Der Aufstieg von
Weltbild und
Hugendubel zum größten deutschen Filialisten (unter dem gemeinsamen Dach der
DBH Buch Handels GmbH & Co. KG, die mit rund 621 Millionen Euro einen noch größeren Umsatz erwirtschaftet als
Thalia) sorgt nicht nur für Unruhe in der Branche, wie buchreport
schlagzeilt, sondern verleitet die Branchenblätter zum
publizistischen Wettrüsten.
buchreport räumt zwölf Seiten, das Börsenblatt elf Seiten für die Berichterstattung frei - mit einer ähnlichen journalistischen Strategie. Am schnellsten (und, unabhängig von den Inhalten, vielleicht klügsten) hat Buchmarkt den Coup der Augsburg-München-Connection aufgegriffen. Während die buchreport- und Börsenblatt-Leser nach der Bekanntgabe der Kooperation eine Woche lang auf die Print-Ausgaben warten mussten, hat
Buchmarkt (durch die monatliche Erscheinungsweise traditionell mit dem Heft wenig aktuell) noch am Tag der Pressemitteilung eine achtseitige Sonderausgabe zum
Download ins Netz gestellt.
Bei der Analyse der Ereignisse scheint buchreport zwar von der DBH-Größe beeindruckt, gleichwohl
melden die Dortmunder
Skepsis an: Hugendubel, Weiland, und Habel hätten ihre
Unabhängigkeit verloren, während das Stammgeschäft von Weltbild außen vor bliebe. Für die Geschwister Hugendubel werde es mitunter schwer,
Barkapital für die Übernahme weiterer Buchhandlungen (als Kandidat gilt
Buch & Kunst) aufzubringen - zuletzt seien die Münchner nur langsam gewachsen. Beim "Wettlauf der Elefanten" habe Thalia durch die Konzernanbindung (Douglas) Vorteile, während DBH aus eigener Kraft wachsen müsse. Auch bei der Suche nach neuen Standorten ergäben sich durch den Stellenwert von Douglas Vorteile. Neben dem Kräftevergleich
blickt buchreport auf die
Filialkarte von Thalia und DBH, erzählt die
Unternehmensgeschichten von Weltbild und Hugendubel, bedauert, dass der
Standortbuchhandel immer mehr unter Druck gerät, lauscht dem
Echo der DBH-Fusion und spricht mit Börsenvereinsvorsteher
Gottfried Honnefelder sowie Kartellamtschef
Ulf Böge über die Auswirkungen der Konzentration - Böge bleibt gelassen: Erst bei einem
Marktanteil eines Unternehmens von
33 Prozent schreitet das Amt ein.
Im
Kommentar zeichnet Thomas Wilking einen
Paradigmenwechsel nach. Sowohl die bisherigen Erfolgsrezepte der lokalen Marktführer (große Fläche, gute Lage) als auch der Filialisten - die mit ihrem Finanzbedarf bei einer kritischen Größe angelangt seien - wirkten nicht mehr.
Verbund und
Kooperation laute der Trend. "Die
Gründerzeit ist
vorbei, jetzt kommen die Rationalisierer, jetzt beginnt der
vernetzte Buchhandel", zieht Wilking eine Bilanz.
Mit einem mäßigen Ergebnis haben die
US-Buchketten die ersten sechs Monate des Jahres bilanziert. Rund vier Milliarden Dollar haben Barnes & Noble, Borders und Books-a-Million umgesetzt - dies entspricht einem
Mini-Plus von 0,02 Prozent. Als Erklärung verweist buchreport auf den
fehlenden Harry-Potter-Umsatz sowie die schwache Frühjahrsproduktion der Verlage. In Großbritannien sieht das Bild nicht besser aus. Nach einem schwachen Jahresverlauf, so buchreport, warte die Branche gespannt auf das Weihnachtsgeschäft. Die Verlage fürchteten, dass die
Buchhandelsketten die "
Daumenschrauben" noch stärker anziehen könnten.
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