"Go Clara Go." Bild: Lindenau Museum Altenburg/Archiv Ralf-Rainer Wasse.
Sylvie Kürstens Dokufilm "Go Clara Go" über die DDR-Künstlergruppe Clara MoschzeigtFR-Kritikerin Ingeborg Ruthe, was in Sachen Kunst im Arbeiter- und Bauernstaat trotz allem möglich war: Zum Beispiel "die wilden, experimentellen Kunstaktionen in freier Natur, am Ostseestrand, allesamt nackt auf einem knorpeligen, blattlosen Baum. Als Kritik am heuchlerischen Umweltschutz im vormundschaftlichen Staat, am Waldsterben durch die überalterten Industrieanlagen, das Chemie-Gift in vielen Seen und Flüssen. Der eigene Körper war kostenloses, rebellisches Kunst-Material. Für ihre provokante 'Baumbesteigung' konkurrierten die Protagonisten damals nicht mit den ikonisierten (Land-Art-)Performances der Westkunst, sondern philosophisch und politisch kühn, mit Brecht-Versen aus 'An die Nachgeborenen.'" Hier der Trailer.
1971 hat es in Mexiko ein Frauenfußball-Turnier gegeben, das eigentlich eine Weltmeisterschaft war, wenn auch nicht von der FIFA anerkannt. Rachel Ramsay und James Erskines widmen dem frühen Frauenfußball nun den Dokufilm "Copa 71", den Bert Rebhandl in der FAZ trotz einiger Kritikpunkte gerne sieht: "Wie in vielen Fällen im neueren dokumentarischen Kino lässt auch 'Copa 71' von einer alternativen Version träumen, die weniger auf Spin hin getrimmt ist. Man muss nur die Fotografien der sechs Spielerinnenkader der teilnehmenden Mannschaften ein wenig mustern und hat schon eine riesige Liste an Themen und Fragen: Die politische Lage in Mexiko um 1970, der Faktor Indigenität, der Faktor Mode, der Faktor Kommerz (wurde die Mundial in Europa im Fernsehen gezeigt?), allgemeiner eine Geschichte der Emanzipation in einer Welt, die 'Entwicklungsländer' wahrzunehmen begann."
Weitere Artikel: Der kanadische Regisseur Denis Villeneuve soll für die nächste James Bond-Verfilmung das Steuer übernehmen, melden SZ und FR. Marge Simpson stirbt - aber erst in 35 Jahren, beruhigtSpiegel Online: Nach Gerüchten, die blauhaarige Familienmutter aus Springfield würde in der kommenden Staffel zu Tode kommen, stellt sich nun heraus, dass es sich um eine Vorausdeutung in die Zukunft gehandelt hat. Andreas Kilb gratuliert Isabelle Adjani in der FAZ zum Siebzigsten.
Besprochen werden Joseph Kosinskis Formel 1-Drama "F1" (Welt, FAZ, NZZ), Noémie Merlants "Les femmes au balcon" (NZZ), die finale Staffel der koreanischen Horror-Serie "Squid Game" auf Netflix (FAZ) und die vierte Staffel von "The Bear", die soeben auf Disney Plus angelaufen ist (BlZ).
Gut geölte Maschine: Szene aus Joseph Kosinskis "F1". Um "Momente höchster Konzentration und Leistungsfähigkeit" geht es in Joseph Kosinskis Motorsportfilm "F1", stellt Nicolai Bühnemann beim Perlentaucher fest. Der von Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton mitproduzierte Film dreht sich um den ehemaligen Rennfahrer Sonny Hayes, der nach einem schweren Unfall in die Kriminalität abrutscht und überzeugt den Kritiker mit einem Spiel aus Einfachheit und Komplexität: "Bei aller Gegenwärtigkeit, die Filme, in denen Technologie eine zentrale Rolle spielt, fast immer an sich haben, nimmt sich eine große Jerry-Bruckheimer-Produktion wie 'F1' im von aufgeplusterten Franchise-Filmen dominierten Hollywood der Gegenwart wie ein faszinierender Fremdkörper aus: Eine gut geölte Maschine, in der sich Einfachheit und Komplexität ständig gegenseitig durchdringen. Der Plot ist gewunden wie eine Rennstrecke: Männer mit Riesenegos müssen ihre Pläne und Bedürfnisse aufeinander abstimmen, ein Rennfahrer und eine Chefmechanikerin verlieben sich und ein aalglatter Manager intrigiert im Hintergrund, was das Zeug hält. Komplex ist auch der Schnitt in den Rennszenen, die einen Großteil der Laufzeit ausmachen."
Auch Zeit-Kritikerin Berit Dießelkämper kann dem Film, trotz etwas Kitsch und latentem Konservatismus einiges abgewinnen - vor allem den Rennszenen: "Zunächst wird aber sehr viel Auto gefahren - auf Strecken, die aussehen, als hätte sie ein auf Rechtshändigkeit umgeschultes Kind gemalt: ein ermüdeter Papagei in Monza; eine schwer verletzte Fledermaus in Abu Dhabi. Dort werden dann jene wunderbaren Szenen produziert, die die Faszination dieses Sports und folglich auch des Films ausmachen, der für die Dreharbeiten exklusiven Zugang zu den Originalkulissen hatte. Da ist der Blick ins Cockpit mit der Nahaufnahme eines willensstarken Mannes in konzentrierter Einsamkeit; der Blick aus dem Cockpit auf die vorbeifliegende Strecke; oder auf die anderen umhertanzenden Wagen (...)" Das gefällt auch Daniel Kothenschulte in der FR, allerdings gibt es da ein anderes Problem: "Vielleicht entstanden so die realistischsten F1-Rennszenen der Filmgeschichte, doch den eigentlichen Superlativ gewinnt der Film für sein flächendeckendes Product Placement (...) Anfangs mag man das noch dem Realismus zurechnen, bald aber nervt diese optische Werbetrommelei kolossal."
Das italienische Kino steckt in der Krise, berichtet Ulrike Sauer in der NZZ - Kinos sterben, die Produktion ist am Boden: "Schuld an ihrer Notlage gibt die moribunde Branche der Regierung. Sie habe den Kinoproduzenten vor einem Jahr den Geldhahn vollends abgedreht und die überfällige Reform der staatlichen Filmförderung seither verschleppt. Es geht um Steuervergünstigungen, die seit 2016 das Wachstum der italienischen Filmwirtschaft beflügelt und viele ausländische Produktionen angezogen haben. Die Neugestaltung des Gesetzes blieb das Kulturministerium schuldig."
Weitere Artikel: Silvia Hallenleben weist in der taz auf die Filmreihe "Pioneers of Black British Cinema" hin, die im Berliner Arsenal-Kino im Wedding stattfindet. Besprochen werden Kevin Macdonalds und Sam Rice-Edwards Dokumentarfilm "One to One: John Lennon und Yoko Ono" (FR), Ryan Fleck und Anna Bodens Horrokomödie "Freaky Tales" (taz, SZ) und die israelische Netflix-Serie "Bad Boy" (Perlentaucher).
Pauline Graf spricht für Zeit Online mit den jungen Filmschaffenden ChiaraFleischhacker, Clara Puhlmann und FabianStumm über die Rahmenbedingungen, unter denen in Deutschland Filme gedreht werden müssen. Stumms Modell - künstlerische Freiheit durch Selbstausbeutung statt Förderung - ist auf die Dauer nicht tragfähig, da sind sich alle drei einig. Fleischhacker glaubt, "dass die Menschen mit den spannendsten Geschichten langsam aus der Branche aussteigen oder nie in Erwägung gezogen haben, Filme zu drehen. ... Spätestens nach Hörsturz, Burn-outundPsychose stellen sich viele die Frage: Wozu? Als alleinerziehende Mutter einen Kinofilm zu drehen, war mir nur durch ein großartiges Netzwerk toller Frauen in meinem Leben möglich. Sie übernehmen Carearbeit für mich, auch heute, während wir dieses Interview führen. Aber ich habe dennoch Grenzerfahrungen gemacht, die ich nie wieder erleben möchte."
Weiteres: In der tazempfiehlt Fabian Tietke dem Berliner Publikum die vom derzeit kinolosen Kino Arsenal im City Kino Wedding gezeigte Reihe "Pioneers of Black Cinema". Arno Widmann erinnert in der FR an CharlieChaplins "Goldrausch", der vor 100 Jahren uraufgeführt wurde. Andreas Scheiner findet in der NZZ Schauspieler, die sich aktivistisch betätigen, nur noch peinlich, schließlich haben viele von ihnen "vergleichsweise kurze Bildungswege beschritten".
Besprochen werden KevinMacdonalds Dokumentarfilm "One to One" über JohnLennon und YokoOno (taz), RyanFlecks und AnnaBodens 80s-Nostalgie-Sause "Freaky Tales" mit PedroPascal ("ein unverhohlen unterhaltsam auf den Effekt zielendes, konsequent-inkonsequentes, komplex-unterkomplexes, freakiges, freidrehendes, so blutig wie zitierfreudiges Mashup", freut sich Jens Balkenborg in der FAZ) und JosephKosinskis Formel-1-Actionfilm "F1" mit BradPitt (Welt, Standard).
Das minimale Spiel der Gesichter: "Zikaden" mit Nina Hoss und Saskia Rosendahl Welt-Kritiker Elmar Krekeler schmilzt in diesem Sommer nicht nur wegen der hohen Temperaturen, sondern auch wegen InaWeisses "Zikaden" dahin - ein Film, über den er keine Lobesarien singen, sondern über den er lieber "flüstern" möchte, so sanft ist er geraten. Es geht um prekäre Frauen-Existenzen in Ost und West, gespielt von NinaHoss und SaskiaRosendahl. Der Film handelt "von Brandenburg, von Landflucht und Fremdheit, vom Pflegenotstand und prekärer Mutterschaft, vom Schatten der Väter und den unerfüllten Wünschen der Töchter, von der unstillbaren Sehnsucht nach Liebe und einem Ort zum Leben. Das vielleicht größte Wunder (ein zu lautes Wort, ich weiß, es passt aber) von 'Zikaden' ist, wie Ina Weisse all den Themen, mit denen sie operiert, die Schwerkraft genommen hat. 'Zikaden' ist ein schwebender Film. Ein stiller Film. Erzählt in Skizzen, in Bildern und Räumen, in Gesten und Blicken, im minimalen Spiel der Gesichter."
Außerdem: In einem Filmdienst-Essay widmet sich Felix Knorr den Körperbildern in den Bodyhorrorfilmen von JuliaDucournau, die 2022 mit "Titane" den Wettbewerb von Cannes gewonnen hat.
Besprochen werden JesseArmstrongsHBO-Satire "Mountainhead" über vierTech-Tycoons, die unschwer als gewisse Zeitgenossen zu erkennen sind (FAZ), MoritzKrämersZDF-Fernsehspiel "Die feige Schönheit" (FAZ) sowie KevinMacdonalds und SamRice-Edwards' Kino-Dokumentarfilm "One To One" über JohnLennon und YokoOno (SZ).
Peter Littger staunt in der SZ, wie akurat RobertZemeckis' "Zurück in die Zukunft 2" von 1989 in der Figur des Biff Tannen DonaldTrump vorhergesehen hat, von dem sich Drehbuchautor Bob Gale auch tatsächlich inspirieren habe lassen. Besprochen werden DavidSchalkos neue, in der ARDgezeigte Serie "Warum ich?" (Welt), DannyBoyles Horrorfilm "28 Years Later" (NZZ), die Netflix-True-Crime-Doku "Cocaine Air" (TA) und InaWeisses "Zikaden" (SZ).
Syrer statt Ukrainer? Szene aus Julie Delpys "Die Barbaren"
Im Interview mit der FAS spricht Julie Delpy über ihren neuen Film "Die Barbaren". Thema ist ein bretonisches Dorf, das eine ukrainische Familie aufnehmen will und betreten feststellen muss, dass es Syrer sind, die da ankommen: "Es ist ein Statement", sagt Delpy. "Es geht mir darum, zu verstehen, warum Menschen rassistisch sind, warum sie Angst vor Ausländern haben, warum sie Einwanderer fürchten. Was ist der Mechanismus, der Menschen mit Hass erfüllt, sie dazu bringt, sich zu bekämpfen oder zu töten? Das Eintauchen in die menschliche Seele ist für mich immer interessant, zu untersuchen, wer wir sind. ... Meine Komödie ist eine Möglichkeit, die Angst, die ich in mir habe, zu trainieren und in Schach zu halten."
Weiteres: In der NZZerinnert Christoph Egger an Steven Spielbergs "Weißen Hai", der vor fünfzig Jahren in die Kinos kam. Besprochen werden Nicolas Humberts und Werner Penzels Film "Step Across the Border", den sie vor fast vierzig Jahren über den Musiker Fred Frith gedreht haben, der jetzt in restaurierter Form wieder in die Kinos kommt (Zeit) und Alauda Ruiz de Azúas Vergewaltigungsdrama "Querer" (NZZ).
"Surviving the Death Committee." Bild: Nima Sarvestani.
"Manche Filme werden zum rechten Zeitpunkt fertig", befindetTazler Tom Mustroph zu Nima Sarvestanis "Surviving the Death Committee". Ursprung dieses Dokumentarfilms über die Gewalt des iranischen Regimes ist die Ermordung von Sarvestanis Bruder durch die islamischen Revolutionsgarden 1982. Die jüngsten Geschehnisse zwischen Israel und dem Iran sorgen bei der Vorführung im HAU für Diskussionsstoff: "In der sehr emotional geführten Diskussion drohte eine Zeitlang die große Leistung des Films unterzugehen. Sie besteht darin, nicht nur Einzelfälle der massiven Repression im Iran vorgestellt zu haben. Zahlreiche Angehörige von Getöteten und Verschwundenen werden interviewt. Eine Mutter etwa wird gezeigt, wie sie inmitten von Massengräbern auf einem Friedhof in Teheran das Grab eines ihrer Söhne aufsucht. Sie weiß genau, dass ihr Sohn dort liegt. Denn unmittelbar nachdem er dort verscharrt wurde, tauchte sie nach dem Hinweis eines Bewachers mit einer kleinen Schaufel am Friedhof auf und grub so lange, bis sie auf die Überreste ihres Sohnes stieß."
28 Years Later. Bild: Miya Mizuno.
Zwar nicht 28 Jahre, aber doch eine Weile nach dem ersten Film haben Regisseur Danny Boyle und Drehbuchautor Alex Garland mit "28 years later" wieder eine Zombieapokalypse gedreht, in der diesmal der zwölfjährige Spike, gespielt von Alfie Willims, im Zentrum steht. Der Film schafft es lautTagesspiegel-Autor Simon Rayß "immer wieder, die Figuren geradezu pathologisch in möglichst unmenschliche Situationen zu führen. Gleich in der Eröffnungssequenz etwa, in einer Rückblende zum Ausbruch des Virus, metzeln die Zombies eine Gruppe Kinder dahin - ohne dies jedoch explizit im Bild zu zeigen. Auf diese Weise tänzeln Boyle und Garland lustvoll auf dem Grat des moralisch Vertretbaren. Wer in dieser Hinsicht zu Abwehrreaktionen neigt, sollte sich überlegen, ob er ihnen bei der Rückkehr in die Welt der Zombies folgen will." Weitere Besprechungen im Spiegel und in der FAZ.
Besprochen werden außerdem David Schalkos neue Serie "Warum ich?" (FAZ) und der Pixar-Film "Elio" unter der Regie von Adrian Molina (SZ).
Jenni Zylka spricht für die taz mit HeleenGerritsen, seit Anfang des Monats die neue künstlerische Leiterin der Deutschen Kinemathek in Berlin. Das Haus hat gerade einen Umzug an einen von vornherein nur als Zwischenlösung konzipierten Übergangsort geleistet, außerdem wurde es als Ausrichter der Berlinale-Retrospektive zuletzt arg gerupft. An beiden Baustellen will Gerritsen was ändern. Den neuen "Ort müssen wir etablieren, und wir wollen neue Publikumsgruppen erschließen. Wir werden mehr zielgerichtete Programme veranstalten, brauchen Kooperationen mit der aktiven Filmbranche. In Berlin sind die Kinolandschaft und die Filmkultur sehr divers. Das würde ich auch gerne in unserem Hause sehen. ... Wichtig für mich ist, dass wir jetzt ein kleines Kino haben." Und die Retrospektive? "Wir möchten wieder größer werden. Wenn man einen narrativen Bogen schlagen möchte und ein Thema wirklich ausleuchtet, dann sind 15 Filme sehr wenig."
FIlm der Übergängigkeit: "The Color Within" von Naoko Yamada Ekkehard Knörer ist in der taz sehr begeistert von NaokoYamadas japanischem Animationsfilm "The Color within", der nach einem Kinostart vor ein paar Monaten (unsere Kritik) nun auch auf DVD vorliegt. Im Mittelpunkt steht ein synästhetischbegabtesMädchen, doch der Film "ist dramaturgisch tiefenentspannt. Das Prinzip ist die sanfte Fügung loser Elemente, nichts wird zu einem Plot zusammengedrängt. ... Yamada ist eine Anime-Meisterin der Mise en Scène, die oft ungewöhnliche Einstellungen wählt. Bilder, die ins Rennen und Taumeln geraten. Daneben solche, die stilllebenhaft für Momente auf Gegenständen verharren. ... Und vor allem: die Übergänge, ja die Übergängigkeit zwischen dem allen. Eine Coming-of-age-Erzählung, die keine festen Rahmen, sondern Verlaufsformen wählt. Eine Heldin, die nicht nur lernt, das zu ertragen, was sie nicht ändern kann, sondern auch den Mut fasst, das zu ändern, was sie selbst in die Hand nehmen kann. Film als Gelassenheitsgebet, in dem am Ende vieles zum Tanz drängt."
Weiteres: Rüdiger Suchsland erinnert auf Artechock an StevenSpielbergs "Der weiße Hai", der vor 50 Jahren uraufgeführt wurde und das Kino ins Blockbuster-Zeitalter überführen sollte. Besprochen werden InaWeisses "Zikaden" mit NinaHoss (critic.de, taz, Artechock), DannyBoyles Horrorfilm "28 Years Later" (Standard, TA), der neue Pixar-Film "Elio" (Presse), NickHamms "Wilhelm Tell"-Neuverfilmung (Standard, Welt) und der ZDF-Dreiteiler "Der Tote von nebenan" (FAZ). Außerdem werfen Tagesspiegel und Filmdienst einen Blick auf die Filmstarts der Woche.
Ein schrecklicher Verlust für die deutsche Offkino-Szene: Der Filmarchivar, Schauspieler, Kurzfilm-Regisseur, Kinomacher und Kino-Netzwerker BernhardMarsch ist am vergangenen Sonntagabend bei einem Verkehrsunfall in Köln, wo er den legendären Filmclub813 nicht nur mitbegründete, sondern auch durch alle Krisen und juristische Scharmützel manövrierte, ums Leben gekommen. Legendär und geschätzt war er in deutschen Offkino-Szene nicht nur als nie versiegen wollender Quell von Anekdoten, sondern auch als Analogfilm-Archivar, der seine schweren Schätze oft genug auf einer Sackkarre im Zug quer durch Deutschland schleppte, um ein Kinopublikum zu beglücken. "Für mich und sicher nicht nur für mich ist Bernhard auf immer mit dem Filmclub 813 verbunden", schreibt Lukas Foerster auf critic.de. "Hier traf man ihn viele Jahre lang Abend für Abend, mehrere Tage pro Woche, vor den Filmen hinter der Kasse sitzend, mal mehr mal weniger Gäste begrüßend für ein Programm, das auch in der Offkinoszene, oder was noch von ihr übrig ist, seinesgleichensucht. ... Filme von Lemke, Gosov und Spils, aber auch viele, viele andere bilden das von Bernhard über die Jahre zusammengetragene, über diverse Kölner Keller und Lagerräume verteilte Ramsch-Archiv, eine Schatztruhe an Filmen, für die sich die sogenannten Filmerbe-Institutionen auch in 30 Jahren nicht interessieren werden. Das Ramsch-Archiv gilt es nun zu bewahren. Genauso wie, jetzt erst recht, den Filmclub 813, ohne den die Kinoszene Kölns keinen Pfifferling wert wäre." Im Gespräch mit Dlf Kulturblickt der Kurator und Filmclub-813-Kollege Felix Mende auf Marsch und dessen Verdienste zurück.
Weiteres: JafarPanahi hat sich auf Instagram gegen den israelischen Angriff auf Iran ausgesprochen, meldetFAZ.net. Besprochen werden AbderrahmaneSissakos "Black Tea" (FR), ScottMcGehees und DavidSiegels "Loyal Friend" nach dem Roman "Der Freund" von SigridNunez (taz), HannaLadouls und MarcoLaVias "Funny Birds" mit Catherine Deneuve (Standard), NickHamms Neuverfilmung von "Wilhelm Tell" (Presse), der neue Pixar-Animationsfilm "Elio" (FR) und DominikGrafs neues Buch "Sein oder Spielen. Über Filmschauspielerei" (Zeit).
Martin Burkhalter unterhält sich für den Tages-Anzeiger mit SvetlanaRodina. Die seit 2018 im Schweizer Exil lebende, russische Filmemacherin hat gemeinsam mit ihrem Mann Laurent Stoop mit Schweizer Geld den Dokumentarfilm "Dom" über russische Oppositionelle in Georgien gedreht (leider noch ohne deutschen Starttermin). "Für mich ist Russland im Moment ein Monster und nichts anderes", sagt sie. "Was ich in Gesprächen merke, ist, dass in der russischen Gesellschaft eine Art Resignation eingetreten ist. Die Menschen sind freiwillig blind geworden. Sie wollen den Krieg und die Ungerechtigkeit nicht sehen." Die Protagonisten ihres Films "wollen und können nicht zurück nach Russland, weil ihnen die sofortige Verhaftung droht. Sie gelten als Staatsfeinde. Es sind aber keine Kara-Mursas oder Nawalnys, sondern ganz gewöhnliche Menschen. Sie haben alles verloren." Weiteres: Simon Strauß plaudert für die FAZ mit WillemDafoe. Besprochen werden die dem Film- und Multimediakünstler JulianRosefeldt gewidmete Werkschau im C/O Berlin (FD, mehr dazu bereits hier), die Apple-Kinderserie "Das ist kein Karton" (taz) sowie ScottMcGehees und DavidSiegels "Loyal Friend" nach dem Roman "Der Freund" von SigridNunez (SZ).