Erst kürzlich wurde ein Mordanschlag gegen die iranische Aktivistin
Masih Alinejad vereitelt, die unter Polizeischutz in den USA lebt. Es ist nicht der erste Versuch des Mullah-Regimes, sie zum Schweigen zu bringen. Im
Welt-Interview mit Philip Kollmann-Schluck fordert sie ein entschiedeneres Vorgehen der Weltgemeinschaft gegen die Mullahs und erklärt, warum die so viel Angst vor ihr haben: "Weil sie Angst vor einer Frau haben, die Nein zu ihnen sagt. Sie wissen, dass wir Frauen nichts zu verlieren haben. Wenn wir entschlossen sind,
werden wir dieses Regime beenden. Ich erstelle Hashtags, zuletzt
#mycameraismyweapon. Frauen fotografieren die Brutalität des Regimes. Obwohl im Iran zehn Jahre Haft darauf stehen, mit mir in Kontakt zu treten, schicken mir viele Frauen ihre Aufnahmen. Das Regime will mit den USA und Deutschland verhandeln, um sein
eigenes Überleben zu sichern, weil es wirtschaftlich in einer tiefen Krise steckt. Aber mit uns will es sich nicht treffen. Weil wir Frauen seine Sprache sprechen und wissen, dass das Regime nicht reformierbar ist."
In der
NZZ blickt Werner J. Marti nach
Mexiko: Präsidentin
Claudia Sheinbaum, die seit Oktober im Amt ist, hat eine "Supermehrheit" in der Legislative, was es ihr erlauben würde, "nach Belieben die Verfassung zu ändern". Könnte sich Mexiko in eine "Tyrannei" verwandeln? Für eine politische Krise sorgt derzeit schon eine Verfassungsänderung, die bestimmt, dass
7.000 Richterstellen durch Volkswahl bestimmt werden sollen: "Für viele Justizbeamte, die Opposition und die Investoren hat dies zur Folge, dass die Richter nicht mehr anhand ihres Fachwissens ausgewählt werden, sondern anhand ihrer politischen Überzeugungen. Für die Kritiker führt dies dazu, dass die
Justiz nicht mehr unabhängig ist, und damit zur Abschaffung der Gewaltenteilung. Der Streit hat inzwischen zu einer eigentlichen Staatskrise geführt. Viele Justizbeamte sind im Oktober aus Protest gegen die Verfassungsänderung in einen
Streik getreten, während Regierungsbeamte drohen, gewisse Entscheide der Justiz nicht mehr umzusetzen. Die Auseinandersetzung ist Gift für Mexikos Demokratie. Für das Land wäre es deshalb unbedingt nötig, dass beide Seiten einen Kompromiss suchen. Sheinbaum ist mit ihrer Supermehrheit am längeren Hebel. Eine anhaltende Konfrontation wird sie nur dazu verleiten, ihre Macht noch weiter auszubauen."
Saad Mohseni ist Chef der Moby-Gruppe, die in Afghanistan mehrere Fernseh- und Radiosender betreibt. Im
FAZ-Interview mit Friederike Böge erzählt er vom ständigen "Tauziehen" mit den Taliban. Noch gibt es Sendungen, wie zum Beispiel Bildungsprogramme für Mädchen, die nach dem zwölften Lebensjahr nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Es könnte aber auch von heute auf morgen zu einem Verbot kommen, meint Mohseni. Die Taliban zu boykottieren hält er für keine gute Idee: "Ich habe mit Regierungsvertretern in Berlin darüber gesprochen, dass sie auf diese Weise afghanischen Mädchen und Frauen nicht helfen. Wir machen gerade eine Umfrage. Auf anekdotischer Basis kann ich sagen: 80 bis 90 Prozent afghanischer Frauen wollen, dass die internationale Gemeinschaft sich mit den Taliban auseinandersetzt. Die Sanktionen
bestrafen nur die Bevölkerung. Ich habe noch keinen Talibanführer gesehen, der Gewicht verloren hat."
Christoph Koopmann schaut sich für die
SZ ein Tattoo des neuen amerikanischen Verteidigungsministers
Pete Hegseth an. Auf Hegseth' Brust prangt ein sogennantes "
Jerusalem-Kreuz", Symbol der Tempelritter. Das ist mehr als ein Glaubensbekenntnis, so Koopmann: "Die Kreuz- und Tempelrittersymbole sind längst Teil der
neurechten Popkultur geworden, man könnte sagen: als Gegenentwurf der Neonazis zum 'Allahu Akbar' der Dschihadisten. Übrigens war es US-Präsident George W. Bush, der kurz nach den Anschlägen des 11. September den nun zu beginnenden Kampf gegen den islamistischen Terror einen 'Kreuzzug' nannte. Das Bild vom Kreuzzug nahmen alle möglichen Rechtsextreme gern auf, sie wollen ihn nur eben nicht ausschließlich gegen militante Islamisten führen, sondern gleich
gegen alle Muslime und gegen alle, die diesen auch nur irgendwie freundlich begegnen. In dieses Gedankengebilde passt auch der Fetisch der europäischen und speziell deutschen Rechtsradikalen, dass das angeblich so christliche Abendland unbedingt zu retten sei. Am Ende läuft auch das auf nichts anderes hinaus als die Vertreibung der Muslime (und aller, die Rechtsextreme dafür halten)."