Auf
Zeit digital werten Patrick Beuth, Kai Biermann und Lisa Caspari die Dokumente aus, die die Ausspähung mehrerer französischer Präsidenten durch die NSA belegen, und fassen die
wichtigsten Fakten zusammen: "Die von WikiLeaks veröffentlichte
Liste beinhaltet das Handy der französischen Präsidenten, Nummern aus Ministerien und von Staatssekretären, Beratern und Sprechern. Manche Überwachungsaufträge reichen bis ins Jahr 2002 zurück und gelten zum Teil bis heute. Zusätzliche Angaben verraten, dass die NSA unter anderem etwas über
Frankreichs Afrika-Politik wissen wollte sowie über internationale Finanzpolitik. Damit belegen die Dokumente erneut, dass die NSA durchaus
Wirtschaftsspionage betreibt, auch wenn sie es nicht auf Geschäftsgeheimnisse bestimmter Unternehmen abgesehen haben mag."
Die Veröffentlichung der Wikileaks-Dokumente geschah kurz bevor die Abgeordneten des Parlaments über eine "
Antiterrorgesetzgebung" abstimmten, die den französischen Diensten massive Überwachungsmittel gewährt,
berichtet Rudolf Balmer in der
taz. In einem begleitenden Kommentar
ärgert er sich, dass die Reaktion auf Überwachung stets mehr Überwachung heißt: "Statt hinter dem Rücken Washington beim
Ausspionieren der engsten Freunde zu helfen, wäre jetzt eigentlich Solidarität im Kampf gegen die Überwachungsmanie der USA angesagt. Dazu müssten die europäischen Staaten aber selbst mit gutem Beispiel vorangehen, vor allem was Transparenz angeht, statt offiziell oder klammheimlich den
Überwachungsstaat auf Kosten der Freiheit der eigenen Bürger weiter auszubauen."
"
Doppelmoral par excellence"
bescheinigt Anna Biselli auf
netzpolitik.org der französischen Regierung, die es fertigbringt, sich am selben Tag über Überwachung zu empören und die eigenen Befugnisse auszuweiten: "Das Gesetz sieht
massive Erweiterungen von Überwachungskompetenzen für Geheimdienste vor. Etwa eine Verpflichtung der Provider, Black Boxen in ihren Rechenzentren aufzustellen, die Kommunikationsmetadaten mitschneiden und mit vorher eingestellten Filtern nach "auffälligen" Mustern suchen. Dazu kommt die Berechtigung,
Keylogger auf Rechnern zu installieren sowie Kameras und Aufnahmegeräte bei Verdächtigten zu platzieren. Geändert wurde die Berechtigung, Ausländer in Frankreich
ohne jegliche Kontroll- und Aufsichtsinstanz überwachen zu dürfen."