein Bruch im Werk? Eher nicht, sagt Gerwig: "Für mich steckt in Barbies Reise eine sehr alte, spirituelle Geschichte. Sie beginnt an einem Ort, in einem Zustand, der kein Altern kennt, keinen Tod, keinen Schmerz, keine Selbstreflexion. Und plötzlich wird sie sich all dieser Dinge bewusst. Barbie wird aus dem Paradies vertrieben. Wir kennen diese Geschichte, sie kommt in vielen Religionen vor: Wie geht man von einem Zustand, der perfekt erscheint, ins Menschsein über? Alle Filme, die ich geschrieben und gedreht habe, basieren auf solchen alten Erzählungen. ... Ursprünglich sollte ich nur das Drehbuch schreiben, ich habe dafür Noah (Baumbach) als Co-Autor reingeholt. Als ich während des Schreibens merkte, dass es wirklich gut wird, wollte ich es nicht mehr aus der Hand geben. Ich bin eine persönliche Filmemacherin. Ich musste keinen Barbie-Film machen. Ich wollte diesen Barbie-Film machen."

Außerdem: Disney zieht massenhaft Eigenproduktionen aus seinem Streamingportal ab, darunter auch aktuelle Serien und Filme, aber auch ein paar Klassiker, meldet Ingo Pakalski auf Golem: Auch eine Serie, die in diesem Monat als Premiere angekündigt war, ist darunter. "Die Titel werden nicht als DVD oder Blu-ray veröffentlicht und auch nirgends zum Digitalkauf angeboten." Dietrich Leder denkt im Filmdienst über den Boom dokumentarischer Sportserien nach. Axel Timo Purr fasst für Artechock den Schwerpunkt Neues Deutsches Kino des Filmfests München zusammen. Dunja Bialas resümiert für Artechock die Vergabe der Starter-Filmpreise beim Filmfest München. Und Christel Strobel sah für Artechock neue Kinderfilme beim Filmfest München. In der SZ bringt Tobias Kniebe Updates zur juristischen Auseinandersetzung zwischen Til Schweiger und Drehbuchautorin Anika Decker, die von Schweiger eine höhere Gewinnbeteiligung an seinen Erfolgsfilmen fordert.

Besprochen werden François Ozons "Mein fabelhaftes Verbrechen" mit Isabelle Huppert (Artechock, Welt, unsere Kritik hier), Pietro Marcellos "Die Purpursegel" (Artechock, unsere Kritik), Christopher Quarries neuer "Mission Impossible"-Film mit Tom Cruise (Filmdienst), die neue Staffel der SF-Serie "Black Mirror" (Presse), Dieter Berners "Alma & Oskar" (Artechock), James C. Strouses "Love Again" (Tsp) und die auf Amazon gezeigte Mockumentary-Serie "Jury Duty" (Jungle World).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.07.2023 - Film

In den Trümmern neues Leben aufbauen: "Unser Fluss... unser Himmel" (Barnsteiner Film)

Die Exil-Regisseurin Maysoon Pachachi wirft mit ihrem Film "Unser Fluss... unser Himmel" einen Blick zurück auf die Gewalt in Bagdad in den Nullerjahren.. Es geht ihr nicht so sehr darum "die damaligen Ereignisse in den Blick zu nehmen, sondern den Zustand, der sich daraus ergeben hat: eine Alltäglichkeit in extremis, ein Leben in einem eigentlich untragbaren Widerspruch, ein Leben angesichts allgegenwärtigen Todes", schreibt Bert Rebhandl online nachgereicht in der FAZ. "Sie sucht nach einer allgemeineren, anthropologischen Ebene. Sie deutet vor allem an, dass es mit der Rolle der Frauen zu tun hat, wie eine Gesellschaft ihre Konflikte lösen kann. ... Die Ermächtigung der Frauen ist gewiss kein Allheilmittel, aber noch in den Verhältnissen des Kinos spiegeln sich die traditionellen Verhältnisse wider: Amerika erzählt sein eigenes Scheitern im Irak als Kriegsfilm, während das internationale Arthousekino dann die Frauen schickt, um in den Trümmern ein neues Leben aufzubauen."

Ausblick auf die Möglichkeit einer besseren Welt: Juliette Jouan in "Die Purpursegel"

Ein Kriegsheimkehrer und seine Tochter in der französischen Provinz, die Vermittlerin zwischen beiden und der Welt ist die Kunst - das ist der Stoff, den der italienische Autorenfilmer Pietro Marcello in "Die Purpursegel" erzählt. Perlentaucher Lukas Foerster sieht den Kern des Films vor allem in der Tochter Juliette: "Anstatt seine Protagonistin in eine gegebene Form hineinzuwachsen zu lassen, entwirft der Film, in der Musik und auch im utopischen Versprechen der Liebe, die Ahnung eines anderen, neuen Seins, das im Hier und Jetzt noch nicht ganz Bild werden kann. Die Purpursegel des Titels künden nicht nur von einer (sowieso stets nur vorläufig) geglückten individuellen Emanzipation; sondern von der Möglichkeit einer besseren Welt. Einer Welt, die der Immanenz und Permanenz des Leids ein Ende setzen könnte. Oder zumindest einer Welt, die nicht dazu verdammt ist, wieder und wieder, Generation für Generation, dieselben Traumata zu reproduzieren." Sehr glücklich ist SZ-Kritiker Philipp Stadelmaier mit dem Film: Marcello "liefert den Beweis, dass Kino am schönsten ist, wenn es als Handwerk verstanden wird. Gedreht ist der Film analog auf 16-Millimeter-Material, was den Bildern einen haptischen, körnigen Charakter verleiht. ... Auf eingestreute Aufnahmen von Bienen, Blättern, wanderndem Sonnenlicht und fliegenden Pollen folgen die Bewegungen des Meisels auf einem Holzstrunk. Was für Raphaël das Holz ist, ist für Marcello die Wirklichkeit." Weitere Besprechungen in der FAS (online nachgereicht) und taz.

Weiteres: Kira Taszman spricht für den Filmdienst mit François Ozon über dessen Krimikomödie "Mein fabelhaftes Verbrechen" mit Isabelle Huppert. "Dieser nur unterschwellig böse Film stellt sich den Verbitterungstendenzen mit einem breiten Grinsen entgegen", freut sich Perlentaucher Robert Wagner über Ozons Film, den auch tazlerin Arabella Wintermayr bespricht. Besprochen werden außerdem der neue "Mission Impossible"-Film mit Tom Cruise (NZZ, Presse)  und die DVD-Ausgabe von Anita Rocha da Silveiras brasilianischen Horrorfilm "Medusa" (taz). Außerdem informiert die SZ kurz und knapp, welche Filme sich in dieser Woche lohnen und welche nicht.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.07.2023 - Film

David Steinitz plaudert in der SZ mit IMAX-Chef Rich Gelfond über den internationalen Erfolg seiner Kuppelleinwand-Kette, der sich in Deutschland mit gerade einmal zehn Leinwänden noch nicht recht spüren lässt. Den Streit ums Kinoauswertungsfenster sieht er als erledigt an: "Die Studios und die Streamingdienste haben jahrelang davon geträumt, die Kinos aus der Verwertungskette zu kegeln. Aber wie man im Englischen sagt: Be careful what you wish for. Die Pandemie hat ihnen erlaubt, dieses Modell auszuprobieren - aber es hat nicht funktioniert. Alle haben viel Geld verloren. ... Außerdem liefen Filme, die eine Kinoauswertung hatten, online viel besser als Filme, die gar keine Kinoauswertung hatten."

Im NZZ-Gespräch trauert der scheidende Locarno-Präsident Marco Solari den guten alten Zeiten nach, als für einen Festivalchef in der Filmbranche noch der rote Teppich ausgerollt wurde: "'Heute ist eine Generation von Managern tätig, die ganz andere Vorstellungen hat.' Alles sei aufs Marketing versessen, klagt er. Und er müsse dem Sekretariat 'schon fast ein CV schicken, bevor ich überhaupt mit den Leuten reden darf'."

Weitere Artikel: Der Nachlass von Peter Ustinov wird versteigert, meldet Bettina Wohlfarth in der FAZ. Besprochen werden François Ozons Krimikomödie "Mein fabelhaftes Verbrechen" mit Isabelle Huppert (Tsp), Pietro Marcellos "Die Purpursegel" (Tsp), Emad Aleebrahim-Dehkordis "Chevalier Noir" (Filmdienst), Franziska Pflaums Komödie "Mermaids Don't Cry" (Standard) und die auf Sky gezeigte Gangsterserie "Last King of the Cross" mit Tim Roth (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2023 - Film

Marius Nobach resümiert im Filmdienst das von Sparzwängen durchaus gebeutelte Filmfest München, wo sich traditionell auch immer der deutsche Filmnachwuchs präsentiert. Es geht in Richtung Genre und "polyglotte Ausrichtung", erfahren wir, etwa im "stilsicheren, wenn auch überzogenen Nacht-Neo-Noir 'Schock' von Denis Moschitto und Daniel Rakete Siegel oder den im Meer vor Malta spielenden Tauchthriller "The Dive" von Maximilian Erlenwein. Vor allem die deutschen Genre-Filme kündeten von einer Bereitschaft zu herausfordernden harten Sequenzen, womit sie beim 40. Filmfest München durchaus im internationalen Trend lagen. Auch in den anderen Sektionen präsentierten die Filme keine Erzählungen im Schongang, sondern drangen bevorzugt in die dunkleren Bereiche von Menschheit und Welt vor."

Weitere Artikel: Isabelle Huppert schwärmt im Tagesspiegel-Gespräch von der erneuten Zusammenarbeit mit dem Regisseur François Ozon bei der Krimigroteske "Mein fabelhaftes Verbrechen". Im Tagesspiegel empfiehlt Fabian Tietke die Werkschau Apichatpong Weerasethakul im Berliner Kino Arsenal. Besprochen wird Dieter Berners "Alma und Oskar" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.07.2023 - Film

Katrin Hillgruber (Tsp) und Jörg Seewald (FAZ) resümieren das Filmfest München. Stefan Stileto führt im Filmdienst durch die philosophischen Tiefen der Pixar-Animationsfilme. Elmar Krekeler plaudert für die Welt mit dem Schauspieler Tom Wlaschiha. Marion Löhndorf schreibt für die NZZ einen Nachruf auf den Schauspieler Alan Arkin. Besprochen wird die Apple-Serie "Hijack" (Zeit).
Stichwörter: Filmfest München