Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
20.11.2006. Welcher Countdown beim Börsenverein schon sechs Monate dauert. Wieso man beim Bügeln "Wallensteins Tod" hören sollte. Wie Weltbild und Quelle anbandeln. Und ab wann der iPod bei Dussmann gefüllt werden kann.

buchreport.express

Über den Korb des Bundeskartellamts für den Börsenverein hat das Verbandsblatt schon in der vergangenen Woche berichtet (siehe Buchmacher vom 13.11.2006 im Archiv). buchreport legt mit einem Aufmacherartikel nach. Hintergrund: Auf Anregung des Sortimenterausschusses sollten die Kartellwächter Konkretisierungen des Preisbindungsgesetzes vornehmen - und sich dabei besonders für eine Höchstrabattgrenze von 50 Prozent aussprechen, damit die großen gegenüber den kleinen Buchhandlungen beim Konditionenpoker mit den Verlagen nicht übervorteilt werden. Der "verbleibende Restwettbewerb" der Buchhändler auf der Nachfrageseite sei "besonders schützenswert", begründeten die Beamten ihre Absage. Als Konsequenz sieht buchreport, dass die Filialisten ihren Abstand zu den kleinen Buchhandlungen noch vergrößern werden, weil sie mehr als 50 Prozent Rabatt fordern können. Für die Verlage könnten sich die Kalkulation und Margen verändern.

"Wir spielen kein Wunschkonzert", begründet Andreas Meier, Noch-Chef des Minifilialisten Potthoff in Bergisch Gladbach (vier Filialen), den Verkauf dreier Standorte an Thalia. Der Konzentrationsprozess im Buchhandel habe den Impuls gegeben. So ganz schlau wird der Leser aus den Ausführungen nicht, denn einerseits ist Potthoff mit großem Abstand lokaler Marktführer, zum anderen hat der 52-jährige Buchhändler erst vor drei Jahren viel Geld in eine 1250 Quadratmeter-Filiale gesteckt. Die Zukunft des Unternehmens und der Mitarbeiter werde so langfristig gesichert, führt Meier im Gespräch mit buchreport etwas schwammig aus.

Zum neuen Kochtopf noch das passende Kochbuch? buchreport stellt die neue Kooperation von Weltbild und quelle.de vor - die Augsburger haben unter der Domain der KarstadtQuelle-Tochter einen Online-Shop für Bücher, CDs und Filme eröffnet; Kunden bestellen bei quelle.de und werden von Weltbild beliefert; bis 2007 sollen 500000 Artikel verfügbar sein. Bahnt sich da auch eine Zusammenarbeit im stationären Geschäft (bei Quelle oder Karstadt) an? Was für buchreport nahe liegt, wird bei Karstadt noch als "reine Spekulation" abgetan.

Weitere Themen: Der im Juli begonnene Abstecher von Weltbild und Best of Books im Lebensmittelhandel und in Warenhäusern ist inzwischen auf acht Filialen ausgeweitet worden (sechs HIT- sowie drei familia-Standorte). Ab Dezember nimmt das Kulturkaufhaus Dussmann vier Download-Stationen für Hörbücher in Betrieb. Das von claudio.de (Gesellschafter ist u.a. Focus) und dem Gerätehersteller Asap konzipierte Gerät ermöglicht, Hörbücher auf einen MP3-Player oder aufs Handy zu laden. Zur Suhrkamp-Krise fasst buchreport die relevanten Zeitungsartikel und Pressemitteilungen zusammen - und kommt zum Fazit, dass eine Übernahme der Reinhart-Anteile durch Suhrkamp unwahrscheinlich sei (u.a., weil der Verlag dafür kein Geld hätte). So früh wie noch nie ist der britische Buchhandel ins Weihnachtsgeschäft gestartet - seit 19. Oktober schaltet der Branchenprimus Waterstone's wöchentlich von Mittwoch bis Samstag 20-Sekunden-Fernsehspots. Im Kommentar hält Rainer Uebelhöde angesichts der "rasanten Konzentrationsprozesse" (Aufhänger ist die Übernahme von Potthoff durch Thalia) den Finger in den Wind und kommt zu dem Schluss, dass dieser immer rauer wird. Und hier die Bestsellerlisten.
Stichwörter: Suhrkamp, Mp3

Börsenblatt

Beinahe wöchentlich meldet das Börsenblatt, dass die Vorbereitungen zum Start der Branchenplattform "Volltextsuche Online" (der Buchmessegänger erinnert sich vielleicht an die albernen wandelnden Hostessen-Leuchttürme, die Werbung für vto gemacht haben - weil die Plattform eben das "Leuchtturmprojekt" des Börsenvereins ist) fast abgeschlossen sind - diesmal mit der Schlagzeile "Countdown läuft". Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht daran, dass der Börsenverein im Mai unter der Überschrift "'Volltextsuche online' startet ab sofort" die Kooperation mit der Holtzbrinck-Tochter HGV bekannt gegeben hat (hier die Mitteilung). Und dass Vorsteher Gottfried Honnefelder damals sagte: "Wir gehen davon aus, dass die notwendigen finanziellen und technischen Details sehr kurzfristig mit dem Dienstleister geklärt werden können." Geschlagene sechs Monate später erfährt der Leser nun, dass "letzte Details zur Vertragsunterzeichnung" noch geklärt werden müssen. Freilich schweigt sich das Börsenblatt über Details der Verzögerung aus, meldet stattdessen jedoch, dass die Verlage 11000 Titel für vto "angekündigt" hätten - was immer "angekündigt" heißen mag.

Auf die Frage, wie die Buchhändler von vto profitieren können, entwirft der Sortimenter Manfred Keiper das Szenario, dass er für den Kunden einzelne Kapitel zusammenstellt und "Print-on-Demand" druckt. Demgegenüber bleibt Buchhändlerkollege Manfred Queißer skeptisch - man könne dadurch nur mehr Kompetenz erwerben, um mit dem Kunden "auf Augenhöhe" zu kommunizieren".

Passend zum Thema "Der Faktor Zeit im Börsenverein": Im Editorial fordert Börsenblatt-Chef Torsten Casimir mit einigen argumentatorischen Umwegen und vorsichtigen Volten eine "schnelle, gründliche Gremienarbeit" im Börsenverein. Und begründet dies mit seinen Eindrücken bei der Sitzungswoche rund um die Abgeordnetenversammlung- im Speziellen mit dem "Überdruss an Palaver" und der zunehmenden "Müdigkeit, produktiv zu streiten" die in den Gremien zu spüren gewesen seien.

Im Kommentar spricht sich der FAZ-Kritiker Wolfgang Schneider für das Medium Hörbuch aus. Pro Tag lausche er rund eine Stunde dem gesprochenen Wort, so etwa beim "Bügeln mit 'Wallensteins Tod'". Das Medium bringe einen Zeitgewinn, weil man sich in Werke vertiefe, "für die sonst eben keine Zeit wäre."

Ein Lichtblick für die Serie zur Zukunft des Lesens: Im Interview mit Sabine Cronau berichtet der Schriftdesigner Erik Spiekermann von seiner Krankheit Typomanie, die unheilbar, aber nicht tödlich sei - er könne einen Text nur lesen, wenn er wüsste, in welcher Schrift er gesetzt ist. Im Urlaub am Meer sei es eine gute Therapie, "mal ganz unscharf gucken zu können". Die Verlage erhalten für ihre Schriftenwahl größtenteils Lob vom Designer, nur die Taschenbuchverlage seien gut beraten, sich für wiederkehrende Reihen eine "vernünftige Typografie" zuzulegen.

Weitere Themen:

Nach einem jetzt rechtskräftigen Urteil des Landgericht Darmstadt kann ein Flatrate-Kunde von seinem Provider die Löschung seiner Nutzungsdaten (z.B. IP-Adressen) fordern - dadurch wird Verlagen und Musiklabels jedoch die Möglichkeit genommen, Urheberrechtsverstöße im Internet zu verfolgen. Sabrina Gab und Stefan Hauck fassen den Machtkampf bei Suhrkamp anschaulich zusammen. Stefan Hauck interviewt Marianne Rübelmann, die die Geschäftsführung beim Beltz Verlag von ihrem Vater Manfred Beltz Rübelmann übernommen hat. Im "Menschen"-Ressort porträtiert Wolfgang Schneider den Ex-Lehrer und Werbetexter Martin Kluger, dem mit dem Roman "Die Gehilfin" der Durchbruch als Schriftsteller gelungen sei. Den "Fragebogen" hat der Dichter Uwe Kolbe ausgefüllt.
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