In der
NZZ kritisiert die Göttinger
Ethnologin Brigitta Hauser-
Schäublin das politische Manifest von
Benedicte Savoy und
Felwine Sarr, die mehr oder weniger verlangten, "
alle Sammlungen in französischen Museen, die während der Kolonialzeit in Afrika angelegt wurden, müssen
zurückgegeben werden", so Hauser-Schäublin. Diese Maximalforderung lasse sich aber nur stellen, wenn man wie Savoy und Sarr nicht mehr von "
Kulturgütern" spricht, wie die UNO, sondern von "
kulturellem Erbe": "Dieser Begriff suggeriert eine direkte quasiverwandtschaftliche Beziehung zwischen Erblasser und Erbe (etwa Vater und Sohn) und impliziert einen vorbestimmten und rechtmäßigen Eigner (propriétaire légitime): die Nachfahren der ehemaligen Besitzer des Kulturguts. Darauf aufbauend, verwenden Savoy und Sarr einen
Eigentumsbegriff, der den komplexen künstlerischen, spirituellen, soziopolitischen und performativen Rechten und der multiplen Teilhabe an Artefakten im (früheren) afrikanischen Kontext nicht gerecht wird."
Erstaunlich ist auch, wie wenig die Mutter des Kolonialismus,
Britannien, bisher auf den
Restitutions-
Streit reagiert. Im
Guardian - sonst in Moralfragen immer ganz vorne - gab's vor einigen Tagen ein windelweiches
Editorial zu Rückgabeforderungen: "Es ist sinnlos vorzugeben,
einfache pauschale Regeln oder einfache Antwortmöglichkeiten seien möglich. Es ist sinnlos vorzuschlagen, alle Objekte, die sich in Museen befinden, an ihren Ursprungsort zurückzubringen; in den meisten Fällen wäre es sowohl unmöglich als auch unerwünscht (denken Sie an die griechischen Skulpturen, die von römischen Eroberern erworben wurden, die sich heute in italienischen Museen befinden). Zu behaupten, dass nichts zurückgegeben werden darf, ist ebenso absurd: Es gibt Tausende von Objekten, die allein in Großbritannien verstreut sind, und nur sehr wenige unterliegen Rückerstattungsansprüchen - es besteht
keine unmittelbare Gefahr von
Après moi le déluge." Kurz: Man müsse
erst mal erforschen, was wie ins Land gekommen sei.
Derweil
fordert Hermann Parzinger, Präsidient der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, laut
Tagesspiegel/dpa die Einrichtung von
Strukturfonds für Museen in ehemals kolonisierten Ländern: "'Wir sollten nicht in einer
leicht neokolonialen Geste einfach den Bau von Museen anbieten, sondern zunächst genau fragen, was unsere Partnerländer wirklich an Unterstützung brauchen.' Auch beim Kulturerhalt komme es auf
Hilfe zur Selbsthilfe an. 'Wir müssen die Museen in die Lage versetzen, ihre Aufgaben erfüllen zu können. Sie wissen sehr genau, was sie dafür brauchen.'"