Seit über vier Wochen ist der
Bundestag Ziel eines
Hackerangriffs, und solange es nicht gelingt, die
Spähsoftware unschädlich zu machen, fließen weiter Daten aus dem Bundestagsnetz ab,
berichten Annett Meiritz und Fabian Reinbold auf
Spiegel Online: "Bislang abgeflossen sein sollen zwar lediglich Daten "in geringer
zweistelliger Gigabyte-Größe", heißt es. Allerdings suchten die Angreifer wohl gezielt nach Systempasswörtern, Word-Dokumenten und lokal abgespeicherten E-Mails. Die Tür ist damit
prinzipiell offen, um beliebige Systeme des Bundestages, die Zugangsdaten der Fraktionen, Abgeordneten und Bundestagsmitarbeiter auszuspähen, oder die Administratorenrechte an sich zu reißen."
So unklar wie die Zahl der infiltrierten Rechner - die Angaben schwanken zwischen
20.000 und 15 - ist die Frage, wer dem Bundestag aus dieser Lage helfen soll,
schreibt Malte Kreutzfeldt in der
taz: "Dass sich das Parlament beim Aufbau seines Computersystems komplett in die Abhängigkeit von Bundesbehörden wie dem
Verfassungsschutz oder dem BSI begibt, dürfte auf Vorbehalte stoßen - schließlich ist die Gewaltenteilung zentral für die Demokratie. Und auf große US-Konzerne mag der deutsche Gesetzgeber
in Zeiten der NSA-Abhöraffäre vermutlich auch nicht uneingeschränkt vertrauen." Ebenfalls in der
taz listen Falk Steiner und Erik Peter noch einmal alle gesicherten Erkenntnisse über den Fall auf.
Wer hinter dem Angriff steht, ist momentan noch völlig offen, aber es gibt einen ersten Verdacht,
meldet Lisa Caspari auf
Zeit digital: "Nach Informationen der
Deutschen Presse-Agentur mehren sich die Hinweise, dass der Hacker-Angriff
aus Russland gesteuert wurde. Auch der Verfassungsschutz hält es für möglich, dass ein anderer Staat hinter der Attacke steckt. Er habe die Sorge, "dass es sich um einen Cyber-Angriff eines
ausländischen Nachrichtendienstes handelt", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Donnerstag." Dazu passt, dass auch die Spur des Hackerangriffs auf
TV5Monde nach Russland zu führen scheint, wie
L"Express informiert.
Unabhängig von der akuten Attacke wird heute im Bundestag über das "Gesetz zur
Erhöhung der Sicherheit informationstechnischer Systeme" abgestimmt,
berichtet Anna Biselli auf
netzpolitik.org und argumentiert ausführlich, warum das Gesetz in seiner jetzigen Form unzureichend ist. Ihr Fazit: "IT-Sicherheit wird dadurch nicht erhöht, sondern
simuliert."