Die Buchmacher - Archiv

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281 Presseschau-Absätze - Seite 7 von 29

Die Buchmacher vom 08.01.2007 - buchreport.express

Im Aufmacherartikel bilanziert buchreport das Weihnachtsgeschäft und das gesamte Jahr: Der Sortimentsbuchhandel habe 2006 mit minus 0,3 Prozent eine "rosarote Null" im Vergleich zum Vorjahr erwirtschaftet; für 2005 hat buchreport seinerzeit ein Plus von 1,9 Prozent erhoben. Ausschlaggebend sei besonders der zunehmende Einfluss des Onlinebuchhandels - in einer von den Dortmundern in Auftrag gegebenen Umfrage hätten 20 Prozent der Buchkäufer angegeben, das Internet als einen von mehreren Einkaufswegen genutzt zu haben; insgesamt hätten 66 Prozent der Befragten erklärt, dass sie Bücher verschenkt hätten. Außerdem, setzt buchreport die Ursachenforschung fort, habe im Herbst ein großer Bücher-Renner a la Harry Potter gefehlt (hier die ausführliche Fassung der Analyse).

Mit Blick auf die Übernahme von Buch & Kunst durch Thalia zeichnet buchreport die Konzentrationsentwicklung im Buchhandelsjahr 2006 nach. Wie das Börsenblatt glauben die buchreporter, dass die beiden großen Protagonisten im Buchhandel (Thalia und DBH) die wichtigsten Konkurrenten "unter das eigene Dach" geholt haben. Das Tempo der Thalia-Übernahmen sei eine Konsequenz aus der Aufholjagd gegenüber Branchenführer DBH.

Nach der Trennung des Tandem Verlags von Ludwig Könemann erinnert buchreport an Aufstieg und Fall des Büchermanns, der 2001 mit seiner Könemann Verlagsgesellschaft stürzte und 18 Millionen Bücher in deutschen und ausländischen Lägern hinterließ - drei Millionen Bände wurden 2002 von Zanolli gekauft (auch inzwischen pleite).

Der britische Buchhandel hat nach vorläufigen Statistiken im Weihnachtsgeschäft ein Plus von 3% erwirtschaftet; für den US-Markt liegen noch keine Zahlen vor. Top-Seller in den USA war der Roman "For One More Day" (Mitch Albom), von dem Hyperion 4 Millionen Exemplare in Umlauf gebracht hat.

Weitere Themen: Neben KNV bestückt künftig auch Mair DuMont die Regale in den Karstadt kompakt-Filialen. Stefan Lübbe hat von seiner Schwester Cornelia Lübbe-Roggen die ihm noch fehlenden Anteile an der Verlagsgruppe übernommen und hat nun das alleinige Sagen. Rowohlt-Internetchef Dirk Moldenhauer macht sich mit seiner Kollegin Ulrike Schwermann zum Jahresbeginn als Dienstleister für Internetmarketing selbstständig - ein Schwerpunkt soll beim Einzeltitelmarketing liegen.
Stichwörter: Knv, Hyperion

Die Buchmacher vom 25.12.2006 - buchreport.express

Erst Anfang Januar löst der buchreport das Rätsel auf, wie der Buchhandel denn nun im Weihnachtsgeschäft und im gesamten Jahr 2006 abgeschlossen hat. Letzte Wasserstandsmeldung: In der dritten Adventswoche reichte es für ein Plus von 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (hier der Artikel). Trotz des einigermaßen guten Ergebnis ist sich buchreport sicher: Die 1,9 Prozent für das gesamte Jahr 2005 sind in diesem Jahr nicht mehr erreichbar. "Spielverderber" seien im Finale des Weihnachtsgeschäfts einmal mehr die Hardcover-Romane gewesen, die ein Minus von 6,8 Prozent verbucht haben. Sorgenfalten zeichneten sich auf der Stirn der Buchhändler wegen der gesunkenen Durchschnittspreise ab. Konsequenz: Die Absätze seien in der dritten Adventswoche um 3,7 Prozent gestiegen, die Umsätze jedoch - wie geschrieben - nur um 1,8 Prozent.

Der Buchimporteur Petersen will in Deutschland das Angebot englischsprachiger Hardcover ausbauen. So schickt Petersen zusammen mit dem Verlag Hodder & Stoughton Bestseller-Autorin Elizabeth George im Januar auf eine Lesereise durch Deutschland und Österreich. Pikantes Detail: Der deutsche George-Verlag Blanvalet hat erst durch Anfragen aus dem Buchhandel von der Tournee erfahren.

Ab Januar wechselt der Kooperationspartner für die buchreport-Taschenbuchbestsellerliste: An die Stelle von Gong tritt Spiegel Online - das Logo des Spiegel-Internetablegers wird künftig über der Bestsellerliste abgedruckt. "Spiegel-Online-Chef Mathias Müller von Blumencron begründet de Kooperation wiefolgt: "Mit einem Marktanteil von 25 Prozent haben Taschenbücher weiterhin ein erhebliches Wachstumspotenzial, dem wir mit der Bestsellerliste und der damit verbundenen Berichterstattung entsprechen werden."

Weitere Themen: Ein neues Urteil im Honorarstreit besorgt die Verleger: Das Oberlandesgericht München hat einem Übersetzer 50 Prozent der Nettoerlöse der Nebenrechtseinnahmen zugestanden. Ergo rät der Börsenvereins-Justiziar Christian Sprang den Verlegern: So wenige Übersetzungen im kommenden Jahr wie möglich. Die Mayersche Buchhandlung plant ihre 30. Filiale (hier der Artikel). In Großbritannien haben sich die Kettenbuchhandlungen kurz vor dem Weihnachtsfest Rabattschlachten geliefert: Bei Waterstone's und WH Smith wurden gebundenen Bücher zu Taschenbuchpreisen verkauft. Im Kommentar durchleuchtet Rainer Uebelhöde unter der Überschrift "Kameraden in der Kälte" den Trend zur Kooperation im Buchhandel. Außerdem lässt buchreport das Branchenjahr 2006 auf sieben Seiten Revue passieren. Und hier die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 17.12.2006 - buchreport.express

"Das darf es noch nicht gewesen sein!", appelliert der buchreport auf der Titelseite an die weihnachtsgestressten Buchhändler. Hintergrund: Mit einer Umsatzentwicklung von -0,1 Prozent in der vergangenen Woche habe der Handel nach einem niederschmetternden Ergebnis der Vorwoche (-8,7 Prozent) beinahe das Ergebnis der Vorjahreswoche erreicht. Die Aussichten für einen Durchbruch in der letzten Minute seien nicht schlecht - neue Bücher von Thomas Harris und Iny Lorentz sorgten für Aufmerksamkeit bei den Sortimentern, außerdem seien Bücher typische Last-Minute-Geschenke. Das am meisten verkaufte Buch sei weiterhin der Wanderbericht von Hape Kerkeling ("Ich bin dann mal weg"); unter den 20 meistverkauften Büchern seien 13 Taschenbücher - keines kostet über 10 Euro. Anders als die stationären Händler rechneten die Onliner mit deutlich zweistelligen Zuwachsraten: weltbild.de und amazon.com um über 30 Prozent (hier der Artikel zum Internethandel).

Microsoft hat nach monatelangen Vorbereitungen das hauseigene Volltextsuche-Portal "Live Search Books" (hier lang) freigeschaltet. Die Titel stammen aus der British Library in London sowie den Bibliotheken großer Universitäten in Kalifornien und Kanada.

Weitere Themen: An Übernahmen meldet buchreport den Kauf der Oldenburger Buchhandlung durch die Schweitzer-Kette sowie der Traditionsbuchhandlung J.M. Groth durch Heymann. Nach der Übernahme von Zweitausendeins wollen die Eigentümer Michael und Rainer Kölmel bei Buchhändlern Shop-in-Shop-Systeme einrichten und dort Musik-CDs und Film-DVDs anbieten. Der DuMont Buchverlag wird - mangels Bestsellern - in diesem Jahr mit einem zweistelligen Umsatzminus abschließen; jüngste Hiobsbotschaften: Marcel Beyer wechselt mit seinem Lektor Christian Döring zu Suhrkamp, Julia Franck zu S. Fischer. Revirement bei den Kultursendungen: "Wickerts Bücher" wird künftig sonntags, 23.30 Uhr, statt donnerstags, 23.15 Uhr, ausgestrahlt - teilweise parallel zu Denis Schecks "Druckfrisch" in der ARD. Aspekte (ZDF) muss sich den Sendeplatz mit Elke Heidenreichs "Lesen!" teilen. Im Kommentar macht Rainer Uebelhöde kleinen Buchhändlern Mut, Bücher übers Internet Wer den Anschluss nicht verpassen will, muss möglichst schnell aufspringen." zu verkaufen: "Der Zug ist längst mit Volldampf auf der Strecke. Und hier die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 11.12.2006 - buchreport.express

Volle Städte, leere Kassen - auf mehreren Seiten rätselt buchreport, warum der Buchhandel in der vergangenen Woche ein Umsatz-Minus von 8,6 Prozent hinnehmen musste. "Schlechter geht es kaum noch", zitieren die Dortmunder "einen der bekanntesten deutschen Buchhändler". Besonders bitter sei die Situation der kleineren Buchhändler, die Umsatzeinbußen bis zu 20% verbuchten. Hauptgrund der Misere: Es fehlt ein Top-Seller a la "Harry Potter", weshalb die Hardcover-Belletristik-Umsätze um 20 Prozent hinter dem Vorjahr zurückblieben. Demgegenüber die drei meistverkauften Titel (warengruppenübergreifend): "Ich bin dann mal weg" (Hape Kerkeling), "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod III" (Bastian Sick) und der "Duden" (Bibliographisches Institut). Hier außerdem ein Artikel über die November-Umsätze im Buchhandel.

Die Börsenvereinstochter MVB feilt weiter an der als fehlerhaft gescholtenen Rechercheplattform "Verzeichnis lieferbarer Bücher". Ab Frühjahr soll die Datenbank um Nonbooks ergänzt werden, sodass Verlage Merchandising-Produkte anbieten können. Außerdem überlegen die Frankfurter, ob der VlB-Abo-Preis für Buchhändler (jährlich 486 Euro für eine Einzelplatzversion) gesenkt werden soll, um den Kundenschwund zu stoppen.

Im Kommentar kritisiert Thomas Wilking die weitestgehend dichotomen Auslieferungsrhythmen der Verlage (Frühjahr, Herbst). "Das passt letztlich ebensowenig in die Zeit wie die tradierten Rabattmodelle des draufgelegten Partieexemplars. In Zeiten, in denen die Lager des Handels klein gehalten und die Just-in-Time-Logistik immer ausgefeilter wird, sind andere Rhythmen gefragt."

Weitere Themen: Im Interview mit Thomas Wilking erklärt Stephan Schierke, Chef der Bertelsmann-Verlagsauslieferung VVA, warum die Auslieferungsgeschwindigkeit erhöht sowie Bestellungen zunehmend gebündelt werden sollen (hier der Artikel zu den VVA-Plänen). Der Pabel-Moewig-Verlag stellt das Buchgeschäft ein und will die Perry-Rhodan-Reihe als Lizenz an einen anderen Buchverlag verkaufen - Kandidaten sind nach buchreport-Recherchen Heyne und Lübbe. Die Welt und Thalia bringen mit dem Taschen Verlag eine Sonderausgabe mit den Werken von Leonardo da Vinci auf den Markt - für 49 Euro statt der ursprünglichen 150 Euro. Die Riverdeep Group schluckt für 3,3 Milliarden Dollar den US-Großverlag Houghton Mifflin. Random House will in den kommenden Jahren massiv in die Verwertung von Backlist-Titeln investieren, um Marktanteile auf dem Klassikermarkt (derzeit schätzungsweise 10%) zu erobern; die Aktivitäten werden auf den Imprintverlag Vintage gebündelt, bei dem ab August 2007 20 Klassiker erscheinen sollen. Und hier die Bestsellerliste.

Die Buchmacher vom 04.12.2006 - buchreport.express

Mit Blick auf das soeben eröffnete Weihnachtsgeschäft rätselt buchreport über dessen Ausgang. Ein deutliches Minus im November habe das kumulierte Ergebnis in den roten Bereich gezogen. In den vergangenen Wochen seien zwar mehr Bücher verkauft worden, dennoch bleibe der Umsatz hinter den Stückzahlen zurück. Dieser Trend werde im Weihnachtsgeschäft fortgesetzt, weil dem Buchhandel die großen Roman-Renner fehlten. Einziger Lichtblick: In einer Studie haben 42% der Befragten angegeben, Bücher fürs Fest kaufen zu wollen. Kurzer Vergleich mit den USA: Die National Retail Federation erwartet ein Plus von 5%. Im Kommentar empfiehlt Rainer Uebelhöde den Buchhändlern "Service, Service und nochmal Service", statt über das hohe Arbeitsaufkommen zu lamentieren. Diese sollten "aktiv auf den Buchinteressierten" zugehen und nicht nur den Stammkunden im Blick behalten.

Ein halbes Dutzend Traditionsbuchhandlungen (darunter die 1911 gegründete Heidenheimer Buchhandlung Meuer) gibt zum Jahresende auf. "Die klassische, beratungsorientierte Klientel stirbt aus. Die jüngeren Käufer sind von uns nicht mehr zu erreichen", bringt der Kaiserslauterner Sortimenter Hermann Schmidt das Dilemma auf den Punkt.

Der Trend zur Konsolidierung unter den juristischen Onlineportalen hält an. Der Verlag Dr. Otto Schmidt hat sämtliche Anteile von Legios (bislang ein Joint Venture mit Carl Heymanns, Haufe und der Handelsblatt-Gruppe) übernommen. Künftig soll das Portal vom Vollanbieter zum Spezialisten für Wirtschaftsrecht avancieren (hier der Artikel).

Die verlängerten Ladenöffnungszeiten treiben Kleinbuchhändlern die Sorgenfalten auf die Stirn. Im Gespräch mit buchreport befürchtet Anne von Bestenvostel (Arbeitskreis kleinerer Sortimenter), dass die Filialisten an Attraktivität gewinnen und noch mehr Kaufkraft abfließt.

Dass sie vor Weihnachten noch "mehr Dampf" machen beziehungsweise die "Muskeln spielen" lassen, geben einerseits die Verlagsauslieferungen und andererseits die Rackjobber zu buchreport-Protokoll. Die Verlagsauslieferungen KNO VA und VVA bieten Buchhändlern besonders flotte Lieferungen an (hier der Artikel), während der Nebenmärkteexperte Buchpartner AG "mit breit gestreuten PR-Aktionen punkten" will - unter anderem beim real-Discounter.

Im Interview mit buchreport-Chef Thomas Wilking zeigt sich Jürgen Maier, Vorstand des Goethe Instituts, zuversichlich, trotz Stellenkürzungen (70 von 300 Stellen fallen weg) eine gleich gute Leistung abliefern zu können. Fünf Jahre nach der Fusion von Goethe Institut und Inter Nationes arbeite der Kulturexporteur "im Rahmen einer neuen Finanzierungsform dezentraler" (was immer das heißen mag).
Stichwörter: Handelsblatt

Die Buchmacher vom 27.11.2006 - buchreport.express

Die Berliner Generalprobe für einen Einzelhandel ohne Ladenschlussgesetz ist in dieser Woche das Aufmacherthema im buchreport (hier der Artikel). Nach Einschätzung von Fachleuten kristallisiere sich in Hauptgeschäftsstraßen zumindest am Freitag und Samstag ein Toreschluss um 24 Uhr und an anderen Wochentagen um 22 Uhr heraus. Die Immobilienmakler von Kemper's rechnen damit, dass in Folge der Liberalisierung der Ladenschlusszeiten die Top-Einkaufsstraßen und -zentren an Bedeutung gewinnen und die Anzahl der Filialisten zunimmt. Peter Dussmann, Namensgeber des Kulturkaufhauses in Berlin, erwartet sogar, dass bis 2010 auf das Verkaufsverbot an Sonntagen fällt. Unter den Buchhändlern ist das Bild uneinheitlich. So überlässt etwa Thalia jeder einzelnen der 15 Berliner Filialen, wann Schluss ist am Abend.

Seltsame Fußnote zur "Ladenschluss-Killer-Party" bei Dussmann: Am gleichen Tag wurde die Geschäftsführerin Martina Tittel fristlos entlassen. Über die Gründe herrscht Rätselraten. Die Kür des Nachfolgers, Hartwig Schulte-Loh (leitete das Kulturkaufhaus schon von 1997 bis 2000, plädiert für die völlige Ladenschlussfreigabe an sieben Tagen der Woche), könnte darauf hinweisen, dass Tittel beim Thema Ladenschluss anderer Meinung ist als Peter Dussmann.

Ebenfalls in Berlin ist eines der größten Revirements in der Verlagsbranche in den vergangenen Jahren im Gange: Viktor Niemann, Chef der Ullstein Buchverlage, zieht sich zum Jahresende zurück, Nachfolgerin wird Siv Bulitz, die derzeit die Verlage Claassen und List sowie Marion von Schröder leitet. Vom Süddeutschen Verlag wird Klaus Füreder als Marketing- und Vertriebsgeschäftsführer im Februar zu Ullstein stoßen (hier der Artikel). Im Interview mit buchreport verteidigt Niemann die dezentrale Struktur der Bonnier-Verlagsgruppe in Deutschland. Verlage gewännen aus ihrer Regionalität heraus Themen und Autoren. Für die Zukunft schließt Niemann nicht aus, "die Arrondierung der kleinen Bonnier Gruppe weiter vorzunehmen".

Weitere Themen: Christoph Mohn, Sohn von Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn, ist in den Aufsichtsrat des Medienkonzerns gewählt worden. Der Fachverlag John Wiley übernimmt für 845 Mio Euro den Wettbewerber Blackwell Publishing. Und hier die Bestsellerliste.

Die Buchmacher vom 20.11.2006 - buchreport.express

Über den Korb des Bundeskartellamts für den Börsenverein hat das Verbandsblatt schon in der vergangenen Woche berichtet (siehe Buchmacher vom 13.11.2006 im Archiv). buchreport legt mit einem Aufmacherartikel nach. Hintergrund: Auf Anregung des Sortimenterausschusses sollten die Kartellwächter Konkretisierungen des Preisbindungsgesetzes vornehmen - und sich dabei besonders für eine Höchstrabattgrenze von 50 Prozent aussprechen, damit die großen gegenüber den kleinen Buchhandlungen beim Konditionenpoker mit den Verlagen nicht übervorteilt werden. Der "verbleibende Restwettbewerb" der Buchhändler auf der Nachfrageseite sei "besonders schützenswert", begründeten die Beamten ihre Absage. Als Konsequenz sieht buchreport, dass die Filialisten ihren Abstand zu den kleinen Buchhandlungen noch vergrößern werden, weil sie mehr als 50 Prozent Rabatt fordern können. Für die Verlage könnten sich die Kalkulation und Margen verändern.

"Wir spielen kein Wunschkonzert", begründet Andreas Meier, Noch-Chef des Minifilialisten Potthoff in Bergisch Gladbach (vier Filialen), den Verkauf dreier Standorte an Thalia. Der Konzentrationsprozess im Buchhandel habe den Impuls gegeben. So ganz schlau wird der Leser aus den Ausführungen nicht, denn einerseits ist Potthoff mit großem Abstand lokaler Marktführer, zum anderen hat der 52-jährige Buchhändler erst vor drei Jahren viel Geld in eine 1250 Quadratmeter-Filiale gesteckt. Die Zukunft des Unternehmens und der Mitarbeiter werde so langfristig gesichert, führt Meier im Gespräch mit buchreport etwas schwammig aus.

Zum neuen Kochtopf noch das passende Kochbuch? buchreport stellt die neue Kooperation von Weltbild und quelle.de vor - die Augsburger haben unter der Domain der KarstadtQuelle-Tochter einen Online-Shop für Bücher, CDs und Filme eröffnet; Kunden bestellen bei quelle.de und werden von Weltbild beliefert; bis 2007 sollen 500000 Artikel verfügbar sein. Bahnt sich da auch eine Zusammenarbeit im stationären Geschäft (bei Quelle oder Karstadt) an? Was für buchreport nahe liegt, wird bei Karstadt noch als "reine Spekulation" abgetan.

Weitere Themen: Der im Juli begonnene Abstecher von Weltbild und Best of Books im Lebensmittelhandel und in Warenhäusern ist inzwischen auf acht Filialen ausgeweitet worden (sechs HIT- sowie drei familia-Standorte). Ab Dezember nimmt das Kulturkaufhaus Dussmann vier Download-Stationen für Hörbücher in Betrieb. Das von claudio.de (Gesellschafter ist u.a. Focus) und dem Gerätehersteller Asap konzipierte Gerät ermöglicht, Hörbücher auf einen MP3-Player oder aufs Handy zu laden. Zur Suhrkamp-Krise fasst buchreport die relevanten Zeitungsartikel und Pressemitteilungen zusammen - und kommt zum Fazit, dass eine Übernahme der Reinhart-Anteile durch Suhrkamp unwahrscheinlich sei (u.a., weil der Verlag dafür kein Geld hätte). So früh wie noch nie ist der britische Buchhandel ins Weihnachtsgeschäft gestartet - seit 19. Oktober schaltet der Branchenprimus Waterstone's wöchentlich von Mittwoch bis Samstag 20-Sekunden-Fernsehspots. Im Kommentar hält Rainer Uebelhöde angesichts der "rasanten Konzentrationsprozesse" (Aufhänger ist die Übernahme von Potthoff durch Thalia) den Finger in den Wind und kommt zu dem Schluss, dass dieser immer rauer wird. Und hier die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 13.11.2006 - buchreport.express

Nach einer monatelangen Ruhepause melden sich die Rebellen der Branche wieder zurück. Mit zweiseitigen Flyern - dem Börsenblatt beigelegt - fordert die von zwei westfälischen Buchhändler gegründete Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Buchhandlungen (AuB) mehr "Vereinfachung, Verschlankung, Rationalisierung". Im Konkreten, berichtet buchreport, sollen unter anderem die Auslieferungen von Büchern konsequent verlagsübergreifend gebündelt sowie den Buchhändlern Jahreskonditionen von mindestens 40 Prozent eingeräumt werden. Einen Anhänger haben die Westfalen schon gewonnen: In seiner Kolumne "Sechsundsechzig Wörter" feiert buchreport-Herausgeber Bodo Harenberg die AuB-Vorschläge, die "die Rationalisierung und damit die Wirtschaftlichkeit der Branche auf einen Schlag weiter vorwärts bringen könnten als alle vorausgegangenen Versuche der letzten Jahre".

Wenige Wochen vor dem Jahresende zieht buchreport eine erste Bilanz: Nach einer Oktober-Umsatzentwicklung von minus 5,2 Prozent liegen die kumulierten Umsätze von Januar bis heute gerade einmal 0,2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Als Ursache erkennt buchreport, dass dem Handel in diesem Jahr Renner a la "Harry Potter" gefehlt hätten. Selbst die Schröder-Memoiren seien schon auf Platz zwei der Sachbuchbestsellerliste abgefallen. Hinzu komme, dass besonders die Belletristik in diesem Jahr geschwächelt habe. Kein gutes Omen für das Weihnachtsgeschäft.

Auf der Suche nach der schwarzen Null und neuen Kunden zieht der Bertelsmann Club alle Register - und übertritt sogar die Grenze der Preisbindung. Zu diesem Fazit kommt buchreport beim Studium der aktuellen Club-Anzeigen, die dem Kunden einen Ausstieg aus dem Club bereits nach vier gekauften Artikeln einräumen. Ärgerlich besonders für den vom Börsenverein beauftragten Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels, der mit dem Buchclub eine mindestens einjährige Mitgliedschaft als Voraussetzung für das Angebot billiger Bücher ausgehandelt hatte.


Weitere Artikel: Thomas Rathnow übernimmt die Verlagsleitung der von Random House-Tochter DVA, der bisherige DVA-Chef Stephan Meyer verlässt den Verlag. Seinen Abschied feiert auch Jens Marquardt, bislang Finanzchef beim Aufbau-Verlag, der als kaufmännischer Leiter ins Schweitzer Sortiment (Schwerpunkt Recht, Wirtschaft, Steuern) wechselt. In Frankreich sorgt der Star des lirerarischen Herbst, der Autor Jonathan Littell, für Aufsehen - sowohl der Prix Goncourt als auch der Romanpreis der Academie Francaise gehen in diesem Jahr an den auf Französisch schreibenden Amerikaner ("Les Bienveillantes"). Ärgerlich für die Goncourt-Jury: Littell glänzte bei der Preisverleihung durch Abwesenheit. Und hier die Bestsellerliste.

Die Buchmacher vom 04.11.2006 - buchreport.express

Einen "atemberaubenden Expansionskurs" beobachtet buchreport bei der Mayerschen und vermeldet neue Filialen oder Übernahmen in Iserlohn, Wuppertal und Bocholt. Ende 2008, rechnen die Dortmunder vor, habe die Mayersche 27 Buchhandlungen mit einer Verkaufsfläche von über 50000 Quadratmeter. In Nordrhein-Westfalen sei die Mayersche Marktführer, bundesweit die dritte Kraft hinter DBH (Hugendubel, Weltbild u.a.) und Thalia (hier ein Artikel über die neue Thalia-Filiale in Darmstadt). Im Interview mit buchreport gibt sich der Ober-Mayer Hartmut Falter wortkarg: sechs Fragen, sechs Antwortsätze - ohne Relevanz, um zitiert zu werden.

Im Interview mit Rainer Uebelhöde verteidigt Stefan Könemann, Vorsitzender des Börsenverein-Landesverbands NRW, die föderale Struktur des Verbands. Gleichwohl müssten "alle Arbeitsprozesse auf den Prüfstand" gestellt werden. Neben dem Interview widmet sich buchreport mit zwei großen Artikeln der Reform des Verbandes. Am Donnerstag entscheidet die Abgeordnetenversammlung, ob in Zukunft ein neues Branchenparlament die Aufgaben der Abgeordnetenversammlung übernimmt. Außerdem sollen in dieser Woche die Buchhandelsregeln neu gefasst werden; dabei geht es unter anderem um die Einhaltung des Erstverkauftages.

Anlässlich der großen Medienkampagne zur Schröder-Biografie durchleuchtet buchreport das Geschäft mit Memoiren - die, anders als in den USA oder Großbritannien (Marktanteil von bis zu 10%), hierzulande keinen besonders hohen Stellenwert besitzen. Der Umsatzanteil von Biografien pendele in Deutschland um 2,5%. Die Schröder-Biografie rangiere derzeit knapp vor Hape Kerkeling auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste.

Weitere Artikel: Weltbild erweitert die Aktivitäten außerhalb des Buchhandels und eröffnet zusammen mit B.O.B. Best of Books Bücher-Verkaufsflächen in drei Familia-Warenhäusern. Der Systemdienstleister TMI kauft den Rackjobber Librofino (Rackjobber bestücken beispielsweise Bücherregale in Verbrauchermärkten). Der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels hat vor Gericht Preisbindungsverstöße der Medienhandelskette Libro gestoppt. Passend zum Thema, hat der Hanauer Buchhändler Dieter Dausien ein Duden-Paket des ADAC für deren Mitglieder abmahnen lassen - ebenfalls wegen eines Verstoßes gegen die Preisbindung. Gräfe und Unzer startet ein neues Sachbuchprogramm (hier der Artikel). Und hier die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 29.10.2006 - buchreport.express

Mit zehn Thesen zur Entwicklung des Filialbuchhandels flankiert buchreport den jährlich erscheinenden Filialatlas (eine Deutschlandkarte mit den eingezeichneten Standorten der Buchketten), der in diesem Jahr noch wie "ein bunter Fleckerlteppich" aussehe - im kommenden Jahr werden die ehemals eigenständigen und von Thalia und der DBH Deutsche Buch Handels Gesellschaft (Hugendubel und Weltbild) geschluckten Filialisten (wie Gondrom, Grüttefien, Hugendubel, Weiland und Habel) als konsolidierte Unternehmen geführt. So rechnen die Dortmunder damit, dass der Marktanteil der Ketten mittelfristig von heute 30 Prozent (entspricht einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro) auf 40 Prozent steigen wird, dass die Filialisten sich zunehmend von den Groß- auf die Mittel- und Kleinstädte konzentrieren und ihr Angebot um neue Sortimente erweitern werden (die gesamte Analyse ist im monatlich erscheinenden buchreport.magazin nachzulesen, hier die wesentlichen Ergebnisse, hier das Inhaltsverzeichnis).

Antonius Linnemann verrät im Interview mit Till Spielmann das Erfolgsrezept seiner Buchhandlung, die vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels für den HandelsInnovationspreis nominiert wurde: "Erlebnisbuchhandel" sei das Gebot der Stunde.

Anlässlich der 300. Weltbild plus-Filiale in Wuppertal rekapituliert buchreport den Aufstieg der Billigkette (Umsatz 2005: 266 Millionen Euro, plus 10 Prozent). Am Konzept haben die Augsburger nach Einschätzung von buchreport seitdem kaum gefeilt: ein ähnliches Sortiment wie in den Weltbild-Katalogen an den Standorten vorhalten, wo viele Katalog-Kunden leben.

Seitdem der Warenwirtschafts-Dienstleister Binfos/C&S Systemlogistik zahlungsunfähig ist, sind die Buchhandels-Kunden beunruhigt: Unklar ist, ob die Umstellungen der Mehrwertsteuer von 16 auf 19% sowie auf die 13-stellige ISBN zum Jahreswechsel trotz der Pleite gelingen werden (hier der Artikel).

Wie Wikipedia, nur besser soll das Citizendium-Projekt von Wikipedia-Mitbegründer Mark Sanger werden: Beiträge können nur noch eingestellt werden, wenn sich die Schreiber mit Namen und E-Mail-Adresse identifiziert haben, außerdem kontrollieren Redakteure aus der Community die Inhalte.

Auf dem Fachverlagsmarkt bahnt sich ein Konzentrationsschub an: Nach Presseberichten wollen die Investoren von Cinven und Candover ihre deutsche Tochter Springer Science + Business Media (Umsatz 2005: 840 Mio Euro) mit der britischen Fachverlagsgruppe Informa verschmelzen. Gemeinsam kämen die Verlagsgruppen auf einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro.

Im Kommentar bedauert Rainer Uebelhöde, dass es die Buchbranche es nicht geschafft hat, ihre Marketingaktivitäten zu bündeln, beispielsweise in einem brancheneigenen Werbemedium. Und hier die Bestsellerlisten.