Die Buchmacher - Archiv

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281 Presseschau-Absätze - Seite 8 von 29

Die Buchmacher vom 23.10.2006 - buchreport.express

Einen Paradigmenwechsel im Zwischenbuchhandel erkennt buchreport in der neuen Kooperation von KNV und den 74 kleineren Karstadt kompakt-Häusern. Dabei liefere KNV nicht mehr Bücher auf Bestellung, sondern bestimme selbst, welche Titel auf den 50 bis 200 Quadratmetern großen Flächen angeboten werden. Bei der Sortimentszusammenstellung profitiere Koch-Neff von den Statistiken über Buchhändler-Bestellungen, auf deren Basis bereits 50 "Sorglos-Pakete" (Vorauswahlen gängiger Titel) entstanden seien. Mit dem Karstadt-Deal habe KNV in letzter Minute Rackjobber wie Buchpartner oder TMI ausgestochen, die einzelne Filialen probeweise bestückt hätten.

Im Interview rät Heinrich Riethmüller, Chef von 14 Osiander-Filialen, das Gebrauchtbuchgeschäft dem Internethandel zu überlassen. Alle Versuche, Second-Hand-Bücher in eine Buchhandlung zu integrieren, seien gescheitert.

Den Start der Focus-DVD-Edition mit 50 Spielfilmen nimmt buchreport zum Anlass, groß und breit den Wasserstand bei den Presse-Editionen zu messen. Fazit: Silberlinge (Hörbuch-CDs oder Film-DVDs) böten noch viel Potenzial - also sind die Themen offenbar doch noch nicht ausgereizt, wie noch vor kurzem von den Dortmundern behauptet.

Anlässlich der Ladenschluss-Debatte hat buchreport bei den Filialisten nachgefragt: Hugendubel und Thalia wollen dezentral über längere Öffnungszeiten entscheiden, bei Weiland plane man einen "langen Donnerstag" (bis maximal 24 Uhr) mit "Event-Charakter", während an den restlichen Tagen um 20 Uhr Schluss sein soll - eine Idee, von der buchreport-Chef Bodo Harenberg in seiner Kolumne "66 Wörter" in den höchsten Tönen schwärmt.

Weitere Artikel: Thalia eröffnet im Hamburger Einkaufszentrum Europa-Passage eine 1700-Quadratmeter-Buchhandlung, die durch ihre Inneneinrichtung (verschieden gestaltete Zimmer wie Küche, Jugendzimmer) jedoch ein Unikat bleiben soll (hier der Artikel). Nach Weltbild plant auch der Bahnhofsbuchhändler Valora Retail, SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte mit Büchern zu bestücken. Nach der Übernahme von Xenos (Umsatz 2005: 16,1 Millionen Euro) aus den Händen des bisherigen Eigentümers FAZ zieht Oetinger wieder an Ravensburger vorbei an die Spitze der umsatzstärksten Kinder- und Jugendbuchverlage (hier der Artikel). Revirement bei Suhrkamp: Thomas Sparr wird stellvertretender Verlagsleiter, Raimund Fellinger steigt zum Cheflektor auf. In Großbritannien schreibt der Filialist WH Smith nach einem Gewinn-Plus von 42 Prozent auf 66 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2005/2006 wieder "tiefschwarze Zahlen".

Die Buchmacher vom 16.10.2006 - buchreport.express

Wie dem Leser etwas schmackhaft machen, was ihn möglicherweise spätestens am Messesonntag, beim Einstieg ins Taxi zum Frankfurter Hauptbahnhof, nicht mehr interessiert? Anders als das Börsenblatt, das unter dem neuen Chefredakteur Torsten Casimir besonders visuell einen Eindruck der Frankfurter Buchmesse verschaffen will, protzt buchreport textlich. Ähnlich wie im Vormesseheft rekapitulieren die Dortmunder auf 13 Seiten den Jahreshöhepunkt der Buchbranche - allerdings mit Artikeln unterschiedlicher Qualität: So bleibt der Aufmacherartikel, in dem buchreport den angeblichen Messe-Megatrend ("Branche im Zugzwang" - gemeint sind die Folgen der Digitalisierung der Bücherinhalte) analysiert, - wie so oft bei buchreport der Fall - im Ungefähren und Repetitiven. Dass "die digitale Revolution keinen Stein auf dem anderen lässt", hat sich wohl inzwischen auch in den abgelegenen Ecken der Branche herumgesprochen. Immerhin erfährt der Leser, dass 120 Verlage zugesagt haben, beim Börsenvereins-Projekt "Volltextsuche Online" mitzumachen.

Weitere Artikel zur Buchmesse widmen sich dem großen Auftritt der Nonbook-Anbieter, dem Hörbuch-Downloadmarkt (52% der Verlage machen schon mit), dem Comic-Zentrum, der Antiquariatsmesse, dem Deutschen Buchpreis, dem Wettbewerb der Frankfurter zur Londoner Messe sowie dem Lizenzgeschäft. Demnach sind die Literaturagenten zufrieden aus Frankfurt abgereist, obwohl vorwiegend kleine und mittlere Abschlüsse besiegelt wurden. Das "größte Buch" war, wie erwartet, Frankreichs Bestseller "Les Bienveillantes" von Jonathan Littell, das sich der Berlin Verlag für mindestens 300000 Euro gesichert haben soll.

Weitere Themen im Heft: Die Mayersche hat Bücher Krüger in Dortmund übernommen. Weltbild will den Test-Bücherverkauf im Lebensmittelhandel von einer auf fünf Filialen ausweiten (hier der Artikel). Herder (Umsatz 2005: 42,9 Millionen Euro) übernimmt die Dornier Gruppe (Umsatz 2005: 15,7 Millionen Euro) - der 79-jährige Verleger Silvius Dornier will sich zurückziehen. Unter dem hübschen Namen booklett bringt ein Joint Venture des Klett Lernen und Wissen Verlags sowie des Trios Ingke Brodersen, Rüdiger Dammann und Peter Mathews (alle früher bei Rowohlt) ab Herbst 2007 Bildungsbücher auf den Markt. Und hier die Bestseller.

Die Buchmacher vom 06.10.2006 - buchreport.express

Materialschlacht im buchreport: Auf 15 Seiten referieren die Dortmunder die zentralen Themen der Frankfurter Buchmesse, darunter die Zukunft der Messe an sich, den Trend zu Einkaufsgenossenschaften sowie den Stellenwert von Hörbüchern, Nonbooks oder Spielwaren im Handel. Das Topthema sei jedoch der Strukturbruch der Branche, der durch die mächtige Weltbild-Hugendubel-Allianz DBH oder das knirschende Konditionengefüge der Verlage forciert werde (hier der Artikel dazu). Kuriosum am Rande: In der Minikolumne "Sechsundsechzig Wörter" gibt buchreport-Verleger Bodo Harenberg den typischen Buchmessedialog wieder (Wie geht's? Danke gut. Und selbst? Danke, alles bestens. Wir seh'n uns noch) - "dieses Dialogs wegen findet die Messe überhaupt nur statt", weiß Harenberg. Bleibt zu hoffen, dass die 15 Seiten Themenanregungen den einsilbigen Messegänger nicht heillos überfordern.

Neben den Themenanregungen unterhält sich buchreport mit dem Literaturagenten Andrew Nurnberg, der die Reise an den Main weiterhin für wichtig erachtet. Auch der abgeblasene Vorstoß der Frankfurter nach London sei unter dem Strich erfolgreich gewesen, weil er dazu geführt habe, dass die Londoner Buchmesse jetzt wieder mitten in der Stadt angesiedelt ist. Passend zum Thema schildert buchreport die Jagd auf die wichtigsten Bücherlizenzen: "The Children of Hurin", ein unvollendetes Manuskript aus dem Tolkien-Nachlass, das inzwischen von Tolkiens Sohn Christopher beendet wurde, sowie eines der erfolgreichsten Bücher aus Frankreich, "Les Bienveillantes" von Jonathan Littell. Im Kommentar zeigt Chefredakteur Thomas Wilking Mitleid mit den durch die Messehalle streunenden Autoren, die "ein bisschen ungläubig-staunend durch die trubeligen Hallen" trotteten, verloren am Verlagsstand herumsäßen und zu ergründen versuchten, "worum es bei dieser Massenveranstaltung eigentlich geht."

Ansonsten erscheint das Heft statistiklastig: Auf vier Seiten analysiert buchreport die September-Umsätze (hier der Artikel) sowie die Umsätze in den ersten drei Quartalen des Jahres - ins entscheidende vierte Quartal startet der Buchhandel mit einem leichten Plus von 0,9 Prozent.

Weitere Artikel: Der Bertelsmann Club bietet langjährigen Mitgliedern weiterhin besondere Rabatte (bis zu 25 Prozent) an, obwohl dies nach Ansicht des Börsenvereins gegen die Preisbindung verstößt. Bild und Bild am Sonntag bringen zusammen mit Weltbild die vierte Bibel auf den Markt, diesmal eine "Dürer-Holzbibel". Im Interview mit buchreport zeigt sich Carola Markwa, die neue Vorsitzende im Börsenvereins-Sortimenterausschuss, zuversichtlich, dass auch der stationäre Buchhandel vom Verbandsprojekt "Volltextsuche Online" profitieren kann - mit dem Verkauf von "E-Content" könne sich Buchhändler ein weiteres Standbein verschaffen. Und hier die Bestseller.

Die Buchmacher vom 29.09.2006 - buchreport.express

Sollten die Verlage doch noch die Vorzüge des so genannten Web 2.0 entdecken? Bei Wissensverlagen herrsche Web-Alarm, schlagzeilt der buchreport schaurig - und bezieht sich auf die kostenlose Onlineversion von "Meyers Großem Taschenlexikon" von Brockhaus, bei dem die Leser neue Artikel eintragen können und bestehende Artikel kommentieren können. Auch bei Gräfe und Unzer denke man über eine stärkere Einbindung der Leser nach. (Bei dieser Gelegenheit sei noch einmal an den Erfinder des Begriffs, den Verleger Tim O?Reilly - hier der Ur-Text zum Thema -, und dessen Versuch, den Begriff quasi zu patentieren, erinnert) Ein viel größeres Projekt von Brockhaus geht der buchreport-Redaktion allerdings bei der Recherche durch die Lappen: Das offenbar im Aufbau befindliche Community-Projekt "aLEXander", über das schon im August berichtet wurde.

Nachdem zum Wochenbeginn mehrere Zeitungen über die mögliche Zusammenarbeit des Bertelsmann Clubs mit Thalia berichtet hatten (Informationen vermutlich aus erster Hand, aufgeschnappt bei einer Bertelsmann-Pressekonferenz in Lissabon), lässt buchreport die (O-Ton) Luftballons platzen: Im buchreport.magazin Oktober habe sich Thalia-Chef Michael Busch "gegenteilig festgelegt". Auch den in Großbritannien lancierten Gerüchten, Bertelsmann plane eine Übernahme von Douglas, tritt buchreport besserwisserisch entgegen: Dafür hätte Bertelsmann derzeit gar kein Geld, außerdem sei der Hagener Einzelhandelskonzern auf eigenen Füßen äußerst erfolgreich (was die Manager des demnächst möglicherweise von MAN übernommenen Lkw-Herstellers Scania wohl ebenfalls unterschreiben würden).

Im fast wöchentlichen Update zu den Strategien der Pressehäuser mit ihren Editionen sieht buchreport den Trend bei "Silberlingen": Klassik-CDs (wie die "Zeit Klassik Edition", die von den Hamburgern mit einem 3-Millionen-Euro-Werbeetat versehen wird) und Film-DVDs (wie die "Junge Cinemathek" der Süddeutschen). Im Kommentar dämpft Till Spielmann die Erwartungen: Entgegen eigener Aussagen würden die Pressehäuser beim Vertrieb zunehmend einen Bogen um den Buchhandel machen und stattdessen "aus dem Vollen ihrer reichhaltigen Adressstämme" schöpfen.

Im Interview mit Rainer Uebelhöde verteidigt Wolf Dieter Eggert, Vorsitzender des Landesverbands Bayern, die schlechten Einschaltquoten der TV-Gala zur Corine-Verleihung (3sat) - an einem schönen Spätsomberabend seien 110000 Besucher beachtlich. Um die anhaltenden Einnahmeverluste aufzufangen, will der Börsenverein die Beitragsstaffeln ändern und dabei die potenten Unternehmen stärker zur Kasse bitten (hier der Artikel). Parallel zum Ausbau des stationären Geschäfts baut Weltbild den Versandhandel per Katalog und via Internet aus (hier der Artikel). Und hier die Bestsellerlisten.
Stichwörter: Lissabon, 3sat, Corint

Die Buchmacher vom 25.09.2006 - buchreport.express

Schwer beeindruckt zeigt sich buchreport von der Springer E-Book-Collection, das mit 12000 Titeln (nach Verlagsangaben) größte Onlineangebot an wissenschaftlichen Büchern und Nachschlagewerken - über das schon auf der Leipziger Buchmesse im Frühjahr diskutiert wurde. Jährlich sollen 3700 Veröffentlichungen hinzukommen (hier die Aufmacher-Geschichte zum Thema). Für die komplette E-Book-Bibliothek zahlt eine kleine Bibliothek nach buchreport-Recherchen 80000 Euro, Universitätsbibliotheken rund 328000 Euro. Auf die Texte zugreifen kann der Nutzer über die Plattform SpringerLink. Leider fokussiert der Artikel ausschließlich auf die Springer-Bemühungen. Wie weit Holtzbrinck oder Random House mit ihren Digitalisierungsinitiativen sind, darüber schweigt sich der Artikel aus. Immerhin meldet buchreport, dass der Börsenverein auf der Buchmesse mit zehn Verlagen einen Letter of Intent zur Kooperation beim Branchenprojekt "Volltextsuche Online" unterzeichnen will. Gut gerüstet hat sich der Verband durch die Einstellung von Ronald Schild, dem früheren Programmdirektor bei Amazon, der künftig den Marketing- und Vertriebsservice (MVB) und somit das Digitalisierungsprojekt leiten wird.

Mit Blick auf die Sondereditionen der deutschen Pressehäuser hat buchreport einen neuen Trend identifiziert: Die Presseverlage verließen zunehmend den Markt der Zweitverwertungen, um Originalausgaben zu produzieren - Beispiele sind das "Geo-Themenlexikon" (Kooperation mit Brockhaus), das "Handelsblatt Wirtschaftslexikon" (Schäffer Poeschel) oder die "Bild-Wissensbibliothek" (Wissen Media Verlag).

Der neu gegründete Großhandel für Modernes Antiquariat Cobu wird die Restbestände des insolventen Elbe Teams vermarkten. An der Spitze von Cobu sitzt ein Bekannter der MA-Branche: Michael Zachrau, der zuletzt bei Zanolli den Vertrieb leitete. Cobu hat bislang sechs Filialen in Ostdeutschland und im Ruhrgebiet eröffnet, um die Bücher-Bestände im Auftrag der Gläubiger zu verkaufen. Trauriges Detail am Rande: Elbe Team-Gründer Peter Wölki ist Anfang September einem Krebsleiden erlegen.

Weitere Artikel: Klett gründet mit der FU Berlin die Deutsche Universität für Weiterbildung. Der Übersetzerverband treten am 28. September 2006 in eine neue Verhandlungsrunde mit zwölf Verlagen über die Vergütung von Übersetzern ein. Michael Naumann und Klaus Harpprecht setzen als Herausgeber die "Andere Bibliothek" bei Eichborn fort. Valora Retail (135 Filialen) will auch außerhalb von Bahnhöfen und Flughäfen Buchhandlungen eröffnen.

Die Buchmacher vom 15.09.2006 - buchreport.express

Seit Jahren wird das Potenzial des Hörbuchs im stationären Buchhandel überschätzt, jetzt untermauern Zahlen die schwierige Entwicklung des Genres im Buchhandel: Nach zweistelligen Zuwachsraten noch vor Monaten (gleichwohl auf kleinem Umsatzniveau) meldet buchreport für die vergangenen drei Monate sogar Rückgänge (zwischen -7 bis -1,7 Prozent). Als Ursachen erkennen die Dortmunder, dass der Tonträgerhandel und Verbrauchermärkte das Hörbuch entdeckt hätten, außerdem setze der Onlinehandel mit Dumpingpreisen den Markt unter Druck. "Am dynamischsten" entwickele sich jedoch der Download-Markt, analysiert buchreport, was Audible-Chef Arik Meyer durch die Bekanntgabe massiver Umsatzzuwächse in diesem Jahr (420 Prozent) flankiert. In einem Punkt liegt buchreport jedoch daneben: Die Verbreiterung der Absatzwege außerhalb des Sortimentsbuchhandel erschwere kleineren Verlagen die Vertriebsarbeit. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade kluge Internet-Marketingstrategien bieten Verlagen, die im Buchhandel längst keine Chancen haben, neue Perspektiven - ein Blick in die Kataloge der Downloadhändler zeigt, dass auch die Nischen befruchtet werden (dabei sei einmal mehr auf die kluge Analyse von Chris Anderson zum "Long Tail" des E-Commerce hingewiesen - hier das vorbereitende Essay, hier das ausgearbeitete Buch).

Spekulationen darüber, dass die Zweitausendeins-Gesellschafter ihren Versand verkaufen wollen, gab es schon seit Jahren. Mit der MK Medien Beteiligungs GmbH der Münchner Kölmel-Brüder (zu deren Vergangenheit Google sehr unschöne Artikel findet) hat jetzt jemand angebissen - für den buchreport ein Anlass zum Rückblick. Lutz Kroth "hatte längst schon keine Lust mehr an dem Geschäft", weiß buchreport und erinnert an die aus dem "Merkheft" bekannte Kundenbinderin Frau Susemihl, den Coup mit der kompletten "Fackel" von Karl Kraus und den Überraschungs-Bestseller "Global 2000".

Im Kommentar beklagt Rainer Uebelhöde die Rückkehr von Kommissar Wallander, den Henning Mankell eigentlich schon aufs Altenteil gesetzt hatte. Im Wettlauf mit der Konkurrenz setzten die Verlage "auf die Strategie der größtmöglichen Sicherheit". Andererseits habe der Erfolg des letztjährigen Gewinners des Deutschen Buchpreises, Arno Geiger, gezeigt, dass man den Leser auch mit Mut zum Neuen mitreißen könne. Sollten die Verlage nicht umdenken, drohten langfristig "Monotonie und Lesefrust, schließt der Autor.

Weitere Artikel: Nach der jüngsten Konzentrationswelle im Buchhandel ist das, so buchreport, "Elefantenrennen" in Hannover abgesagt worden, stattdessen präge eine "Monokultur" (unter dem Dach des Branchenführers DBH) den Standort. Thalia erweitert in Dessau um 420 Quadratmeter. Die Mayersche, die gerade erst vollmundig ihre "Weltstadtbuchhandlung" in Düsseldorf angekündigt hat, eröffnet 2008 eine 2500-Quadratmeter-Buchhandlung im Einkaufscenter Forum Duisburg (hier der Artikel). Die Jury des Deutschen Buchpreises hat ihre Shortlist (voila) präsentiert. Und hier die Bestseller.

Die Buchmacher vom 07.09.2006 - buchreport.express

Dass alte Themen in der Buchbranche immer wieder neue Diskussionen oder, wie der buchreport titelschlagzeilt, eine "Kontroverse" auslösen können, ist ein Phänomen für sich. Diesmal hat der "mächtigste Mann des deutschen Buchhandels", "DBH-Mastermind" (buchreport) und Weltbild-Chef Carel Halff, in einem Interview mit der Wirtschaftswoche die wenig kühne und bereits von Halff mehrfach vorgetragene These formuliert, dass Bücher in Deutschland zu teuer sind. Die Verleger, so Halff, hätten kein Gespür mehr für die Wirklichkeit und den Kunden. Das Gros der von buchreport ins Verhör genommenen Buchhändler und Verleger stimmt Halff nicht zu - einige unterstellen ihm sogar eine "PR-Taktik", mit der er Weltbild als Preisbrecher darstellen wolle. Nach Einschätzung von dtv-Chef Wolfgang Balk sind 80 Prozent der Bücher unterkalkuliert, 17 Prozent entwickelten sich gut und nur 3 Prozent seien Bestseller.

Mit Fanfarenklängen bejubelt auch buchreport den annoncierten Einzug der Mayerschen in die NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf, nachdem schon die Lokalpresse frohlockt hatte. An einem Standort, "wie er besser nicht sein kann" (buchreport), nämlich an der , eröffnet der Filialist 2008 eine 4500-Quadratmeter-Buchhandlung, bei einer Miete von 185 Euro pro Quadratmeter. Der Neubau, bilanziert buchreport, habe alle Chancen, "eine Weltbuchhandlung entstehen zu lassen." Das Düsseldorfer Engagement sei der bisher größte Wachstumsschub in der Geschichte der Mayerschen.

"Wer braucht eigentlich Buchmessen?", ist das Interview mit Richard Charkin (hier sein lesenwerter Blog) überschrieben. Im digitalen Zeitalter stelle sich "zunehmend die Grundsatzfrage, ob wir eigentlich ... die 30 oder noch mehr Buchmessen brauchen, die jedes Jahr in der ganzen Welt stattfinden." Die "großen Bücher" würden schon lange nicht mehr auf einer Messe verkauft.

In der deutschen Buchbranche ist der Direktverkauf von Verlagen noch weitestgehend ein Tabuthema, in den USA haben Verlage wie Penguin, Random House und Simon & Schuster längst mit dem Tabu gebrochen. Besonders Penguin forciert nach buchreport-Beobachtungen derzeit das Direktgeschäft. Vier Tage lang seien New Yorker Passanten mit Flyern bemustert worden. Rabatte von 25 Prozent auf alle Onlineeinkäufe sollen den Absatz ankurbeln. Außerdem werbe der Verlag auf der Homepage "erstmals in aller Öffentlichkeit" für den Direktverkauf.

Weitere Artikel: Der Buchhandel hat bei den August-Umsätzen 5,6 Prozent über dem Vorjahresmonat abgeschlossen. Der Zenodot-Verlag stellt die Taschenbuchreihe Wikipress ein. MairDumont präsentiert sich erstmalig auf der IFA in Berlin, um die digitalen Reiseführer "Passport to..." vorzustellen. Verlage bereiten sich mit Bücher-Schnellschüssen auf den Papstbesuch in Bayern vor (hier der Artikel). Und hier die Bestsellerliste.

Die Buchmacher vom 04.09.2006 - buchreport.express

buchreport zeigt sich auch zwei Wochen nach der Bekanntgabe der neuen Weltbild-Hugendubel-Allianz erschüttert - genauer gesagt: Die DBH, so buchreport, erschüttere das "komplexe Branchengefüge". Um sich gegen die Riesen zu wehren, sei eine Suche nach einem "gemeinsamen Nenner" mit anderen Wettbewerbern unzureichend. Jeder müsse jetzt den "Existenzkampf für sich selbst entscheiden", darwinisieren die Dortmunder. Die eigene Flanke abgesichert hat buchreport bei einer Veranstaltung des Börsenverein-Landesverbandes NRW. In drei Jahren gebe es die Hälfte der kleineren Buchhandlungen nicht mehr, der unabhängige Buchhandel solle in den bankabhängigen Buchhandel umgetauft werden, zeigten sich die Diskutanten fatalistisch. "Der Traum von einer großen Branchenlösung", bilanziert buchreport, "ist ausgeträumt".

Eine Woche nach dem Börsenblatt lässt buchreport die Berater von Boston Consulting indirekt zu Wort kommen, die sich trotz der Schwächen des Bertelsmann Clubs nicht für einen Verkauf der Sparte ausgesprochen haben; vielmehr solle der Sanierungskurs fortgesetzt werden. Aus diesem Anlass mutmaßen die Dortmunder, warum ein Verkauf (kein Käufer in Sicht) oder eine Schließung (Imageverlust) derzeit nicht in Frage kommen. Club-Chef Fernando Carro versuche, die Attraktivität des Clubs durch eigene Erstveröffentlichungen zu steigern.

Werbung in eigener Sache betreiben die buchreporter mit Rekurs auf die Sondereditionen. Als buchreport im Januar 2004 exklusiv den Start der "SZ-Bibliothek" gemeldeldet habe, "staunte die Branche nicht schlecht", klopfen sich die Dortmunder auf die Schulter. Fast zwei Jahre später kommt buchreport zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass sich die Sondereditionen zu einem eigenen Genre entwickelt haben. Derzeit seien 17 Editionen aus 13 Pressehäusern auf dem Markt oder angekündigt, 29 serei seien schon abgeschlossen. Aktuell werde die Themenpalette erweitert und neue Medien eingebunden (CDs und DVDs). (Akribischen buchreport-Lesern ist vielleicht noch in Erinnerung, dass die Redaktion noch vor wenigen Monaten zu dem Ergebnis kam, dass die Luft bei den Editionen endgültig raus sei)

Die EU-Kommission will den Aufbau einer elektronischen Bibliothek beschleunigen und dafür massiv Geld investieren. Im kommenden Jahr werde die Anzahl der verfügbaren Titel durch Fördermittel auf zwei Millionen ausgebaut, so buchreport. Demgegenüber versuche der Börsenverein, die verbandseigene Lösung "Volltextsuche Online" ohne Fördermittel zu stemmen.

Weitere Artikel: Pustet expandiert in Passau auf 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche. Thalia eröffnet im schweizerischen Aarau unter dem Namen Wirz Thalia. Der Buchhandelsverband SBVV hat sich an das Schweizer Bundesgericht gewendet, um die Preisbindung zu retten. Und hier die Bestsellerlisten.
Stichwörter: Boston, Hugendubel

Die Buchmacher vom 25.08.2006 - buchreport.express

Der Aufstieg von Weltbild und Hugendubel zum größten deutschen Filialisten (unter dem gemeinsamen Dach der DBH Buch Handels GmbH & Co. KG, die mit rund 621 Millionen Euro einen noch größeren Umsatz erwirtschaftet als Thalia) sorgt nicht nur für Unruhe in der Branche, wie buchreport schlagzeilt, sondern verleitet die Branchenblätter zum publizistischen Wettrüsten. buchreport räumt zwölf Seiten, das Börsenblatt elf Seiten für die Berichterstattung frei - mit einer ähnlichen journalistischen Strategie. Am schnellsten (und, unabhängig von den Inhalten, vielleicht klügsten) hat Buchmarkt den Coup der Augsburg-München-Connection aufgegriffen. Während die buchreport- und Börsenblatt-Leser nach der Bekanntgabe der Kooperation eine Woche lang auf die Print-Ausgaben warten mussten, hat Buchmarkt (durch die monatliche Erscheinungsweise traditionell mit dem Heft wenig aktuell) noch am Tag der Pressemitteilung eine achtseitige Sonderausgabe zum Download ins Netz gestellt.

Bei der Analyse der Ereignisse scheint buchreport zwar von der DBH-Größe beeindruckt, gleichwohl melden die Dortmunder Skepsis an: Hugendubel, Weiland, und Habel hätten ihre Unabhängigkeit verloren, während das Stammgeschäft von Weltbild außen vor bliebe. Für die Geschwister Hugendubel werde es mitunter schwer, Barkapital für die Übernahme weiterer Buchhandlungen (als Kandidat gilt Buch & Kunst) aufzubringen - zuletzt seien die Münchner nur langsam gewachsen. Beim "Wettlauf der Elefanten" habe Thalia durch die Konzernanbindung (Douglas) Vorteile, während DBH aus eigener Kraft wachsen müsse. Auch bei der Suche nach neuen Standorten ergäben sich durch den Stellenwert von Douglas Vorteile. Neben dem Kräftevergleich blickt buchreport auf die Filialkarte von Thalia und DBH, erzählt die Unternehmensgeschichten von Weltbild und Hugendubel, bedauert, dass der Standortbuchhandel immer mehr unter Druck gerät, lauscht dem Echo der DBH-Fusion und spricht mit Börsenvereinsvorsteher Gottfried Honnefelder sowie Kartellamtschef Ulf Böge über die Auswirkungen der Konzentration - Böge bleibt gelassen: Erst bei einem Marktanteil eines Unternehmens von 33 Prozent schreitet das Amt ein.

Im Kommentar zeichnet Thomas Wilking einen Paradigmenwechsel nach. Sowohl die bisherigen Erfolgsrezepte der lokalen Marktführer (große Fläche, gute Lage) als auch der Filialisten - die mit ihrem Finanzbedarf bei einer kritischen Größe angelangt seien - wirkten nicht mehr. Verbund und Kooperation laute der Trend. "Die Gründerzeit ist vorbei, jetzt kommen die Rationalisierer, jetzt beginnt der vernetzte Buchhandel", zieht Wilking eine Bilanz.

Mit einem mäßigen Ergebnis haben die US-Buchketten die ersten sechs Monate des Jahres bilanziert. Rund vier Milliarden Dollar haben Barnes & Noble, Borders und Books-a-Million umgesetzt - dies entspricht einem Mini-Plus von 0,02 Prozent. Als Erklärung verweist buchreport auf den fehlenden Harry-Potter-Umsatz sowie die schwache Frühjahrsproduktion der Verlage. In Großbritannien sieht das Bild nicht besser aus. Nach einem schwachen Jahresverlauf, so buchreport, warte die Branche gespannt auf das Weihnachtsgeschäft. Die Verlage fürchteten, dass die Buchhandelsketten die "Daumenschrauben" noch stärker anziehen könnten.

Weitere Artikel: Das umstrittene Erinnerungsbuch von Günter Grass, "Beim Häuten der Zwiebel", hat aus dem Stand den Spitzenplatz im "Spiegel"-Ranking erobert. Die Versandbuchhändler beklagen sich über "massive Umsatzrückgänge" seit Jahresbeginn. Amazon nimmt das neue Logistikzentrum in Leipzig in Berieb. Eichborn meldet einen Verlust von 915000 Euro im ersten Halbjahr 2006. Und hier die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 21.08.2006 - buchreport.express

Wird der Buchkäufer der Zukunft die Sortimenterscheuklappen anlegen und vorwiegend gebrauchte Bücher kaufen - ein Geschäft, das am traditionellen Buchhandel vorbei geht? Um diese Frage zu klären, hat buchreport bei tns emnid eine Umfrage in Auftrag gegeben (hier die wichtigsten Ergebnisse). Fazit: 34 Prozent der über 14 Jahre alten Deutschen haben in der Vergangenheit schon gebrauchte Bücher gekauft, 36 Prozent können sich vorstellen, dies künftig zu tun, 30 Prozent wollen nur neue Bücher kaufen. Zwar ist der Spannungswert der buchreport-Analyse (gebrauchte Bücher stehen immer höher im Kurs; immer weniger Leser wollen ihre Bücher aufbewahren; der Prestigewert der Heimbibliothek hat abgenommen; das Internet entwickelt sich zum Gebrauchtbuch-Vertriebskanal Nummer eins) eher gering. Gleichwohl enthält die Umfrage interessante Details. So ist der Anteil der Gebrauchtbuchkäufer umso höher, je höher das Bildungsniveau und je höher das Nettohaushaltseinkommen ist - gebraucht gekauft wird offenbar also nicht in erster Linie, um Geld zu sparen.

Stationäre Händler können aufatmen: Das Kölner Institut für Handelsforschung hat herausgefunden, dass sie stärker von den Wechselwirkungen mit dem Internethandel profitieren als die Onliner. Im Interview mit buchreport berichtet Sebastian van Baal, dass bei 21 Prozent der Käufe im stationären Handel eine Recherche im Internet vorangeht. Grund genug, so der Kölner, dass die Händler auch einen guten Online-Auftritt hinlegen.

Monatelang war unklar, welchen Abnehmer die FAZ für den Prestel-Verlag finden wird, nachdem die Frankfurter im vergangenen Jahr die DVA, Manesse und Kösel an Random House verkaufen konnten. Zugeschlagen hat am Ende das Trio Jürgen Krieger (bisheriger Geschäftsführer von Prestel) sowie Johannes Heyne und Martin Dort (ihnen gehört schon der Christian Verlag, area sowie Frederking & Thaler). Die kleine Heyne-Gruppe kommt nach der buchreport-Kalkulation (hier der Artikel) nun auf einen Jahresumsatz von 20 Millionen Euro. Nach dem Deal besitzt die FAZ auf dem Buchmarkt noch den Xenos-Verlag sowie fast 25 Prozent der Anteile von dtv.

Thalia hat angekündigt, im Oktober in Hamburg eine neue Filiale mit integrierter 300-Quadratmeter-Fremdsprachen-Buchhandlung zu eröffnen. Die Buchimporteure Libri und Petersen berichten von großen Zuwachsraten im Geschäft mit fremdsprachiger Literatur. Jedes vierte im Internet bestellte Buch sei ein Fremdsprachentitel. Kommentator Rainer Uebelhöde rät Buchhändlern "mit Mut zur Sortimentserweiterung", neue "Claims abzustecken" und ihre fremdsprachigen Abteilungen auszubauen.

Weitere Artikel: Die Grass-Diskussion hat Buchhändler dazu verführt, den Erstverkaufstag von "Beim Häuten der Zwiebel" (1. September) zu ignorieren und vom Stapel zu verkaufen - was die Exklusivität der FAZ-Tiefdruckbeilage (19. August) geschmälert haben dürfte (hier der gesamte Artikel). Walter de Gruyter hat die Verlage K.G.Saur und Max Niemeyer von der amerikanischen Thompson Corporation gekauft. Die WAZ-Mediengruppe und der WDR starten eine Medienedition (DVDs, Bücher, CDs) zum Thema Nordrhein-Westfalen, während der Focus mit dem Diederichs/Heinrich Hugendubel Verlag eine Biografie-Edition vorbereitet.