Der österreichische Nationalratsabgeordnete Peter Pilz hat
auf seiner Facebookseite Belege für die
Überwachung des österreichischen Datenverkehrs durch den BND veröffentlicht,
berichtet Fabian Schmid im
Standard: "In dem Schriftverkehr informiert ein Mitarbeiter der Deutschen Telekom seinen Kontakt beim BND, dass nach der "großen Umschaltaktion" die Strecke Luxemburg-Wien nun wieder
abgeschöpft werden könne." Gegenüber
netzpolitik.org kündigt Peter Pilz an: "Ich komme am Dienstag nach Berlin und bringe bereits
ausformulierte Strafanzeigen gegen eine Reihe konkreter Personen mit, von Deutscher Telekom, Bundesnachrichtendienst und Bundeskanzleramt. Wir werden klarmachen, dass Angela Merkels Satz "
Ausspähen unter Freunden - das geht gar nicht" auch gilt."
Hinweise auf eine Überwachung österreichischer Ziele hatten bereits vor einigen Wochen die
Selektoren gegeben, mit denen die NSA dem BND bestimmte Ausspähziele vorgibt. Während der
Spiegel meldet, dass mehr als doppelt so viele der gegen
europäische Ziele gerichteten Selektoren verwendet wurden als bislang angenommen,
macht sich Wolfgang Gast in der
taz keine Hoffnungen, dass die Bundesregierung die im
NSA-Untersuchungsausschuss angeforderte Selektoren-Liste herausgeben wird: "Die Kanzlerin will sich artig um ein positives Votum bei dem Bündnispartner kümmern. Klar, der wird ablehnen. Und dagegen kann niemand von Deutschland aus ernsthaft etwas unternehmen. Aber Merkel hat sich bemüht,
nach bestem Wissen und Gewissen, versteht sich, mit dem gewohnt sicheren Gefühl für die Lage: dass nämlich das Gros der deutschen Bevölkerung
ganz andere Sorgen hat."
Andere Sorgen hat auch die Bundesregierung selbst. Wie Maik Baumgärtner, Sven Röbel und Jörg Schindler auf
Spiegel Online berichten, wurde der Bundestag diese Woche Ziel eines
Cyberangriffs: "Inwiefern auch Datenspeicher mit
hochsensiblen Informationen - etwa von Regierungsmitgliedern - von dem Angriff betroffen sind, war zunächst unklar. Bereits am Freitagvormittag hatten die IT-Abteilungen mehrerer Bundestagsfraktionen ihre Abgeordneten und Mitarbeiter über den "Sicherheitsvorfall" im Datennetz des Parlaments in Kenntnis gesetzt. Sicherheitshalber seien Teile des Bundestagssystems
zeitweise heruntergefahren worden. Darunter fallen offenbar auch Laufwerke des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der BND/NSA-Spionageaffäre." Auf
Zeit digital informiert Johannes Wendt über die Hintergründe.
Neues gibt es derweil von der
Vorratsdatenspeicherung.
Netzpolitik.org veröffentlicht den vom Justizministerium erarbeiteten "Entwurf eines Gesetzes zur Einführung einer Speicherpflicht und einer Höchstspeicherfrist für Verkehrsdaten" und ruft zum Widerstand auf: "Die
anlasslose Massenüberwachung der Telekommunikation darf nicht wiederkommen!"