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Lyrikkolumne "Tagtigall", dem
"Fotolot", in der
Kolumne "Vorworte", in unseren
Büchern der Saison, den
Notizen zu den jüngsten
Literaturbeilagen und in den älteren
Bücherbriefen.
Literatur
Samantha HarveyUmlaufbahnenRoman
dtv. 224 Seiten. 22 Euro
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Es gibt Romane, die kommen genau zur rechten Zeit. Und wenn sie dann gerade erst mit dem Booker-Preis ausgezeichnet wurden: Umso besser. Wer möchte aktuell nicht mal für einen Augenblick die Welt verlassen, um sich dann mit frischem Blick ihrer Schönheit zu erinnern? Die britische Autorin gestattet das in ihrem fünften Roman ihren sechs Helden, die sie auf eine Raumstation ins Weltall schickt: Während die vier Männer und zwei Frauen aus verschiedenen Ländern sechzehn Mal am Tag die Erde umrunden, beobachtet Harvey ihr Zusammen- und Innenleben. Die Kritiker sind begeistert: Allein wie die Autorin die
Schönheit der Erde aus unbekannter Perspektive beschreibt, wie eine "
Landschaftsmalerin", dabei Gedanken zur Klimakrise einflicht, ganz ohne Agenda, dafür über die Verletzlichkeit der Welt reflektierend, verzaubert
Zeit-Literaturchef Adam Soboczynski. Aktueller und
schöner kann Literatur kaum sein, ruft im
Dlf Kultur Meike Feßmann. Für den
taz-Kritiker Yannic Walter umkreist Harvey die "
existenziellen Fragen des menschlichen Lebens" - und zwar mal in Form naturwissenschaftlicher Beschreibungen, mal in der poetischen Form eines ausschweifenden Naturgedichts und mal in Form philosophischer Reflexionen darüber, wie die Schwerkraft die Art und Weise unseres Denkens prägt. Eine "
Weltraum-
Pastorale", die mit "bezaubernder Poetik und Metaphysik" für ein ressourcenschonendes Miteinander eintritt, stimmt
FAZ-Kritikerin Sandra Kegel in den Lobeschor ein.
Alan MooreJerusalemRoman
Memoranda Verlag. 1400 Seiten. 78 Euro
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Der britische Autor Alan Moore ist vor allem als Comickünstler berühmt, 2018 verkündete er, sich nicht vom Schreiben, aber von Comics zurückzuziehen. Vielleicht weil er so viel Spaß beim Verfassen dieses bereits 2016 im Original erschienenen Roman-Kolosses hatte? In der
FAZ hält der Schriftsteller
Clemens J.
Setz jedenfalls alle für Esel, die sich den "Riesenroman" entgehen lassen. Auch wenn er einräumt, dass Umfang und Moores Neigung zum
ausufernden Experiment vielleicht nicht jedermanns Sache sind. Aber was Moore an Textformen versammelt, von einer Geschichte eines Arbeiterbezirks in Northampton über einen Jugendroman bis zu einer Reihe von Novellen, lässt das Leserherz des Rezensenten höher schlagen. Allein die mittig im Buch platzierte Geschichte einer
Nahtoderfahrung eines Jungen scheint Setz derart hinreißend, dass er so manchen Metaphern-Overkill und Endlosmonolog (über den Kapitalismus) und das ein oder andere "Slapstickgeblödel", etwa zwischen den Geistern von Beckett und Bunyan, schluckt. Manches offenbart sich auch erst im Verlauf des Textes als Konzept, etwa wenn sich Setz an eine frühe Episode um Charlie Chaplin erinnert.
Barock ist das,
aber auch göttlich, findet der Kritiker, der nach der Lektüre neu auf die Welt blickt. Im
Dlf lässt sich auch Samuel Hamen nicht unterkriegen von der fantastischen Wucht dieses Romans. Hier wirbeln Raum, Zeit, Realitäten und Sprachen mit "hemmungslos verspielter Fabulierlust" durcheinander, ermuntert er zur Lektüre.
Serhij ZhadanChronik des eigenen Atems50 und 1 Gedicht
Suhrkamp Verlag. 124 Seiten. 20 Euro
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"Es ist keine gute Idee, den Krieg als literarischen Stoff zu verwenden. Man ist gezwungen, zu viel Schmerz, zu viel Blut, zu viel Grausamkeit zu sehen, jeden Tag. Jede Nacht hörst du die Einschläge der Raketen. Und am Morgen wachst du dann auf und liest die Chronik der Getöteten. Das sind
keine guten Zeiten für Gedichte", hatte Serhij Zhadan, der seit einem halben Jahr beim ukrainischen Militär ist, kürzlich im
Zeit-Interview gesagt. (
Unser Resümee) Und tatsächlich hatte Zhadan die Arbeit an diesem Band, die er bereits im März 2021 begonnen hatte, erst vier Monate nach Beginn der russischen Invasion wieder aufgenommen. Zum Glück, wie eine bewegte Stephanie von Oppen im
Dlf Kultur notiert. Sie liest den Band in zwei Teilen, wobei auch jene Gedichte aus dem Jahr 2021, die sich Landschaften, Sprach- und Kinderspielen oder Jahreszeiten widmen, keineswegs prophetisch klingen, beispielsweise, wenn es in einem Sommergedicht von 2021 heißt: "Die Stimmen des Schulchores brechen wie jemand
reife Sonnenblumen bricht" - 2021 dauerte der Krieg in der Ostukraine bereits sieben Jahre, erinnert uns die Kritikerin. Unmittelbarer klingen die Gedichte, die nach der russischen Invasion geschrieben wurden: Nun ist zwar nicht die Brutalität des Krieges, aber doch der Tod allgegenwärtig, schreibt Oppen, die einen Funken Hoffnung wahrnimmt: "Und in ihrer Schwermut ist
ein Hauch Brombeere" heißt es in einem der jüngeren Gedichte.
taz-Kritiker Jens Uthoff erkennt, wie lange es dauerte, bis die Ukrainer nach dem russischen Angriff ihre Sprache wiederfanden - und zwar
mit voller poetischer Kraft. Hingewiesen sei auch noch auf einen frisch erschienenen Band mit
sämtlichen Gedichten von
Peter Rühmkorf (
bestellen). Weitere Gedichtebände finden Sie in unseren
Lyrikbänden der Saison.
Clemens BöckmannWas du kriegen kannstRoman
Carl Hanser Verlag. 416 Seiten. 24 Euro
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Kurz vor Jahresende legen uns die Kritiker mit Clemens Böckmanns Debütroman noch ein wichtiges Buch ans Herz. Wobei die Frage, ob es sich im engeren Sinne um einen Roman handelt, durchaus strittig ist, erzählt der Journalist und Dokumentarfilmer Böckmann doch hier die
wahre Geschichte der DDR-Bürgerin Uta Krahl, die von der Stasi zu
Spionagezwecken als
Prostituierte verpflichtet wurde. Und das, obwohl Prostitution in der DDR verboten war. Die junge Uta, im Text: Anna, hat zunächst kein Problem mit dem Auftrag - sind die Kunden doch häufig Familienväter aus dem Westen, die sie mit Geschenken verwöhnen. Zugleich wird Uta selbst von der Stasi ausspioniert, wie die Vielzahl an immer undurchsichtiger werdenden Akten zeigt. Alkoholismus und Zweifel am System führen in den Achtzigern nicht nur zum Ende der Zusammenarbeit, vielmehr wird mit "stalinistischen Methoden" an Utas "psychischer Vernichtung" gearbeitet, resümiert Katharina Teutsch im
Dlf. Böckmann hat (Stasi-)Akten, Protokolle, Verträge und Vereinbarungen aus der DDR-Vergangenheit gesichtet, zudem Gespräche mit der Protagonistin geführt - und so mal eben ein ganz
neues Genre geschaffen, wie Elke Schlinsog im
Dlf Kultur staunt: Den
Rechercheroman. Dabei ergibt die Collage eine ganz eigene Erzählung: Stets müssen sich Autor und Leserin fragen, welcher Erzählung man eigentlich trauen kann und wer hier Opfer und wer Täter ist, ergänzt Teutsch.
SZ-Kritiker Hubert Winkels hebt hervor, dass Böckmann dankenswerterweise auf Psychologisierung verzichtet und in der
NZZ empfiehlt Paul Jandl den Roman als
Kaleidoskop der Paranoia.
Botho StraußDas SchattengetuschelHanser Berlin. 240 Seiten. 26 Euro
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Botho Strauß ist gerade achtzig geworden. Einige Doyens des literarischen Nachwuchses fragten sich, ob man einen
so alten weißen Mann, der überdies "rechts" sei, überhaupt noch feiern soll. Sie waren vielleicht knapp geboren, als Strauß seinen "Anschwellenden Bocksgesang" veröffentlichte. Vorher galt der Theaterautor als Protagonist der Post-68er-Linken, und plötzlich besang er den Rückzug in seinen "
Hortus conclusus". Aber allein die
Prägekraft dieser Begriffe, die seitdem im Instrumentenkasten deutscher Intellektueller verblieben sind, zeigt: Mann, das ist schon ein toller Schriftsteller!
Zeit-Rezensent Ijoma Mangold ließ sich nicht lumpen und prägte in seiner Rezension der köstlichen kleinen Miniaturen von Strauß selbst einen schönen Begriff: Mit einer "Poetik der Nano-Moralistik" hätten wir es hier zu tun. Marianna Lieder notiert in der
Welt, dass Strauß fast reuevoll auf frühere reaktionäre Ausfälle zurückblickt. Sie ist gerührt. Sogar "grandios" erscheint ihr, wie der Autor seine Selbsterkundungen als "
Selbstverfremdungs-Drama" inszeniert.
Sachbuch
Boris von BrauchitschWilliam TurnerBiografie
Insel Verlag. 256 Seiten. 26 Euro
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Auf
Andreas Beyers hochgelobte
Cellini-Biografie (
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Sachbüchern der Saison schon hingewiesen, nicht weniger lesenswert scheint die William-Turner-Biografie zu sein, die der Kunsthistoriker Boris von Brauchitsch nun vorgelegt hat: Bisher ist sie erst von Tilman Krause in der
Welt besprochen worden, aber er ist voll des Lobes: "
fesselnd geschrieben" lege Brauchitsch die Akzente vor allem auf
weniger bekannte Aspekte des Lebens und Schaffens Turners. So beschreibe er ihn überzeugend als Reiseenthusiasten, als kritischen Beobachter seiner Zeit, und als eigensinnigen Ausnahmekünstler mit "Sendungsbewusstsein" - oder anders gesagt: Mit dem Talent zur Selbstinszenierung. Anders als üblich, möchte Brauchitsch Turner nicht als Proto-Impressionisten, sondern als einen "
eigenwilligen Naturalisten" verstanden wissen, womit Krause kein Problem hat. Die Erzählungen und Bildexegesen des Kunsthistorikers lassen für ihn folgenden Schluss zu: Turners Werk bildet die Synthese aus "romantischem Farbrausch" und Aufklärung. Hymnisch besprochen wurde zudem
Simon Elliotts Graphic Novel über David Hockney (
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Dlf Kultur kann Anne Kohlick kaum glauben, dass Elliott eigentlich Rechtsanwalt ist, der erst während der Pandemie anfing zu zeichnen und dann gleich ein so professionelles wie
experimentierfreudiges Buch vorlegt. In "leuchtenden Farben" erzählt Elliott Hockneys Biografie vom Aufwachsen in bescheidenen Verhältnissen bis zum teuersten lebenden Maler, setzt dabei nicht auf klassische Graphic-Novel-Elemente, sondern auf kurze Textfelder, die Anekdoten aus Hockneys Leben wiedergeben, erklärt die Kritikerin. Und
Uwe M.
Schneede, einer der bedeutendsten deutschen Kunsthistoriker der Gegenwart, schreibt eine Monografie (
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Gerhard Richter, den wichtigsten Gegenwartskünstler - und keine Zeitung nimmt Notiz davon: Immerhin, der
FR durfte Schneede im
Interview erklären, weshalb er eine Neubetrachtung von Richters Werk für notwendig hält - und im
SWR empfiehlt Simone Reber den Band, weil er "auf alle reißerischen Attribute verzichtet und eine
glasklare Darstellung und Analyse seiner Malerei liefert".
Lou Osborn, Dimitri ZuffereyDie Söldner des KremlsWagner und Russlands neue Geheimarmeen
C.H. Beck Verlag. 352 Seiten. 26 Euro
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Ein düsteres, aber auch faszinierendes Thema, das die Journalisten Lou Osborne und Dimitri Zufferey hier anpacken: Die
Wagner-
Gruppe wurde zwar nach dem Tod ihres Anführers Jewgeni Prigoschin den russischen Geheimdiensten unterstellt, doch die Söldner des Kremls operieren weiterhin verdeckt, aktiver denn je begehen sie Menschenrechtsverbrechen in der Ukraine, in Afrika und im Nahen Osten, weisen die Autoren nach. Thekla Dannenberg hat den Band für den
Dlf besprochen - und schon im Lauf der Rezension lernt man einiges über das einfache Geschäftsmodell der Wagner-Truppe: Man bietet einem korrupten Herrscher an, die Bodenschätze des Landes zu schützen. Dafür bekommt man einen Anteil der Einnahmen. Auf
2,
5 Milliarden Euro beziffert Dannenberg mit den Autoren des Bandes die Gewinne der Wagner-Truppe, die nach Wagners irrer Rebellion gegen seinen Boss jetzt übrigens unter Russlands Diensten neu aufgeteilt werden. Die Autoren des Bandes haben
akribisch recherchiert, so die Rezensentin, sie arbeiten dabei, ähnlich wie der bekannte Dienst Bellingcat, nach dem Prinzip der "Open Source Intelligence" (OSINT), beziehen sich also im wesentlichen auf Quellen, die öffentlich im Netz zu finden sind - auch wenn ihnen zusätzlich bestimmte Dokumente zugespielt wurden. Manchmal geht Dannenberg vor lauter Details der große Erzählfaden des Buchs verloren, aber allein für seinen
Informationsreichtum und für das Vorwort des bekannten Journalisten Pierre Haski kann sie den Band dringend empfehlen.
Alain FinkielkrautRevisionismus von linksÜberlegungen zur Frage des Genozids
Ca ira Verlag. 204 Seiten 26 Euro
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Manchmal sind die aktuellsten Bücher fast ein halbes Jahrhundert alt. Allein der Titel von Alain Finkielkrauts Essay von 1982 war prophetisch: "
L'Avenir d'une négation", Zukunft einer Leugnung. Dies Buch war also noch vor dem (ersten) Historikerstreit erschienen. Finkielkraut dachte damals darüber nach, warum die Holocaustleugnung, die man in der Regel fast reflexhaft der extremen Rechten zuordnete, mindestens ebenso maßgeblich von der extremen Linken ausging: Der linke Linguist
Noam Chomsky, bis heute weithin respektiert, war es gewesen, der ein Vorwort zu Robert Faurissons Buch über die angeblich nicht existierenden Gaskammern geschrieben hatte. Den Bogen von Finkielkrauts damaliger Reflexion zum heutigen, fast in den Mainstream gelangten linken Antisemitismus, besonders nach dem 7. Oktober, werden alle Leser mit großem Gewinn schlagen, versichern Lukas Böckmann in der
taz und Thomas Thiel in der
FAZ. Finkielkraut widersprach schon damals der lange gängigen These, linker Judenhass sei erst nach dem
Sechstagekrieg 1967 durch die Solidarität mit den Palästinensern entstanden. Vielmehr sieht er eine
tiefere Kontinuität, die Holocaust und Kolonialverbrechen gleichsetzt, um Israels Existenz zu delegitimieren. Schon in der Dreyfus-Affäre gab es nicht nur einen rechten, damals katholisch geprägten, sondern auch einen linken Antisemitismus, so Finkielkraut. Und die Leugnung hatte eine Zukunft: Das, was Finkielkraut damals befürchtete, ist heute eingetreten, schließt Böckmann, der das Buch als klugen Kommentar zur Zeit und zum Zustand der Linken empfiehlt.
Zoë SchlangerDie LichtwandlerWie Pflanzen uns das Leben schenken
S. Fischer Verlag. 448 Seiten. 28 Euro
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Bücher über
Pflanzen haben Konjunktur, und dass Bäume miteinander kommunizieren, wissen wir spätestens seit Peter Wohllebens
"Das geheime Leben der Bäume". Und doch gibt es eine ganze Menge an Geheimnissen, die die Pflanzenwelt vor uns verborgen hält. Wer wusste schon, dass Pflanzen
Ozeane überqueren können? Oder dass sie auf ihre Umwelt reagieren, auf Bewegungen, Berührungen, Geräusche etwa? Und dass Sonnenblumen genau erkennen, wer neben ihnen steht, wie der
Dlf-Kultur-Kritiker Michael Lange hier lernt, klingt geradezu unheimlich. Die amerikanische Wissenschaftsjournalisten Zoë Schlanger, die für
The Atlantic über den Klimawandel schreibt, ist keine Botanik-Expertin und das macht für den Kritiker den besonderen Reiz des Buches aus: Statt sich Wissen anzueignen und weiterzugeben, lässt sie uns teilhaben an ihrem
Erkenntnisprozess: Sie besucht Wissenschaftler und Forscherinnen, befragt sie nicht nur zu ihren Forschungsobjekten, sondern auch zu ihrem eigenen Verhältnis zu Pflanzen, und lässt sich dabei immer wieder überraschen. Schlanger geht es dabei nicht nur darum, diese Informationen zu vermitteln, sondern sie will auch Bewusstsein schaffen, ein "Gefühl für Pflanzen" - und das gelingt ihr mit
Poesie,
Eleganz und Einfühlung, schließt der Kritiker. Für
npr.org hat Tonya Mosley mit der Autorin über die Intelligenz der Pflanzen
gesprochen.
Christian GrataloupDie Geschichte der ErdeEin Atlas
C.H. Beck Verlag. 320 Seiten. 38 Euro
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2024 war auch das Jahr der Atlanten: Den schönen von
Emilie Aubry und
Frank Tetart herausgegebenen, auf der
arte-Sendung "Mit offenen Karten" basierenden Atlas
"Die Welt der Gegenwart" (
bestellen), der uns zu den geopolitischen Konflikten des 21. Jahrhunderts führt, haben wir schon in unseren
politischen Büchern der Saison empfohlen. Eine Empfehlung zu
Kate Crawfords "Atlas der KI" (
bestellen), finden Sie in unserem
Bücherbrief des Monats September. Als Geschenk für wissbegierige und engagierte Nichten und Neffen raten wir außerdem zu dem von
Christian Endt,
Ole Häntzschel und
Luisa Neubauer herausgegebenen
"Klima-Atlas" (
bestellen), der in achtzig Karten den Klimawandel anschaulich macht. Als großartiges Nachschlage- und Schmökerwerk legt uns der
Dlf-Kultur-Rezensent Günther Wessel zudem den von dem französischen Geografen Christian Grataloup in Kooperation mit dreißig Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen zusammengestellten Atlas nahe, der nicht weniger als die
gesamte Weltgeschichte umfasst. Es beginnt mit dem
Urknall und geht bis in die von Klimakrisen gebeutelte Gegenwart: Zahlreiche Schaubilder und Karten zeigen zum Beispiel Wanderbewegungen früher Menschenarten oder die Verbreitung von Lebensmitteln über den Globus. Im Zentrum stehen dabei die grafischen Elemente, stellt Wessel klar, die Texte sind knapp gehalten aber informativ. Ein Buch, in dem man sehr gerne blättert und immer wieder Neues entdeckt, schließt Wessel. Auf
Zeit Online lernt Lukas Franke in diesem verdienstvollen Band, dass der menschliche "ungestüme Expansionsdrang nur einen Wimpernschlag der planetaren Zeit benötigte, um die eigenen Lebensgrundlagen in bedrohliche Schieflage zu bringen." Zu guter Letzt sei unbedingt noch hingewiesen auf
Raoul Schrotts opulenten "Atlas der Sternenhimmel" (
bestellen), der in erlesener Ausstattung siebzehn Sternenhimmel von allen Kontinenten versammelt. Im
WDR würdigt Denis Scheck die "Herkulesarbeit" des Autors, der ihn beispielsweise lehrt, dass es in Südafrika ein "Erdferkelgestirn" gibt. Ein bisher nie dagewesene komparatistisches Werk mit "verblüffenden" Thesen, jubelt er.