Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
08.01.2007. Wie der Onlinebuchhandel den stationären Sortimentern das Geschäft verhagelt hat. Warum Thalia und DBH nun einen Gang zurückschalten. Wieso die Mitte im Handel erodiert. Und wann ein vom Iran finanzierter und mit drei Millionen Euro dotierter europäischer Literaturpreis für Aufsehen sorgen könnte.

Börsenblatt

Im Editorial macht sich Börsenblatt-Chef Torsten Casimir Gedanken über Wachstumsmöglichkeiten der großen Buchhandels-Player. Die würden über neue Wege des Buches zum Leser und über neue Orte des Kontaktes zum Buch nachdenken. Auf der Vertikalen sei Bertelsmann mit Random House (Produktion), VVA (Distribution) und dem Club (Konsumtion) ein Vorbild, nach dem möglicherweise Thalia demnächst in die Produktion von Büchern einsteigen könnte.

Anlässlich der Übernahme von Buch & Kunst durch Thalia legt Stefan Hauck eine intereressante Analyse zur Konzentration im Buchhandel vor (hier der Artikel). Thalia habe den Vorsprung der DBH (u.a. Hugendubel, Weltbild) auf 61 Millionen Euro Umsatz verkürzen können. Jetzt sei die "Zeit der Quantensprünge" für die Großen erst einmal beendet. In einem eingeblockten Artikel weist Christina Schulte die Erosion der Mitte im Buchhandel nach - kleine und große Buchhändler teilten den Markt zunehmend unter sich auf, während mittelständische Unternehmen von der Bildfläche verschwänden (ergo: geschluckt werden).

In einem Neujahrsgruß (eigenartig im Layout: mit handschriftlicher An- und Abrede) stellt Börsenvereins-Chef Gottfried Honnefelder die wichtigsten Fragen für das neue Jahr - es geht um die Aushöhlung der Preisbindung, Konflikte zwischen den Sparten im Verband, die Gefahren der Konzentration -, um am Schluss für die kommenden Jahre einen "radikalen Wandel des Buches" einzufordern (was damit gemeint ist, bleibt offen).

Mit einer Glosse antizipiert Joseph von Westfalen die neuen Branchen-Aufreger des Jahres 2007. Dazu könnte ein vom Iran finanzierter und mit drei Millionen Euro dotierter europäischer Literaturpreis ("endlich mal in eine anständige Altbauwohnung ziehen", freut sich der ausgezeichnete Autor) gehören. Oder die Autobiografie eines vermeintlichen Frauenverstehers und Kämpfers gegen die Ausbeutung in der Dritten Welt, der darin - als Parallele zur Grass-Debatte - enthülle, sich als Sextourist an asiatischen Stränden herumgetrieben zu haben.

Weitere Themen: Autor bai berichtet von den Planungen bei otto.de, das Sortiment um Bücher zu erweitern (möglicherweise mit dem Bertelsmann Club als Partner). Volkhard Bode erläutert an den Beispielen Juris und Stiftung Warentest, wie Fachverlage Geschäftsmodelle für den Breitenmarkt entwickeln. Thomas Blume schildert die Strategien der Krimiverlage Grafit, Argument und Pulp Master. Im "Menschen"-Ressort porträtiert Andreas Trojan den Chef der österreichischen Filialkette Morawa Gerald Schantin. Den "Fragebogen" hat Ulla Meinecke ausgefüllt.
Archiv: Börsenblatt

buchreport.express

Im Aufmacherartikel bilanziert buchreport das Weihnachtsgeschäft und das gesamte Jahr: Der Sortimentsbuchhandel habe 2006 mit minus 0,3 Prozent eine "rosarote Null" im Vergleich zum Vorjahr erwirtschaftet; für 2005 hat buchreport seinerzeit ein Plus von 1,9 Prozent erhoben. Ausschlaggebend sei besonders der zunehmende Einfluss des Onlinebuchhandels - in einer von den Dortmundern in Auftrag gegebenen Umfrage hätten 20 Prozent der Buchkäufer angegeben, das Internet als einen von mehreren Einkaufswegen genutzt zu haben; insgesamt hätten 66 Prozent der Befragten erklärt, dass sie Bücher verschenkt hätten. Außerdem, setzt buchreport die Ursachenforschung fort, habe im Herbst ein großer Bücher-Renner a la Harry Potter gefehlt (hier die ausführliche Fassung der Analyse).

Mit Blick auf die Übernahme von Buch & Kunst durch Thalia zeichnet buchreport die Konzentrationsentwicklung im Buchhandelsjahr 2006 nach. Wie das Börsenblatt glauben die buchreporter, dass die beiden großen Protagonisten im Buchhandel (Thalia und DBH) die wichtigsten Konkurrenten "unter das eigene Dach" geholt haben. Das Tempo der Thalia-Übernahmen sei eine Konsequenz aus der Aufholjagd gegenüber Branchenführer DBH.

Nach der Trennung des Tandem Verlags von Ludwig Könemann erinnert buchreport an Aufstieg und Fall des Büchermanns, der 2001 mit seiner Könemann Verlagsgesellschaft stürzte und 18 Millionen Bücher in deutschen und ausländischen Lägern hinterließ - drei Millionen Bände wurden 2002 von Zanolli gekauft (auch inzwischen pleite).

Der britische Buchhandel hat nach vorläufigen Statistiken im Weihnachtsgeschäft ein Plus von 3% erwirtschaftet; für den US-Markt liegen noch keine Zahlen vor. Top-Seller in den USA war der Roman "For One More Day" (Mitch Albom), von dem Hyperion 4 Millionen Exemplare in Umlauf gebracht hat.

Weitere Themen: Neben KNV bestückt künftig auch Mair DuMont die Regale in den Karstadt kompakt-Filialen. Stefan Lübbe hat von seiner Schwester Cornelia Lübbe-Roggen die ihm noch fehlenden Anteile an der Verlagsgruppe übernommen und hat nun das alleinige Sagen. Rowohlt-Internetchef Dirk Moldenhauer macht sich mit seiner Kollegin Ulrike Schwermann zum Jahresbeginn als Dienstleister für Internetmarketing selbstständig - ein Schwerpunkt soll beim Einzeltitelmarketing liegen.