Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.07.2025 - Film

Dikator im Kindchenschema: "Sandpit"

Mit der bislang noch nicht ausgestrahlten Trickfilmserie "Sandpit" will der russische Medienmogul Wladimir Solowjow nach eigener Aussage "das Kinderfernsehen nicht nur revolutionieren, sondern im Sinne der russischen Propaganda politisieren", schreibt Raoul Löbbert auf Zeit Online. Geschehen soll dies über den Kniff, die Mächtigen der Welt, inklusive Putin selbst, im Kulleraugen-Look zu zeigen - und das, obwohl diese Ästhetik "autoritären Systemen wesensfremd" ist. Doch "vielleicht ist die russische Jugend in Wahrheit auch gar nicht das Zielpublikum. Schließlich funktioniert die Niedlichkeit in Sandpit nach dem Kindchenschema des deutschen Zoologen und Verhaltensforschers Konrad Lorenz. Kulleraugen lösen, wie Lorenz in den Vierzigerjahren beschrieb, im (erwachsenen) Betrachter einen emotionalen Beschützerreflex aus." In 'Sandpit' "wird Putin unschuldig und harmlos gemacht mit den Mitteln der KI. Kurz: Dieser Putin will geknuddelt werden. Adressat sind demnach auch, ja vielleicht vor allem die kriegsmüden Teile der westlichen Öffentlichkeit, die, dem einseitig enthemmten Kriegsgeschehen in der Ukraine zum Trotz, nach Belegen dafür suchen, dass von Russland weniger Gefahr ausgeht, als die Sicherheitsexperten behaupten." 

Weiteres: Marius Nobach resümiert im Filmdienst vor allem die deutschen Produktionen, die beim Filmfest München gezeigt wurden. Besprochen werden Dirk Laabs' dreiteilige Arte-Dokumentation "World Wide Hate" über weltweit vernetzten Rechtsterrorismus (Zeit Online, FAZ), die dritte Staffel der Netflix-Dokuserie "Tour de France: Unchained" (NZZ), Marta Savinas "Primadonna" (Standard) und James Gunns Neustart des "Superman"-Franchise (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.07.2025 - Film

Ulrich von Schwerin hat sich in einem Vierteljahr in Mumbai einen guten Überblick über den aktuellen Bollywood-Film verschaffen können, von dem man in Europa seit dem abgeebbten Trend der Nullerjahre kaum noch etwas mitbekommt. Selbst in den dafür unwahrscheinlichsten Genres wird weiterhin getanzt und gesungen, schreibt er in der NZZ. Aber der grassierende Hindu-Nationalismus hat auch hier Spuren hinterlassen: "Gezeigt werden im Regal vor allem düstere Politthriller, Gangsterfilme und Historiendramen. ... Vor Beginn des Films erhebt sich das Publikum von den Sitzen, wenn die Nationalhymne gespielt wird." So weist sich: "Die großen Blockbuster in Indien sind laut, gewaltvoll, actiongeladen - und zutiefst nationalistisch. Mit Ausnahme einiger seltener Komödien spielen in allen Filmen Politik und Geschichte eine zentrale Rolle." Aber "das indische Kino ist unübersehbar in der Krise. ... Teure Produktionen erweisen sich als Flop, Produzenten sind ratlos. ... Filmkritiker fordern daher schon länger frische Gesichter, originelle Geschichten und kluge Drehbücher. Viele Studios wollen aber keine Wagnisse eingehen."

Dass die Preise beim Filmfest München allesamt an die traditionell im Programm stark vertretenen Cannes-Wiederholungen gehen, findet tazlerin Arabella Wintermayr an sich zwar "nachvollziehbar", aber "auch ein klein wenig bedauerlich", schließlich gab es auch diverse Filme ohne Cannes-Weihen, die wegen ihrer "künstlerischen Eigenständigkeit und thematischen Risikobereitschaft" mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Insbesondere Michael Koflers "Zweitland" und Uta Briesewitz' "American Sweatshop" hebt Wintermayr hervor.

Besprochen werden Chiara Sambuchis bei Arte online stehende Doku "Das Srebrenica Tape" (Tsp) und James Griffiths britische Komödie "The Ballad of Wallis Island" (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.07.2025 - Film

Das Dahinschleichen der Zeit: "Der Fleck" von Willy Hans (Grandfilm)

Kamil Moll, der auch als Kritiker für den Perlentaucher tätig ist, spricht im Filmdienst mit Willy Hans über dessen Spielfilm "Der Fleck". Darin erzählt der Langfilmdebütant unter anderem mit Mitteln des Experimentalfilmers von einem Teenager, der die Schule schwänzt, um lieber mit Freunden einen Tag am Fluss zu verbringen. "Die Grundprämisse beim Schreiben war, mich an dieses Alter zurückzuerinnern und an solche Tage, die eigentlich selten waren, aber eine wahnsinnige Magie entfaltet haben", sagt der Filmemacher. "Man erwartet nichts", doch "auf einmal entwickelt sich ein solcher Tag aus einem Dahinschleichen der Zeit in etwas Aufregendes und Wertvolles. In etwas, das dann eine Art von Erinnerung erzeugt. Darin liegt eine Grundarchitektur des Erlebens jugendlicher Zeit: Alles ist absichtslos, nirgendwo gibt es eine Art von Bestimmung. Die Zeit rinnt dahin - und auf einmal entsteht aus diesem Nichts eine Bedeutung."

Jörg Seewald resümiert in der SZ die Debatten vom Filmfest München. Zum einen ging es dabei darum, dass sich die Münchner Kinolandschaft vom Corona-Knick, anders als etwa Berlin, einfach nicht erholen will. Zum anderen stellte Christian Petzold grundsätzliche Fragen zum Ethos des Filmemachens in Deutschland: "Er sang ein Loblied auf die Provinz. ... Denn die aus Petzolds Sicht kreativsten Köpfe kämen eben nicht aus Metropolen wie Berlin, sondern aus der Provinz." Dort entstehen in Petzolds Worten "'die Wünsche und Sehnsüchte. Die werden nach Berlin getragen. Diese Stadt lebt von den Wünschen und Sehnsüchten, die andere Leute mitbringen. Sie sind das Material und die Energie.'" Leider sei die Provinz in Deutschland so hässlich, es stelle sich daher "die Frage: 'Kann man die Provinz wieder so filmen, dass sie einen Zauber hat?' Letztlich gehe es auch darum in seinem neuen Film 'Miroirs No. 3': 'Kann man es schaffen, einen Kuss auf einem Rasengitterstein genauso schön wie im Jardin du Luxembourg zu inszenieren?'"

Weiteres: Maria Wiesner erinnert in der FAZ an Steven Spielbergs ersten "Jurassic Park". Besprochen werden Martina Pluras Teeniekomödie "Mädchen, Mädchen" (critic.de), Rebecca Lenkiewiczs "Hot Milk" (taz) und James Griffiths' Tragikomödie "The Ballad of Wallis Island" mit Carey Mulligan (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.07.2025 - Film

Heute Abend beginnt im Berliner Zeughauskino die von Perlentaucher-Filmkritiker Lukas Foerster kuratierte Willi-Forst-Retrospektive. Zu Forst, auf dessen Wiener Operetten- und Musikkomödien man lange Zeit vor allem im Fundus-Programm von 3sat stieß und den man wohl am ehesten mit den Filmvorlieben der Großelterngeneration in Verbindung bringen würde, hat er über Ernst Lubitsch und - ausgerechnet - dem japanischen Maverick Seijun Suzuki gefunden, erzählt Gerhard Midding auf epdFilm. Die Wiederentdeckung hat sich gelohnt: "In seinem anmutigen Komödienstil bewahrte er tatsächlich etwas von dem, was nach 1933 gänzlich verbannt schien: ein Begreifen, wie nah Melancholie und Witz beieinander liegen. Seine besten Filme entführen ihr Publikum in ein nicht nur verzuckertes Wien, sie lassen Spuren erahnen einer Empfindsamkeit, die sich während des Zerfalls der k.u.k. Monarchie entwickelte. Diese Melange aus Wehmut und Skepsis erreichte indes nie den Grad von Pessimismus, der die Exilfilme von Wilder, Siodmak oder Max Ophüls prägt. Wie diese fasziniert auch ihn die Macht von Täuschung und Maskierung - kaum ein Forst-Film, in denen Gefühle und die Realität nicht immer auch gebrochen, reflektiert wahrgenommen werden. Es ist ein Kino der Verführung, das deren Inszenierung gleichzeitig ironisch entlarvt. ... Frivolität und Leichtsinn mögen auf den ersten Blick bei ihm herrschen, aber sie haben einen doppelten Boden und fordern nicht nur in den Melodramen ihren Preis."

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Weiteres: Annabelle Hirsch spricht für die FAS mit Vanessa Schneider, die über ihre Cousine Maria Schneider, die in "Der letzte Tango von Paris" von Bernardo Bertolucci und Marlon Brando für die berüchtigte "Butterszene" sexuell rüde überrumpelt und gedemütigt wurde, ein Buch geschrieben hat. Marie-Luise Goldmann berichtet in der WamS bestens gelaunt vom Filmfest München, zumal das Festival seinen Akkreditierten ein paar halbe Maß sowie ein paar Bade-Sprünge in die Isar spendiert. Christian Schröder schreibt im Tagesspiegel einen Nachruf auf die Schauspielerin Anita Kupsch. Wieland Freund schreibt in der Welt zum Tod von Michael Madsen. In der Literarischen Welt erinnert sich Georg Stefan Troller an seine Begegnung mit Russ Meyer.

Besprochen werden Ben Smallbones "Homestead" (taz), Torsten Körners ARD-Dokumentarfilm "Mädchen können kein Fußball spielen" (Tsp) und die Sky-Serie "The Narrow Road to the Deep North" (WamS).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2025 - Film

Der Schauspieler Michael Madsen ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Tarantino, damals selbst noch ein No-Name, machte ihn mit seinem epochemachenden Debütfilm "Reservoir Dogs" zum Namen, als er den sadistischen Mr. Blonde spielte. "Er war ein Star, und trotzdem ein Mann der zweiten Reihe, damit hatte er sich irgendwann abgefunden und machte sich selbst darüber lustig", schreibt David Steinitz in der SZ. "Madsen spielte in diversen Filmen mit, auch großen kommerziellen Hits wie der Wal-Schnulze 'Free Willy' (und hoffte inständig, dass dies nicht der Film wäre, für den er in Erinnerung bleiben würde). Aber am besten lief es eben doch immer, wenn Tarantino sich meldete. Dieses Warten auf einen Anruf des Meisters hat Madsen wieder und wieder als quälend beschrieben. Auch, dass er zwischen seinen Tarantino-Jobs nicht nur ein bisschen, sondern sehr viel Müll gedreht hat, hat er unumwunden zugegeben. 'Piranhaconda' zum Beispiel. Oder 'Scary Movie 4'. 'Aber wenn du eine Hypothek abbezahlen musst, dann musst du eben auch Geld verdienen', sagte er dann gern."

Mit diesem makabren Tanz in "Reservoir Dogs" ging Madsen in die Filmgeschichte ein: 



Außerdem: Im Tages-Anzeiger bringen Oliver Schneider und Claudia Schmid Hintergründe dazu, dass sich die NZZ vom Zurich Film Fest trennt. Wie das Festival künftig auf eigenen Beinen stehen soll, erklärt Direktor Christian Jungen im NZZ-Gespräch. Andreas Kilb schreibt in der FAZ zum Tod von Anita Kupsch. Und das Artechock-Team liefert fleißig Kurzkritiken vom Filmfest München.

Besprochen werden Rebecca Lenkiewiczs "Hot Milk" mit Vicky Krieps nach dem Roman von Deborah Levy (Welt, Tsp), Martina Pluras gleichnamiges Remake der 2001er-Teeniekomödie "Mädchen, Mädchen" (Standard, FD), Durga Chew-Boses beim Filmfest München gezeigtes Remake von Otto Premingers "Bonjour Tristesse" (Artechock), Pedro Pinhos beim Filmfest München gezeigter Film "I Only Rest in the Storm" (Artechock), Gareth Edwards' "Jurassic World: Rebirth" (Artechock, Welt, unsere Kritik) und Torsten Körners ARD-Dokumentarfilm "Mädchen können kein Fußball spielen" (FAZ),

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.07.2025 - Film

Schlecht gelaunt aufs Theaterbrett genagelt: "Frisch"

Mit "Frisch" von Damian John Harper kommt der seltene Fall eines deutschen Thrillers in die Kinos - Mark McNays gleichnamige literarische Vorlage wurde dafür von einer englischen Kleinstadt in den Ruhrpott verlegt. Ordentlich Schmackes hat die rund um ein Schlachthaus angesiedelte Geschichte um zwei ungleiche Brüder jedenfalls, freut sich Perlentaucher Benjamin Moldenhauer. Der Regisseur setzt "auf schnelle Schnitte und ab der Hälfte auf ein stark gesteigertes Tempo. Und auf die Macht der Straße. Wo alle Proll-Slang sprechen, wird es echt. Nur meldet sich leider außerdem ein großes Mankos des Genrekinos, insbesondere im deutschen Gangster- bzw. Kleingangsterfilm, zu Wort. Die Figuren reden wieder einmal, als seien sie auf Theaterbretter genagelt worden. Auch wenn einer einen totschlagen will und ihn entsprechend zusammenschreit, lässt man sich ausreden, hin und wieder ist gar noch Zeit für bedeutsame Pausen zwischen den Sätzen. Trotzdem aber schön, wie schlecht gelaunt und fatalistisch drauflos gesplattert und geprügelt wird."

Genrekino aus Deutschland solle auch entsprechend verortet sein, findet Daniel Kothenschulte in der FR. Aber in diesem Fall legte "offenbar niemand besonderen Wert darauf, dass man das Land auch sähe. So addiert sich das Obskure und Beliebige schließlich zu dem Gegenteil künstlerischer Aneignung, zu einem großen Achselzucken." Der Film "hätte mehr Stilisierung vertragen oder eine genauere Milieuzeichnung, oder auch psychologisch ausgearbeitetere Figuren", findet Michael Kienzl auf critic.de. "Harper versucht teilweise zu viel auf einmal statt seine Stärken gezielter auszuspielen."

Außerdem: Im Tagesspiegel empfiehlt Christian Schröder die von Perlentaucher-Filmkritiker Lukas Foerster kuratierte Willi-Forst-Retrospektive im Berliner Zeughauskino. "Man darf ihm die Unterkomplexität seiner Musik nicht übelnehmen", schreibt Patrick Holzapfel in der NZZ zur Dröhn-Filmmusik von Hans Zimmer, der im neuen Formel1-Film "F1" mal wieder ganz besonders dröhnt, denn "er bedient mit ihr letztlich nur die Unterkomplexität der Blockbuster, für die er oder einer seiner Mitarbeiter komponiert". Martin Wittmann erzählt in der SZ die Geschichte des Delorean-Autos, das im vor 40 Jahren uraufgeführten 80s-Filmklassiker "Zurück in die Zukunft" zur Zeitmaschine wurde. Philipp Bovermann berichtet in der SZ von der Premiere von Helge Schneiders neuem Film "The Klimperclown" auf dem Filmfest München. Jörg Gerle erinnert im Filmdienst an den vor kurzem verstorbenen Filmkomponisten Lalo Schifrin.

Besprochen werden Gareth Edwards' "Jurassic World: Rebirth" ("ein funktionstüchtiger Blockbuster", schreibt Perlentaucher Kamil Moll, FR, NZZ), die DVD-Ausgabe von James Madigans Actionsause "Fight or Flight" ("Sicher nicht A, eher B", aber "eine große Popcorntüte voll Fun", verspricht Ekkehard Knörer in der taz) und Rebecca Lenkiewiczs "Hot Milk" mit Vicky Krieps nach dem Roman von Deborah Levy (FAZ, SZ). Tagesspiegel und Filmdienst blicken außerdem auf die Kinostarts der Woche.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.07.2025 - Film

Mit gewohnt markigen Sprüchen verspricht Markus Söder der insbesondere bayerischen Filmbranche mal wieder das Blauweiße vom Himmel (2018 kündigte er noch vollmundig an, das Filmfest München zur Berlinale-Konkurrenz auszubauen, worauf man an der Isar noch heute wartet). Die Filmbranche wiederum hängt gerade akut in den Seilen und hört deshalb genau hin, berichtet Jörg Seewald in der SZ im Rahmen des seit einigen Tagen laufenden Filmfests München. "Bei vielen Filmfest-Gästen bleibt die Sorge, ob die Versprechungen schnell genug umgesetzt werden. Wenn die Steuererleichterungen erst 2026 griffen, finde vorher noch ein großes Produzentensterben statt, lautet die Befürchtung. ... Tatsächlich hatte sich der mögliche Befreiungsschlag schon zuvor auf der Creators Conference angedeutet. In seltener Offenheit sprachen hier Vertreter der öffentlich-rechtlichen Sender über den aus ihrer Sicht ungleichen Wettkampf der Systeme. ... Festivaldirektor Christoph Gröner bilanzierte, den 'Thinktank' des Filmschaffens mit der Creators Conference an die Isar gelockt zu haben. 'Alle sind inspiriert rausgegangen und erwarten, dass in der zweiten Jahreshälfte 2025 etwas passiert.'"

Weiteres: Für Zeit Online porträtiert Ronja Wirts den Schauspieler Jacob Elordi. Besprochen werden Damian John Harpers Ruhrpott-Thriller "Frisch" (taz), Gareth Edwards' Dinosaurier-Reißer "Jurassic World: Rebirth" (StandardFAZ) und die Sky-Serie "The Narrow Road to the Deep North" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.07.2025 - Film

Besprochen werden Julie Delpys Komödie "Die Barbaren" (taz), Hitoshi Matsumotos "Symbol" (FAZ) und die ZDF-Serie "Nighties" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.06.2025 - Film

Besprochen werden die dritte Staffel des südkoreanischen Netflix-Übererfolgs "Squid Game" (Welt) und die ZDF-Serie "Nighties" (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.06.2025 - Film

Szene aus "Hot Milk". Foto: © Nikos Nicolopoulos

Flirrende Sommerhitze und eine toxische Mutter-Tochter-Beziehung - für Lena Karger (Welt) eine Mischung, die sowohl in Deborah Levys Roman "Hot Milk" als auch im gleichnamigen Regiedebüt von Rebecca Lenkiewicz funktioniert. Lenkiewicz "gelingt eine eindringliche Darstellung des Haderns mit familiärer Schuld", wenn sie die Geschichte über Rose (Fiona Shaw), die im Rollstuhl sitzt und ihre Tochter Sofia (Emma Mackey als "leise Horrorgeschichte" erzählt: "Lenkiewicz entwirft ein Frauenuniversum, in dem Männer nur Randfiguren sind: der abwesende Vater mit neuer Familie in Griechenland, der Arzt, der Geliebte der Geliebten. Dominant sind die Frauen - und ihre verdrängten Gefühle. Auch die Sommeraffäre, die Sofia am Strand beginnt, wirkt wie aus einem Traum: Ingrid (Vicky Krieps), ein Freigeist aus Düsseldorf, reitet auf einem weißen Pferd mit wehendem Kopftuch in Sofias Leben. In diesen überzeichneten Momenten verliert der Film ein wenig an Tiefe - und gewinnt zugleich Einsicht: Auch Ingrid trägt ein Trauma mit sich herum, auch sie nutzt Sofia als Projektionsfläche. Und wieder muss Sofia für jemanden da sein, wieder jemanden trösten."

Auch Bert Rebhandl ist in der FAS überzeugt: "Alles hängt an dem Rätsel, ob Rose sich ihr Leiden vielleicht nur einbildet, weil es ihr hilft, ihre Tochter an sich zu fesseln. 'Hot Milk' funktioniert auf dieser Ebene ganz klassisch wie ein analytisches Drama. Allmählich werden Stationen der Geschichte der beiden Frauen deutlicher, allmählich kann man traumatische Erfahrungen ausnehmen, die vielleicht zu dem unhaltbaren Zustand geführt haben, der in Almería in eine Krisis übergehen wird."

Besprochen werden die Reality-Doku "In höchster Not" über Bergrettung (FAS) und Gareth Edwards "Jurassic World: The Rebirth" (taz).