Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
29.10.2006. Wie die Kettenbuchhändlungen demnächst einen Marktanteil von 40 Prozent erobern werden. Für wen der "Erlebnisbuchhandel" das Gebot der Stunde ist. Warum der ADAC gegen die Preisbindung verstoßen hat. Und wann der Bertelsmann Club schwarze Zahlen schreiben soll.

buchreport.express

Mit zehn Thesen zur Entwicklung des Filialbuchhandels flankiert buchreport den jährlich erscheinenden Filialatlas (eine Deutschlandkarte mit den eingezeichneten Standorten der Buchketten), der in diesem Jahr noch wie "ein bunter Fleckerlteppich" aussehe - im kommenden Jahr werden die ehemals eigenständigen und von Thalia und der DBH Deutsche Buch Handels Gesellschaft (Hugendubel und Weltbild) geschluckten Filialisten (wie Gondrom, Grüttefien, Hugendubel, Weiland und Habel) als konsolidierte Unternehmen geführt. So rechnen die Dortmunder damit, dass der Marktanteil der Ketten mittelfristig von heute 30 Prozent (entspricht einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro) auf 40 Prozent steigen wird, dass die Filialisten sich zunehmend von den Groß- auf die Mittel- und Kleinstädte konzentrieren und ihr Angebot um neue Sortimente erweitern werden (die gesamte Analyse ist im monatlich erscheinenden buchreport.magazin nachzulesen, hier die wesentlichen Ergebnisse, hier das Inhaltsverzeichnis).

Antonius Linnemann verrät im Interview mit Till Spielmann das Erfolgsrezept seiner Buchhandlung, die vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels für den HandelsInnovationspreis nominiert wurde: "Erlebnisbuchhandel" sei das Gebot der Stunde.

Anlässlich der 300. Weltbild plus-Filiale in Wuppertal rekapituliert buchreport den Aufstieg der Billigkette (Umsatz 2005: 266 Millionen Euro, plus 10 Prozent). Am Konzept haben die Augsburger nach Einschätzung von buchreport seitdem kaum gefeilt: ein ähnliches Sortiment wie in den Weltbild-Katalogen an den Standorten vorhalten, wo viele Katalog-Kunden leben.

Seitdem der Warenwirtschafts-Dienstleister Binfos/C&S Systemlogistik zahlungsunfähig ist, sind die Buchhandels-Kunden beunruhigt: Unklar ist, ob die Umstellungen der Mehrwertsteuer von 16 auf 19% sowie auf die 13-stellige ISBN zum Jahreswechsel trotz der Pleite gelingen werden (hier der Artikel).

Wie Wikipedia, nur besser soll das Citizendium-Projekt von Wikipedia-Mitbegründer Mark Sanger werden: Beiträge können nur noch eingestellt werden, wenn sich die Schreiber mit Namen und E-Mail-Adresse identifiziert haben, außerdem kontrollieren Redakteure aus der Community die Inhalte.

Auf dem Fachverlagsmarkt bahnt sich ein Konzentrationsschub an: Nach Presseberichten wollen die Investoren von Cinven und Candover ihre deutsche Tochter Springer Science + Business Media (Umsatz 2005: 840 Mio Euro) mit der britischen Fachverlagsgruppe Informa verschmelzen. Gemeinsam kämen die Verlagsgruppen auf einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro.

Im Kommentar bedauert Rainer Uebelhöde, dass es die Buchbranche es nicht geschafft hat, ihre Marketingaktivitäten zu bündeln, beispielsweise in einem brancheneigenen Werbemedium. Und hier die Bestsellerlisten.
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Börsenblatt

Im Interview mit Eckart Baier präsentiert sich der Bertelsmann-Club-Chef Fernando Carro zuversichtlich, in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben zu können. Bis Dezember soll der durchschnittliche Umsatz je Mitglied um 10% steigen. Spätestens 2008 soll die Mitgliederzahl stabilisiert werden. Zu diesem Zweck soll die Abnahmeverpflichtung für die Mitglieder gelockert und das Image des Clubs "als kulturelle Institution" gefestigt werden. Zu einer möglichen Kooperation zwischen zwischen Club und Thalia schweigt sich Carro (auffällig einsilbig) aus.

Rüffel für den ADAC und das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus: Auf Betreiben eines Buchhändlers ist der Vertrieb eines Dreier-Sets rund um den Duden (Rechtschreib-, Fremdwörter-Duden plus CD-ROM-Version beider Bände für den Sonderpreis von 39,90 Euro) für ADAC-Mitglieder abgemahnt worden. Hintergrund: Das Set verstößt gegen die Preisbindung (hier der Artikel, hier das Editorial von Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir).Im Interview erklärt Wladimir Kaminer, warum er Regierender Bürgermeister von Berlin werden will: "Weil ich mich mitverantwortlich fühle für das, was in dieser Stadt passiert. Hier wird nach Aussehen gewählt." Seine Chancen schätze er "sehr hoch" ein. Zum Schreiben komme er derzeit kaum noch, weil irgendwelche Leute von ihm vorab Ämter haben wollen - so etwa die Getränkeverkäuferin das Ministerium für Getränke.

Im Kommentar zeigt sich Rainer Moritz vom Lärm um die Promi-Biografien ermüdet. Irgendwann merkten "auch die Helden des Bildschirms, dass nur im Buch die Hoffnung auf ein weiterleben nach der Karriere möglich ist. Zumindest bis die Zeit der Remissionen dräut."

Christina Schulte greift die von buchreport in der vergangenen Woche vermeldete Kooperation vom Barsortiment KNV und den 75 Karstadt-kompakt-Filialen auf. "Das waren noch Zeiten, als die Barsortimente buchhandelstreu waren", kommentiert die Autorin. "Und wie sinnvoll ist es, wenn Lieferanten der Meinung sind, die beherrschten das ureigene Geschäft ihrer Kunden eigentlich besser?", fragt Schulte und schließt mit dem schwachen Fazit, dass die Grenzen letztlich vom Markterfolg gezogen würden.

Weitere Artikel: Chefredakteur Torsten Casimir stellt die Ergebnisse einer Mitglieder-Befragung des Börsenvereins vor. Fazit: insgesamt erfreulich, wären da nicht die 20% der weniger oder gar nicht Zufriedenen - woraus der Verband ein "Imageproblem" (Zitate aus der Befragung: "altbacken", "schwerfällig", "glänzt durch Uneinigkeit") ableitet. Betriebsbeaterin Ellen Braun gibt Tipps fürs Weihnachtsgeschäft. Andreas Trojan stellt aktuelle Sachbuch-Taschenbücher vor. In der Serie zur Zukunft des Lesens erklärt ZDF-Moderatorin Marietta Slomka, dass sie kein Buch der Welt auf die Bilder der Gewalt vorbereiten könne, die sie bei der Arbeit sichten muss. Im "Menschen"-Ressort porträtiert Nils Kahlefendt auf vier Seiten den vom Feuilleton gefeierten Autor Sasa Stanisic. Den Fragebogen hat der reisefreudige Reporter Wolfgang Büscher ausfgefüllt (schön: "Lieblingsbeschäftigung": "Anfänge schreiben. Überhaupt etwas anfangen").
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