Bücherbrief

Tag für Tag sichtet der Perlentaucher die Buchkritiken der wichtigen Medien und fasst sie in seiner täglichen Bücher-Presseschau zusammen. Einmal im Monat verschicken wir einen Bücherbrief - hier präsentieren wir die Bücher, die in der Presse besonders gut besprochen wurden und die wir selbst am liebsten mochten. Der Bücherbrief bildet auch die Basis für unser Podcast "Bücherbrief live".
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Dann wieder schillerballadenhaft

Bücherbrief 10.03.2025 Lachen kann man nicht mehr über die Horrorclowns der Gegenwart, da sind die Kritiker für etwas positiven Irrsinn dankbar.  Und auch der Perlentaucher ist in Feierlaune - schließlich wird er 25! Er zieht sich einen Jakob Hein durch, der mit viel Witz Cannabis in der DDR vertickt. Mit Marion Poschmann setzt er seine fabelhafte Befreiungsbewegung fort: "Der Tiger schaut zurück. / Gelassen, / sehr gelassen". Als Downer empfiehlt er Zach Williams, der in seinen Short Stories ein düsteres Bild von Amerika skizziert. Und Volker Weiß, der erklärt, wie die extreme Rechte Geschichte verdreht.

Wie ein Donnerschlag in der Welt

Bücherbrief 10.02.2025 Jonas Lüscher traumwandelt in seinem neuen Jahrhundertroman so virtuos wie visionär von Flandern bis nach Neu-Kairo und denkt über das Verhältnis von Mensch und Maschine nach. Ursula Krechel lotet mit drei Frauen aus, wie schnell Zivilisation in Barbarei umschlagen kann. Victor Heringer schreibt über die Liebe zweier Männer zu Zeiten der brasilianischen Militärdiktatur. Und Laszlo Földenyi erzählt, wie die Guillotine zum Gestaltungsprinzip der Moderne wurde.

Vollklingend, neutönend, polyfon

Bücherbrief 13.01.2025 Die Überschrift für unseren ersten Bücherbrief des Jahres verspricht nicht zu viel! Das neue Jahr startet stark, etwa mit Weltliteratur aus Indonesien: Felix K. Nesi lädt zum Schauen des Finales der Fußball-WM 1998 und erzählt, fast nebenbei, die gewaltgeprägte Geschichte Timors. Die südkoreanische Literaturnobelpreisträgerin Han Kang kämpft gegen den Schnee, der Norweger Tore Renberg verteidigt im Leipzig des Jahres 1681 eine junge Frau, die des Kindsmords bezichtigt wird. Das Thomas-Mann-Jahr läuten Kai Sina und Heinz Strunk ein. Und Peter Sloterdijk kuriert unsere "Europhobie".

Wie jemand reife Sonnenblumen bricht

Bücherbrief 09.12.2024 Überall nur noch Gesinnung und Germanisterei hatte Maxim Biller kürzlich in seiner von der SZ dokumentierten Rede zur Auszeichnung mit dem Nicolas-Born-Preis über Literaturbetrieb und Kritik geschimpft.  Clemens J. Setz ging es indes in der FAZ in der Gegenwartsliteratur viel zu "abgekartet diesseitig" zu, er vermisste ein "ehrliches erzähltes Jenseits". Nun denn: Fündig geworden sind wir für diesen Bücherbrief nicht nur irdisch. Bookerpreisträgerin Samantha Harvey lässt uns die Schönheit der Erde vom All aus entdecken. Barock, göttlich geradezu erzählt Alan Moore von Nahtoderfahrungen und Snooker spielenden Geistern in einem Arbeiterbezirk in North Hampton. Serhij Zhadan lässt sich das Dichten auch im Krieg nicht nehmen.

Zeitenwende für die Literatur

Bücherbrief 09.09.2024 Wir haben die besten Lektürefrüchte des Spätsommers geerntet: Clemens Meyer begibt sich mit Karl May und Lex Barker auf einen wilden Ritt durch die Geschichte Jugoslawiens, Katja Lange-Müller erzählt in einem ruppig-wahrhaftigen Wenderoman von einer konfliktreichen Alters-WG, David Wagner entfaltet in aller Ruhe die filmhafte Lebensgeschichte der armenischen Türkin "Verkin" und Ilko-Sascha Kowalczuk fragt, warum so viele Ostdeutsche die Demokratie verachten.

Hier sagt sich die ganze Welt im Kopf Hallo

Bücherbrief 12.08.2024 Unser zweiter Sommerbücherbrief in diesem Jahr kommt nicht ohne Bücher aus, die sich der aktuellen Weltlage widmen: Marion Messina beschreibt angriffslustig, wenn auch etwas klischeehaft den Zerfall der bürgerlichen Mitte in Frankreich, Yevgenia Belorusets blickt mit absurdem Humor aus Tierperspektive auf den Krieg in der Ukraine, Manfred Berg analysiert die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft. Heiterer geht es bei Martina Hefter zu, die ihr Paar Juno und Jupiter "mit göttlichen Vorschusslorbeeren" in die Arena von Dating-Plattformen schickt, während Sanam Mahloudji in "Die Perserinnen" die Frauen einer iranischen Großfamilie im Exil bei der Selbstfindung und beim Shopping beobachtet.

Von Hexen bis Schlangen

Bücherbrief 08.04.2024 Wir haben die Literaturbeilagen zur Leipziger Buchmesse, und natürlich auch die Kritiken der vergangenen Wochen gesichtet, um die besten Bücher des Monats herauszupicken - und wir sind fündig geworden: Dank Ronya Othmann, die uns eindringlich an den Genozid an den Jesiden erinnert. Und dank Anne Weber, die uns zu zärtlich ironischen Streifzügen durch die Pariser Banlieues einlädt. Ein besonderes Vergnügen verspricht Fien Veldmann, die uns eine transhumane Romanze zwischen einer Büroangestellten und ihrem Drucker erzählt. Dass auch Habermas äußerst unterhaltsam sein kann, lernen wir von Philipp Felsch. Und der Historiker Andreas Petersen legt die ganze ehemalige Sowjetunion auf Freuds Couch.
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